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Vom Sinn & Un sinn von Kommandos


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 01.09.2021

ERZIEHUNG

Artikelbild für den Artikel "Vom Sinn & Un sinn von Kommandos" aus der Ausgabe 10/2021 von Partner Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 10/2021

Perdita Lübbe- Scheuermann

Sie ist eine der bekann teste n H undetrainerinnen Deutschla nds, leitet die Hundeakad emie in Darmstadt und hält b egehrte Seminare zum Thema „Mensch-Hund-Beziehung. Mehr Infos: www.hundeakademie.de

Kaum ist er eingezogen, der Fiffi, ist eines für viele wichtig. Er muss das SITZ lernen. Ein SITZ scheint die halbe Miete zu sein. Damit kann man draußen zeigen,was Fiffi schon auf dem Kasten hat, und man gehört dazu – zu jenen, die auch gut erzogene Hunde haben. Bei Telefonaten mit zukünftigen Kunden höre ich meist als Allererstes: „Er kann schon klasse SITZ“ oder „Er ist schon ganz gut erzogen, zum Beispiel wartet er brav sitzend, ehe es Futter gibt“. Bravo. Na ja, es ist besser als nichts, sag ich mal – er poltert definitiv nicht gleich in den vollen Napf hinein, sondern wartet artig.

Schön für den, dem das ausreicht. Was der wartende Hund denkt, ist allerdings das, ...

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... was mich interessiert. Er sitzt nun vorm vollen Napf und wartet und wartet und wartet. Der Mensch denkt: Toll, mein Hund ist super erzogen. Womöglich – ich weiß es nicht – denkt Hund: „Mann ey, gib jetzt endlich das Futter frei, wird allmählich Zeit.“ Natürlich muss man dabei auf den Hund achten. Jeder Hund ist anders. Der eine sitzt devot vorm Napf und wartet – der bräuchte das SITZ vorm Napf gewiss nicht, der nächste baut Spannung auf und würde den Menschen gerne ein bissl beschleunigen.

Sitz und Platz und Pfötchen-Geben sind ja auch tolle Tricks, die Hunde, schon aufgrund unserer Begeisterung, wenn’s klappt, gerne ausführen. Meist gibt’s noch ’nen Keks dazu und schon ist der Ball nahezu rund. Tricks, die der Hund ausführt, machen auch den Menschen stolz. Ich kenne das nur zu gut, einer meiner Hunde kann „Beiß“ und dann schnappt er – natürlich ausgesprochen gehemmt – den Zeigefinger, was zu vielen Lachern und vor allem Applaus für mich führt. Sie sehen, ich bin eine von Ihnen …

Durch Dressur zum Erfolg – das ist möglich

„Kommandos“, wie man gemeinhin sagt, was aber verpönt ist, weil das heutzutage zu befehlstechnisch dem Tier gegenüber klingt, können lebensrettend sein. Wie klasse ist es doch, wenn man seinem des Hasen habhaft werden wollenden Hund Einhalt gebieten kann, indem man ihn ins Platz ruft. Herzlichen Glückwunsch – das ist großes Kino. Meist hakt es allerdings an der Ausführung, denn in der Regel klappen derlei Dressurkomponenten nur auf kurze Distanz. Wie oft höre ich Menschen sagen, dass ihr Hund ein SITZ beherrscht, und wenn ich dann den Ball zücke und rolle, dann war’s das auch schon mit dem Beherrschen. Es war ein „Kann SITZ in meinem unmittelbaren Umfeld ohne Ablenkung“. Was ist das nun mit dem SITZ? Wann und wie brauche ich es? O.k., wir sind uns einig: wenn der Hund vorläuft oder einem Objekt hinterhersprintet, dann kann ich ihn damit arretieren. Jogger kommt, SITZ, Jogger kann passieren. Kind radelt vorbei, Hund will hinterher, SITZ. Hund sitzt. Sensationell – und zudem zeigt es Rücksichtnahme dem Gegenüber gegenüber.

Auch auf dem Hundeplatz beim Hundesport sind Kommandos/Signale wie Sitz, Platz etc. natürlich unabdingbar – ist ja klar, denn sonst würde man ja keinen Blumenpott gewinnen können.

Signale im Alltagstest

Wie sieht’s aus im richtigen, im realen Leben? Brauche ich da in jeder Lebenslage ein SITZ? Mensch kommt mir entgegen, fragt nach dem Weg. Muss mein Hund, während ich diesen erkläre, sitzen und warten? Kann er, muss aber nicht. Es reicht meines Erachtens auch aus, wenn mein Hund neben mir stehen bleibt, den Menschen nicht behelligt und ihm nicht zwischen den Beinen rumschnuppert und einfach nur wartet. Vor allem, was ist, wenn mein Hund das Signal von allein auflöst? Dann muss ich ihn korrigieren, den Passanten stehen lassen, mich meinem Hund widmen und dann weiter erklären. Möglich ist natürlich alles. Oder ich übersehe das Aufstehen meines Hundes, was für ihn bedeutet, dass meine Signale nicht viel wert sind. Denn, wenn ich schon mit Kommandos, ob verbal oder nonverbal oder sogar beidem, arbeite, dann gebe ich diese, bestätige sie mit „Lob für gut“ und löse diese auch wieder auf. Nicht der Hund. Was sonst sollte er daraus ableiten?

Signale muss man auch beherrschen

Ich habe auch noch ein Phänomen beobachtet: Das ist das SITZ, SITZ, SITZ, damit er bleibt. Noch Sitzer als Sitz geht ja gar nicht. Was zeigen wir unserem Hund damit auf? Genau, dass wir uns nicht sicher sind. Wenn er schon aufsteht, dann korrigieren wir mit einem „Falsch“ (o. Ä.) und geben ein erneutes SITZ-Signal. Besser ist, er löst gar nicht von alleine auf, sondern wir kommen dem Hund zunächst – bis das SITZ sitzt – zuvor. Viele Menschen rufen auch aus dem SITZ ab, was oftmals dazu führt, dass Hund gar nicht richtig zur Ruhe kommt beim Sitzen, sondern schon auf dem Sprung ist. Gehen Sie lieber anfänglich zurück und holen ihn ab, damit er für das Sitzenbleiben belohnt wird, anstatt noch ein anderes Signal, nämlich das „Komm“ draufzusatteln.

Kommunikation geht auch ohne „Kommandos“

Natürlich kann man seinen Hund, wenn man das Haus verlassen will, beim Schuhezubinden oder an der Tür sitzen lassen – wer’s unbedingt möchte, weshalb nicht. Ich frage mich, wozu? Reicht es nicht, dass man seinem Hund körpersprachlich bedeutet, dass er hinten zu bleiben hat? Das Gleiche gilt auch für Hundebegegnungen an der Leine: Zwei Hunde sitzen sich gegenüber und die Menschen unterhalten sich. Weshalb auch nicht. Solange sie, die Hunde, sich nicht anstieren und unter Spannung sitzen. Meine Güte ... Die Frage ist nur, weshalb müssen sie sitzen? Könnten sie nicht auch stehen bleiben? Häufig baut das direkte Gegenübersitzen Spannung auf, was sich manchmal in einem prompten Nachvornegehen entlädt und den Besitzer „Das hat er ja noch nie gemacht“ ausrufen lässt. Wir, also mein Team und ich, sind Freunde davon, unsere Hunde körpersprachlich neben oder hinter uns zu halten und uns ist es egal, ob sie stehen, sitzen oder liegen. Das einzig Wichtige ist, dass sie nicht nach vorne, zu dem Gegenüber, „geiern“.

Hangeln/Mogeln wir uns nicht ein bissl mit unseren Signalen durchs (Hunde-)Leben? Sicher, Rituale geben Sicherheit und solange sie als Begleiterscheinung dienen, sind sie sicher hilfreich. Schwierig wird’s, wenn man sich ausschließlich darauf verlässt und außerhalb der Signales keinen ordentlichen Zugang zu seinem Hund findet. Was ist, wenn ich mal ohne Kekse außer Haus gehe, die ich als „Schnulli“ täglich in der Tasche mit mir führe? Was ist, wenn der Boden matschig und nass ist – wie sieht’s dann mit dem SITZ aus? Für uns ist wichtig, dass Hund gedanklich beim eigenen Menschen ist. Nein, nicht immer und stetig, aber wenn’s drauf ankommt. Ich möchte meinen Hund nicht im SITZ festnageln, wenn wir einem Hund begegnen, vor allem, wenn er trotzdem nach „vorne denkt“. Was wäre, wenn ich dieses Signal nicht geben würde? Würde er bei mir bleiben oder „durchgehen“? Unser Ziel ist, dass Hunde gedanklich „oben“, beim Menschen, sind, wissen, dass das Gegenüber nicht anzupöbeln ist – auch ohne SITZ/ PLATZ.

Kommandos sind nicht das Leben

SITZ/PLATZ wird geübt bis zum Umfallen – und, wie gesagt, es spricht nichts dagegen. Was ist aber mit der Orientierung an der Leine, die wir für so viel wichtiger halten? Das wäre doch mal ein hehres Ziel: durchhängende Leine in jeder Lebenslage. Woran hakt es? Was ist so anders im Trainingsaufbau? Es gibt ein Signal, bei uns „Bei“, und wir loben für „Gut“, für die durchhängende Leine. Es ist so einfach, aber das steht wieder auf einem anderen Blatt. Vielleicht liegt es daran, dass man SITZ und PLATZ so gut im Haus und ohne Ablenkung üben kann?

Ich denke, alles ist o.k. und rechtens, solange es nicht in Stein gemeißelt ist und man sich darüber im Klaren ist, dass ein SITZ (alternativ natürlich auch Platz etc.) nicht das ganze Leben ist.

PERDITA LÜBBE-SCHEUERMANN