Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

Von der „AFWL“ über den „VFG“ zum „DVFG e.V.“: 70 Jahre im Verband organisierte Flüssiggaswirtschaft


Flüssiggas - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 21.06.2019

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Flüssiggas. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Flüssiggasabsatz in Deutschland erneut gestiegen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Flüssiggasabsatz in Deutschland erneut gestiegen
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Neue ifo-Studie: Gasantrieb emissionsärmer als Elektro. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue ifo-Studie: Gasantrieb emissionsärmer als Elektro
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Tyczka Energy GmbH, Geretsried: Verbundprojekt zur Energieeffizienz im Industriepark Braunau-Neukirchen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Tyczka Energy GmbH, Geretsried: Verbundprojekt zur Energieeffizienz im Industriepark Braunau-Neukirchen
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von FC Bayern München, Ü40-Senioren-Progas-Auswahl: Progas-Kicker:Sieger der Herzen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FC Bayern München, Ü40-Senioren-Progas-Auswahl: Progas-Kicker:Sieger der Herzen
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von 2. und 3. Mai in Starnberg: Zukunft im Fokus. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
2. und 3. Mai in Starnberg: Zukunft im Fokus
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Neuer Firmensitz der Scharr Tec in Hunderdorf: Vorzeigeprojekt für ein ausgefeiltes Energiekonzept. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neuer Firmensitz der Scharr Tec in Hunderdorf: Vorzeigeprojekt für ein ausgefeiltes Energiekonzept
Vorheriger Artikel
Der Flüssiggas-Sicherheitsdienst (FSD) im DVFG: Ehrenamtlich…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Flüssiggas-Gesamtabsatz 2018: Flüssiggas-Versorger verz…
aus dieser Ausgabe


Nach den schon im Vorjahr begonnenen Verhandlungen und Vorbereitungen schlossen sich am 13. September 1949 in Hannover 26 westdeutsche Flüssiggasversorger in der „Arbeitsgemeinschaft der Energieversorgungsunternehmen für den Vertrieb von Flüssiggas zur Gewinnung von Wärme und Licht“, kurz „AFWL“ genannt, zusammen. Als Sitz der Geschäftsstelle wird zunächst Frankfurt a. M. bestimmt. Nach einem kurzen, provisorischen Zwischenspiel in Mainburg/Niederbayern wird der Verbandssitz im Laufe des Jahres 1953 nach München verlegt.

Der Initiator der AFWL und deren Gründungsvorsitzender bis 15. April 1953 ist Johann Brand, ehemals für Flüssiggas zuständiger Direktor der Deurag-Nerag, Hannover und nun geschäftsführender Gesellschafter des von ihm 1946 gegründeten „Großverteilers“ Westfa, Hagen. Erster Geschäftsführer ist bis 31. Dezember 1951 Richard Baacke (ab 9. April 1952 Ehrenmitglied der AFWL und des Verbandes), vormals bei der I. G. Farben für Flüssiggas zuständig. So agierten in der Führung der neuen Branchenorganisation Männer mit fachlicher Kompetenz, die mit den Spezifika ihrer Branche vertraut waren.

Die Arbeitsgemeinschaft hatte satzungsgemäß folgende Aufgaben: „Die AFWL bezweckt, an einer zuverlässigen und technisch sicheren Versorgung der Allgemeinheit mit Flüssiggas zur Gewinnung von Wärme und Licht mitzuarbeiten und die gemeinsamen Interessen der Mitglieder zu fördern, insbesondere mit allen rechtlichen, sicherheitstechnischen und technischen Fragen zu beraten, die gemeinsamen Erfahrungen auszutauschen, die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, den übrigen Zweigen der Energiewirtschaft und der einschlägigen Industrie für die Herstellung von Versorgungs- und Verbrauchsgeräten zu pflegen.

Die AFWL bezweckt keinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Fragen der Preisbildung und Kontingentierung sind nicht Aufgaben der AFWL.“

Die AFWL organisierte das Zusammenwirken ihrer wachsenden Mitgliederschaft und erfüllte ihren satzungsgemäßen Auftrag. Nach dem altersbedingten Ausscheiden von AFWL-Geschäftsführer Richard Baacke zum 31. Dezember 1951 beendete 1953 auch Johann Brand seine Vorstandstätigkeit. Sein Nachfolger wurde Georg Tyczka, Inhaber der Georg Tyczka Industriegas GmbH in Schwarzenfeld/ Oberpfalz. Damit war die Anfangsphase der Verbandsführung durch Persönlichkeiten beendet, die in der Zeit vor und während des Krieges den beiden großen Flüssiggasproduzenten, der I. G. Farbenindustrie AG und der Deurag-Nerag, angehörten und ab 1942 ihre Aufgaben unter den Bedingungen des Propan-Syndikats erfüllt hatten.

Verbandsarbeit trägt erste Früchte

Mit großem unternehmerischen Einsatz sowohl im Großen als auch im Kleinen, in Konzentration auf die damals besonders mühevolle Tagesarbeit, auch dank der gut organisierten und fachlich hilfreichen Unterstützung der wie ein Verband agierenden Arbeitsgemeinschaft, konnte in Westdeutschland wieder ein Flüssiggas-Markt mit zunehmendem Umfang etabliert werden, was das Auftreten neuer Anbieter begünstigte. Schon 1955 verzeichnete die AFWL 78 Mitgliedsfirmen. 1959 waren es bereits 93. Die Entwicklung wurde dadurch begünstigt, dass Mineralölprodukte und auch Flüssiggas 1951 aus der staatlichen Steuerung und der Preisbindung entlassen wurden. Das machte den Weg frei für einen weitgehend liberalen Mineralölmarkt in der Bundesrepublik Deutschland. Der wirtschaftliche Aufschwung in der BRD ab den frühen 1950er-Jahren ließ die traditionellen und auch die neugegründeten Flüssiggas- Firmen prächtig gedeihen.

Aus „AFWL“ wird „VFG“

Die für ihre Mitgliedsfirmen sehr erfolgreich tätige „Arbeitsgemeinschaft“ wurde per Beschluss der Mitgliederversammlung des Jahres 1956 in Baden-Baden in einen offiziellen Verband mit allen Rechten und Pflichten eines solchen umgewandelt, in den „Verband der Flüssiggas-Großvertriebe e. V.“ (VFG). Der neue Verband hatte 82 ordentliche und 35 außerordentliche Mitglieder. Von der Geschäftsstelle koordinierte Ausschüsse befassten sich permanent oder bedarfsweise mit den einzelnen Arbeitsfeldern, wobei neben wirtschaftlichen und den für Flüssiggas relevanten politischen und rechtlichen Fragen die Technik mit ihrer sicheren Anwendung im Vordergrund stand. 1953 etablierte sich ein ständiger technischer Ausschuss mit Unterausschüssen für die laufenden Erörterungen auf diesem Sektor. Ein wichtiges Ergebnis dieser Aktivitäten war die erstmalige Herausgabe der „Technischen Regeln Flüssiggas“ (TRF 1954) für die Tagesarbeit der Firmen und ihrer Flaschengas- Vertriebsstellen. In den kommenden Jahrzehnten sollten Fortschreibungen und Ergänzungen dieses Regelwerkes folgen. Als weiteres Beispiel seien die später gemeinsam mit den Berufsgenossenschaften erarbeiteten Richtlinien für die Aufstellung ortsfester Flüssiggas-Behälter genannt.

Der derzeit amtierende Vorstand des DVFG e. V. (v. l. n. r.): Jobst-Dietrich Diercks, erster stellvertretender Vorsitzender (PRIMAGAS Energie GmbH & Co. KG); Sven Georg (Drachen Propangas GmbH); Dr. Ines Knauber-Daubenbüchel, zweite stellvertretende Vorsitzende (Knauber Gas GmbH & Co. KG); Rainer Scharr, Vorsitzender (Friedrich Scharr KG) und Fritz Gößwein (Gößwein Gas GmbH).


Foto: DVFG / Claudia Konerding

Das Wirken des Verbandes erstreckte sich auf viele weitere Felder, zunehmend auch auf Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Es galt, dem Hauptprodukt der Mitgliedsfirmen eine bessere Bekanntheit und eine positive Profilierung zu verschaffen, um den Vertrieb von Flüssiggas zu erleichtern. Im März 1955 bekommt die Flüssiggasbranche ihre eigene Zeitschrift. In Zusammenarbeit mit dem STROBEL VERLAG, Arnsberg, wird der „Flüssiggas-Dienst“ ins Leben gerufen. Das kleine, zunächst nur wenige Seiten umfassende Heft entwickelt sich im Lauf der Jahre zum modernen Magazin, das heute unter dem Titel „FLÜSSIGGAS“ zweimonatlich erscheint.

Flüssiggas für den Wärmemarkt

Hand in Hand mit den vertrieblichen Anstrengungen der Mitgliedsfirmen ging der Aufbau einer leistungs fähigen Lager- und Logistikorganisation, in die beträchtliche Investitionen flossen. Kundennähe und Versorgungssicherheit waren die Leit gedanken. Auf diese Weise entstand im Laufe der Jahre eine Infrastruktur von etwa 180 Lagerstandorten, die per Eisenbahn und auch per Schiff versorgt werden und als Lieferbasis für die Lieferfahrzeuge dienen. Häufig sind Füllbetriebe für Flaschengas angeschlossen. Die Wege zum Kunden sind vergleichsweise kurz, die Versorgung der Läger belastet nicht den Straßenverkehr. Dieses Versorgungssystem wird mit großem Aufwand kontinuierlich auf dem aktuellen betrieblichen und sicherheitstechnischen Stand gehalten.

Für das Flüssiggas-Endverbrauchergeschäft begann 1961 eine neue Phase, die große Perspektiven eröffnen sollte. Zusätzlich zum traditionellen Flaschengas wurde die Versorgung von Kunden mit entsprechendem Verbrauch mittels stationärer Lagertanks eingeführt. Diese Behälter wurden, vergleichbar dem Heizölhandel, mit Tankfahrzeugen beliefert. Diese Art der Kundenversorgung sollte künftig das Marktgeschehen prägen. Der Anteil des Flaschengases am Endverbrauchergeschäft pendelte sich schließlich im Laufe der Jahrzehnte auf eine Größenordnung von noch 10 % bis 15 % ein.

Aus „VFG“ wird „DVFG“

1967 erfolgte die Umbenennung des bisherigen „Verband der Flüssiggas-Großvertriebe e. V. (VFG)“ in „Verband für Flüssiggas e. V. (VFG)“. Die Geschäftsstelle war seit 1965 von München wieder ins zentraler gelegene Frankfurt a. M. verlegt worden. Auf europäischer Ebene formierte sich 1968 mit Sitz in Paris der europäische Flüssiggasverband AEGPL (Association Européenne des Gaz de Pétrole Liquefiés), mittlerweile umbenannt in Liquid Gas Europe. Dank des Engagements von Hans-J. Thyssen, Geschäftsführungsmitglied der Progas, Dortmund, zählte der VFG zu den Gründungsmitgliedern. Auch der Flüssiggas- Verband änderte 1980 ein weiteres Mal seinen Namen. Aus dem „Verband für Flüssiggas e. V.“ wurde der DVFG, der „Deutsche Verband Flüssiggas e. V.“. Seine Geschäftsstelle kam 1981 nach Kronberg im Taunus.

Die für die Energieversorgung maßgeblichen Prämissen und Leitgedanken hatten sich im Laufe der Jahrzehnte permanent verändert. Seit den 1970er- Jahren etablierte sich mehr und mehr der Umweltgedanke. Die Flüssiggas-Anbieter hatten mit ihrer schadstoffarmen Energie eine passende Antwort auf die Anforderungen der Zeit. Der gesamte Themenkomplex prägte natürlich auch die Verbandsarbeit.

Wiedervereinigung der Flüssiggasorganisationen aus Ost und West

Ein historische Großereignis, die Öffnung der Grenze der DDR zur Bundesrepublik in der Nacht zum 10. November 1989, und die daraus folgende Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands am 3. Oktober 1990, beschäftigte in hohem Maße den DVFG und seine Mitgliedsfirmemen.Schon am 6. / 7. Juni 1990 veranstalteten der DVFG und der Fachausschuss Flüssiggas der Kammer der Technik der DDR gemeinsam in Halle eine „Fachausstellung Flüssiggas“, um das gegenseitige Kennenlernen zu fördern. Es beteiligten sich über 50 Aussteller, vorwiegend aus dem Westen. Insgesamt kamen rund 2000 Besucher aus allen Bezirken der DDR, vor allem Vertreter der Flüssiggasbetriebe, des Fachhandwerks sowie Interessierte von Behörden und einschlägigen Organisationen. Die Anpassung und Vereinheitlichung des technischen Regel werks und sonstiger Rahmenbedingungen für die Flüssiggas-Verwendung in den Neuen Bundesländern ab dem 3. Oktober 1990 war eine große, erfolgreich bewältigte Aufgabe für den Verband.

Flüssiggas für den Mobilitätsmarkt

Nachdem die Gefährlichkeit der sogenannten Treibhausgase, allen voran CO2 , für das Weltklima nicht mehr zu über sehen war, erinnerte sich die Bundes regierung wieder des auch in dieser Hinsicht vorteilhaften Gasantriebs für Fahrzeuge. Als zusätzliche Komponente kam Erdgas als Kraftstoff hinzu. 1995 beschloss sie eine zunächst bis 2000 begrenzte, später bis 2009 verlängerte Steuer ermäßigung für Autogas und Erdgas als Kraftstoff. Die Folge war der vermehrte Bau von Autogas- Tankstellen und die Errichtung einiger weniger Erdgas-Zapfanlagen. Es war nicht zu über sehen, dass mit dem Erdgas-Kraftstoff ein zwar in der Marktpräsenz schwacher, aber überaus lobbystarker Wettbewerber mit exzellenter Presse arbeit erwachsen war.

Am 23. Dezember 2002 verabschiedete der Deutsche Bundestag ein von der damaligen rot / grünen Bundesregierung auf den Weg gebrachtes „Gesetz zur Fortentwicklung der ökologischen Steuerreform“, das ab 1. Januar 2003 die Verlängerung der Steuerermäßigung für Erdgaskraftstoff bis 2020 vorsah, Autogas aber klar benachteiligte, indem der Steuervorteil für dieses Produkt bis 2009 begrenzt blieb. Diesen politischen Eingriff in den Wettbewerb zweier gleichwertiger, auf dem gleichen Markt angebotener Produkte wollte und konnte die Flüssiggas- Wirtschaft nicht hinnehmen. Der Deutsche Flüssiggasverband formierte sich zu einem in einem solchen Ausmaß nie zuvor praktizierten Lobby- und PR-Feldzug. Um am Ort des Geschehens präsent zu sein, wurde das Büro des Verbandes im April 2003 vom beschaulichen Kronberg / Taunus nach Berlin verlegt. Ein Lenkungsausschuss Autogas mit angeschlossenen Arbeitsgruppen steuerte eine Vielzahl öffentlichkeitswirksamer Aktivitäten. Die politische Überzeugungsarbeit erforderte beträchtliche Arbeitskapazitäten.

Erfolgreiche Lobbyarbeit des DVFG

Der Erfolg für die Flüssiggasbranche stellte sich am 26. Juni 2006 ein. An diesem Tag beschloss der Deutsche Bundestag im Energiesteuergesetz eine Verlängerung der Steuerermäßigung für Autogas bis 2018. Die Steuerermäßigung für Erdgas als Kraftstoff wurde auf das gleiche Datum zurückgeführt, womit die angestrebte Gleichstellung beider Kraftstoffe erreicht war.

Dieses Gesetz hatte für die Flüssiggas- Anbieter eine befreiende Wirkung. Es entstanden bis 2016 ca. 7000 Autogas- Tankstellen, im gleichen Jahr waren ca. 500 000 Pkws mit Autogas-Antrieb auf Deutschlands Straßen zugelassen. Mittlerweile wurde 2017 die ursprünglich bis Ende 2018 befristete Steuerbegünstigung auf beide Gaskraftstoffe vom Gesetzgeber für Autogas in der bisherigen Höhe bis 2019 fortgeschrieben und soll dann bis 2022 degressiv abschmelzen und auslaufen. Die Steuerermäßigung für Erdgas als Kraftstoff soll bis 2023 unverändert bleiben und dann sukzessive abgebaut werden. Damit endet die vom DVFG mühsam erkämpfte steuerliche Gleichstellung beider Alternativkraftstoffe zugunsten des Erdgases.

Weitere Arbeitsfelder haben sich für den Flüssiggas-Verband ergeben. Mehr und mehr spielen regenerative Energien und deren Kompatibilität mit Flüssiggas eine Rolle. Auch Bio-Flüssiggas ist ein Thema. Der Blick der verantwortlichen Damen und Herren des DVFG ist nach vorne gerichtet und reicht über den nationalen Rahmen hinaus. Das Engagement im Europäischen Flüssiggas-Verband Liquid Gas Europe und im Weltverband für Flüssiggas (WLPGA) ist hierbei von großem Nutzen und hat eine zunehmende Bedeutung. Die Erfolgsgeschichte ssdes DVFG und seiner Vorgänger wird fortgeschrieben sswerden!