Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Von Begehrlichkeiten und Merkwürdigkeiten


Sportschipper - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 04.01.2020

Ritterhudes Politik möchte gerne baden gehen. Dummerweise genau da, wo jetzt noch die Boote des Wassersportvereins Ritterhude (WVR) liegen. Eine vorzeitige Verlängerung des bis 2022 laufenden Pachtvertrages für das Grundstück, wie vom WVR zur Investitionssicherheit gefordert, hat jetzt die CDU/SPD-Mehrheit im Rat der Gemeinde an der Hamme abgelehnt. Aus Sicht des WVR-Vorsitzenden Gerd Möckel ging der Streit mit der Ortspolitik damit noch glimpflich aus: Ein runder Tisch soll im Jahr 2020 klären, wie es an der Ritterhuder Schleuse weiter geht.


Artikelbild für den Artikel "Von Begehrlichkeiten und Merkwürdigkeiten" aus der Ausgabe 10/2020 von Sportschipper. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Empört über das Vorgehen der Kommunalpolitiker: „Ohne unseren Protest hätten die das so durchgezogen, über unsere Köpfe hinweg“, sind sich (v.l.) Eugen Teske, Gerd Möckel und Thomas Wünsche vom WVR-Vorstand sicher.


(Foto: Christian Kosak)

Rückblende: Im November entdecken WVR-Mitglieder zufällig im Internet, dass im Ritterhuder Bauausschuss ein Vorstoß von CDU und SPD entschieden werden soll, dem Verein den bis 2022 laufenden Pachtvertrag nicht mehr zu verlängern. Mit dem Verein geredet hat von den Politikern darüber keiner, beteuert Gerd Möckel. Im Osterholzer Kreisblatt steht später als Begründung zu lesen, es solle geprüft werden, ob die Paddler der Wassersport-Sparte der TUSG Ritterhude und die AG’s der Schulen die Steganlagen nicht besser nutzen könnten. Auch solle untersucht werden, ob man dort nicht einen Badestrand nach Worpsweder Vorbild bauen könnte. Jürgen Kück, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat, wird mit einem Verweis auf das Gemeindeentwicklungskonzept zitiert, das gerade fortgeschrieben werde. Die Gemeinde solle sich alle Optionen offenhalten. Kück zum Kreisblatt: „Das ist nur legitim.“

Gerd Möckel ist als WVR-Vorsitzender schlicht perplex: Was soll das, fragt er sich? Der Verein hatte einen Antrag auf vorzeitige Verlängerung des Pachtvertrages gestellt, um nötige Investitionen in das Vereinsheim abzusichern. Und nun droht das Aus? Dabei prosperiert sein Verein in malerischer Lage direkt hinter der Ritterhuder Schleuse. Man hat 114 Mitglieder, über 25 große Boote an der Anlage und auch noch 31 kleine Boote vom Kanadier bis zum Wellenbinder in petto. Das Vereinsleben funktioniert, und alle zwei Jahre sorgt man mit dem deutschlandweit bekannten Holzkanadiertreffen für überregionale Aufmerksamkeit. Aber die Idylle hat immer wieder Begehrlichkeiten geweckt.


Ortspolitiker lehnen vorzeitige Verlängerung des Pachtvertrages mit dem WV Ritterhude ab – Verein fühlt sich übergangen – Runder Tisch soll zeitnah Klärung schaffen


SPD-Ratsherr Jürgen Kück erinnert sich im Blatt, man habe sich vor zehn Jahren als Rat Flexibiliät des WVR gewünscht, einen Zugang der TUSG-Paddler ans Wasser betreffend: „Uns wurde damals die kalte Schulter gezeigt.“ Der WVR habe damals auf seinen geltenden Pachtvertrag verwiesen. Gerd Möckel entkräftet diese Darstellung, indem er die damals bereits gefundene Lösung eines Runden Tisches noch einmal skizziert: Zusammen mit der Gemeinde und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) habe man sich darauf verständigt, dreißig Meter Steganlage und einen Teil des Vereinsgeländes abzutreten. Im Gegenzug sollte der NLWKN gegenüber des Vereinsgeländes auf der anderen Hamme-Seite zwei neue Wasserliegeplätze für den WVR schaffen. Der Plan sei so nur nie umgesetzt worden, sagt Möckel: „Es spricht also nichts gegen unseren Verein.“

Am dritten Dezember beginnt ab 17 Uhr der zweite Akt in dieser Lokalposse: Der Bauausschuss der Gemeinde tagt. Die Pressewirkung auf den schnellen Vorstoß von CDU und SPD ist den Akteuren jetzt schon sichtlich unangenehm. Man will das Thema entschärfen, indem man nur einer „vorzeitigen“ Verlängerung des Pachtvertrages nicht zustimmen will. Zumal herauskommt, dass im vertraulich tagenden Verwaltungsausschuss (VA) alle acht Mandatsträger noch vor dem Bauausschuss für die Nicht-Verlängerung des Pachtvertrages gestimmt hatten. Offenbar war das aber eher in der Fußnote des Antrages zu finden, der vor allem auf die Einrichtung einer Badestelle abhob. Die Grünen und die Bürgerfraktion/FDP distanzieren sich von ihrem Votum im VA und decken Interessantes auf. Von der Bitte des WVR, den Pachtvertrag vorzeitig verlängern zu lassen, um Fördergelder für Investitionen beantragen zu können, wusste die Opposition nichts. Für die Grünen ist das ganze Verfahren deshalb nicht ordentlich gelaufen. Auch die Gruppe Bürgerfraktion/FDP klagt, sie habe von einigen Interna im VA nichts gewusst. Sozialdemokrat Jürgen Kück sagt im Rat, alle VA-Mitglieder hätten nichts von dem WVR-Antrag gewusst.

Diese Merkwürdigkeiten werden in der Sitzung aber nicht mehr aufgelöst. Bürgermeisterin Susanne Geils (SPD) betont, es gehe gar nicht mehr darum, den Pachtvertrag gar nicht zu verlängern – nur eben nicht vorzeitig. So stimmt es schließlich nach einer hitzigen Debatte die Mehrheit von CDU und SPD ab. Man will den Badestrand und die Stegnutzung von TUSG und Schulen prüfen. Für Gerd Mökkel ist wichtiger, dass endlich auch mit dem WVR geredet werden soll: an einem Runden Tisch früh im Jahr 2020. Möckel: „Ich ahne, dass wir wohl dreißig Meter von unserem Grundstück werden abgeben müssen. Ob die eine Badestelle beim Landkreis genehmigt bekommen, so nah an einer Schleuse, wage ich mal leise zu bezweifeln.“ Aber diese Lektion solle die Gemeinde mal alleine lernen, findet Möckel, der immer noch ziemlich angesäuert ist über den versuchten Coup der Politik: „Ohne unseren Protest hätten die das so durchgezogen, über unsere Köpfe hinweg.“

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Die flotte Dreizehn. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die flotte Dreizehn
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Heino Tietjen geht von Bord. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Heino Tietjen geht von Bord
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Runter vom Sofa, rein ins Boot. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Runter vom Sofa, rein ins Boot
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Erinnerungen an eine verhinderte Legende. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Erinnerungen an eine verhinderte Legende
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Jungs hui – Mädels pfui. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jungs hui – Mädels pfui
Titelbild der Ausgabe 10/2020 von Zwischen Stift und Schot. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zwischen Stift und Schot
Nächster Artikel Die flotte Dreizehn
aus dieser Ausgabe