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Von Florida nach Frankfurt


didacta - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 19.02.2020

Wie beeinflusst internationale Bildungswissenschaft die deutsche Lernforschung? Wissenschaftler in Frankfurt beschäftigten sich gerade mit Erkenntnissen aus Florida - etwa der, dass Intelligenz kein Garant für Lernerfolg ist.


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Bildquelle: didacta, Ausgabe 1/2020

Neue Serie:

Lernforschung international

Schon vor fünf Jahren konnte Prof. Tracy Alloway, Psychologin und Professorin der University of North Florida beweisen, dass eine seit 100 Jahren als feststehende Regel geltende Überzeugung bezüglich des Lernens nicht stimmt: Sie wies nach, dass Intelligenz zwar wichtig für erfolgreiches Lernen, aber als Maßstab für individuelles Lernvermögen ...

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... viel zu unpräzise ist. Hierfür nimmt die Forscherin etwas anderes in den Blick.

Alloways Erkenntnis

Ein wesentlicher Faktor für erfolgreiches Lernen ist laut Alloway unter anderem ein gut funktionierendes Arbeitsgedächtnis. Es dient dazu, Informationen zu verarbeiten und folglich etwas zu lernen. Das Arbeitsgedächtnis funktioniert so, dass es Gehörtes für etwa 1,8 Sekunden in einer Art akustischem Echogedächtnis festhält, um es weiterzuverarbeiten. Wird das Gehörte nicht in dieser Zeitspanne aktiv weiterverarbeitet, „überschreibt“ das Gehirn diese Informationen. Für fast alles, was Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer machen, verarbeiten sie Informationen. Egal ob es darum geht, Anweisungen zu folgen oder einen Satz zu lesen, ein unbekanntes Wort auszusprechen oder ein mathematisches Problem zu lösen - selbst um einfache Abläufe wie das Aufschlagen einer Seite im Schulbuch zu bewerkstelligen, müssen Schülerinnen und Schüler verschiedene Informationen mit dem Arbeitsgedächtnis verarbeiten. Funktioniert die Verarbeitung nicht reibungslos, kann das Kind dem Unterricht nicht richtig folgen. Während die meisten Kinder über ein funktionierendes Arbeitsgedächtnis verfügen, haben 10 bis 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler damit Probleme. Dadurch ist es für sie sehr schwierig, dem Unterricht zu folgen und erfolgreich zu lernen. Werden sie älter, kommen zu den Problemen mit dem Arbeitsgedächtnis größer werdenden Wissens- und Lernlücken aus der Vergangenheit dazu. Ausgehend von ihren Forschungsergebnissen arbeitet Alloway nun an Strategien, wie vorhandene Defizite im Arbeitsgedächtnis von lernschwachen Kindern durch gezielte individuelle Programme ausgeglichen werden können. Ihr Fokus liegt derzeit unter anderem darauf, das Arbeitsgedächtnis bei Kindern mit Legasthenie, Aufmerksamkeitsstörungen und Autismusformen zu fördern.

Hasselhorns Anwendung

Forscher des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation, kurz DIPF, arbeiten mit den Erkenntnissen von Professorin Alloway. Sie suchen nach neuen Wegen für eine individuelle Lernförderung für Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen lernen, in der Rechtschreibung oder beim Rechnen. Denn auch in diesen Fällen liegt das Problem meist bei einem nicht optimal funktionierenden Arbeitsgedächtnis. Prof. Marcus Hasselhorn, Direktor der Abteilung Bildung und Entwicklung am DIPF ist federführend bei der Entwicklung von Tests für Schulanfänger am DIPF. „Durch die Tests ist es möglich, mit hoher Sicherheit Lernprobleme vorherzusehen, die Lehrmethoden entsprechend anzupassen und den Kindern einen erfolgreichen Weg zum Lernen der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen anzubieten,“ erklärt Hasselhorn. Den deutschen Forschern um Hasselhorn geht es vor allem darum, ein praktisch anwendbares Instrument für Pädagogen und Schulpsychologen zu schaffen. Ihr Ziel: Die Kinder sollten vor ihrer Einschulung die Aufgaben des Tests am Computer durchgehen und anschließend aufgrund der Testergebnisse verschiedenen Klassen mit unterschiedlichen Lehrmethoden zugewiesen werden, je nach ihren individuellen Voraussetzungen. „Wir glauben, dass wir durch diese Herangehensweise auch jene 20 Prozent der Kinder erreichen werden, die bereits in der Grundschule die internationalen Mindest-Bildungsstandards weit verfehlen,“ fasst Marcus Hasselhorn die Vision der deutschen Forscher zusammen.


Fotos: © Fotorismus für DIPF; privat