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Vom Kochplatz zur WOHNKÜCHE


selbermachen - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 06.08.2021

TITELTHEMA

Artikelbild für den Artikel "Vom Kochplatz zur WOHNKÜCHE" aus der Ausgabe 9/2021 von selbermachen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: selbermachen, Ausgabe 9/2021

KÜCHE AUF MASS WIE VOM SCHREINER

Ralf Glaser, Technikredakteur bei selber machen

„Eine komplett neue Küche wäre weniger Arbeit gewesen. So ist es aber weit günstiger und viel persönlicher!“

VORHER

Der Patient: eine schon bei der Übernahme vom Vormieter nicht mehr taufrische Küchenzeile, inzwischen komplett abgewohnt und mit dem eigenen Ästhetikempfinden nicht mehr kompatibel. Der Tatort: eine Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus aus den 60er-Jahren, insgesamt sanierungsbedürftig und mit bekannt schlechter Bausubstanz. Eine wirklich fachgerechte Renovierung der Küche war von vornherein keine Option. Alleine das Entfernen der ungeliebten Kachelrückwand hätte einen kompletten Neuputz notwendig gemacht – mit wegen des schlecht tragfähigen Untergrundes sehr ungewissem Ausgang. Will man einer solchen Küche bei überschaubaren Kosten ein wohnlicheres Ambiente verleihen, sind neben handwerklichem ...

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... Geschick auch eine Portion Kreativität und situationsgerechte Lösungen gefragt.

Probleme und ihre Lösungen

Die Basis für die optische Verwandlung ist das Verlegen eines geeigneten Fußbodens. Wegen seiner Robustheit und der Unempfindlichkeit gegen Wasser fiel die Wahl auf einen PVC-freien Vinylboden der Firma Meister in der Designvariante Golden Oak. Dieser kann wie normales Laminat schwimmend verlegt werden und sollte auch im angrenzenden Wohnungsflur zum Einsatz kommen. Die Herausforderung: Beide Räume sollten, bei einheitlichem Verlegemuster, nach Möglichkeit optisch vergrößert wirken. Wie Sie das erreichen, erfahren Sie ab Seite 12. Für das Kaschieren der Kachelrückwand entschieden wir uns für ein Steinfurnier der Schweizer Firma Skinrock. Hier ist eine hauchdünne Schicht grauen Sandsteins mit einem Träger aus Glasfaser kombiniert. Dadurch lässt sich der Echtstein leicht über die Fliesen verlegen. Für die neuen Küchenfronten kam mit HPL beschichtetes Multiplex-Sperrholz zum Einsatz. Den letzten Schliff mit sehr persönlichem Touch bekam die Küche durch selbst geschreinerte Arbeitsplatten aus Kirschholz.

DIE SITUATION VOR ORT

Die Küche und der angrenzende Wohnungsflur sollen mit demselben Boden ausgestatten werden, sodass sich ein einheitliches Muster ergibt.

Die Übersicht

Einbauten und Arbeitsflächen in der Küche finden nur an den langen Seiten Platz, da sonst die Wärmezirkulation der Heizung unter dem Fenster gestört würde. Der Flur ist nur um wenige Zentimeter breiter als die Deckschicht des Laminats. Hier muss mit viel Verschnitt gerechnet werden.

VINYLBODEN VERLEGEN

Wegen seiner Unempfindlichkeit kam in den beiden stark genutzten Räumen PVC-freier Vinylboden zum Einsatz. Diesen kann man wie herkömmliches Laminat schwimmend verlegen.

Das abgewohnte Laminat im Flur muss raus. Der uralte Vinylboden darunter kann liegen bleiben.

Die Träger für die Übergangsprofile zu den angrenzenden Räumen werden auf das passende Maß gesägt.

PROJEKTLISTE

Aufwand

circa 10–14 Arbeitstage insgesamt für eine Person

Material

6 Pakete Meister-Designboden Flex DD400 Golden Oak (23,4 m²)

7x Fußbodenleiste Profil 3 PK

4x Trittschalldämmung Meister-Silence -25dB

4x Massivholz-Bohlen 3,5 x 0,4 m / Dicke 50 bis 52mm

100x Lamello-Dübel

wasserfester D3-Holzleim

Bondex Arbeitsplattenöl

Multiplex, HPL beschichtet, Stärke 18 mm, Menge nach Bedarf

1x Steinfurnier Swiss Grey, 250 x 120 cm

Stein-Imprägnierung

5 kg Kleber Mapei Ultrabond Eco PU

Werkzeuge

Mess-und Anrisswerkzeug | Akku-Bohrschrauber | Stichsäge | Tauchsäge mit Führungsschiene | Sägelade | Lamellofräser | Oberfräse | Exzenterschleifer | Zwingen | Topfband-Schablone | Taschenloch-Bohrschablone | Mischwerkzeug | Zahnspachtel

Kosten

circa 900 Euro (Boden), 300 Euro (Arbeitsplatten), 700 Euro (Fronten), 300 Euro (Rückwand)

Die Profile werden gedübelt und verschraubt. Vorsicht bei altem Estrich: hier nach Möglichkeit ohne Schlag bohren.

Zum Einsatz kommt eine hochwertige Trittschalldämmung mit minus 25 dB und einer eingebauten Dampfsperre.

VERLEGEMUSTER

TIPP

Um ein möglichst harmonisches Fugenbild zu erreichen, haben wir uns zu einer Drittelung der schmalsten Flurbreite entschieden (siehe lllustration links). Diese Arbeitsweise produziert viel Verschnitt. Sie entspricht aber dem Goldenen Schnitt und wirkt daher sehr harmonisch.

Mit einem scharfen Cuttermesser lässt sich diese kautschukartige Trittschalldämmung leicht bündig zuschneiden.

Die Stöße der Dämmung werden mit dem mitgelieferten Aluminium-Klebeband gegen Verrutschen fixiert.

Ausschnitte an Türrahmen mit einem Winkel anzeichnen. Planen Sie mindestens 10 mm für die Dehnungsfuge ein!

Die Platten nun mit Stichsäge und Laminat-Sägeblatt zuschneiden.

Für maximale Wasserfestigkeit müssen die Fugen sauber schließen. Helfen Sie mit einem passenden Schlagkeil nach.

Beim Einhämmern der letzten Bahn ist die Wand einem Schlagkeil im Weg. Hier hilft ein spezielles Laminat-Zugeisen.

LETZTE BAHN

TIPP

In Altbauten sind Ecken mit 90 Grad und parallele Wände eher die Ausnahme denn die Regel.

Die meist fällige Anpassung der Breite der letzten Bahn kann so zum Geduldsspiel ausarten. Es geht aber auch ganz einfach: Ein Stück Verpackungskarton wird durch Andrücken und Abschneiden des Überstandes in eine Schablone verwandelt. Diese erleichtert das Anzeichnen und Sägen der letzten Bahn ungemein.

Ausschnitte an Türrahmen können Sie direkt ohne Messen anzeichnen. Die Dehnungsfuge nicht vergessen!

Nun werden die Dehnungsfugen mit Silikon verfüllt, das es in passenden Farben gibt.

Problem: Die Leisten ragen unter die Türfüllung. Messen Sie Überstand und Winkel der Leisten.

Per Tauchsäge und Führungsschiene wird die Tür nun entsprechend abgelängt.

Spezielle Übergangsleisten zwischen den Räumen überbrücken Höhenunterschiede bis 16 mm.

Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Fugen auf beiden Seiten der Tür einheitlich hoch sind.

BODENLEISTEN ANPASSEN

Bodenleisten sorgen für einen optischen Abschluss des Bodens und sollen zugleich dessen Dehnungsfuge überdecken. Bei verwinkelten Altbauten kann das eine Herausforderung sein.

Hier hat kein Winkel 90 Grad und kein Mauerstück ist gerade. Trotzdem gelingt ein optisch sauberer Anschluss

Man beginnt in den Innenecken und sägt den Winkel an die mit Übermaß abgelängte Leiste.

Das genaue Maß zeichnen Sie direkt an der Außenecke an und längen die Leiste im richtigen Winkel ab.

Spezielle Clips werden mit Dübeln und Schrauben fixiert und halten die Leisten an Ort und Stelle.

Wenn sich der Stoß nicht gut schließt, die Leisten mit Klebeband zwingen und Sekundenkleber einträufeln.

FERTIG

TIPP

SÄGESCHMIEGE

Die Schmiege und Schneidlade von Wolfcraft ist eine echte Erleichterung beim Anpassen der Leisten. Sie ist verstellbar und wird auf den genauen Winkel jeder Ecke angepasst. So trifft man mit der Handsäge zuverlässig die Winkelhalbierende.

„Der quer verlegte Vinylboden bewirkt eine optische Verbreiterung des schlauchartigen Ganges“

ARBEITSPLATTE SCHREINERN

Wer selbst schreinert, bekommt die denkbar hochwertigste Arbeitsplatte. Bei den aktuellen Holzpreisen spart man sogar!

Wer 2021 in den Baumarkt geht, reibt sich die Augen. Selbst für Konstruktionsvollholz minderer Qualität werden dort Mondpreise aufgerufen. Die Preissteigerungen betreffen aber vor allem bereits verarbeitete Hölzer. Sägeraue Bohlenware wird dagegen auch aktuell vor allem von Schreinern nachgefragt und ist im Preis recht stabil geblieben. Das hier verwendete Kirschholz schlug wegen eines Borkenkäferbefalls mit günstigen 750 Euro pro Kubikmeter zu Buche. Zum Vergleich: Für Multiplex legt man aktuell um die 3.000 Euro pro Kubik auf den Tisch.

„Verrückte Zeiten: Massives Kirschholz ist aktuell günstiger zu haben als Multiplex“

Geworfene Bohlen werden zuerst entlang des Kerns aufgetrennt – der Kern wird herausgeschnitten.

Nun werden die Waldkante und das Splintholz abgetrennt. Zurück bleibt das harte und optisch sehr ansprechende Kernholz, dem der Borkenkäfer nichts anhaben konnte.

Die Kernholz-Bohlen werden nun auf einer Hobelmaschine abgerichtet und anschließend auf Dicke gehobelt.

Mit einem Lamellofräser fräst man die Leimflächen ein. Die Lamellos verhindern ein Verrutschen der Leisten beim Leimen.

Nun bestreicht man die Leimflächen vollflächig mit wasserfestem D3-Holzleim.

MAKERSPACE

TIPP

Eine leistungsfähige Hobelmaschine hat nicht jeder in der Werkstatt stehen – auch wir nicht. Hier helfen Prototypen-Werkstätten wie etwa der „MakerSpace“ bei München. Mitglieder können dort nach einem Kurs professionelle Holzbearbeitungsmaschinen für ihre Projekte nutzen. Ähnliche Einrichtungen gibt es in den meisten Großstädten. Eine Mitgliedschaft erweitert die eigenen Möglichkeiten enorm. www.maker-space.de

Arbeitsfläche m it Ausschnitten

Statt Ausschnitte aus dem Vollen zu sägen, arbeiten Sie besser nach dem Sandwich-Prinzip. Hierbei leimen Sie zuerst die drei mittleren Stücke in je zwei Durchgängen. Mit zwei äußeren Leisten werden diese nun zu einer durchgehenden Platte verbunden. So sparen Sie Material und Arbeitszeit!

Nach dem Zwingen entfernen Sie herausquellenden Leim mit einem feuchten Tuch.

Leimen Sie immer maximal drei Bretter auf einmal. Nach Ablauf der Zwingzeit können Sie zwei kleine zu einem großen Stück verbinden.

Nun wird die Position der Mittelstücke festgelegt. Danach deren Lamellofräsungen auf die äußeren Leisten übertragen.

Kontrollieren Sie die Planheit der Platte. Einem Wölben kann man mit einem abwechselnden Ansatz der Zwingen auf der Oberund Unterseite entgegensteuern.

Eine Zwinge am Ansatz notwendiger Tauchschnitte verringert die Gefahr eines Kickbacks beim Eintauchen.

Mit einem Radiusfräser wird der vorderen Oberkante der Platte in drei Tiefenzustellungen eine Abrundung angefräst.

Nun die Platte von Korn 80 bis 240 schleifen. Tipp: Wässern Sie das Holz zwischen den Schleifgängen.

FRONTEN AUSTAUSCHEN

Multiplex-Sperrholz bleibt wegen der Kreuzverleimung dauerhaft verzugsfrei. Die HPL-Beschichtung darauf sorgt für eine aufgeräumte Optik und ist zudem kratzfest und leicht zu pflegen.

Für die Übertragung der Bohrungen ist ein Präzisions-Anrisslineal mit 0,5-mm- Einteilung sehr hilfreich.

Die Bohrungen der alten Fronten werden vermessen und auf die zugeschnittenen Rohlinge übertragen.

Macht wenig Arbeit, schaut sauber aus: HPL-beschichtetes Multiplex ist teuer, aber für weiße Küchenfronten die erste Wahl!

Vor dem Bohren werden sämtliche Kanten angefast. Damit ist die Beschichtung besser gegen Abplatzer geschützt.

Nun geht es ans Bohren, aber besser nicht frei Hand. Jedes Verlaufen der Bohrungen sorgt später für ungleiche Spaltmaße!

Für das Bohren der Topfscharniere ist eine spezielle Bohrschablone hilfreich, die es für wenig Geld zu kaufen gibt.

UNTERSCHRANK BAUEN

Ein völlig ramponierter Vorratsschrank sollte einer deutlich vergrößerten Arbeitsfläche weichen. Mit nur wenigen Handgriffen wird er in einen vollwertigen Unterschrank verwandelt.

Die Seitenteile des Schranks kürzen wir auf die nötige Länge. Die oberen Abschnitte wandern auf den Wertstoffhof.

Aus dem Deckel zwei Leisten schneiden und diese mit einer Taschenloch-Bohrschablone für das Verschrauben vorbereiten.

Dann werden die Einzelteile montiert und die Oberseite mit den vorbereiteten Leisten und Taschenlochschrauben fixiert.

RÜCKWAND AUS STEINFURNIER

Ein Entfernen der alten Kacheln wäre zu riskant gewesen. Die Lösung heißt „überkleben“, und zwar mit Steinfurnier.

Hier handelt es sich um echtes Gestein, das in einem aufwendigen Verfahren auf einen Träger aus Glasfasern aufgebracht wird. Durch seine Eigensteifigkeit überbrückt das Furnier Unebenheiten des Untergrundes. Verklebt wird mit einem speziellen Zweikomponentenkleber (Empfehlung des Herstellers: Mapei Ultrabond Eco PU 2K). Wir wählten das Dekor „Swiss Grey“ von www.skinrock.ch

Beim Sägen des Furniers fliegen kleine Funken, doch lässt es sich mit herkömmlichen Holzwerkzeugen gut bearbeiten

Die 250 x 120 cm messenden Platten werden zuerst längs aufgetrennt und dann mit Imprägnierung behandelt.

Für das Verkleben muss der Untergrund tragfähig sein und komplett fettfrei gesäubert werden.

Der 2K-Kleber wird nach Herstellervorgaben angerührt und mit einem Zahnspachtel aufgetragen.

Nach leichtem Andrücken sind noch Korrekturen möglich. Danach mit einem Andruckroller fixieren.

FERTIG

Nach dem Einbau aller Einzelkomponenten wirkt die Küche offen, warm, und optisch deutlich größer als zuvor.