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Von wild bis wuchtig: Tulpen für jeden Geschmack


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Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 09.09.2022

TULPENVIELFALT

Artikelbild für den Artikel "Von wild bis wuchtig: Tulpen für jeden Geschmack" aus der Ausgabe 10/2022 von Lust auf Natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 10/2022

Darwin-Hybriden entstanden ab 1940 aus Kreuzungen der Gewöhnlichen Darwin-Tulpe und der Fosteriana-Tulpe

Hoch oder niedrig, großblütig oder niedlich klein, gefüllt, geflammt, gefranst, gerüscht…und das in allen Farben! Wer dieser Tage Tulpenzwiebeln kauft, stellt schnell fest: Scheinbar gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Wohl keine andere Frühlingsblume hat es den Züchtern so sehr angetan wie die Tulpe. Unzählige Sorten entstanden im Laufe der Jahrzehnte. Für wirklich jeden Geschmack ist was dabei und die Auswahl riesig. Nur gut, dass die Zwiebeln nicht allzu teuer sind, man auch mit kleinem Geld ein großes Sortiment erwerben und sich so einen bunten Frühlingsblütenzauber in den Garten holen kann. Das war längst nicht immer so…

Goldesel der Spekulanten

Tulpen – eine spannende Geschichte! Nicht nur, weil aus ihren unscheinbaren, im Herbst gepflanzten Zwiebeln die schönsten Frühlingsblumen werden. Auch die bewegte Vergangenheit der Tulpe fasziniert und versetzt uns noch Jahrhunderte ...

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... später in ungläubiges Staunen. Die Urform unserer heutigen Tulpensorten stammt aus der Türkei und dem angrenzenden Iran. Von dort gelangten um 1550 die ersten Zwiebeln als Reisemitbringsel nach Mitteleuropa, wo ihre Blüten zunächst nur die Gärten weniger reicher Adelsleute zierten. Bis der flämische Botaniker Carolus Clusius 1574 sein Herz für die schmucke Exotin entdeckte und sich in den folgenden Jahren mit Hingabe ihrer Züchtung und Vermehrung widmete. Andere Tulpenliebhaber taten es ihm gleich, und schon bald waren die neuen, meist attraktiv geflammten Sorten begehrte Tauschobjekte.

Obwohl vor allem in den Niederlanden damals bereits hoch geschätzt, dachte zunächst niemand daran, mit Tulpen gegen Geld zu handeln. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts wurden findige Kaufleute auf die exquisite Blume aufmerksam, erwarben Zwiebel um Zwiebel, doch boten sie diese anschließend nicht etwa als Gartenschmuck, sondern als Geldanlage feil. Ein schwunghafter Handel setzte ein. Bald überstieg die Nachfrage das begrenzte Angebot, und statt realer Zwiebeln wurden nunmehr esitzurkunden für immer horrendere ummen gehandelt. Am Ende, im Febuar 1637, kosteten drei Zwiebeln der esonders begehrten Sorte Semper ugustus so viel wie ein komplett ausestattetes Wohnhaus in der Amsteramer Innenstadt. Dann platzte die Blae quasi über Nacht und ließ viele, bis ahin unermesslich reiche Spekulanen als verarmte Glücksritter zurück.

Gerne in Gesellschaft

Undenkbar, wären Tulpenzwiebeln eute noch genauso kostspielig wie amals! Kein Gärtner könnte sich die undervollen Frühlingsbilder leisen, die erst entstehen, wenn Dutzene der prachtvollen Zwiebelblumen ur gleichen Zeit erblühen. Besonders chön kommen grüppchenweise gepflanzte Tulpen inmitten des Staudenbeets zur Geltung. Hier umspielt das junge, frischgrüne Blattwerk der Taglilien, Storchschnäbel und anderer früh austreibender Stauden ihr etwas steif wirkendes Laub und lässt ihre bunten Blüten noch lebhafter leuchten. Ein weiterer Vorteil gemischter Beete: Ist die Tulpenpracht Wochen später dahin, breiten die umstehenden Stauden diskret ihren Blättermantel über das vergilbende Laub. Nun können die Zwiebelblumen in aller Ruhe einziehen, ohne dass ihr welker Anblick stören würde und man in Versuchung käme, sie vorzeitig zu roden. Auch ein extra für sie reserviertes Gartenbeet nehmen Tulpen gerne an. Ganz allein allerdings wollen sie auch dort nicht stehen. Niedrige zweijährige Frühlingsblüher wie Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht, Goldlack oder Maßliebchen leisten ihnen passende Gesellschaft, verbergen die blanke Erde und bilden einen reizvollen Farbkontrast. Wer Tulpen am liebsten inmitten einer natürlichen Umgebung, wie beispielsweise auf Wiesenflächen blühen sieht, sollte hierfür möglichst eine der vielen Wildformen wählen. Wilde oder „botanische“ Tulpen sind meist ziemlich robust und kommen, anders als gezüchtete Sorten, zuverlässig alle Jahre wieder. So muss man nur einmalig im Herbst Grassoden anheben und die Zwiebeln darunter verteilen und wird für diesen Aufwand Frühling für Frühling mit einer bunt getupften Wiese belohnt.

Text und Fotos: Stefanie Schäffer

Klein, aber oho!

Nicht nur auf Wiesenflächen machen die charmanten, kleinen Wildtulpen eine gute Figur. Überall, wo herkömmliche, hohe Sorten zu protzig wirken würden, springen die Kleinen in die Bresche, zieren Steingärten, Kiesbeete und andere naturnahe Pflanzungen mit der ihnen eigenen, schlichten Eleganz. Obwohl sie sehr filigran aussehen, sind Wildtulpen erstaunlich hart im Nehmen. An einem sonnigen Eckchen in leicht sandigem und gut durchlässigem Boden überdauern ihre Zwiebeln jahre-, mitunter gar jahrzehntelang und blühen zuverlässig Frühling für Frühling. Sogar mit der Vermehrung klappt’s: Durch die Bildung von Tochterzwiebeln werden aus einzeln stehenden Wildtulpen mit der Zeit immer größere Tuffs. Wer zudem die Samenkapseln nicht – wie bei den hohen Sorten üblich – auszwickt, sondern reifen lässt, hat meist keinerlei Nachwuchssorgen.

Den Weg in die Gärten ebnete den Wildarten die Sterntulpe (Tulipa tarda). Schon unsere Großmütter kannten die robuste, nur 15 Zentimeter große Zwiebelblume, deren schneeweiße Blüten eine dottergelbe Mitte ziert. Ihr recht ähnlich sieht die Gnomen-Tulpe (T. turkestanica). Auch sie blüht weiß mit kleiner, gelber Mitte, wird jedoch bis zu 25 Zentimeter hoch. Ebenfalls dezent in Weiß, Cremeweiß oder Gelb präsentieren sich die gestreiften Damentulpen (T. clusiana), gelbe Spielarten der Leinblättrigen Tulpe (T. batalinii) sowie die köstlich duftende Weinbergstulpe (T. sylvestris). Ist leuchtendes Orange, Rot oder Rosa gefragt, stehen Feuertulpen (Tulipa whittallii), Rote Leinblättrige Tulpen (Tulipa linifolia), die mehrblütige Tulipa praestans, Türkische (T. sprengeri) und Kreta-Tulpen (T. bakeri) parat.

Das große Programm

Die Brücke zwischen den zierlichen Wilden und den großen, bunten Gartensorten schlagen die etwa 30 Zentimeter hohen Kaufmanniana-, Fosteriana- und Greigii-Tulpen. Alle drei stammen direkt von einer Wildart ab, wurden jedoch züchterisch bearbeitet, sodass sie in verschiedensten Farben verfügbar sind. Kaufmanniana- oder „Seerosen-Tulpen“ wirken besonders hübsch, wenn man sie großflächig pflanzt. Ihre weit geöffneten Blüten bilden dann ein regelrechtes Farbenmeer, das Boden und Blätter fast vollständig bedeckt. Sehr große, pokalförmige Blüten sind das Markenzeichen der Fosteriana-Tulpen. Aus der ursprünglich rot blühenden Wildart entstanden im Laufe der Zeit weiße, rosa, gelbe und orangefarbene Sorten, eine schöner als die andere und allesamt sehr vital. Interessant gezeichnetes Laub tragen Greigii-Tulpen zur Schau. Oft sind die Blätter braun gestreift, bisweilen auch zart gesprenkelt. Ihre großen, bei Sonnenschein weit geöffneten Blüten erinnern an die der Seerosentulpen und zeugen von der engen verwandtschaftlichen Bande.

Die letzte und zugleich größte Gruppe umfasst die vielen verschiedenen Zucht- oder Gartentulpensorten. Um den Überblick zu behalten, teilt man sie nach Blühzeiten auf. Den Anfang im bunten Reigen machen die Einfachen frühen und die Gefüllten frühen Tulpen. Sie öffnen ihre Blüten, je nach Witterung, gegen Ende März oder Anfang April. Ein, zwei Wochen später sind die Darwin-Hybrid- und Triumph-Tulpen mit ihren rundlichen „Ostereier-Blüten“ dran. Das große Finale schließlich bestreiten bis Mitte Mai Einfache und Gefüllte späte Tulpen, klassische Darwin-, wuschelige Papageien-, gefranste Crispa-, grün gezeichnete Viridiflora- und – die elegantesten von allen – Lilienförmige Tulpen. Alle Gartensorten tragen ihre farbenfrohen Blütenköpfe mindestens 30 Zentimeter, manche sogar über 70 Zentimeter hoch und sind somit ein wahrhaft imposanter Anblick.

Tulpen pflanzen & pflegen

Ja, wo bleiben sie denn? Eine Frage, die sich im Frühling so mancher Gärtner stellt. Obwohl Tulpen eigentlich ausdauernd sind und ihre Blüten jedes Jahr aufs Neue die Beete zieren sollten, haben vor allem Zuchtsorten oftmals einen sehr kurzen Atem und verschwinden bereits auf Nimmerwiedersehen nach einer Saison. Wer auf Nummer sicher gehen will, verteilt deshalb jeden Herbst frische Zwiebeln in den Beeten. Als Faustregel für die Pflanztiefe gilt: wenigstens die dreifache Zwiebelhöhe, auf sandigen Böden dürfen die Löcher auch gerne bis zu 20 Zentimeter tief sein.

Wo Tulpen länger als nur einen Frühling den Garten schmücken sollen, ist etwas Umsicht gefragt. Die wichtigste „Zutat“ für dauerhafte Beete sind geeignete Arten und Sorten. Neben Wildtulpen (hier insbesondere die Sternund die Mehrblütige Tulpe), zeigen sich vor allem Darwin-Hybriden sehr beständig. Ebenfalls von Fachleuten empfohlen werden Kaufmanniana-, Fosteriana- und Greigii-Tulpen sowie einzelne Sorten anderer Gruppen, beispielsweise die lilienblütigen ‛Ballade’ (lila mit weißem Rand) und ‛Greenstar’ (weiß mit grünen Streifen), die violette Triumph-Tulpe ‛Negrita’ oder die leuchtend rot blühende Spättulpe ‛Kings Blood’.

Der zweite Garant für Langlebigkeit ist die richtige Pflege. Tulpen, die man alle Jahre wieder willkommen heißen möchte, sollten an einem sonnigen Standort bis zu 25 Zentimeter tief in gut durchlässige Erde gepflanzt werden. In schweren, lehmigen Böden platziert man die Zwiebeln am besten auf einer etwa handbreiten Drainageschicht aus feinem Kies oder Sand. Optimale Überlebenschancen haben Tulpen auf leichten, sandigen Böden. Hier möchten sie während des Austriebs nur mit ein paar Handvoll Kompost gedüngt und dann möglichst in Ruhe gelassen werden. Erst sechs bis acht Wochen nach der Blüte, wenn das Laub vollständig vergilbt ist, wird es abgeschnitten.