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Von Tanztee bis Tinder


myself - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 10.03.2021

Die Kennenlerngeschichten mancher Paare sind einfach zu schön, um sie nicht zu teilen …


REDAKTION: Petra Harms

Artikelbild für den Artikel "Von Tanztee bis Tinder" aus der Ausgabe 4/2021 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: myself, Ausgabe 4/2021

Wenn da plötzlich das Gefühl ist, überzusprudeln vor Glück …


Noch mal mit Gefühl Ingrid Rose, 80

Mit 16 habe ich in den Sommerferien im Kino meines Onkels Süßigkeiten verkauft, um ein bisschen Geld zu verdienen. Jeden Nachmittag kam ein Junge aus dem Nachbarort vorbei, ohne jemals einen Film zu sehen. Irgendwann steckte er mir einen Zettel zu, auf dem stand, dass er mich mag. Das fand ich mutig. Hans, so hieß er, und ich trafen uns dann ein paarmal mit meiner Cousine als Anstandsdame, doch er ...

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... wollte sich noch nicht fest binden, wir waren ja auch noch so jung. Zwei Jahre später habe ich einen anderen Mann geheiratet, wir haben drei Kinder bekommen, aufgezogen – und alle zehn Jahre lag ein Brief von Hans in der Post. Meinem Mann war das ein Dorn im Auge. Als er vor sieben Jahren starb, fand ich beim Aufräumen eine Mappe mit einem Zettel, darauf Hans’ alte Adresse. Ich war noch in Trauer und habe den Zettel in eine Kiste geworfen. Kurz vor Weihnachten wollte ich den Baum schmücken, holte die Kiste mit den Strohsternen hervor, heraus fiel ebendieser Zettel. Für mich war das ein Zeichen. Ich habe Hans geschrieben, er rief umgehend zurück. Seitdem sind wir ein Paar. Wir haben getrennte Wohnungen, aber zwei Wochen im Monat ist er bei mir. Ich genieße sehr, dass er mir Blumen mitbringt, meine Meinung schätzt und dass wir über alles reden können.

Mr. Right auf Bestellung Paula Kuner, 31

Ein Tag voller Zoom-Calls, abends hatte ich keine Lust zu kochen, aber Hunger auf Penne all’arrabbiata. Weil die vom Italiener im Viertel unschlagbar gut sind, bestellte ich dort. Nach 20 Minuten klingelte mein Telefon: Der Lieferando-Mann konnte den Hauseingang nicht finden. Als er schließlich vor meiner Tür stand, zahlte ich, er ging. Nur: Der Wein, den ich bestellt hatte, war nicht in der Tüte. Aber ich hatte ja die Nummer des Lieferboten. Also rief ich ihn an, er entschuldigte sich, stand drei Minuten später wieder vor meiner Tür – dieses Mal mit dem Wein. Als er wieder weg war und ich endlich essen wollte – pling! Eine Whatsapp. Vom Lieferboten. „Du hast so ein freundliches, sympathisches Lächeln. Das musste ich einfach loswerden, Tamo“ – hätte ich ihn nicht sowieso attraktiv gefunden, hätte mich diese Nachricht irritiert. So schrieben wir zwei Stunden hin und her, gingen am nächsten Tag spazieren, und seit zwei Monaten treffen wir uns regelmäßig.

Linie 3 ins Glück Isabelle Schubert, 49

Angefangen hat alles mit dem falschen Buch am richtigen Ort. Auf dem Weg zur Arbeit las ich im Bus der Linie 3 Ephraim Kishons „Paradies neu zu vermieten“. So richtig gepackt haben mich die Satiren nicht, also schaute ich aus dem Fenster. Auf der Steinernen Brücke in Regensburg kam ein Radfahrer am Bus vorbei. Unsere Blicke trafen sich für einen winzigen Moment, dann verschwand der Mann im Verkehr. Eine Woche später stand ich auf einer Studentenparty der Anglisten, und über die Menge hinweg schaute er mich an, der Radler. Heute sind wir seit 30 Jahren verheiratet.

… hat man womöglich gerade den Menschen fürs Leben getroffen.


„Wir waren Jugendliche, als er auf einen Zettel schrieb, dass er mich mag. Heute sind wir alt und endlich zusammen“
Ingrid Rose


Gerade noch zwei Menschen, die sich kaum kennen …


„Die Chance, den Richtigen mithilfe einer Flaschenpost zu finden – auch nicht geringer als im Internet, dachte ich und warf die Flasche ins Wasser“
Simone Dietrich


Treiben lassen statt planen Simone Dietrich, 49

Martin und ich sind seit fünf Jahren verheiratet. Wenn ich unsere Geschichte erzähle, sagen die Leute immer: zu kitschig, zu Hollywood. Aber es ist genau so passiert. Nach einer schmerzhaften Scheidung und frustrierenden Datingversuchen machte ich damals Urlaub auf der holländischen Insel Ameland. Am Strand warf ich irgendwann eine Flaschenpost ins Wasser – darin ein Zettel, auf den ich meinen Wunsch nach einem Partner geschrieben hatte. Es stand auch drauf, ich sei chaotisch und mollig und wolle endlich wieder Hand in Hand mit einem lieben Menschen am Strand entlanglaufen. Einen Tag später fand eine Clique aus Köln meine Flaschenpost. Das Meer hatte sie ein paar Kilometer südlich ans Festland geschwemmt. Nach dem Lesen meiner Nachricht waren sich alle einig: Martin, geschieden und alleinerziehend, musste antworten. Erst sträubte er sich, dann schrieb er mir eine E-Mail, nur wenige Zeilen lang. Beim Lesen war ich wie elektrisiert, schrieb sofort zurück. Nach zwei Wochen besuchte Martin mich. Als er vor mir stand, fühlte es sich seltsam vertraut an. Bis heute bin ich dem Schicksal und der Nordseeströmung dankbar.

Verliebt auf Tindstagram Jana Günther, 43

Soziale Netzwerke gehören für mich zum Job, ich arbeite in der Modebranche, und da ist vor allem Instagram relevant, wo Likes und Kommentare nichts Besonderes sind. Ein einfaches „I feel you“ von mir unter dem Bild eines dick eingemummelten Jungen im Winter vor vier Jahren hatte dann doch Folgen. Ich kannte den Mann, der das Bild geteilt hatte, flüchtig, er war der Vater des Kindes. Auf meinen Kommentar antwortete er mit einem Herzen und Schal-Emoji. Am nächsten Tag schrieb er unter einen Post von mir: „Schönes Foto.“ So ging es ein paar Wochen hin und her, es wurde poetischer, persönlicher. Getroffen haben wir uns nach einem Monat in einer Bar, es war fürchterlich: Wir waren beide zu aufgeregt nach unserem intensiven Online-Austausch. Trotzdem sagte ich Ja zu einem zweiten Date. Dort, in einem kleinen französischen Restaurant, unterhielten wir uns so gut wie im Netz, kurz darauf wurden wir ein Paar.

Ausweis weg, Herz gewonnen Thomas Grabner, 51

Urlaub in Kuba 1996 mit fünf Freunden. Am vorletzten Tag bin ich für ein Erinnerungsfoto auf eine Palme geklettert – und runtergefallen. Mit Kreuzbandzerrung blieb ich am nächsten Tag am Strand, während die anderen einen Ausflug machten. Wegen der Schmerzen konnte ich nicht viel machen außer ein Nickerchen im Schatten. Als ich aufwachte, fehlte mein Geldbeutel inklusive Reisepass. Bei der Polizei verwies man mich an die Botschaft, die mich wiederum an die Polizei verwies. Es war klar, dass ich den Flug am nächsten Morgen verpassen würde. Meine Freunde hoben dann tatsächlich ohne mich ab, und ich saß in Havanna in einem Park, kaum Bargeld, keine Unterkunft, keine Kreditkarte, kein Pass. Ich muss ziemlich desolat ausgesehen haben, als zwei Frauen vorbeikamen, die bei meinem Anblick kicherten. Auf ihrer zweiten Runde durch den Park blieben sie vor mir stehen: In gebrochenem Spanisch erklärte ich, was passiert war, und die beiden nahmen die Sache in die Hand. Sie brachten mich bei Verwandten unter, dolmetschten auf der Wache. Einer der beiden – Amelia – kam ich näher. Wir verliebten uns. Vier Jahre später heirateten wir, natürlich in Kuba.

Ciao, amore! Christine Gottmann, 43

„Fiat 124 Spider, Baujahr 1977, blaumetallic, innen beige, Stoffverdeck neuwertig, 68 000 Kilometer, TÜV neu, 12 000 Euro“. Das war die Anzeige, auf die ich vor zehn Jahren geantwortet habe. So ein Oldtimer war schon immer mein Traum. Ich rief den Besitzer an, fuhr am nächsten Wochenende mit der Bahn nach Südtirol und sah mich im schnittigen Cabrio zurück über den Brenner kutschieren. Es kam anders. Der Fiat Spider war perfekt, der Besitzer nach der ersten Inspektion allerdings auch. Um den Verkauf zu begießen, bot er mir ein Glas Franciacorta aus der Lombardei an. Dann lud er mich zum Essen ein. Es wurde ein langer, lustiger Abend, an dem ich nicht mehr im Fiat Spider nach Hause fuhr. Das Auto steht heute in der Garage vor unserem gemeinsamen Haus.

… und im nächsten Augenblick ist man sich ganz nah.


FOTOS: Elliott Erwitt

FOTOS: ELLIOTT ERWITT/MAGNUM PHOTOS/AGENTUR FOCUS