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VOLLER LICHT und flirrend grün


Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 20.03.2020

Jedes Jahr aufs Neue verwandelt der Frühling den norddeutschen Elm-Lappwald in einen magischen Ort des Neubeginns: leuchtend grün und fast unwirklich hell


Frühling im Elm-Lappwald

Artikelbild für den Artikel "VOLLER LICHT und flirrend grün" aus der Ausgabe 4/2020 von Lust auf Natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 4/2020

Das Purpur-Knabenkraut wächst auf besonders kalkhaltigen, locker lehmigen Standorten im Buchenwald


Die weißen Flecken im Rehkitzfell dienen der besseren Tarnung


Immer wachsam: der Mäusebussard


Der Gelbe Frauenschuh ist eine geschützte Orchideenart


Elm-Lappwald

500 Kilometer markierte Wanderwege und 600 Kilometer Radwege durchziehen den Naturpark Elm-Lappwald. Dazu gehören Themenwege wie der Eulenspiegel-Wanderweg auf den Spuren des ...

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... Spaßmachers oder geschichtliche Radtouren wie die Grenzenlos Radtour an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Besonders idyllisch und bei Ausflüglern beliebt ist das Reitlingstal im Elm mit seinen mit Quellwasser gespeisten Teichen; im Lappwald lockt das Brunnental. Der Tetzelstein im Elm nahe der gleichnamigen Waldgaststätte erinnert an den katholischen Ablasshandel zu Beginn des 16. Jahrhunderts, als die Reformation ihre Schatten vorauswarf.Der niedersächsische Naturpark Elm-Lappwald in den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel gehört zum UNESCO- und Europäischen GeoPark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen.

www.elm-lappwald.de

Der Elm erhebt sich als bewaldeter Höhenzug am Rande des nordeutschen Tieflandes


Vielleicht sind der Elm und der Lappwald am schönsten, wenn im zeitigen Frühjahr die Sonne durch das gerade ausgetriebene Buchenlaub fällt. Wenn der eben noch graubraune Boden plötzlich über und über mit weißen und gelben Blüten bedeckt und die Luft voller Energie ist, das frische Grün geradezu flirrt. Der Frühling ist hier eine magische, weil schmerzlich vergängliche Zeit des Neubeginns: Die zarten Buchenblätter bleiben nur ein, zwei Wochen lang so zauberhaft hell. Dann dunkeln sie nach.

Größter Buchenwald Norddeutschlands

Der Elm-Lappwald gilt als größter Buchenwald Norddeutschlands. Und vielen auch als schönster. Bewaldete Höhenzüge in welliger Landschaft prägen diesen Teil Niedersachsens östlich von Braunschweig. Aus der Luft betrachtet ragt der Elm zusammen mit dem Lappwald an der Grenze zu Sachsen-Anhalt wie eine große, grüne Insel aus der landwirtschaftlich geprägten Landschaft heraus. Vor allem Rot- und Hainbuchen wachsen auf dem 25 Kilometer langen und mehrere Kilometer breiten Rücken, immer wieder durchbrochen von Offenland. Einst Zonenrandgebiet im Dornröschenschlaf, liegen die Höhenzüge zwischen der Lüneburger Heide und dem Harz heute wieder mitten in Deutschland.

Mehr als 800 Pflanzenarten

Die Frühblüher müssen sich sputen. Bevor im Frühling die Buchen Laub treiben, sprießt innerhalb weniger Tage ein dichter, grüner Teppich auf dem Waldboden. Unzählige weiße, gelbe und violette Blüten tupfen Farben hinein. Buschwindröschen, Märzenbecher, Scharbockskraut, Lärchensporn und Veilchen blühen, bevor sich das Blätterdach über ihnen schließt. Den Rest des Sommers erreicht an vielen Stellen nur noch Zwielicht den Waldboden. Aber nicht nur die Frühblüher sind zahlreich vertreten. In den weiten Waldflächen und auf den Höhenzügen den Wiesen, Weiden und Kalk-Magerrasen, Mooren und Heiden, Quellflüssen, Tümpel und Seen von Elm und dem teilweise schon in Sachsen-Anhalt gelegenen Lappwald wachsen mehr als 800 Pflanzenarten. Zehn Prozent von ihnen gelten als gefährdet. Im 1977 gegründeten Naturpark stehen zwei Prozent der insgesamt 470 Quadratkilometer als Naturschutzgebiet unter ganz besonderer Obhut. Fast die Hälfte der Fläche ist zudem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, hier darf der Charakter der Landschaft nicht verändert werden

Orchideen, Dachse und Rehwild

Wer mit offenen Augen durch Elm und Lappwald streift, entdeckt manch typische und mit etwas Glück auch seltene Tiere und Pflanzen: Auf den Kalkrücken mit Halbtrockenrasen wachsen Orchideen wie Weißes Waldvögelein und Grünliche Waldhyazinthe. Ihre Blüten verströmen vor allem in der Dämmerung einen wachsähnlichen Duft und locken damit Nachtfalter an, die für die Bestäubung sorgen. Die Insekten saugen mit ihrem langen Rüssel Nektar, die klebrige Pollenmasse setzt sich dabei auf ihre Augen. Weiße Lichtnelke und Kornblume schmücken die Feldraine. Rotkehlchen lassen ihre hohen, perlenden Gesänge hoch oben in den Buchenzweigen hören, Bussarde kreisen am Himmel. Nur selten zeigen sich scheue Baummarder, die manchmal die Höhlen von Schwarzspechten in alten Buchen zur Aufzucht ihrer Jungen beziehen, oder Dachse.

Deutlich öfter sieht man da schon Rehe, die vor allem in der Dämmerung am Waldrand auf den Feldern nach Nahrung suchen.

Fruchtbarer Löss im Ostfälischen Hügelland

Die Höhenrücken von Elm und Lappwald haben sich wie alle Höhenzüge des nördlichen Harzvorlandes durch Salzaufstieg gebildet. Dadurch stellten sich die Gesteinsschichten des Erdmittelalters fast senkrecht; an exponierten Stellen ist die schräge Schichtung bis heute gut zu erkennen. Muschelkalke wie der Trochitenkalk mit zahlreichen Fossilfunden sind häufig, Fachleute halten den Elm gar für einen der größten Seelilienfriedhöfe der Welt. Gut 320 Meter ragen die Höhenzüge im Ostfälischen Hügelland auf. Der Boden ist hier in weiten Teilen ausgesprochen fruchtbar: Auf der bis zu drei Meter mächtigen Lössschicht wächst dichter Laubwald mit Eichen-, Hainbuchenwäldern und Bruchwäldern auf den eher nassen, niedermoorigen Gebieten im Norden des Naturparks und reinen Buchenwäldern mit überwiegend Rotbuchen im Süden.

Von der Steinzeit bis zur Gegenwart

Lange schon prägt auch der Mensch die Region. Die beeindruckendsten Zeugen frühgeschichtlicher Besiedlung sind Hügelgräber aus dem 6. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Die uralten Grab- und Kultstätten finden sich an mehreren Stellen rund um den Elm, der mystische Tumulus bei Klein Vahlberg ist einer der bekanntesten unter ihnen. In Evessen erhebt sich ein solcher Hügel gar mitten im Dorf, gekrönt von einer 800 Jahre alten Linde. Und spektakuläre Funde aus der Altsteinzeit in einem Tagebau bei Schöningen haben das Bild des frühen Menschen komplett auf den Kopf gestellt: Besonders bemerkenswert sind mehrere gut erhaltene Holzspeere, sie sind die ältesten jemals gefundenen Jagdwaffen der Menschheit. Lebten die Bewohner in der mittleren Steinzeit hier vor allem noch als Jäger, Fischer und Sammler, begannen sie dank des fruchtbaren Lössbodens bald auch mit dem Ackerbau. Dafür musste der dichte Wald weichen. An die Zeit der großen Rodungen in den Jahren 900 bis 1200 erinnern bis heute zahlreiche Ortsnamen, die auf -rode enden. Und von der jüngsten Geschichte der deutschen Teilung zeugt im Lappwald das „Grüne Band“ mit seiner markanten Kiefernpflanzung an die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Auch der alte Kolonnenweg, auf dem bis 1989 die DDR-Grenzer patroullierten, ist aus der Luft noch gut erkennbar.


Im milden Abendlicht mutet der luftige Buchenwald fast feierlich wie eine riesige Natur-Kathedrale an


Erhabener Hallenbuchenwald

Die Buchen wachsen an manchen Stellen im Elm-Lappwald scheinbar in den Himmel. Ohne Büsche oder andere kleinere Bäume präsentiert er sich als erhabener Hallenbuchenwald. Die alten Stämme trotzen Jahr für Jahr Wind und Wetter und im milden Abendlicht mutet der luftige Buchenwald fast feierlich wie eine riesige Natur-Kathedrale an. Weit trägt der Vogelgesang. Doch selbst in diesem scheinbar so aufgeräumten Wald finden sich immer wieder kleine Wildnis-Inseln, etwa im Totholz. Absterbende und tote Bäume bieten einer Vielzahl unterschiedlicher Insekten Lebensraum, von Käfern über Fliegen und Mücken bis zu den winzigen Springschwänzen. Aber auch Vögeln wie den Schwarz- und Buntspechten, die eine kranke, geschwächte Buche erkennen, lange bevor der Verfall für den Menschen offensichtlich wird, und ihre Höhlen in den Stamm meißeln. In der Folge besiedeln weitere Vogel- und Säugetierarten das Holz als Bruthöhle, Wochenstube oder Winterquartier, etwa Meisen und Kleiber sowie Eichhörnchen, Siebenschläfer und Fledermäuse. Und wenn der marode Baum schließlich umstürzt? Wo Altholz liegenbleiben darf, blüht im Kleinen eine überraschende Vielfalt an Leben auf. Hier finden Salamander, Kröten, Eidechsen und kleine Schlangen im verrottenden Holz Schutz. Dann sind es die so entstandenen kleinen Lichtinseln am Boden, auf denen das Wunder der Naturverjüngung geschieht: Wo ein großer Baum eine Lücke reißt, kommen so schnell kleine Buchen auf, als hätten sie auf genau diesen Moment gewartet. Im Elm-Lappwald lässt sich dieses hellgrüne Wunder des Lebens jetzt im Frühling besonders gut beobachten

Anke Benstem

Die Lübbensteine, ein Großsteingrab aus der Jungsteinzeit


Weit strecken sich die Buchen dem Licht entgegen, alte Buchen bilden einen „Hallenwald“


Natur pur

Niedersachsen steht für lebendige Dörfer und Städte und für historisch gewachsene Kulturlandschaften. Doch wie geht es der Natur? Gibt es noch unberührte Wildnis in Deutschlands Nordwesten?
Die mehrfach ausgezeichneten niedersächsischen Naturfotografen Jürgen Borris, Willi Rolfes und Bernhard Volmer haben sich mit der Kamera auf die Lauer gelegt - überall dort, wo wilde Tiere leben, seltene Pflanzen gedeihen und die Natur noch oder wieder ihren Lauf nehmen darf. In diesem Bildband präsentieren sie die schönsten Eindrücke vom Wattenmeer bis zum Harz, von der Lüneburger Heide bis zum Weserbergland.

Wildnis Niedersachsen

Edition Temmen, 220 Seiten mit zahlr. Abb., 24,90 € ISBN 978-3-8378-5038-3


Fotos: Jürgen Borris