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Von Elefanten-Reiten bis Walhai-Schnorcheln: Touristen-Spaß? Nein, Tierquälerei!


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 35/2018 vom 24.08.2018

Exotischen Tieren mal ganz nahe sein! „Diese Sehnsucht steckt in vielen Menschen“, sagt Adeline Fischer (l.) von der Artenschutzorganisation „Pro Wildlife“. Und so buchen sie – oft ohne es zu ahnen – im Urlaub Ausflüge, Trips und Abenteuer, für die „wilde“ Tiere leiden müssen


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 35/2018

Das Leid der Esel Lustig für Touristen, Schwerstarbeit für die Esel: Sie warten oft in sengender Sonne angebunden auf die nächsten Kunden, werden mit Stockschlägen vorwärts getrieben


Tausende Euro zahlen zum Beispiel Kreuzfahrt-Passagiere, um Eisbären zu beobachten – von so dicht dran wie möglich. Im Juli kam die „MS Bremen“ auf ...

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Tausende Euro zahlen zum Beispiel Kreuzfahrt-Passagiere, um Eisbären zu beobachten – von so dicht dran wie möglich. Im Juli kam die „MS Bremen“ auf ihrer Tour nach Spitzbergen einem Eisbär in der Arktiszu nah. Das Tier reagierte artgerecht aggressiv – ein Crew-Mitarbeiter erschoss es „aus Notwehr“. Letzter tödlicher Höhepunkt in einer Tourismus-Branche, die immer häufiger auf Kosten hilfloser Tiere mit Abenteuern lockt. Und die Branche boomt.

„Die Sehnsucht, Exoten zu treffen, sie am liebsten auch noch anzufassen, ist groß“, erklärt Artenschützerin Adeline Fischer (31). „So groß, dass vergessen wird, wie viel Stress das für die Tiere bedeutet.“

Dass Exoten oft extra für solche „Abenteuer“ ruhig gestellt, gefügig gemacht werden? „Das blenden die Leute lieber aus.“

Auch der Wunsch nach der ganz besonderen Erinnerung heizt die Qual-Industrie weiter an: „Die Jagd nach dem spektakulärsten Selfie mit einem wilden Tier kennt keine Grenzen mehr“, sagt die Expertin.

Auch Tierfreunde fallen auf Geschäftemacher rein. Adeline Fischer: „Da gilt so ein bisschen das Motto, fremde Länder – fremde Sitten‘. Bei uns wird auf Pferden geritten, da können doch Kamelritte in Afrika oder Elefantenritte in Asien nichts Schlimmes sein. Aber doch, das können sie!“

Kreuzfahrt-Opfer: Dieser Eisbär griff ein Crew-Mitglied an, wurde erschossen


Text: Anke Rottmann; Fotos: dpa (4), Caters, Getty (2), Pro Wildlife (2)

WALHAIE

… angelockt zum Schnorchel-Spaß
Fischer füttern die Giganten der Meere täglich mit Shrimps an - und fahren dann die Touristenboote an die Futterplätze. Für den Schnorchel-Spaß mit Walhai! Viele der sanften Riesen werden von den Schiffen verletzt.

LÖWENBABYS

… geboren, um zu sterben
„Löwen werden gezüchtet, die Babys direkt von den Müttern getrennt“, sagt Adeline Fischer. Die Kleinen landen oft in „Schutzstationen“, die sogenannte Volunteer-Programme anbieten: „Menschen zahlen bis zu 2000 Euro, um die Löwenkinder mit der Flasche aufzuziehen. Ihnen wird erzählt, die Babys seien Waisen.“ Danach werden die Kleinen „Foto-Löwen“ für Touristen – und zum Schluss zur „Trophäe“ von Jägern.

MAKAKEN

… pflücken Kokosnüsse für Touristen
In Asien lassen angebliche Kokosnuss-Bauern Nüsse für Touristen von kleinen Makaken vom Baum holen. Die Pflück-Show kostet 5 Euro – danach verschwindet das Äffchen wieder angekettet im Mini-Käfig.

ELEFANTEN

… zum Gehorsam gequält
In Thailand, Myanmar, Sri Lanka, Laos und jetzt auch in Südafrika werden Elefantenritte angeboten, die Tiere mit Haken brutal geschlagen und gefügig gemacht.

AMMENHAIE

… für Selfies gefangen
In Mexiko bietet ein Restaurant Selfies mit den kleinen Haien an. Touristen steigen in das abgetrennte Becken, ein Mitarbeiter hält den Hai aus dem Wasser, damit er nach Luft schnappt und das Maul aufreißt – „sieht cooler aus“.

9 Warnsignale

Artenschutz-Expertin Adeline Fischer erklärt, wann wir skeptisch werden sollten:

1 Viel zu nah Wenn direkter Kontakt zu Wildtieren, also Streicheln, Kuscheln, Berühren erlaubt ist – Finger weg!

2 Ganz viel Nachwuchs Schlechtes Zeichen. Seriöse Stationen für Wildtiere züchten nicht, Jungtiere sind selten. Ausnahmen sind Zoos.

3 Die große Show Ob Delfin, Affe, Elefant – dressiertes Verhalten ist erzwungen

4 Viele geschlossene Türen Wird nicht gezeigt, wie die Tiere untergebracht sind – hat das meistens einen Grund.

5 Nasenringe Kamele mit Nasenring, Wärter mit Elefantenhaken? Sollte Ihnen keinen Cent wert sein !

6 Kaum Infos „Ticket ziehen, durchgehen, fertig“ – verzichten Sie auf solche Touren. Gute Anbieter erklären viel zu „ihren“ Tieren.

7 Mager und struppig Schauen Sie hin: Sehen Sie Narben, die Rippen, zerrupftes Fell? Dann stimmt was nicht.

8 Lange Standzeit Warten Kutschpferde oder Reitesel in der Sonne ohne Wasser auf neue Kunden? Verzichten Sie!

9 Aggressive Werbung „Nun kommen Sie doch, machen Sie mit“ – wer Kunden massiv in Touren reinredet, denkt mehr ans Geld als ans Tier.

ORANG-UTANS

… in Boxkämpfe gezwungen
In Thailand müssen die vom Aussterben bedrohten Menschenaffen im Boxring gegeneinander antreten. Die meisten Tiere, so die Expertin, werden zuvor misshandelt, leben in engsten Käfigen.

TIGER

… für Folklore missbraucht
Es klingt zu schön, das Märchen von den thailändischen Mönchen im „Tiger-Tempel“, die verletzte Tigerbabys großziehen, sich liebevoll um die Raubkatzen kümmern. Die Wahrheit: Die Tiger werden mit Medikamenten ruhig gestellt, geschlagen, als Fotomotiv missbraucht.

… und auch hier ist Touristenspaß mit Tierqual erkauft:  Tauchen mit weißen Haien in Südafrika  Stierkampf in Spanien  Tätscheln von Pink-River-Dolphins in Brasilien