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VON DER SPANISCHEN FESTLANDSKÜSTE AUF DIE BALEAREN: An Spaniens Küsten…


Motorboot Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 12.04.2019
Artikelbild für den Artikel "VON DER SPANISCHEN FESTLANDSKÜSTE AUF DIE BALEAREN: An Spaniens Küsten…" aus der Ausgabe 5/2019 von Motorboot Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Motorboot Magazin, Ausgabe 5/2019

Der hübsche Hafen von Ciutadella (Menorca).


Leuchtturm "Far de Favàritx" an der Ostküste Menorcas auf dem Wege nach Ciutadella.


Als der starke Wind – Ausläufer des französischen Mistrals – abgeklungen ist, fahren wir bei herrlichen Bedingungen nach Mahón, der heutigen Hauptstadt der Insel Menorca. Mahón hat den mit über fünf Kilometer Länge größten Naturhafen Europas und damit nach Sidney den zweitgrößten der Welt.

Auch große Schiffe der Berufsschifffahrt, Marine und Kreuzfahrer laufen diese Destination problemlos an. Nach der teilweise überbordenden Betriebsamkeit Mallorcas überrascht Menorca mit einer ...

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... gemäßigteren Taktfrequenz. Wenn Mallorca sich als Model auf dem Laufsteg herausputzt, ähnelt Menorca mehr der Schönheit vom Lande. Auch der Deutschfaktor sackt rapide ab – nur die Engländer sind natürlich auch hier zugegen und prägen das Bild. Menorca hat wie die meisten Mittelmeerinseln eine wechselvolle Geschichte und gehörte zu unterschiedlichen Reichen. In der jüngeren Vergangenheit war es mal englisch, auch mal französisch und seit dem Frieden von Versailles (1783) spanisch. Mahón verfügt über mehrere Yachthäfen und erschließt sich dem Besucher von See daher sehr unterschiedlich. Wir müssen lange laufen, ehe sich uns die Reize dieser Stadt offenbaren. Da wir auf den Balearen an anderer Stelle mehr Zeit verbracht haben, bleibt für Menorca nun etwas weniger übrig als ursprünglich geplant. So laufen wir schon am nächsten Tag wieder aus und umrunden die felsige, oft vom Mistral gepeinigte Nordküste bei geradezu idealen Fahrbedingungen. Außer einigen Buchten zum Ankern finden wir auf Menorca nur noch einen zweiten Hafen, der für uns geeignet ist. Ciutadella liegt an der nordwestlichen Spitze von Menorca in einem niedlichen, schlauchartigen Naturhafen. Ciutadella war bis ins 18. Jahrhundert die Hauptstadt der Insel und weist immer noch eine geringfügig höhere Bevölkerungszahl auf als Mahón. Der Charme des Ortes beginnt direkt am Hafen und setzt sich in den Gassen der gemütlichen Altstadt fort. Überall sieht man geschmückte Läden, weinrote Fahnen und Girlanden, die das bevorstehende größte Volksfest der Insel „Sant Joan“ ankündigen. Wer etwas für Pferde-Reiter-Tradition sowie für Jubel-Trubel-Heiterkeit übrig hat, sollte die um den 24. Juni herum stattfindenden Feier-lichkeiten nicht verpassen.

Trotz der dem Schutzheiligen St. Johannes dargebrachten Ehrerbietung lebt Ciutadella mit einer großen Gefahr von See, vor der auch Sant Joan bislang nicht schützen konnte. Unter bestimmten meteorologischen Bedingungen kann eine „Rissaga“ entstehen – ein Tsunami, der nicht durch ein Erdbeben, sondern durch starke Luftdruckschwankungen und Resonanzphänomene im Meer ausgelöst wird. Er kommt nur ein- bis zweimal im Jahr vor und ist meistens eher schwach ausgeprägt. Unter bestimmten Bedingungen kann es jedoch sein, dass der Hafen in kürzester Zeit leerläuft und dann kurz danach von einer mehrere Meter hohen Flutwelle heimgesucht wird. Die letzten großen Rissagas fanden am 21. Juni 1984 und 15. Juni 2006 mit einer vier Meter hohen Flutwelle statt. Sie hatten verheerende Folgen und verursachten Schäden in Millionenhöhe an Bars, Restaurants und Booten, von denen allein dreißig im Hafen von Ciutadella sanken. Grundsätzlich ist das Phänomen im gesamten Mittelmeerraum unter regional unterschiedlichen Namen bekannt. Aber auch in Japan und selbst an Nord- und Ostsee kann diese Erscheinungsform auftreten – bei uns wird sie als „Seebär“ bezeichnet.
Wir bleiben von derartigen Überraschungen verschont und genießen Ciutadella, bevor wir zurück nach Mallorca fahren – diesmal allerdings an die felsige Nordwestküste mit dem schroff aufragenden Tramuntana-Gebirge. Wenn man hier auf Serpentinen durch die fast 1500 Meter hohe Bergwelt fährt, glaubt man in den Alpen zu sein. Wir treffen uns mit Freunden, die sich in der Nähe von Palma eine Wohnung gekauft haben, auf unserem Schiff in Port de Sóller, um dann später in Santa Maria zum Essen zu gehen. Das „Bistro 19“ gehört zum von Schweizern betriebenen Komplex „Livingdreams“, wo man auch individuell angefertigte Möbel kaufen kann. Das uralte, aber schick renovierte Gemäuer verfügt neben einem sehenswerten Weinkeller über einen noch von den Arabern gebauten tiefen Brunnen. Dann ist es schließlich soweit: die 100-Seemeilen-Überfahrt (etwa 190 km in 10 Stunden) nach Barcelona steht an. Der Wettergott ist uns hold und so fahren wir fast die gesamte Zeit auf einem schnurgeraden 345°-Kurs über das Balearen-Meer. Die Eintönigkeit wird nur unterbrochen durch Delphine, die wir zum wiederholten Male sehen, und einen deutschen Segler, dessen Kurs wir kreuzen und der uns sicherheitshalber anfunkt, ob wir ihn sehen und nicht bereits eingeschlafen sind. Für kurze Zeit haben wir sogar eine Mobilfunk-Netzverbindung – und das mitten auf See 60 Seemeilen von Barcelona und 40 Seemeilen von Mallorca entfernt.
Normalerweise ist spätestens bei 20 Seemeilen Schluss – es bleibt unklar, warum das hier und heute mal anders ist. Wir schreiben fleißig Messages und Emails, aber als wir gerade auch noch telefonieren wollen, bricht die Verbindung zusammen und kommt auch erst fünf Stunden später ungefähr zehn Seemeilen vor Barcelona wieder zustande. Ähnlich Unerklärliches haben wir kürzlich bei der Überfahrt von Menorca nach Mallorca erlebt, als ich klare AIS-Signale von anderen Schiffen aus dem Hafen von Tarragona empfing – 107 nautische Meilen oder 200 Kilometer entfernt!

Auf der nordöstlichsten Spitze von Mallorca steht der Leuchtturm Cap de Formentor.


Mit der Seilbahn "Teleférico de Puerto" über den riesigen Hafen von Barcelona.


Wenn man sich einem Ort von See aus nähert, ist die Wahrnehmung grundsätzlich eine andere als von Land – und Barcelona macht hier keine Ausnahme. Zuerst treten schemenhaft die Umrisse der Berge hervor, die sich nach und nach von einem hellen in ein dunkles Grau verwandeln. Erst viel später lassen weiße Flecken und kleine Spitzen auf den Bergen die Bebauung erahnen. Schließlich nimmt Barcelona Formen an – man erkennt die großen Containerkräne und Öltanks des westlichen Industriehafens, bevor einzelne große Schiffe und die Stadtbebauung identifizierbar werden. Große kommerzielle Häfen sind professionell organisiert und man tut als kleines Sportboot gut daran, den in der Seekarte ausgewiesenen Wegen zu folgen.
Unsere Marina Port Vell liegt direkt im Zentrum Barcelonas und ist am besten über den Northern Entrance zu erreichen, der auch von der Berufsschifffahrt genutzt wird. Von der von Molen geschützten Hafeneinfahrt bis zur Marina sind noch mehrere Hafenbecken zu durchfahren-insgesamt etwa sechs Kilometer.
Den Liegeplatz in Barcelona haben wir vorsichtshalber schon Monate im Voraus reserviert und angezahlt, da wir unser Schiff hier liegen lassen und für zwei Wochen nach Hause fliegen wollen. Der Professionalität auf der Emailebene folgt zunächst eine kleine Enttäuschung in der Praxis: der diensttuende Marinero hat uns nicht auf seiner Ankunftsliste. Wir müssen also warten, aber der Hafen ist groß und auch nicht überfüllt, sodass wir schließlich einen guten Liegeplatz zugewiesen bekommen. Der ist allerdings so eng, dass wir ohne Fender-Berührung auf beiden Seiten nicht hineinkommen.
Aber dafür sind Fender ja da – schließlich liegen wir gut vertäut wie in einer Presspassung am Steg. Da wir seit unserem letzten Hafen auf Mallorca ein technisches Problem mit der ausfahrbaren Gangway am Heck haben, müssen wir etwas näher an die Pier, da wir sonst gar nicht von Bord kommen. Leider lässt sich durch die Störung auch die als Handlauf dienende Leine nicht ausfahren, sodass man schon etwas schwindelfrei sein und eine gute Balance haben muss, um an oder von Bord zu gelangen. Insbesondere mit schweren Koffern ist das fast schon ein kleiner Drahtseilakt. Dies teilen wir auch unseren amerikanischen Freunden Connie und Dan mit, die zeitgleich in Barcelona angekommen sind und eigentlich drei Tage an Bord verbringen sollen. Daraufhin bleiben die beiden lieber im Hotel an Land und wir verabreden uns zu gemeinsamen Aktivitäten in der Stadt.
Barcelona ist die Hauptstadt Kataloniens und mit ihren 1,6 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Spaniens. Damit ist Barcelona auch die elftgrößte Gemeinde der Europäischen Union-nach Hamburg die zweitgrößte, die nicht die Hauptstadt eines Mitgliedstaates ist- und nach Paris die am zweitdichtesten besiedelte Millionenstadt Europas. Im weiteren Einzugsbereich der Metropolregion leben insgesamt fast fünf Millionen Menschen. Mit jährlich mehr als sieben Millionen Touristen aus dem Ausland zählt Barcelona überdies zu den drei meistbesuchten Städten Europas. Und genauso wirkt Barcelona auch auf uns, ohne diese ganzen Zahlen zu kennen: eine attraktive quirlige Millionenstadt, die von Tradition zu Moderne, von Stränden bis zu Bergen und von träumerischer Beschaulichkeit bis zu sprudelnder Vielfalt alles zu bieten hat. Zu den weltbekannten Highlights gehört natürlich die von dem Architekten Antonio Gaudí 1882 begonnene Basilika „Sagrada Família“. Noch immer unvollendet soll der Bau zum 100. Todestag von Gaudí im Jahre 2026 fertiggestellt sein. Aber auch im jetzigen Zustand, wo im Wesentlichen nur noch einige der insgesamt 18 Türme fehlen, entfaltet die Basilika bereits ihre Wirkung. Die Struktur des Kirchenschiffs ist der Natur nachempfunden und einzigartig – so etwas haben wir noch nirgendwo auf der Welt gesehen.

Die weltberühmte Kathedrale Sagrada Familia in Barcelona soll 2026 fertiggestellt sein.


Was menschliche Vorstellungskraft erschaffen kann: im Inneren der Sagrada Familia.


Dann die farbigen Fenster mit dem hereinfallenden Licht – es bedarf schon eines genialen Baumeisters, um sich derartige Effekte überhaupt vorstellen, geschweige denn erzeugen zu können. Nichts ist hier dem Zufall überlassen, alles erscheint durchdacht und genauso gewollt. Und hinter allem stecken nicht nur neue technische Ideen, neue Materialien, neue Modellversuche, sondern vor allem eine durchgehende Philosophie, die sich am Respekt für die Größe der Schöpfung orientiert. Wie bei jeder anderen bedeutenden Kathedrale beeindruckt mich auch hier, mit welcher Selbstverständlichkeit die Menschen früher derartige Projekte angingen und sich ihnen oft ein Leben lang verschrieben, obwohl sie sich bewusst waren, die Fertigstellung nie zu erleben. Wer in unserer heutigen Zeit kann diese Größe noch für sich beanspruchen? Nach einer kurzen Stippvisite zuhause im ebenfalls heißen Deutschland geht es vom pulsierenden Barcelona aus mit Schwester, Schwager und Cousine weiter entlang an der Costa Brava. Die erste Etappe nach Palamòs überrascht dabei trotz herrlichstem Sonnenschein und kaum Wind mit etwas unruhiger See. Vom relativ schmucklosen Hafen erreicht man über einen kleinen Hügel das völlig vom Tourismus geprägte Ortszentrum. Im Vergleich zu zahlreichen wunderschönen Altstädten fällt Palamòs deutlich ab. Dafür nutze ich die räumliche Nähe, um dem kleinen Küstenort Tamariu einen Besuch abzustatten. Hier waren wir vor über 45 Jahren mit unserem alten Ford Transit der Aachener Band „Rufus Zuphall“ und haben im kleinen „Hotel Tamariu“ direkt am Strand gewohnt. Das Hotel steht immer noch da und der Ort ist immer noch hübsch anzusehen – wie schön, dass die Walze des Massentourismus hier noch nicht alles plattgemacht hat!

Ausfahrt aus dem herrlich zentral gelegenen Yachthafen Port Vell in Barcelona.


Der Leuchtturm „Far del Cap de Creus“ im Licht der untergehenden Sonne.


Unser letzter spanischer Hafen Roses wird – bedingt durch den ganz in der Nähe herumtobenden Mistral – für drei Nächte unser Domizil und Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen ins Umland. Als wir nach Figueres ins Dalí-Museum fahren, türmen sich gewaltige Gewitterwolken auf, die sich mit Blitz, Donner und sintflutartigen Regenfällen entladen – seit Wochen der erste Regen. Viele in der Warteschlange stehende Museumsbesucher werden völlig überrascht und sind bis auf die Haut durchnässt. Nach Pablo Picasso kommen wir dort einem weiteren großen spanischen Künstler etwas näher. Seine Skurrilität mag nicht jedermanns Sache sein, aber wir entdecken ihn für uns neu als brillanten Schmuckdesigner und genialen Meister optischer Tricks. Dalí hat viel Zeit in Portlligat an der Küste verbracht, wo seine gut situierten Eltern ein Sommerhaus besaßen – heute ebenfalls ein Dalí-Museum. Die beeindruckende Felsenlandschaft um das Cap de Creus findet sich in vielen seiner frühen Bilder wieder. Ganz in der Nähe liegt Cadaqués – ein hübscher Ort, der zum Träumen einlädt und nicht umsonst das St.Tropez Spaniens genannt wird.

Einer meiner Lieblingsmomente: ein Glas spanischen Brandys bei Sonnenuntergang.

Die Crew

Jutta und Thomas Kittel aus Aukrug in Schleswig-Holstein haben mit ihrer Marlow 72 Explorer „Azura“ weite Teile Europas bereist. Mit ihrer Reise 2018 entlang der spanischen und der französischen Küste und zu den Balearen, nach Sardinien und Korsika wurden sie zum wiederholten Male Sieger in der Klasse Mastersport beim Fahrtenwettbewerb des DMYV. Thomas Kittel ist Mitglied der Sportbootvereinigung im DMYV (SBV) und beschreibt seine Fahrten in spannenden und interessanten Reiseberichten für die Leser der WasserSport.