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VON AUF WILDWASSER


Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2020 vom 07.08.2020

Noch nie gepaddelt, aber in Dir reift das ehrgeizige Ziel, schon bald die Wildwasser dieser Welt zu bezwingen? Zugegeben, der rasante Ritt durchs wilde Wasser sieht beeindruckend aus. Dazu die Bilder von tiefen Schluchten und Klammen. Der eine fürchtet sich vor so viel Wildheit, der andere will lieber gestern als morgen den ersten Wasserfall bezwingen. Doch dann ist da noch die Realität – und die liegt irgendwo dazwischen.


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FOTOS: CHRISTIAN ZICKE

Als Kanulehrer kann ich ein Lied davon singen. In den vergangenen 20 Jahren in diesem Beruf hatte ich es mit wirklich sehr unterschiedlichen Einsteigern zu tun, ...

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... das Spektrum ist enorm. Und tatsächlich haben wir in unseren Wildwasser- Einsteiger-Kursen, etwa an der Soca oder bei uns in Nordhein-Westfalen, regelmäßig Kursteilnehmer, die noch nie Kontakt zum Paddelsport hatten, noch nie ein Kajak oder einen Canadier auch nur berührt, geschweige denn in ihm gesessen haben. Okay, einige lesen die Kursbeschreibung nur flüchtig und denken dann, sie hätten sich zu einer »ganz normalen Paddeltour« in Slowenien angemeldet. Die meisten aber geben sich bewusst dem Abenteuer hin, wollen eine neue, völlig unbekannte Sportart von der Pike auf erlernen.

ALLER ANFANG IST SCHWER

Wie bei jeder Sportart ist es auch beim Kajakfahren so, dass die Grundfitness ihren Teil dazu beiträgt, wie aller Anfang verläuft. Doch viel wichtiger als Fitness sind ein starker Wille und Durchhaltevermögen. Denn im Wildwasser- Einsteigerkurs landen alle im Wasser. Anfangs noch freiwillig, um das Aussteigen aus dem gekenterten Kajak und das Sichern der Ausrüstung zu üben, später aber beim Kehrwasserfahren, Traversieren, Surfen, bei Steinkontakt oder in Wellen. Jede Situation auf dem Bach bietet sich als potentielle Kentermöglichkeit an. Den Highscore hält übrigens ein junger, sportlicher Teilnehmer aus dem Jahr 2002. Auf der Abschlussfahrt am sechsten Tag des Kurses ist er auf der Friedhofstrecke satte 23 mal geschwommen. Und meinte tatsächlich am Ende, er würde beim nächsten Mal sein Kajak lieber auf dem Autodach lassen, dann wäre das Schwimmen weniger anstrengend. So eine hohe Anzahl an Krauleinlagen ist allerdings nicht normal. In diesem Fall kam zur grundsätzlich schon anspruchsvollen Strecke, auf der der junge Mann bewusst außerhalb seiner Komfortzone unterwegs war, eine unentspannte Nacht im zu kühlen Schlafsack sowie eine ungesunde Grundangst hinzu. Er hatte sich vor der Fahrt zu viele Geschichten über die »Friedhofstrecke « und die darauf folgende »Siphon- Schlucht« durchgelesen. Das hat ihn zusätzlich eingeschüchtert und ihm letzten Endes jeden Biss genommen.

AB TAG DREI WIRD ES BESSER

Obwohl die ersten Tage auf dem Wasser für viele absolute Einsteiger echt hart sind, geben nur sehr wenige in den ersten Tagen auf. Grund dafür ist sicher, dass wir immer wieder betonen, dass es nach etwa drei Tagen deutlich ent- spannter wird. Denn Tag zwei und drei sind am »schlimmsten«.

Auch ein Wildwasserkurs beginnt bei Null – soll heißen, auf dem See. Hier wird beispielsweise das Kentern geübt, solange bis die Angst davor einem gesunden Respekt weicht. Die eine oder andere Theorie-Einheit über Kehrwasser, Kanten & Co. kommt auch dazu.


Nach dem ersten Tag auf dem See kommt an Tag zwei nämlich das erste Mal Strömung ins Spiel. Das Kajak macht dann was es will. Hat man auf dem Flachwasser, am Ende des ersten Tages, schon ein bisschen das Gefühl von Kontrolle gehabt, ist dieser Aha-Moment komplett verpufft, sobald der Bach fließt. Und dann will der Kajaklehrer auch noch, dass man anhält und in ein Kehrwasser fährt. Auch nach der besten Theorieeinheit hat sich einem der Sinn und Zweck des Kehrwasserfahrens nach Tag eins kaum erschlossen. Und dann noch diese Technik: Erst einmal die Kehrwasserlinie erkennen, dann noch mit Speed drauf zu fahren, im richtigen Winkel, wo man doch gestern auf dem See noch keine zehn Meter geradeaus fahren konnte. Es folgen Kanten und Kentern. Richtiges Schwimmen in der Strömung will schließlich auch gelernt sein …

Die ersten Übungen erfolgen natürlich an ganz leichten Kehrwassern mit einem sehr schönen Pool für das Bergen und Ausleeren des Kajaks. Ganz entspannt, wie in einem großen Freibad, nur das Wasser ist kälter. Aber um das zu realisieren, dazu braucht man ein bisschen, denn erst einmal ist alles ziemlich spannend.

Im Lauf des zweiten Tages gewöhnt man sich an das Kentern – und verliert zwangsläufig die Angst davor. Nur ein gewisser Respekt bleibt. Und tatsächlich klappt das mit der Kante auch schon etwas besser. Bis die Strömung zunimmt und man noch mehr kanten muss. Dann schwimmt man wieder. Oder wird wie ein Ball auf den Wellen hin und her geschupst. Am Ende des Tages ist man vollkommen erschöpft und schaufelt Unmengen an Essen in sich hinein. Und wie das schmeckt, Nudeln mit Tomatensoße – ein Traum! 150 Gramm? Für Paddler völlig indiskutabel. Ein ganzes Kilo muss her.

Am Tag drei geht es im Idealfall noch einmal auf denselben Flussabschnitt. Obwohl man wieder nach dem Kanten kentert, ist die Umgebung schon vertrauter, man weiß, dass hinter der nächsten Kurve kein Monsterwasserfall lauert, vor dem man nicht anhalten kann und erst recht kein Kehrwasser trifft. Am Nachmittag kommt fast so etwas wie Routine dazu. Außerdem kann man sich die Kraft besser einteilen. Schließlich ist klar, wie lang die Etappe ungefähr ist. Oder besser: wie kurz. Denn lange Strecken braucht es am Anfang nicht, lieber mehr üben!

CHECKLISTE FÜR DEN WILDWASSER-EINSTIEG
→ Suche Dir eine Kanuschule oder eine vertrauenswürdige Person, die sich wirklich auskennt.
→ Wähle das Gebiet mit Bedacht. Ein zu wilder Fluss oder ein zu wenig zugängliches Revier wird eher eine abschreckende Wirkung haben
→ Fange bei Null an. Wildwasserfahren beginnt auf dem See.
→ Übe Kentern bis die Angst weg ist. Ein gesunder Respekt darf bleiben.
→ Lerne Boot und Paddel nach dem Kentern fest zu halten, ans Ufer zu bringen und auszuleeren.
→ Übe die Grundtechniken wie Vorwärts- und Bogenschläge.
→ Übe das Kanten, die flache Paddelstütze und die richtige Sitzposition.
→ Suche Dir einen sehr leichten Flussabschnitt und übe Kehrwasserfahren, bevor Du eine längere Wildwassertour planst. Du benötigst einfache, sehr gut zu erkennende Kehrwasserlinien.
→ Dann folgen Winkel, Geschwindigkeit, Kante. Immer wieder.
→ Praktiziere das Schwimmen im Wildwasser, auch zu Übungszwecken.
→ Befasse Dich von Anfang an mit den wichtigsten Rettungstechniken (Wurfsack und Mannsicherung).
→ Versuche die Gefahren realistisch einzuschätzen. Schaffe keine Monster!
→ Lächle nach dem Auftauchen!

VIER BIS SECHS

Mit diesen Zahlen sind nicht die Wildwasserstufen gemeint, die sind nämlich noch in weiter Ferne. In den Tagen vier bis sechs kämpfen wir noch mit Wildwasser eins bis zwei. Allerdings ist jetzt klar, wofür dieses Kehrwasserfahren gut ist. Denn spätestens auf der oberen Soca kommen Stellen hinzu, die man nicht paddeln möchte. Noch nicht. Aber anhalten möchte man, zum Beispiel vor der »dritten Klamm«, dem »Bunkerschwall« und dem »Frauenschlucker «. Und dafür hat sich das Training in den letzten Tagen gelohnt. Anhalten geht bei schneller Strömung nämlich nur im Kehrwasser. Und hat man eins erwischt, das aber leider auf der falschen Flussseite ist, dann ergibt sogar das lästige Traversieren Sinn.

An Tag zwei und drei geht es auf den Bach und in die Strömung. Das Schwimmen blüht dabei jedem Kursteilnehmer, Durchhalte-Willen ist gefragt – es wird bald besser! Wichtiger Bestandteil des Kurses: Rettungstechniken wie Wurfsack und Mannsicherung.