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Von Küste zu Küste und zurück


National Geographic Traveler - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 25.06.2021

USA

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Bildquelle: National Geographic Traveler, Ausgabe 2/2021

„I know, you guys wanna be on the road“, sagte Marty und deutete auf einen roten Ford Grand Marquis. Das sollte ein Teil von uns werden – der Spruch, das Auto, die Straße.“

Manche Reisen liegen nur auf der Landkarte nahe. Und wir hatten nur diesen einen Umriss im Kopf: Amerika. Wir wollten von hier (Finger und Augen auf New York) in die andere Ecke (San Diego). An - schließend wieder zurück. 16 000 Kilometer, Road ...

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... - trip heißt das, wussten wir aber nicht. Es war die Zeit, als der gegelte Reagan den Markt frei ließ, in Los Angeles bombastische Spiele stattfanden und Van Halen „Jump“ brüllten. Große Sprünge, ja, drei Burschen, und eben Abitur gemacht. Das Wort „Budget“ war uns fremd, wir hatten auch keines. So forschten wir in den entferntesten Ecken der Verwandtschaft nach Auswanderern, die übers Land verteilt waren und froh sein würden, uns zu sehen. „What a weird way to travel“, sagte einer später dazu.

Auf Long Island, was für ein Zufall, der Eigentümer eines Autohauses. Am Tag nach der Ankunft deutete Verkäufer Marty, gegelt, Kaugummi kauend, auf einen roten Ford Grand Marquis, sechs Meter lang, acht Zylinder, weiße Ledersitze, weißes Dach, und sagte: „I know, you guys wanna be on the road.“ Das sollte ein Teil von uns werden – der Spruch, das Auto, die Straße.

Wir trafen Menschen, die sich beim Gottesdienst persönlich begrüßten – und sich als Paar wenige Jahre später scheiden ließen, weil ihre Frömmigkeit sie erdrückte. Wir tanzten zu Nenas „99 Red Balloons“ mit betrunkenen Mädchen in Bars, von denen jedes einzeln von einem anderen von uns nach Hause gefahren werden wollte. Was dauerte. Wir mussten Tankwarten erklären, dass in Deutschland kein Krieg mehr ist. Wir heuerten in San Francisco gleich neben der Golden Gate als Wohnmobil-Verkäufer an, weil wir keinen Dollar mehr in der Tasche hatten. Wir machten Bekanntschaft mit einem alten Indianer, der in seinem Atelier in einem Sessel mit Decke saß und von dem Verkauf seiner Bilder lebte, an die ich mich nicht erinnern kann. Sah er einen von uns, machte er Laute, als würde er etwas aus seinem Rachen hervorholen, und lachte. Das war für ihn die deutsche Sprache. In New Orleans: schreckliche Rassisten und die riesige Enttäuschung, dass der große Mississippi, auf dem ich Piraten vermutet hatte, in einem Kanal fließen musste und weit und breit keine Cajuns da waren. Im beschaulichen Huntsville: die Ingenieure, die für Hitler die Raketen konstruiert hatten, und ihre Nachfahren.

Im Herbst, zurück im engen Zuhause, war ich überzeugt, dass es in Amerika keinen Nebel gibt.

Werner Siefer ist Chefredakteur von NATIONAL GEOGRAPHIC.