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Von Electroherb-Technologie bis zu anfälligen Fargesia


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 33/2019 vom 17.08.2019

Rund 80 Fachbesucher lockte der diesjährige Baumschultag der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) im August nach Bad Zwischenahn. Die Schwerpunkte in diesem Jahr waren vielfältig: die Unkrautbekämpfung mit Electroherb-Technologie, Wasserdruck und Herbiziden, die Untersuchung von Schmierläusen an Fargesia und Schäden durch den Herbizidwirkstoff Aminopyralid im Substrat sowie Kulturversuche zur Düngung von Containerpflanzen und Sortentestungen von Loorbeerkirsche, Zwergflieder und Buchsbaum .


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Artikelbild für den Artikel "Von Electroherb-Technologie bis zu anfälligen Fargesia" aus der Ausgabe 33/2019 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 33/2019

Heinrich Beltz Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Bad Zwischenahn


Unter Strom: ...

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... Electroherb-Technologie gegen Unkraut
Einen der Höhepunkte der Veranstaltung bildete die Vorführung eines noch in der Entwicklung der Firmen Neudorff und Zasso befindlichen Gerätes, welches Unkraut mit Strom in Form der Electroherb-Technologie mit einer Spannung von 7.000 bis 8.000 Volt bekämpft(siehe auch TASPO 24/19) . Bei der Vorführung in Bad Zwischenahn zeigte der Prototyp eine gute Wirkung gegen größere Unkräuter in den Fugen eines gepflasterten Weges zwischen zwei Containerflächen. Wenn die Electroherb-Technologie sich bewährt, ist sie für Baumschulen sehr interessant, einerseits für gepflasterte oder geschotterte Wege, andererseits aber vielleicht auch als Alternative zum mechanischen Stockräumer. Denn bei dessen Einsatz darf – wie bei allen Methoden der mechanischen Unkrautbekämpfung – die Boden- und Luftfeuchte nicht zu hoch sein, es darf also nicht bewässert werden und kein Regen fallen. Die Wirkung des Electroherb-Gerätes stören weder Beregnung noch Niederschlag oder hohe Luftfeuchte nach der Behandlung.

Mit Wasserdruck Unkraut bekämpfen: der GrassKiller
Die Firma Dröppelmann präsentierte mit ihrem GrassKiller ein Gerät, das mit einem Wasserdruck von 1.000 bar Unkraut bekämpfen kann. Es besteht aus einem Wassertank und einem hydraulisch verstellbaren, 38 Zentimeter breiten, rotierenden Teller mit vier Hochdruckdüsen. Eindrucksvoll war die Kraft, mit der die Maschine mit wenig Wasseraufwand Unkraut aus Pflasterfugen, in den Reihen eines Baumschulquartiers und – schräg gestellt – durch einen Zaun hindurch zerschlug. Der Preis soll etwas unter 40.000 Euro liegen.

Schäden durch Aminopyralid im Substrat
Nachdem im Frühjahr von einem kleineren Erdenwerk Substrate ausgeliefert worden waren, die mit dem Herbizidwirkstoff Aminopyralid (zum Beispiel im Herbizid Simplex) kontaminiert waren, wurde ein Demonstrationsversuch angelegt, in dem bei einem breiten Sortiment von Baumschulgehölzen in 21 Gattungen, Arten und Sorten die Reaktion auf verschiedene Mengen des Herbizids Simplex gezeigt wurde. Überraschend war, dass trotz der Selektivität des Wirkstoffs alle Testpflanzen ähnlich reagierten und zum Teil schon bei geringen Mengen deutliche Schadsymptome zeigten. SogarFargesia litten unter Schäden, obwohl das Herbizid für Gräser eigentlich relativ gut verträglich ist.

Unkrautbekämpfung mit Herbiziden
Einen weiteren Schwerpunkt der Versuchsarbeit bildet die Unkrautbekämpfung mit Herbiziden. Nachdem mit Glufosinat (zum Beispiel im Produkt Basta) einer der wichtigsten Wirkstoffe zur Bekämpfung vorhandener Verunkrautung in Ziergehölzen mangels Zulassung seit dem 31. Juli 2017 nicht mehr eingesetzt werden darf, ist auch die Zukunft des zweiten in der Praxis bewährten Wirkstoffs Glyphosat (beispielsweise in Roundup-Produkten) fraglich. Die chemische Unkrautbekämpfung wird bei Verzicht auf den Wirkstoff Glyphosat erheblich schwieriger werden. Viele der zur Wahl stehenden Herbizide müssen gegen deutlich jüngere Stadien eingesetzt werden, und das Spektrum der auflaufenden Unkräuter muss genauer bekannt sein als bei dem sehr breit wirksamen Glyphosat. Außerdem fehlt es noch an Erfahrungen zur Verträglichkeit vieler Produkte. Versuche zu Alternativen zu Glyphosat laufen zurzeit unter anderem in der LVG Bad Zwischenahn. Interessierte Betriebe sind eingeladen, sich zum Erfahrungsaustausch an die dortigen Fachleute zu wenden. Besondere Aufmerksamkeit wird in den Versuchen zum Herbizideinsatz auf Erdmandelgras gelegt,Cyperus esculentes (siehe Foto). Dabei handelt es sich um ein schwer bekämpfbares Gras, das in Knollen („Erdmandeln“) überdauert. Im Ammerland ist es noch nicht verbreitet, aber es wird befürchtet, dass es über Pflanzenimporte aus den Niederlanden auch in deutsche Anbaugebiete kommen könnte.

Kulturversuche rund um die Düngung von Containerpflanzen
Zurzeit werden an der LVG Bad Zwischenahn etwa 70 Baumschulversuche durchgeführt. Einen Schwerpunkt bilden dabei Versuche zur Düngung von Containerpflanzen. Neben umfangreichen Depotdüngervergleichen im Auftrag führender Hersteller wie ICL (Osmocote) und Arysta (Nutricote), werden vor allem die Ursachen von Ernährungsstörungen untersucht, zum Beispiel Verbräunungen an Blattspitzen von Gräsern, Triebspitzenschäden anThuja ‘Smaragd’, weiße Blattflecken („Geisterflecken“) anPhotinia (siehe Foto) oder nekrotische Blattflecken anCaryopteris . Nach Beendigung des TeiGa-Projektes zum Einsatz von Torfersatzstoffen im Gartenbau am 28. Februar 2019 wurde in diesem Jahr eine kleine „Pause“ bei den Versuchen zum Torfersatz eingelegt. Es sind mehrere Projekte zu diesem Thema beantragt, sodass der Torfersatz zukünftig wohl wieder verstärkt in den Vordergrund treten wird.

Im Fokus: Schmierläuse an Fargesia-Sorten
Ein neues Versuchsthema sind Schmierläuse anFargesia . In einer Bachelor- Arbeit untersucht Marcel Nolte, Student der Hochschule Osnabrück, die Wirkung unterschiedlicher Insektizide auf diesen Problemschädling. Parallel wird die Sortenverträglichkeit gegenüber dem Insektizid Movento SC 100 untersucht, und in einem Sichtungsversuch wird die Anfälligkeit unterschiedlicherFargesia -Sorten für den Befall mit Schmierläusen und anderen Schädlingen beobachtet.

Sortentestungen von Loorbeerkirsche, Zwergflieder, Buchsbaum
Sortimentsspezialist Björn Ehsen stellte die Sortimentsprüfungen der LVG vor. Im Rahmen der Bundes-Gehölzsichtung wurde ein Vergleich verschiedener Sorten von Lorbeerkirschen (Prunus laurocerasus ), Portugiesischen Lorbeerkirschen (Prunus lusitanica ) sowiePhotinia angelegt. Bei den remontierenden Hortensiensorten zeigen momentan ‘Diva fiore’, ‘You & Me Together’ und die Endless Summer- Serie einen besonders reichen Blütenansatz. Die Sorte ‘You & Me Together’ erwies sich als besonders hitzebeständig. Im Vergleich von Zwergfliedersorten zeichnen sich momentan besonders die Sorten ‘Tinkerbelle’ (siehe Foto), Bloomerang ‘Dark Purple’ sowie ‘Palibin’ und ‘Red Pixie’ durch ihre reiche sommerliche Blüte aus.

Die Sichtung von Buchsbaumsorten und von Alternativpflanzen zu Buchsbaum ist einer der am meisten nachgefragten Sortimentsversuche der LVG Bad Zwischenahn. Der Sortenvergleich der Buchsbaumsorten wird im Herbst 2019 geräumt und als Nachfolgeversuch ein Vergleich von Sorten gepflanzt, die besonders widerstandsfähig gegen den Blattfall (Cylindrocladium buxicola syn.Calonectria pseudonaviculata ,C. henricotiae ) sein sollen, darunter voraussichtlich die neuen Sorten der Baumschule Herplant aus Belgien.

Außerdem werden Sortenvergleiche zuLagerstroemia , kleinblumigenRhododendron , Japanischen Azaleen,Hamamelis , neuen Alleebaumsorten („Klimabäumen“) und schlank wachsenden Hainbuchen durchgeführt.


Fotos: Heinrich Beltz