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VON ANGST ERDRÜCKT?


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 10.03.2022

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BOMBENANGRIFFE, MENSCHEN AUF DER FLUCHT, WEINENDE KINDER, ZERSTÖRTE HÄUSER: Die Bilder in den Nachrichten sind kaum zu ertragen. Sich abzugrenzen fällt schwer – zumal wir nach neuen Informationen gieren und nicht die Augen verschließen wollen vor dem Krieg und seinen Konsequenzen. Seit Tagen halten uns Sorgen, Wut und Hilflosigkeit im Klammergriff: Wir fühlen uns ohnmächtig, ausgeliefert, bedroht. Wir leiden mit den Opfern und haben selbst Angst.

Hinzu kommt, dass unsere Batterien nach zwei Jahren Pandemie leer sind. Unsere seelische Widerstandsfähigkeit ist erschöpft, wir haben dem elenden Empfinden kaum mehr etwas entgegenzusetzen. Nachts dreht sich das ...

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... Gedankenkarussell, tagsüber kann man sich kaum auf die Arbeit konzentrieren. Alles, was Spaß macht, verbieten wir uns, weil es irgendwie pietätlos wirkt. Wie kommen wir da raus? Wie kriegen wir unsere Sorgen wieder in den Griff? Und wie verhindern wir, dass sich die Ängste auf unsere Kinder übertragen? Fragen, auf die Diplom-Sozialpädagoge Christian Zottl Antworten hat. Er ist Geschäftsführer der Deutsche Angst-Hilfe e.V. und sagt: „Wenn ich merke, dass es mich immer weiter runterzieht, dann sollte ich die Spirale ganz bewusst durchbrechen. STOP! Es ist ganz normal, dass uns das Thema beschäftigt, dass wir uns Sorgen machen und dass wir Angst haben. Die Angst soll schließlich unser Leben beschützen – aber sie soll es nicht bestimmen!“

Besonders wichtig sei es jetzt, den eigenen Nachrichtenkonsum zu überdenken. Ist es wirklich nötig, jeden Live-blog zu verfolgen? Die negativen Gefühle werden so nämlich ständig neu aufgewühlt. Es reicht doch aus, sich einmal täglich in den Nachrichten bzw. Brennpunkten zu informieren, oder? Zottl: „Verallgemeinert kann man schon sagen, dass ein übermäßiger Konsum von negativen Nachrichten sich negativ auf unser Wohlbefinden und letztlich auf unsere psychische Gesundheit auswirken kann. Es ist wie mit so vielen Dingen: In der Dosis liegt das Gift.“ Er rät: „Abends lieber ein gutes Buch lesen oder noch einen Spaziergang machen, anstatt sich die aktuellsten Nachrichten vor dem Einschlafen reinzuziehen.“

ABENDS LIEBER EINEN SPAZIERGANG MACHEN, ANSTATT SICH DIE NEUESTEN NACHRICHTEN REINZUZIEHEN

Zottls Tipp: „Machen Sie sich einen guten Plan für den nächsten Tag, mit wenigstens einer Sache, auf die Sie sich richtig freuen.“ Auch wenn es schwerfällt: Versuchen Sie bewusst, sich abzulenken. Niemandem ist geholfen, wenn Sie sich aus Solidarität einigeln und Hobbys vernachlässigen. Zottl schlägt vor, sich zu fragen: „Was hat mir früher schon mal in solchen Situationen geholfen? Was hat mir gutgetan? Eine gute Freundin anrufen? Einen gemeinsamen Spaziergang machen? Kochen, tanzen, singen, eine Wanderung unternehmen? Es gibt unzählige individuelle Möglichkeiten, sich etwas Gutes zu tun und sich auf andere Gedanken zu bringen.“

Um seiner Ohnmacht Herr zu werden, sollte man aktiv werden. Den Schrank nach Kleiderspenden durchforsten, zum Beispiel. Auch Kinder können mitmachen – indem sie beispielsweise eigenes Spielzeug verschenken. Geld wird ebenfalls gebraucht, und es ist überhaupt nicht schäbig, sich ein besseres Gewissen zu „erkaufen“. Vielleicht hilft beten, selbst wenn Sie nicht besonders religiös sind? Reden entlastet die Seele – also auch die Zwiesprache mit Gott.

Eltern belastet aktuell besonders die Frage, wie man es schafft, seine Sorgen so zu deckeln, dass sie sich nicht auf den Nachwuchs übertragen. Christian Zottl sagt: „Seien Sie den Kindern gegenüber ruhig authentisch, was Ihre Gefühle betrifft. Die spüren sowieso, wenn mit Ihnen was nicht stimmt, und so können sie es wenigstens richtig zuordnen. Auch wenn die Kinder fragen, würde ich ehrlich antworten und ihnen nichts künstlich vormachen. Aber natürlich möchte ich die Kinder nicht überfordern oder unnötig in Angst versetzen. Hier braucht es das richtige Fingerspitzengefühl der Eltern, denn sie kennen ihr Kind am besten.“ Er rät: „Fragen Sie Ihr Kind, was helfen würde, die Angst weniger werden zu lassen. Kinder haben hier oft phänomenal gute Einfälle!“ ■

Wenn Sie mit jemandem über Ihre Angst sprechen wollen, ist die Telefonseelsorge für Sie da: 0800/1110111. Experte Zottl ist es wichtig klarzustellen: „Wenn es Ihnen über mehrere Wochen nicht besser geht, sich die Gedankenspirale weiterdreht, dann empfiehlt es sich, professionelle Hilfe zu suchen. Zum Beispiel beim Hausarzt, beim Facharzt oder bei einer psychotherapeutischen Einrichtung.“