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Von wegen Labyrinthfisch im Reisfeld


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aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 08.06.2022
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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 4/2022

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1 Im Süden nahe Da Nang liegt dieses Traumbiotop: eine Sumpfwiese mit versteckten Wasserlöchern und einem kaum auszumachenden Rinnsal. 2 Macropodus opercularis, die Querstreifen-Zeichnung sowie die Farben Rot und Blau variieren individuell. 3 M. spechti, der Schwarze Makropode, vom Nordrand des Bach-Ma-Gebirges, südliche Populationen weichen etwas ab.

Das Klischee vom Labyrinthfisch im Reisfeld ist so schlichtweg falsch. Und mit diesem und einigen anderen Missverständnissen will ich hier aufräumen und einige Biotope und Mikrohabitate verschiedener Makropodenarten vorstellen. Auf einigen Reisen in Vietnam konzentrierte ich mich vor allem auf die Lebensweise der Makropoden, die auch Paradiesfische und Gabelschwanzmakropoden (Macropodus opercularis) genannt werden. Zusätzlich bekam ich sehr wertvolle Informationen von Paradiesfischfreunden aus Südchina. Gerade Johnny Liao, ein ...

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... enthusiastischer Aquarianer aus Guangxi, versorgte mich mit Informationen sowie herrlichen Makropoden-Stämmen. Somit konnte ich meinem Wissensschatz Haltungserfahrungen der Art Macropodus hongkongensis hinzufügen.

Ich reiste oft mit meinem australischen Kollegen Ron Newell nach Vietnam. Auf mehreren Trips versuchten wir, M. hongkongensis eben in diesem Areal aufzufinden und waren teilweise erfolgreich. Viel interessanter waren jedoch die Erkenntnisse zu M. opercularis, dem gewöhnlichen Makropoden, im Zusammenhang mit dem Hongkongmakropoden und dem Schwarzen Makropoden M. spechti, den wir in Zentralvietnam suchten. Es waren auch Reisen nach Südchina geplant, die jedoch in den Jahren 2019 bis 2022 nicht stattfinden konnten.

1 Der Autor fotografiert in Vietnam gekescherte Paradiesfische. 2 Gabelschwanzmakropode von Da Nang südlich des Wolkenpassgebirges besitzen viel Rot und sind für europäische Liebhaber sehr attraktiv. 3 Auf Reisterrassen im Gebirge bewährten sich schon immer die Kurzhalmsorten des Reises – doch hier gibt es auch keine Makropoden. 4 M. hongkongensis, die beschriebene Population aus der Millionenmetropole, zu erkennen vor allem an dem stark ausgeprägten Opercularfleck (im Hintergrund: Männchen einer Rotrückenpopulation M. erythropterus).

Literatur

Freyhof, J. & F. Herder (2002): Review of the paradise fishes of the genus Ma-cropodus in Vietnam, with description of two new species from Vietnam and Southern China (Perciformes: Osphro-nemidae). Ichthyological Exploration of Freshwaters 13: 147-167 Kottelat, M. (2013): The fishes of the inland waters of Southeast Asia. The Raffles Bulletin of Zoology 27:136 WlNSTANLEY, T. & K. D. CLEMENTS (2008): Morphological re-examination and taxonomy of the genus Macropodus (Perciformes, Osphronemidae). Zootaxa 1908: 1-27

Kleinste rinnsale

Der Makropode ist die Art des sumpfreichen Flachlandes in den gemäßigten und tropischen Zonen von China und Vietnam.

Aber: Wenn im Lebensgebiet des Makropoden keine Schwarzen Makropoden vorkommen, die sich hauptsächlich in Hügellandbächen aufhalten, dringt diese Art auch in Bäche des Hügellandes vor oder bevorzugt diese regelrecht.

Diese Bäche können selbst in regenreichen Zeiten kleinste Rinnsale sein, aber auch Bäche, die dann um das Fünf- bis Zehnfache anschwellen. Wahrscheinlich verhält sich M. opercularis so wie viele andere südostasiatische Fischarten und „wartet“ in ruhigeren Wasserbereichen die jeweilige Wettersituation ab. Das kann durchaus eine Sumpfwiese sein, die gerade überflutet wurde, und später wird wieder der Bach okkupiert.

Das „Märchen“ des Reisfeldes ist wahrscheinlich entstanden, weil die meisten Reisenden nur ein bis wenige Tage zur Beobachtung zur Verfügung haben. Zudem sind vielen Menschen die Wetterverhältnisse in Südostasien nicht bekannt und auch Einheimische haben nicht immer große Kenntnis der Fischfauna.

Das Wetter in Südostasien ist oft sehr wechselhaft. Dadurch werden manchmal in die Reisfelder abgedriftete Makropoden angetroffen. Hauptsächlich leben sie aber als Kulturfolger in den Gräben rund um die Reisfelder, die oft zur Bewässerung dienen. Wenn man Glück hat, findet man noch eine richtige Sumpfwiese, die Reste der ursprünglichen Landschaft aufzeigt.

Ein gewichtiger Grund zur Geschichte vom Labyrinthfisch in Reisfeldern liegt jedoch noch tiefer begründet. Ehemals fand der Reisanbau lange Zeit im Einklang mit der Natur statt. In den großflächigen Anbaugebieten der Sümpfe in den Flussebenen wurde sogenannter Tiefwasserreis mit langen Stängeln angebaut, der zwei bis drei Meter hoch wächst.

Wenn es keine Fluten gab, hatten die entwickelten Ähren Platz und gingen nicht gleich unter Wasser. Der Reisanbau hat in vielen Gebieten keinen regelmäßigen Zyklus. In solchen fast natürlich belassenen Reisfeldern konnten sich Makropoden (andere Labyrinther ebenfalls) freilich gut entwickeln.

Nie gleichzeitig

Anders ist es bei den heutzutage fast nur benutzten Flachwassersorten des Reises, die in Teichen mit maximal 50 cm Tiefe angebaut werden. Diese heizen sich im Sonnenschein durchgängig bis zum Bodengrund bis 40 °C auf, manchmal noch darüber. Selbst Reisfische der Gattung Oryzias schaffen solche Temperaturen nicht mehr.

In Lebensräumen von Macropodus spechti, in denen auch M. opercularis gefunden wird, kommen gewöhnlich nie beide Arten syntop an der gleichen Stelle im Mikrohabitat vor. Im gleichen Bachsystem schon, aber M. opercularis zum Meer hin, in den Deltas, und bachaufwärts im Hügelland lebt M. spechti.

Das ist extrem interessant: Als wäre eine Linie zwischen die Lebensbereiche gezogen worden, die wieder aufgehoben wird, wenn die andere Art nicht vorhanden ist. Denn auch Schwarze Makropoden leben tief im Flachland bis ans Meer, sogar in Brackwasserzonen fand ich nicht nur gewöhnliche, sondern auch Schwarze Makropoden.

Die Frage nach M. hongkongensis in Nordvietnam bleibt aus zweierlei Gründen unbeantwortet: Es ist mittlerweile unbestritten, dass M. hongkongensis eben nicht nur als Population rund um die Millionenmetropole Hongkong vorkommt. Solche Hügellandpopulationen schließen sich nordöstlich bis in die Bundesstaaten Jiangxi und Fujian und westlich bis Guangxi an.

1 Auffinden eines Schaumnestes. Die Stofffetzen im Busch zeigen die Wasserlinie bei Hochwasser an. 2 Das Schaumnest liegt in einem beruhigten Bereich eines temporär toten Armes. 3 Reis im Flachland mit sehr langen Stängeln bewährte sich früher, heute ist das Flachland dräniert und kurze und schnell wachsende Sorten werden bevorzugt. 4 Der Schwarze Makropode M. spechti lebt auch in Flüssen.

robuste Aquarienfische

Dabei sind sehr viele Abweichungen in Farbe und Flossenform von der beschriebenen Hongkong-Form zu beobachten und es ist somit völlig unklar, was wirklich „hongkongensis“ ist. Man sollte davon ausgehen, dass nur die Formen um Hongkong und eventuell einige in Guangdong wirklich der beschriebenen Art angehören.

Ich glaube, in Nordvietnam einige zu M. hongkongensis ähnliche Hügelland-Populationen gefunden zu haben. In manchen Bächen des Regierungsbezirkes Hoa Binh findet man recht farblose M. opercularis, wobei gerade die Weibchen uniform, ohne Querstreifenmuster, vorkommen. Interessanterweise zeigen auch einige Flachlandpopulationen solch eine „Farblosigkeit“.

Es bedarf noch viel wissenschaftlicher Arbeit an der Gruppe der Paradiesfische, der vor allem exakte und gründliche Feldarbeit zugrunde liegen sollte. Hiermit ist die junge Wissenschaftler-Elite der Heimatländer der Makropoden angesprochen, die ja tatsächlich nur mal mit dem Bus und einem guten Rahmenkescher rausfahren müsste.

Für Makropodenliebhaber zeigen sie sich als robuste Aquarienfische, die den ein oder anderen Fehler bei der Haltung verzeihen. Doch eine artgerechte Haltung, die auf den Erkenntnissen reisender Aquarianer im Lebensgebiet dieser Fische basiert, könnte die komplette Schönheit dieser Fischgruppe noch einmal steigern.

Text & Fotos: Jens Kühne

Jens Kühne hat schon früh Labyrinther und Makropoden gehalten. In Thailand betreibt er ein Reisebüro für Naturreisende in Südostasien. Zwei von ihm gesammelte Fischarten wurden nach ihm benannt

1 Hongkongensis-Population von Shangsi. 2 Guangxi-Populationen sollten nicht mehr wirklich zur Art M. hongkongensis gezählt werden. 3 Die Schraubenpalme ist ein Anzeiger von kleinen Wasserläufen, dort finden sich oft Labyrinther. 4 Ein typisches Hügellandbiotop von M. spechti mit Schaumnest im schmalen Bach.