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Von Apothekerin Diana Helfrich: Kleines 1 × 1 der Medikamente


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Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 37/2019 vom 06.09.2019

Beipackzettel hin oder her – viele Deutsche schlucken ihre Medizin nicht so, wie es sein sollte. Das kann gefährlich werden. Die 10 wichtigsten Regeln


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 37/2019

Tabletten können heilen. Aber nur, wenn sie zur richtigen Zeit und auf korrekte Art genommen werden


Es ist wirklich erschreckend: Jährlich landen 1,6 Millionen Menschen bei uns wegen Medikamenten- Nebenwirkungen in der Notaufnahme. Und jeder zweite Deutsche hat schon mal unter den Nebenwirkungen von Medikamenten gelitten – oft wegen mangelhafter Aufklärung durch Arzt und Apotheker. „Eine besondere Krux ist, dass viele Patienten, z. B. mit Bluthochdruck oder ...

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Es ist wirklich erschreckend: Jährlich landen 1,6 Millionen Menschen bei uns wegen Medikamenten- Nebenwirkungen in der Notaufnahme. Und jeder zweite Deutsche hat schon mal unter den Nebenwirkungen von Medikamenten gelitten – oft wegen mangelhafter Aufklärung durch Arzt und Apotheker. „Eine besondere Krux ist, dass viele Patienten, z. B. mit Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten, ihre Medikamente gar nicht einnehmen, weil sie sich ja nicht krank fühlen“, betont die erfolgreich im Internet bloggende Apothekerin und Medizin-Journalistin Diana Helfrich (die-apothekerinihres-vertrauens.de) aus Hamburg. „Es wird geschätzt, dass die Hälfte der bei chronischen Krankheiten verordneten Arzneimittel nicht wie vorgesehen genommen wird. Das kann gefährlich werden, im Extremfall sogar zum Tod führen. Davor schützen ein paar klare Spielregeln für den richtigen Umgang mit Medikamenten.“
Hier Diana Helfrichs zehn wichtigsten Tipps:
1 Regelmäßig einnehmen
Einer der häufigsten Fehler ist die unregelmäßige Einnahme. „Nehmen Sie Ihre Medikamente möglichst immer zur gleichen Uhrzeit ein. Nur so wird ein gleichmäßiger Wirkstoff-Spiegel im Blut aufgebaut“, so Diana Helfrich. „Damit das auch klappt, legen Sie die Tablette z. B. neben die Kaffeemaschine oder Zahnbürste.“ Einmal täglich bedeutet: Immer zur gleichen Tageszeit – ein Puffer von zwei Stunden ist gerade noch okay. Zweimal täglich: Die Einnahme erfolgt alle zwölf Stunden. Dreimal täglich: morgens, mittags und vorm Schlafengehen. Idealerweise alle acht Stunden.
2 Medikationsplan führen
Der Medikationsplan der Krankenkassen (gibt’s als kostenlosen Download z. B. über akdae.de, bei der Krankenkasse, vom Arzt) erhöht die Therapie-Sicherheit von Medikamenten. Darin schreibt der Patient alle verordneten, aber auch selbst gekauften Medikamente – auch pflanzliche – auf. Mit Einnahmezeit, Dosierung etc. „Der Medikationsplan beugt Wechselwirkungen vor. Sie sollten ihn bei jedem Arztbesuch oder in der Apotheke dabeihaben“, so die Apothekerin.
3 Tabletten nicht einfach teilen
Aus Angst vor Nebenwirkungen die Dosis einfach reduzieren und Tabletten teilen: „Diese Variante des Nicht-Einnehmens birgt große Therapie-Risiken“, warnt die Apothekerin. „Beispiel Aspirin: Am Tag nur 250 mg ASS zu schlucken, taugt zwar zur Herzinfarkt- und Schlaganfall- Prophylaxe. Schmerzen stillt diese Dosis nicht.“ Manche Medikamente (z. B. Omeprazol in Säureblockern) haben einen magensaftresistenten Überzug. Wird der beim Teilen beschädigt, fällt der Schutzeffekt im Magen weg. „Retardtabletten sollen ihre Wirkung über den ganzen Tag entfalten. Brechen Sie sie auseinander, kann es sein, dass die Arznei unkontrolliert freigesetzt wird“, erklärt die Apothekerin.
4 Mit der richtigen Flüssigkeit schlucken
„Am besten schlucken Sie Medikamente mit einem vollen Glas Leitungswasser. Die Flüssigkeit hilft, dass die Tabletten oder Kapseln nicht in der Speiseröhre kleben bleiben.“ Außerdem führt das Wasser dazu, dass sich der Wirkstoff schnell freisetzt. Nicht so gut: Mineralwasser. Es kann viele Salze enthalten, die mit einigen Wirkstoffen stabile Komplexe bilden. Sie sind dann zu groß, können nicht mehr über die Darmwand in den Körper geschleust werden. Milch hat durch seinen hohen Kalziumanteil einen ähnlichen Negativeffekt. Und Grapefruitsaft kann die Wirkung von Medikamente um bis zu 70 Prozent steigern.
5 Auf die Darreichungsform achten
„Patienten beachten mitunter die Darreichungsform ihres Medikaments nicht. Da werden Lutsch- oder Kautabletten geschluckt, Vaginalzäpfchen in den After eingeführt“, weiß Diana Helfrich. „Lesen Sie darum unbedingt auch den Punkt: ‚Wie ist das Arzneimittel einzunehmen?‘ im Beipackzettel.“
6 Nach der Uhr des Körpers richten
Weil unser Bio-Rhythmus durch Hormone oder Stoffwechselvorgänge beeinflusst wird, wirken Medikamente nicht zu jeder Tageszeit gleich. Kortison-Präparate sollte man morgens einnehmen – dann haben sie die geringsten Nebenwirkungen, Antirheumatika dagegen abends, das wirkt Morgensteifigkeit entgegen. Cholesterinsenker („Statine“) abends nehmen, weil der Körper vor allem nachts Cholesterin bildet.
7 Ohne Besserung zum Arzt
Jeder Vierte von uns nimmt rezeptfreie Schmerzmittel vier Tage und länger ein. „Bei OTC-Präparaten wie Schmerzmitteln, Protonenpumpen- Inhibitoren gegen eine zu große Säureproduktion des Magens machen viele den Fehler, sich eine Packung nach der anderen zu kaufen. So ist das aber nicht gedacht“, warnt Helfrich. „Rezeptfreie Präparate sind nicht automatisch harmlos. Deshalb: Sollten Sie nach einer Packung keine Besserung spüren, gehen Sie zum Arzt.“
8 Keine Wechselwirkungen riskieren
Einige Arzneimittel können sich gegenseitig in ihrer Wirkung behindern. So können z. B. Eisen- und Kalzium- Präparate die Wirkung von Antibiotika und Osteoporose-Medikamenten behindern. Johanniskraut kann die Pille weniger zuverlässig machen. Die Schleimstoffe aus Flohund Leinsamen gegen Verstopfung können andere Arzneistoffe im Darm festhalten und deren Aufnahme einschränken. „Sprechen Sie vor der Ersteinnahme mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber. Manchmal erledigt sich das Thema schon, wenn man zwischen den Medikamenten einen Sicherheitsabstand von circa zwei
Stunden einhält“, rät Helfrich.
9 Verfallsdatum im Blick behalten
„Hat ein Präparat sein Verfallsdatum überschritten, ist nicht mehr garantiert, wie viel Wirkstoff enthalten ist.“ Bei Antibiotika zum Beispiel könnte die Dosis dann nicht mehr genügen, um Bakterien unschädlich zu machen. Das fördert auch Resistenzen. Bei einigen Präparaten können sogar schädliche Substanzen entstehen.
10 Im Schlafzimmer lagern
„Damit Arzneimittel wirksam bleiben, ist eine dunkle und trockene Lagerung wichtig.“ Ohne weitere Temperaturangabe bei ca. 15 bis 25 °C. Und nicht in Badezimmer oder Küche, wegen der zu hohen Luftfeuchtigkeit. Ideal sind Schlafzimmer oder Flur.

BUCH-TIPP

„Ich glaub, ich hab da was für Sie“ von Diana Helfrich, Mosaik, 272 Seiten, 15 Euro erscheint am 14. Oktober.


Fotos: Stephanie Brinkkoetter/Random House, Getty Images, Shutterstock, Verlagsgruppe Random House GmbH