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VOLLVERSTÄRKER: Power & Glory


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 06.01.2021

Kraft ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Kraft. Das war schon immer das Credo hinter den Top-Komponenten von Musical Fidelity. Und so verwundert es nicht, dass das Verstärkerflaggschiff M8xi diesbezüglich aus dem Vollen schöpft. Allerdings stehen die Briten auch für musikalischen Fluss und höchst audiophilen Klang. STEREO hat genau hingehört.


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 2/2021


Unbändige Kräfte schränken die klangliche Beweglichkeit ein? Mitnichten!


Wer sich mit dem Musical Fidelity M8xi auseinandersetzt, muss ganz stark sein – oder aber einen Helfer bemühen. Denn 46 Kilogramm vom Boden auf Hüfthöhe zu befördern, fordert den ...

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... ganzen Mann – und auch das tragende Rack. Übliche Regaltiefen von 30 bis 40 Zentimetern reichen bei 51 Zentimetern Tiefe plus Verkabelung auch nicht. Der Standort muss also sorgsam gewählt werden, um Umzüge zu vermeiden. Seinem Gewicht habe ich diesen Test zu verdanken, denn es gab zwar mehrere Freiwillige, ihn zu testen, aber nur einen, ihn physisch zu knechten, wenn Sie mir den Ausflug zu Tolkien gestatten. Noch jedenfalls. Sei’s drum. Tatsächlich ist man bei Musical Fidelity der Ansicht, dass es schier endloser Kraft bedarf, um jeden Dynamiksprung und jeden Lautsprecher bedienen zu können.

Fans werden sich beispielsweise noch an das vor rund 20 Jahren entwickelte Booster-Konzept erinnern. Der M8xi soll dem mit zweimal über 500 Watt an acht und fast 900 Watt an vier Ohm gerecht werden. Da er auch an zwei Ohm nicht schwächelt, sind hier auf Abruf gar bis zu jeweils 1600 Watt möglich. Gemessen haben wir – bei nur 224 Volt Netzspannung im Verlag und an vier Ohm – sage und schreibe 874 Watt Impulsleistung je Kanal. Da wird der M8xi samt der Lastwiderstände buchstäblich zum Grill, und es ginge an 230 bis 235 Volt Netzspannung fraglos auch noch etwas mehr. Klanglich soll sich der neue Bolide an der großartigen, röhrenbestückten Nu-Vista-Baureihe, aber auch den M8-Verstärkerkomponenten des renommierten Hauses orientieren.

Entwicklungsziel war ein kompromissloser Vollverstärker, bestehend aus einem Class-A-Vorverstärker mit möglichst knappen, puristischen Signalwegen und zwei vollständig separaten Mono-Leistungsverstärkern in einem Gehäuse. Als modernes Konzept sollte er zudem über einen – ebenfalls praktisch autarken – HD-PCM-DAC auf Basis eines PCM5242 von Texas Instruments mit bis zu 24 Bit/192 Kilohertz verfügen. Verzichtet wurde auf DSD und MQA, darüber hinaus auch – vernünftigerweise bei solchen Stromfl üssen im Gerät – auf eine Phonosektion sowie eine Klangregelstufe und einen Kopfhörerausgang. Kompromisslose Besitzer können das ja locker als Stand-alone-Lösungen ergänzen. Hier zählten ausschließlich Muskeln, kein Fett.

Vorfahrt für den Klang

Dafür hatte das Entwicklerteam um Simon Quarry und David Popeck buchstäblich freie Bahn, ganz im Sinne des neuen Musical Fidelity-Eigentümers Heinz Lichtenegger, selbst als Gründer und Chef von Pro-Ject ein Urgestein der Branche. Die meisten werden nicht wissen, dass Lichtenegger und MF-Gründer Anthony Michaelson befreundet sind und Pro-Ject-Ingenieure schon seit etwa zehn Jahren an Digitaltechnologie und Software der Musical-Komponenten mitwirken.

Der Vorstufenteil ist von sehr hoher Qualität, die Lautstärke regelt ein PGA2320 von Texas Instruments mit präzise angepasstem Positionsdämpfer, die Haptik des Stellers ist großartig, gemessen haben wir zudem einen Kanalgleichlauf von <0,1 dB! Doch eigentlich besteht dieser Vollverstärker im Wesentlichen noch eher aus zwei Mono-Endstufen mit eigener, üppiger Stromversorgung (Ringkerntrafos) und auf separaten Kühlkörpern, bei denen mit paarweise selektierten, bipolaren Darlington-Endtransistoren Sanken STD-03N und STD-03P schon mal geradezu paradiesische Voraussetzungen für die Kraftentfaltung geschaffen wurden.

Der ansonsten eher puristische M8xi bietet mannigfaltige analoge wie digitale Anschlüsse für Quellgeräte inklusive Heimkinoanbindung (Endstufeneingang für die Frontkanäle).

Zudem haben wir es beim Leistungsverstärker topologisch mit einem vollsymmetrischen Brückendesign zu tun. Ursprünglich von keinem Geringeren als James Bongiorno für „Ampzilla“ ersonnen, ist dieses besondere Konzept heute beispielhaft für eine Art Schraubstock, bei dem der Verstärker den Lautsprecher praktisch mit zwei „heißen“ Polen unter seine Kontrolle bringt. Es gibt bei dieser Brückenschaltung also keinen „schwarzen“ oder Minus/Masse-Pol im üblichen Sinne.

Von Vorteil sind neben der immensen Kontrolle über die angeschlossene Last relativ geringe Spannungen in der Stromversorgung, aber trotzdem enorme Leistungen am Ausgang. Ich darf anmerken, dass ich ein Fan dieser Verstärkerschaltung bin und mehrere solcher Verstärker (GAS Grandson, SAE XXXIB, Sansui B-2101, SUMO Andromeda) besitze. Man muss nur aufpassen, dass man beim Messen, aber auch beim Anschluss mit der gewissermaßen „fl oatenden“ Masse zurechtkommt. Das ist normalerweise kein Problem, aber die Anleitung des M8xi weist beispielsweise darauf hin, dass man weder Aktivboxen noch Subwoofer über eventuell vorhandene High Level-Anschlüsse, also die Lautsprecherausgänge solcher Brückenverstärker, anschließen darf.

Gleichwohl puristisch gehalten, bietet der M8xi neben dem Notwendigen auch ein wenig Luxus wie eine Stummschaltung (Mute) an der Fernbedienung, ein dimmbares Display oder auch einen umschaltbaren Eingang, der für Heimkinoanwendungen oder Bi-Amping den Lautstärkeregler aus dem Signalweg nimmt und so einen direkten Zugang zur Endstufe herstellt. Sehr praktisch. Bi-Amping mit zwei M8xi, was für eine extrem verführerische Idee …

Auch optisch ist der wahlweise in Schwarz oder Silber erhältliche Musical Fidelity ein Genuss, der mit seiner symmetrischen Front eine hohe Wertigkeit ausstrahlt. Auch ohne ihn anzuheben ;-) Apropos, hier gibt es doch einen Kritikpunkt, denn auch wer eher Chirurgenhände als Wurstfi nger hat, wird sie sich an diesem Monsterverstärker womöglich leicht quetschen. Etwas mehr „Bodenfreiheit“, wenn auch nur ein Zentimeter, wäre hier besser gewesen.

Das war’s dann aber auch schon an Kritik, selbst der Preis von knapp 6.000 Euro erscheint fast überraschend und ist mit etwas Sparwillen wohl für viele erfreulicherweise noch diesseits des völlig Utopischen. Aber wie klingt’s?

Der Innenaufbau des M8xi signalisiert mechanische Stabilität und mit den beiden üppigen Kühlkörpern und Ringkerntrafos auch die Kraft, die er tatsächlich hat.


Sie nannten ihn Mücke

Hammer! Ganz ehrlich, wenn ich mir jetzt und hier einen Verstärker aussuchen müsste, um die nächsten zehn Jahre glücklich Musik zu hören, käme dieser hier mit aufs Treppchen.

Schon bei den ersten Takten Musik, kalt aus dem Karton, kribbelte es. Bei „Fever“ von Elvis Presley schnippen links die Finger derart natürlich und plastisch, dass ich mich hinsetze, obwohl ich den Amp eigentlich nur über das Wochenende einspielen lassen wollte. Was für eine Urgewalt, bärenstark und doch extrem beweglich. Norah Jones, Suzanne Vega, Ray Brown, Dvorák, dann Jim Keltner an der Schießbude. Hier kriegt man mich die nächsten zwei Stunden nicht mehr weg.

Man vermisst absolut nichts. Da ist – natürlich – Atem, reichlich davon für alles. Man hört und spürt die immense Kraft im Hintergrund, selbst wenn sie im Grunde gar nicht gebraucht würde. Deshalb bin ich persönlich auch gar kein Freund von knapper Leistung, selbst bei höchster Klangqualität.

Die Abbildung ist groß, sie ist fokussiert und farbig, mit Tiefe und Detail-, ja grenzenloser Spielfreude. Yello sprengt die Grenzen, die Lautsprecher verschwinden. Alles fl ießt und perlt so mühelos. Geht das überhaupt noch besser? Kaum. Die kompakte PMC profi tiert jedenfalls ungeahnt von diesem Über-Treibsatz.

Wir fahren – nach dem tagelangen Einspielen an der Testkandidatin JBL L82 – zum Vergleich mit dem Audionet SAM 20 SE richtig schweres Geschütz auf. Teurer, ohne DAC, zudem nicht ganz so stark, aber fraglos hochmusikalisch. Tatsächlich löst der Audionet feine Details eines großen Orchesters womöglich noch eine Spur fi ligraner auf, hat auch beim Fokus vielleicht noch einen Hauch an Vorteil, was man aber nur im direkten Vergleich erahnt. Aber in Sachen Sämigkeit sowie erzstabiler Souveränität selbst bei hohem Pegel zeigt der Musical, wo der Hammer hängt. An der explosiven, anspringenden PMC gefällt mir der etwas dunkler timbrierte Engländer tatsächlich minimal besser.

Trotzdem ein Unentschieden, kein Gewinner und auch kein Verlierer, da ich ihn wählen würde, und der Kollege den Berliner – zudem beides knapp – bevorzugt. An der kongenialen Standbox DALI Epicon ist es fast noch schwieriger. Ich vermute, dass ein impedanzkritischerer und leistungshungriger Schallwandler am Musical besser spielt. Superb leben könnte man als sehr, sehr anspruchsvoller Audiophiler wohl mit beiden „Superverstärkern“.

Auch der eingebaute DAC kann restlos überzeugen, erst recht, wenn man ihn beinahe als Dreingabe betrachtet, denn seinen Preis wäre der M8xi schon ohne diese Ausstattung mehr als wert. Ein früherer Kollege würde sagen: „Mehr braucht kein Mensch.“ Und hätte Recht. Denn der eingebaute digitale Rechenknecht hält selbst gegen hochkarätige separate Geräte lange mit, auch wenn man das Shootout der amerikanischen Kollegen gegen fünfstellige DACs vollkommen unsinnig fi nden mag.

Absolute Spitzenklasse zum fairen Preis. Ein schöneres Kompliment kann ich einem Verstärker kaum machen: Schade, dass dieser Brite wieder den Heimweg antreten muss. Irgendwann jedenfalls.

Musical Fidelity M8xi

Preis: um 5990 €
Maße: 49 x 19 x 51 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Kontakt: Reichmann Audiosysteme
Tel.: +49 7728 1064
www.reichmann-audiosysteme.de

Unfassbar starker Amp mit HD-DAC und souveränem, aber auch behände-geschmeidigem Klang, der eher ganzheitlich und rhythmisch- musikalisch als zugespitzt analytisch aufspielt. Europas High End-Verstärker des Jahres (EISA 2020/21). Sagenhaft!

Messergebnisse

Labor-Kommentar

Keine besonderen Vorkommnisse. Alles top. Enorme Ausgangsleistung >500/750 Watt je Kanal, praktisch keine Verzerrungen, gute Rauschwerte.

Ausstattung

Fernbedienung; dimmbares Display; 2 symmetrische/ vier Hochpegeleingänge Cinch (davon einer umschaltbar als Endstufeneingang); PCM-DAC mit je 2 koaxialen/optischen Eingängen und USB, Digitalausgänge koax./ opt.; Pre Outs; Anschluss für 2 Boxenpaare; C19-Netzanschluss (16A)

AUS DER FERNE

Der Fernbedienungsgeber ist eine Systemfernbedienung, die auch den passenden CD-Player steuert und Komfortfunktionen wie Mute oder dimmbares Display überträgt.

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT: Norah Jones: Come Away With Me

Das ebenso sinnliche wie musikalisch exzellente Erstlingswerk der hochbegabten Shankar-Tochter überzeugt auch klanglich. Ein ganz exzellenter Prüfstein für jede Anlage – bis hin zu den ein, zwei Stellen, wo es produktionstechnisch bedingt zu Verzerrungen kommt.

TEST-GERÄTE

CD-Player:
Audiolab 8300 CDQ, T+A MP 2000R
Vollverstärker:
Audionet SAM 20 SE
Lautsprecher:
DALI Epicon 6, PMC Twenty5.22
Kabel:
Supra EFF/ Sword/Lorad