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Vorbereitung ist alles!


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 50/2022 vom 13.04.2022

Der perfekte Start in die Jagdsaison

Die Natur erwacht nun mit einer gewaltigen Geschwindigkeit. Die letzten Monate waren jagdlich definitiv ruhiger und mit den länger werdenden Tagen kommt mehr Leben ins Revier. Die Neugier kennt jetzt keine Grenzen und jedes Jagdjahr ist immer wieder aufregend schön für uns Jäger.

1. Böcke bestätigen

Bevor wir überhaupt weitere Vorbereitungen für die Bockjagd treffen, müssen wir die Einstände erst einmal bestätigen. Also raus ins Revier, denn die älteren Böcke haben gefegt und lassen sich wesentlich besser ansprechen. Die auffallenden Plätzstellen verraten ihre Anwesenheit, ihr Territorialverhalten, ihre Standorttreue beginnt. Das Rehwild bezieht seinen angestammten Sommereinstand. Solch ein Bockterritorium hat eine Größe von 10 – 50 ha. Die tatsächliche Territoriumsgröße hängt von einer Reihe von Faktoren wie Lebensraumqualität, Äsungsangebot, zudem vom ...

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Ob im Gebirge oder in der Ebene, Vorbereitung ist das A und O.
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... Geschlechterverhältnis und der Wilddichte ab. Dabei entwickelt das Wild eine fast preußische Pünktlichkeit beim Erscheinen auf den Äsungsflächen.

Vorhandene Kanzeln werden dabei natürlich gleich auf ihre Sicherheit kontrolliert. Bauholz altert und fault nun ein mal relativ schnell. Die meisten Unfälle passieren dabei beim Benutzen der Leiter und darum ist gerade die Leiter einer besonderen Prüfung zu unterziehen. Abschließend sollten zur bevorstehenden Jagd im Revier Hochsitze freigeschnitten werden. Vieles hat sich in der Winterzeit nach den Stürmen im Astwerk verändert. Immer zu zweit, einer auf dem Sitz weist ein, der andere sägt mit der Säge hindernde Äste herunter und sorgt für freie Sicht.

Wo kein Ansitz vorhanden ist, reicht oft ein kleiner Schirm oder gar nur der Sitzstock. Gerne sitze ich so im taufrischen Morgen mit seiner erwachenden Natur -keine störenden Passanten, Jogger oder andere Naturbegeisterte. Dabei sollte man durchaus morgens einmal länger sitzen, das Wild liebt die wärmende Sonne genauso wie wir. Gerade an kühlen Morgen wird das Rehwild oft erst mit den ersten Sonnenstrahlen aktiv.

3. Pirschwege herrichten

Wir richten nicht nur die Pirschwege zu den Hochsitzen her, in vielen Revieren eignen sich Pirschwege von Äsungsfläche zur Äsungsfläche ebenfalls zur Bejagung.

Die Pirsch gehört zu den reizvollsten Facetten, die das Waidwerk zu bieten hat. Pirschen mit allen Sinnen bedeutet höchste Konzentration. Nicht umsonst wird die Pirsch als „Krone der Jagd“ bezeichnet, sie ist eine jagdliche Herausforderung. Für den passionierten Pirschjäger geht es darum, mit den eigenen Sinnen den Bock zu überlisten. Mit dabei mein Vierbein, ohne das pirsche ich nun gar nicht mehr.

Bewegt sich das Wild nicht, entdeckt es auch das geübte Auge schwer. Wild vernimmt Bewegungen sofort und hält dann nicht lange aus. Wildtiere sind Bewegungsseher. Ob wir auf der Pirsch mit der Wärmebildkamera arbeiten, entscheidet jeder Jäger individuell für sich selbst.

Ständiges Abglasen ist Pflicht. Mit der Tarnkleidung verschmelzen wir mit der Landschaft. Die Farbe der Tarnung spielt eine wichtige Rolle, Muster und Farbe sollten mit der Vegetation übereinstimmen. Mit entscheidend für den Erfolg ist, nicht frühzeitig erkannt zu werden, die Tarnung der Hände und des Gesichts sind wesentlich. Bei Bewegungen werden sie sofort wahrgenommen. Darum verwenden wir eine Tarnkappe, darüber hinaus empfehlen sich Gesichtsschleier und Handschuhe gegen die blasse Haut.

Zur Pirsch gehört natürlich eine gute Revierkenntnis. Wir laufen nicht planlos umher, eine sorgfältige Planung geht jeder Pirsch voraus. Wir achten auf den Wind, wissen wo sich die Einstände befinden und das Wild einwechseln könnte. Abends verzichten wir auf die Pirsch, das Wild will austreten und sollte nicht gestört werden.

4. Wildkameras anbringen

Gibt es besonders heimliche Böcke, die wir dennoch nicht in Anblick bekommen, helfen Wildkameras. Gut platziert an den Grenzen des Territoriums, lüften sie so manches Geheimnis eines Heimlichen. Inzwischen sollen 300000 Wildkameras in deutschen Revieren ihren Platz haben. Früher waren sie fast unerschwinglich und heute bieten sie selbst Discounter günstig an. Dennoch, es ist Vorsicht geboten. In Hessen, Bayern und im Saarland sind sie nur unter strengen Auflagen erlaubt. Hierbei muss insbesondere der Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts berücksichtigt werden.

5. Kontrollschuss der Waffe

Ein wichtiges Muss ist selbstverständlich der Kontrollschuss der Waffe mit welchem Bockkaliber auch immer. Viele Hegeringe bieten dafür extra Termine auf den Schießständen an. Die Waffe stand für eine längere Zeit in der jagdruhigeren Phase im Waffenschrank und der Kontrollschuss ist verpflichtend. Einige Jäger überlassen es gern dem Büchsenmacher. Doch, schießen so oft es geht, übt, schafft Vertrauen zur Büchse und schult. Zudem ist es nur ein kurzer Dreh am Zielfernrohr und die Treffpunktlage ist korrigiert.

Ein Kontrollschuss reicht mir im Revier von einem Hochsitz aus. Hochsitze mit einem Anschusstisch bieten sich förmlich an. Ist die Sicherheit gegeben und der Jäger zur Jagdausübung in diesem Revier befugt, darf ein Jäger seine Waffe kontroll – und einschießen. Wir verwenden professionelle Anschussscheiben. Ein guter Farbkontrast muss ein genaues Visieren ermöglichen. Daten und Notizen sollen auf der Scheibe vermerkt werden können. Gewöhnliche Scheiben nach Hausmacherart reichen nicht aus. Mit vier Zentimetern Hochschuss oder Fleck einzuschießen, das bleibt jedem Jäger selbst überlassen.

6. Geräuschlose Kleidung

Natürlich ist das Wild uns auch mit seinem hervorragenden Gehörsinn weit überlegen. Unsere Kleidung sollte daher absolut geräuschlos und bequem sein. Es gehen also keine Quietschgeräusche vom Gewehrriemen, vom Schuh und der restlichen Ausrüstung aus. Es geht darum, etwas zu hören und nicht gehört zu werden.

7. Rucksack packen

Um für die Bockjagd gut gerüstet zu sein, ist ein guter Jagdrucksack ein wichtiger Begleiter. Egal ob auf der Pirsch oder beim Ansitz, im Jagdrucksack haben wir immer alles dabei was wir für den Jagdeinsatz benötigen. Meiner ist sogar mit Jagdstuhl ausgestattet, was ich nicht mehr missen möchte. Es ist ein Rucksack mit viel Stauraum und Schweisseinlage. Schließlich wollen wir doch nach der Erlegung den Bock zünftig bergen. Scharfer Jagdknicker, Taschenlampe, Sitzkissen, Hygienehandschuhe, Mütze, Handschuhe, der Rucksack ist perfekt für die bevorstehende Bockjagd ausstaffiert.

8. Wind und Wetterbericht verfolgen

Damit wir nicht gleich unter falschem Wind oder im strömenden Regen auf dem Sitz ohne Dach sitzen, kontrollieren wir täglich den Wetterbericht. Das ist für mich ohnehin eine alltägliche Pflicht des Jägers. Die Sichtbarkeit der Böcke, des Wildes allgemein und damit einhergehend der Jagderfolg, hängen eng mit dem Wetter zusammen -nicht nur mit der Jahreszeit. Wer hier aufmerksam und gewissenhaft ist, erspart sich nicht nur durchnässte Kleidung und unvorhergesehene Wolkenbrüche sondern bringt auch Ruhe ins Revier. Denn nichts ist kontraproduktiver, als das Revier unnötig zu beunruhigen. Gerade alte Rehböcke haben den Braten rasch gerochen und beginnen den Einstand nur noch spät zu verlassen, weichen uns teilweise regelrecht aus oder werden ganz heimlich.

9. Anti-Zecken-Mittel

Wir haben erschreckenderweise deutlich mehr Zecken im Revier als es vor 50 Jahren der Fall war. So denken wir dabei auch an unsere eigene Gesundheit. Daher fehlt insbesondere im Frühjahr nie das Zeckenspray. Nach einer Pirsch haftet einiges an Zecken an mir. Wie oft bedauere ich auch das Wild, übersät mit Zecken, insbesondere an den Keulen und noch extremer bei schwachen Stücken.

10. Den schwachen Jährlingen gilts

Aber eines vergessen wir in der Bockeuphorie nicht: Es geht vorwiegend um den schwachen Jährlingsbock. Je eher, je besser, je weiter das Jahr voranschreitet, desto schwieriger wird es. Zu keiner Zeit bekommt man die schwachen Jährlinge und Schmalrehe leichter als zu Beginn der Jagdsaison. Sicherlich kommen auch in Zukunft die Freigaben ab April für andere Bundesländer. Pilotprojekte haben immer deutlich gezeigt, dass dadurch die Unfallzahlen weiter gesenkt werden können. Wer bei den körperlich Schwächsten eingreift, macht nichts verkehrt.

Wir selbst nutzen im eigenen Revier aber jetzt auch die Chance auf einen jagdbaren Bock. Wozu warten? Warum nicht auch einmal ein Territorium für einen kraftstrotzenden Nachfolger freimachen? Schließlich werden nicht nur Jährlinge überfahren. Insofern kommt mit Erlegung eines solchen Raufers durchaus auch wieder Ruhe in den Einstand.

Jens Krüger

Nach der Ausbildung zum Forstwirt im Forstamt Barlohe und Landwirt auf der Landwirtschaftsschule Rendsburg folgte die Berufsjägerausbildung in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie die Theorie am Jägerlehrhof Springe. Der Wildmeister (DJV) ist Pächter eines Hochwildrevieres in Niedersachsen mit Dam-und Schwarzwild. Zudem betätigt er sich seit über 25 Jahren als Outfitter in British Kolumbien. Darüber hinaus bildet er Jäger aus und schreibt für uns über Themen der Jagdpraxis.