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Vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl im Frankenwald


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Wanderlust - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 24.08.2022

Frankenwald

Der dramatische Abendhimmel sorgt über dem Birnbaumer Aussichtsturm für ein eindrucksvolles Farbenspiel. Um kurz vor vier Uhr werde ich in meinem Zelt wach. Eigentlich sollte mich mein Handywecker um Punkt vier wecken, aber die innere Uhr hat wieder ganze Arbeit geleistet. Ich zwänge mich aus meinem Einmannzelt und rieche die frische Luft des Leitschtals. Hier, auf dem Trekkingplatz, habe ich am Vorabend in völliger Dunkelheit mein Zelt aufgeschlagen, ohne genau zu sehen, wie der Untergrund beschaffen ist oder ob die Umgebung passt. Es war einfach schon zu spät, denn ich habe die letzen Sonnenstrahlen beim Ausblick vom Birnbaumer Aussichtsturm genossen. Und an diesem Morgen möchte ich auch die ersten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Denn hier im Frankenwald sollen Frühaufsteher nicht selten mit fantastischen Sonnenaufgängen belohnt werden.Auch am Löffler-Blick lassen sich ...

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... Mein Ziel ist es, vor dem Sonnenaufgang den Nurner Brocken zu erreichen, eine Steinaufschüttung nahe dem namensgebenden Örtchen Nurn, mit einem fantastischen Blick über die Hügel und Täler der Region. Mit meiner Kopflampe wandere ich über einen Forstweg durch dichten Wald den Hang hinauf. Das erste blaue Licht des Tages dämmert schon am Himmel, und ich frage mich, ob ich mein Ziel noch rechtzeitig erreichen werde. Die Route, der ich folge, ist der Hubertus-Weg. Dieser ist ein Rundwanderweg, der durch die Wälder rings um Nurn führt, aber auch um eine weitere Sehenswürdigkeit der Region, der Ködeltalsperre. Als ich das Örtchen erreiche und an der ansässigen Backstube vorbeimarschiere, bemerke ich, dass ich ohne Frühstück gestartet bin. So früh wäre es auch eher ein Nachtmahl gewesen, und die Zeit drängt. Ich verlasse den Hubertus-Weg und gehe weiter über einen Feldweg. Dieser führt direkt auf den Nurner Brocken. Mich erwartet ein künstlicher Steinflur, der aus dem Abraum von Straßenbauarbeiten entstanden ist. Das Material wurde hier sinnvoll genutzt und mit den Steinmassen ein Biotop für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen. 3.000 Lastwagenfahrten waren nötig, umdieses Areal zu gestalten, das vor allem der seltenen Schlingnatter gefallen sollte. Außerdem ist ein Aussichtspunkt entstanden, der dazu einlädt, die ersten und letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Ich erreiche mein Ziel pünktlich. Kurz nach fünf Uhr soll die Sonne den Horizont überschreiten. Bevor ich aber die ersten Strahlen sehe, muss die Sonne noch etwas weiter steigen, um über die bewaldeten Hügel des Frankenwalds zu reichen. Ich nutze die Zeit für ein Frühstück in der Dämmerung und lausche dem Gesang der Singvögel, die das Aufgehen der Sonne lauthals und melodisch kommentieren. Und dann, ganz plötzlich, beginnt der Frankenwald zu glühen. Die Sonne wandert über die Wipfel und taucht die höchsten Baumspitzen in ihr warmes leuchtendes Orange. Wie auf Kommando weht ein warmer Wind über den Nurner Brocken, und das Licht arbeitet sich weiter vor, bis zu den Spitzen der niedrigen Bäume und Gräser. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Für weitere Entdeckungen und Tourenvorschläge im Frankenwald bietet die Webseite von Frankenwald-Tourismus eine aller Erwähnenswert sind hier der mit seinen 243,5 Kilometern rund um den Frankenwald und die (Halb-)Tagestouren der die in der ganzen Region verteilt sind. Ein jährliches Highlight ist der bei dem sich Wanderbegeisterte aus ganz Europa in der Region treffen. Mehr dazu unter: Die „goldene Stunde“ beschreibt eine oder nach dem Durch den tiefen Stand der Sonne wird das und weniger hart als bei einem hohen Sonnenstand. Besonders in der wird versucht, diesen Zeitraum für zu nutzen. Der gegenteilige Effekt ist die die entsprechend und nach dem Untergang der Sonne ein kühles blaues Licht erzeugt. Müde, aber zufrieden kehre ich zu meinem Zelt zurück. Die Sonne hat es noch nicht in das Leitschtal geschafft, und die Luft ist noch entsprechend kühl und frisch. Aus den anderen Zelten drängen die ersten verschlafenen Geräusche. Ich habe meine Sachen schon fast fertig zusammengepackt, als sich der erste gähnende Zeltbewohner an der Feuerstelle seinen Kaffee kocht. Von meinem Erlebnis auf dem Nurner Brocken motiviert, möchte ich der Sonne weiter durch den Frankenwald folgen. Meine Route soll dabei der Hubertus-Weg bleiben. Seine Schilder mit der Aufschrift „RT-25“ führen mich vom Leitschtal über die Hubertushöhe bis zur Ködeltalsperre und wieder zurück nach Nurn, das zur Gemeinde Steinwiesen gehört. Nach einem konstanten Anstieg ist die Hubertushöhe erreicht. Die dortige Gastwirtschaft, der urige Waldgasthof Hubertushöhe war früher ein Forstamts- gebäude und bewirtet nun Gäste mit regionaler Küche und urig-fränkischem Ambiente. Hier ist auch direkt der höchste Punkt des Weges erreicht. 596 Meter über dem Meeresspiegel liegt der bewaldete Hügel. Dass der weitere Weg nun abwärts führt, war also zu erwarten. Über Forstwege und einen steilen Pfad windet sich der Hubertus-Weg hinab zu einem Highlight der Strecke – der Ködeltalsperre. Eigentlich lautet der amtsdeutsche Name dieses Stausees „Trinkwassertalsperre Mauthaus“, aber im Alltag der Franken hat sich dieser Name nicht etabliert. Ein weiterer Name für den See ist auch für Ortsfremde sehr eingängig: „Frankenwald-Fjord“. Und so präsentiert er sich auch. Die bewaldeten Hänge ragen steil in das Wasser, während die gewundene Uferlinie sich durch die Hügel schlängelt. Ein Bild wie aus dem Norden. Die Parallele passt auch insofern, da hier einer der nördlichsten Punkte Bayerns ist, nahe der Grenze zu Thüringen. Die Talsperre sichert die Wasserversorgung für 350.000 Menschen in Oberfranken und wurde 1975 fertiggestellt. So verführerisch das grün-blaue Wasser aber auch aussehen mag, schwimmen und Wassersport sind hier streng verboten.Weiter geht es oberhalb des Ostufers. Von hier lassen sich durch die Bäume gelegentliche Blicke auf den „Fjord“ erhaschen. Ein besonders schöner Ausblick ergibt sich etwas unterhalb des Wanderwegs. Der Löffler-Blick bietet gute Voraussetzungen, um hier den Sonnenuntergang zu betrachten. Die Sache ist für mich also klar, wenn die Sonne untergeht, kehre ich zurück und möchte sehen, wie die sogenannte „goldene Stunde“ den See und die Hügel in ihr warmes Licht hüllt. Kurz hinter dem Aussichtspunkt überquere ich den Hauptdamm und folge dem Weg weiter in Richtung Nurn, um den Rundweg abzuschließen. Abends kehre ich, wie geplant, zurück zum Löffler-Blick. Die Sonne hängt schon tief über den Hügeln, und das Licht wird immer wärmer, bis es schließlich seine beeindruckende goldene Färbung erhält. Der Moment hält nicht lange, denn sobald die Sonne hinter den Baumwipfeln verschwindet, wandelt sich das so warme und glühende Licht in einen frischen blauen Mantel, der den See für die Nacht bedeckt. So wie es beim See erscheint, werde auch ich müde. Mein Nachtlager soll aber nicht wieder auf dem Zeltplatz liegen, sondern in der Zivilisation. In Kronach möchte ich nun nach der Natur auch die Kultur und Menschen des Frankenwalds erleben.Am nächsten Morgen klingelt mein Handywecker um vier Uhr in der Früh. Ich habe am Vortag vergessen, ihn auszuschalten. Meine Begeisterung darüber hält sich logischerweise in Grenzen, besonders, weil das Hotelbett sich als ausgesprochen gemütlich erwiesen hat und der letzte Tag sehr lang war. Ich versuche wieder in den Schlaf zu finden, blicke aber einen kurzen Moment aus dem Fenster und erkenne am blassen Schimmer im Himmel den nahenden Sonnenaufgang. Abends hatte ich noch die Festung Rosenberg bewundert und mich gefragt, ob der Sonnenaufgang von hier aus gut zu betrachten wäre. Der Gedanke lässt mir schließlich keine Ruhe, und ich reiße mich aus dem Bett. Die Stadt schläft noch tief und fest, während ich durch das Tor der Festung schlendre und über eine Treppe auf eine höhere Ebene gelange. Hier habe ich einen Blick über die gesamte Stadt und sehe, wie die ersten Sonnenstrahlen auf die Spitze der zentralen Kirche, St. Johannes der Täufer, fallen. Fotos: Daniel Elke (12), Marco Kraus (4) Ich genieße den Moment und die Ruhe. Wieder einmal hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Die Sonne steht schon etwas höher, und ich beschließe, die Festung und Stadt zu erkunden, bevor die Einwohner wach werden. Die Festung gilt als eine der am besten erhaltenen in Deutschland und wurde in ihrer langen Geschichte nie gewaltsam eingenommen. Das Städtchen selbst ist geprägt von Gebäuden aus Sandstein und Fachwerk, welche im warmen Licht der Morgenstunden noch beschaulicher wirken. Die Innenstadt wird von den beiden Flüssen Haßlach und Kronach eingerahmt, an deren Ufer nun langsam das Leben erwacht. Ja, es lohnt sich, im Frankenwald ein Frühaufsteher zu sein. Doch um an diesem Abend vielleicht noch einen weiteren Blick auf die oberfränkische Abendsonne zu erhaschen, beschließe ich, im Hotel noch etwas Schlaf nachzuholen. Ich lege mich hin, nehme in gewohnter Weise das Handy in die Hand, und erinnere mich wieder an meinen immer noch aktiven und sehr früh gestellten Wecker. Schmunzelnd lege ich das Telefon wieder auf den Nachttisch und lasse den Wecker aktiviert, man kann ja nie wissen.

Um kurz vor vier Uhr werde ich in meinem Zelt wach. Eigentlich sollte mich mein Handywecker um Punkt vier wecken, aber die innere Uhr hat wieder ganze Arbeit geleistet. Ich zwänge mich aus meinem Einmannzelt und rieche die frische Luft des Leitschtals. Hier, auf dem Trekkingplatz, habe ich am Vorabend in völliger Dunkelheit mein Zelt aufgeschlagen, ohne genau zu sehen, wie der Untergrund beschaffen ist oder ob die Umgebung passt. Es war einfach schon zu spät, denn ich habe die letzen Sonnenstrahlen beim Ausblick vom Birnbaumer Aussichtsturm genossen. Und an diesem Morgen möchte ich auch die ersten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Denn hier im Frankenwald sollen Frühaufsteher nicht selten mit fantastischen Sonnenaufgängen belohnt werden.

Mit der Kopflampe durch den Wald

Mein Ziel ist es, vor dem Sonnenaufgang den Nurner Brocken zu erreichen, eine Steinaufschüttung nahe dem namensgebenden Örtchen Nurn, mit einem fantastischen Blick über die Hügel und Täler der Region. Mit meiner Kopflampe wandere ich über einen Forstweg durch dichten Wald den Hang hinauf. Das erste blaue Licht des Tages dämmert schon am Himmel, und ich frage mich, ob ich mein Ziel noch rechtzeitig erreichen werde. Die Route, der ich folge, ist der Hubertus-Weg. Dieser ist ein Rundwanderweg, der durch die Wälder rings um Nurn führt, aber auch um eine weitere Sehenswürdigkeit der Region, der Ködeltalsperre. Als ich das Örtchen erreiche und an der ansässigen Backstube vorbeimarschiere, bemerke ich, dass ich ohne Frühstück gestartet bin. So früh wäre es auch eher ein Nachtmahl gewesen, und die Zeit drängt. Ich verlasse den Hubertus-Weg und gehe weiter über einen Feldweg. Dieser führt direkt auf den Nurner Brocken. Mich erwartet ein künstlicher Steinflur, der aus dem Abraum von Straßenbauarbeiten entstanden ist. Das Material wurde hier sinnvoll genutzt und mit den Steinmassen ein Biotop für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen. 3.000 Lastwagenfahrten waren nötig, um Frankenwald dieses Areal zu gestalten, das vor allem der seltenen Schlingnatter gefallen sollte. Außerdem ist ein Aussichtspunkt entstanden, der dazu einlädt, die ersten und letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Ich erreiche mein Ziel pünktlich.

Kurz nach fünf Uhr soll die Sonne den Horizont überschreiten. Bevor ich aber die ersten Strahlen sehe, muss die Sonne noch etwas weiter steigen, um über die bewaldeten Hügel des Frankenwalds zu reichen. Ich nutze die Zeit für ein Frühstück in der Dämmerung und lausche dem Gesang der Singvögel, die das Aufgehen der Sonne lauthals und melodisch kommentieren. Und dann, ganz plötzlich, beginnt der Frankenwald zu glühen. Die Sonne wandert über die Wipfel und taucht die höchsten Baumspitzen in ihr warmes leuchtendes Orange. Wie auf Kommando weht ein warmer Wind über den Nurner Brocken, und das Licht arbeitet sich weiter vor, bis zu den Spitzen der niedrigen Bäume und Gräser. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.

WANDERN

Wandern im Frankenwald

Für weitere Entdeckungen und Tourenvorschläge im Frankenwald bietet die Webseite von Frankenwald-Tourismus eine übersichtliche Zusammenstellung aller Fern- und Rundwanderwege. Erwähnenswert sind hier der FrankwaldSteig mit seinen 243,5 Kilometern rund um den Frankenwald und die (Halb-)Tagestouren der FrankenwaldSteigla, die in der ganzen Region verteilt sind. Ein jährliches Highlight ist der Frankenwald-Wandermarathon, bei dem sich Wanderbegeisterte aus ganz Europa in der Region treffen. Mehr dazu unter: www.frankenwald-tourismus.de

INFO

Golde ne Stunde

Die „goldene Stunde“ beschreibt eine kurze Zeit vor dem Sonnenuntergang oder nach dem Sonnenaufgang. Durch den tiefen Stand der Sonne wird das Licht rötlicher und weniger hart als bei einem hohen Sonnenstand. Besonders in der Fotografie wird versucht, diesen Zeitraum für schöne Landschaftsbilder zu nutzen. Der gegenteilige Effekt ist die „blaue Stunde“, die entsprechend vor dem Aufgang und nach dem Untergang der Sonne ein kühles blaues Licht erzeugt.

Der Sonne durch den Frankenwald folgen

Müde, aber zufrieden kehre ich zu meinem Zelt zurück. Die Sonne hat es noch nicht in das Leitschtal geschafft, und die Luft ist noch entsprechend kühl und frisch. Aus den anderen Zelten drängen die ersten verschlafenen Geräusche. Ich habe meine Sachen schon fast fertig zusammengepackt, als sich der erste gähnende Zeltbewohner an der Feuerstelle seinen Kaffee kocht. Von meinem Erlebnis auf dem Nurner Brocken motiviert, möchte ich der Sonne weiter durch den Frankenwald folgen. Meine Route soll dabei der Hubertus-Weg bleiben. Seine Schilder mit der Aufschrift „RT-25“ führen mich vom Leitschtal über die Hubertushöhe bis zur Ködeltalsperre und wieder zurück nach Nurn, das zur Gemeinde Steinwiesen gehört. Nach einem konstanten Anstieg ist die Hubertushöhe erreicht. Die dortige Gastwirtschaft, der urige Waldgasthof Hubertushöhe war früher ein Forstamts-

gebäude und bewirtet nun Gäste mit regionaler Küche und urig-fränkischem Ambiente. Hier ist auch direkt der höchste Punkt des Weges erreicht. 596 Meter über dem Meeresspiegel liegt der bewaldete Hügel. Dass der weitere Weg nun abwärts führt, war also zu erwarten. Über Forstwege und einen steilen Pfad windet sich der Hubertus-Weg hinab zu einem Highlight der Strecke – der Ködeltalsperre. Eigentlich lautet der amtsdeutsche Name dieses Stausees „Trinkwassertalsperre Mauthaus“, aber im Alltag der Franken hat sich dieser Name nicht etabliert. Ein weiterer Name für den See ist auch für Ortsfremde sehr eingängig: „Frankenwald-Fjord“. Und so präsentiert er sich auch. Die bewaldeten Hänge ragen steil in das Wasser, während die gewundene Uferlinie sich durch die Hügel schlängelt. Ein Bild wie aus dem Norden. Die Parallele passt auch insofern, da hier einer der nördlichsten Punkte Bayerns ist, nahe der Grenze zu Thüringen.

Der Fjord im Frankenwald

Die Talsperre sichert die Wasserversorgung für 350.000 Menschen in Oberfranken und wurde 1975 fertiggestellt. So verführerisch das grün-blaue Wasser aber auch aussehen mag, schwimmen und Wassersport sind hier streng verboten.

Weiter geht es oberhalb des Ostufers. Von hier lassen sich durch die Bäume gelegentliche Blicke auf den „Fjord“ erhaschen. Ein besonders schöner Ausblick ergibt sich etwas unterhalb des Wanderwegs. Der Löffler-Blick bietet gute Voraussetzungen, um hier den Sonnenuntergang zu betrachten. Die Sache ist für mich also klar, wenn die Sonne untergeht, kehre ich zurück und möchte sehen, wie die sogenannte „goldene Stunde“ den See und die Hügel in ihr warmes Licht hüllt. Kurz hinter dem Aussichtspunkt überquere ich den Hauptdamm und folge dem Weg weiter in Richtung Nurn, um den Rundweg abzuschließen.

Abends kehre ich, wie geplant, zurück zum Löffler-Blick.

Die Sonne hängt schon tief über den Hügeln, und das Licht wird immer wärmer, bis es schließlich seine beeindruckende goldene Färbung erhält. Der Moment hält nicht lange, denn sobald die Sonne hinter den Baumwipfeln verschwindet, wandelt sich das so warme und glühende Licht in einen frischen blauen Mantel, der den See für die Nacht bedeckt. So wie es beim See erscheint, werde auch ich müde. Mein Nachtlager soll aber nicht wieder auf dem Zeltplatz liegen, sondern in der Zivilisation. In Kronach möchte ich nun nach der Natur auch die Kultur und Menschen des Frankenwalds erleben.

Die Stadt schläft noch

Am nächsten Morgen klingelt mein Handywecker um vier Uhr in der Früh. Ich habe am Vortag vergessen, ihn auszuschalten. Meine Begeisterung darüber hält sich logischerweise in Grenzen, besonders, weil das Hotelbett sich als ausgesprochen gemütlich erwiesen hat und der letzte Tag sehr lang war. Ich versuche wieder in den Schlaf zu finden, blicke aber einen kurzen Moment aus dem Fenster und erkenne am blassen Schimmer im Himmel den nahenden Sonnenaufgang. Abends hatte ich noch die Festung Rosenberg bewundert und mich gefragt, ob der Sonnenaufgang von hier aus gut zu betrachten wäre. Der Gedanke lässt mir schließlich keine Ruhe, und ich reiße mich aus dem Bett. Die Stadt schläft noch tief und fest, während ich durch das Tor der Festung schlendre und über eine Treppe auf eine höhere Ebene gelange. Hier habe ich einen Blick über die gesamte Stadt und sehe, wie die ersten Sonnenstrahlen auf die Spitze der zentralen Kirche, St. Johannes der Täufer, fallen.

Ich genieße den Moment und die Ruhe. Wieder einmal hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Die Sonne steht schon etwas höher, und ich beschließe, die Festung und Stadt zu erkunden, bevor die Einwohner wach werden. Die Festung gilt als eine der am besten erhaltenen in Deutschland und wurde in ihrer langen Geschichte nie gewaltsam eingenommen. Das Städtchen selbst ist geprägt von Gebäuden aus Sandstein und Fachwerk, welche im warmen Licht der Morgenstunden noch beschaulicher wirken.

Die Innenstadt wird von den beiden Flüssen Haßlach und Kronach eingerahmt, an deren Ufer nun langsam das Leben erwacht.

Ja, es lohnt sich, im Frankenwald ein Frühaufsteher zu sein. Doch um an diesem Abend vielleicht noch einen weiteren Blick auf die oberfränkische Abendsonne zu erhaschen, beschließe ich, im Hotel noch etwas Schlaf nachzuholen. Ich lege mich hin, nehme in gewohnter Weise das Handy in die Hand, und erinnere mich wieder an meinen immer noch aktiven und sehr früh gestellten Wecker.

Schmunzelnd lege ich das Telefon wieder auf den Nachttisch und lasse den Wecker aktiviert, man kann ja nie wissen.