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VORBEUGEN auf der Streuobstwiese


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Obst & Garten - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 01.01.2023
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Spätestens zur Blüte gehören Fruchtmumien entfernt, um den Fruchtfäulebefall zu minimieren

Das Biodiversitätsstärkungsgesetz Baden-Württemberg (BiodivStG) 2020 und die geänderte Pflanzenschutzanwendungsverordnung (PflSchAnwV) 2021 schränken den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stark ein, auch im ökologischen Anbau. In Naturschutzgebieten sind Pflanzenschutzmittel seit dem 1. Januar 2022 vollständig ver boten.

So werden vorbeugende Maßnahmen zur Grundvoraussetzung beim Aufbau und Erhalt von Streuobstbeständen. Sie gewähren jedoch keinen vollständigen Schutz vor bestimmten Krankheiten und Schädlingen, die den Bestand bedrohen oder das Erntegut gefährden können. Wie so oft spielt der Standort bei der Vorbeugung eine wichtige Rolle.

KRITERIEN FÜR DIE STANDORTWAHL

Klima und Ausrichtung: Bei einer Neuanlage oder dem Ersetzen einzelner Gehölze ist es wichtig, die Standortansprüche der Arten und Sorten zu berücksichtigen. Dabei sollten sowohl die groß- als auch die kleinklimatischen Bedingungen, ...

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... insbesondere vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung, genau geprüft werden.

Befindet sich der Standort in einem Weinbau-Klima? Wärmeliebende Arten wie Aprikosen, Pfirsiche oder Feigen können nur in eingezäunten Flächen angebaut werden. Für den klassischen Halb- oder Hochstammanbau eignen sie sich nicht. In höheren Mittelgebirgslagen treten häufig Schäden an Holz und Knospen durch zu tiefe Temperaturen im Winter auf. Aufgrund zu geringer Wärmesummen und Sonneneinstrahlung reifen die Früchte oft nicht aus.

Befindet sich der Standort an einem Süd- oder Nordhang? Früh austreibende und von Spätfrösten im Frühjahr besonders gefährdete Gehölze eignen sich eher für einen Nordhang, da sie dort später austreiben (z. B. Pfirsich). Auch die Bodenfeuchtigkeit kann sich länger halten und die Gehölze leiden weniger unter Trockenstress. An Südhängen ist die Sonneneinstrahlung intensiv. Hier kommt es im Sommer schneller zu Sonnenbrandschäden an Holz und Früchten sowie im Winter bei Dauerfrost zu Frostrissen am Stamm und großen Leitästen. Krankheiten wie Schwarzer Rindenbrand können die Gehölze dann leichter infizieren. Mit den höheren Temperaturen steigt zudem der Wasserbedarf an.

Befindet sich der Standort in einer Kaltluftsenke? Es können im Winter extrem niedrige Temperaturen auftreten, die Holz und Knospen schädigen. Die Gefahr von Spätfrösten im Frühjahr und Frühfrösten im Herbst steigt deutlich. Früchte spätreifender Sorten können nicht mehr ausreifen oder eignen sich wegen Rissbildungen nicht mehr zur Einlagerung. Befindet sich der Standort in einer windexponierten Lage? Das Laub trocknet hier nach Niederschlägen schneller ab. Das mindert deutlich den Befall mit feuchtigkeitsliebenden Pilzkrankheiten wie Schorf bei Apfel, Sprühflecken bei Kirschen oder Marssonina bei Walnuss. Andererseits kann es häufiger zu Sturmschäden an Holz, Blüten und Früchten kommen. Einzelne Arten, beispielsweise die Birne, bevorzugen windgeschützte Standorte. Wer kommt mit Wind zurecht?

»Setzen Sie bei Ersatzpflanzungen nicht die gleiche Art wieder an dieselbe Stelle.«

GERHARD STEINECKE

BODEN UND WASSERVERSORGUNG

Sind die Obstart und ihre Unterlage für die vorliegende Bodenart geeignet? Nur bei passendem pH-Wert und optimaler Struktur können alle notwendigen Nährstoffe aufgenommen und Mangelerscheinungen wie Chlorosen vermieden werden. Birnen bevorzugen z. B. neutrale bis schwachsaure Böden und sind je nach Unterlage für kalkhaltige Standorte ungeeignet. Ist der Boden verdichtet, tritt Sauerstoffmangel auf. Feinwurzeln, in Symbiose lebende Mykorrhiza-Pilze und andere Mikroorganismen können absterben. Das schwächt die Pflanzen. Auch zu Staunässe neigende Böden leiden häufig unter Sauerstoffmangel. Ist der Boden tiefgründig genug für einen ausreichend großen Wurzelraum? Damit Hochstämme dauerhaft eine große Krone ausbilden und erhalten können, sollte der Standort ausreichend tiefgründig sein. Ungeeignet sind flachgründige, humusarme oder stark mit Steinen durchsetzte Standorte (Steinriegel). Nach wenigen Jahren kümmern oder vertrocknen auch robuste Hochstämme auf Sämlingsunterlagen, wenn der Boden nicht genügend Wasser speichern kann. Besonders nachteilig sind diese Voraussetzungen auf Kuppen, da dort das Wasser abfließt. Weniger vom Wassermangel betroffen sind Standorte an tieferen Hanglagen. Sie profitieren vom Sickerwasser der oberen Bereiche.

KULTURFOLGE IM NACHBAU

Setzen Sie bei Ersatzpflanzungen nicht die gleiche Art wieder an dieselbe Stelle. Auf Kernobst sollte z. B. nicht erneut Kernobst folgen. Während der langen Standzeit kommt es zur sogenannten Bodenmüdigkeit gegenüber einer bestimmten Art und es können sich Krankheiten und Schaderreger ansammeln. Soll dennoch dieselbe Art verwendet werden, kann ein vorheriger Bodenaustausch in den ersten Jahren zum Anwachserfolg beitragen. Beginnen die Wurzeln jedoch aus dem ausgetauschten Bereich herauszuwachsen, besteht ein großes Risiko für Krankheiten und Mangelerscheinungen. Entfernen Sie, soweit möglich, die Wurzeln des Vorgänger-Gehölzes, damit natürlich vorkommende, holzzersetzende Bodenpilze nicht auf die neue Pflanzung übergreifen können.

RESISTENTE SORTEN WÄHLEN

Auch wenn es teurer ist: Verwenden Sie ausschließlich virusfreies, nach Anbaumaterialverordnung (AGOZV) amtlich zertifiziertes Pflanzgut! Langfristig lohnt es sich, da nur ein sehr geringes Risiko besteht, dass Schaderreger mitgeliefert werden.

Eine der wichtigsten vorbeugenden Pflanzenschutzmaßnahmen kann über die Wahl der Sorte und der Unterlage getroffen werden. Wählen Sie keinesfalls Sorten aus, die den jeweils bedeutendsten Krankheiten und Schädlingen gegenüber hochanfällig sind – z. B. Schorf und Feuerbrand beim Kernobst oder Scharka-Virus bei Pflaumen. Besser geeignet sind (mindestens) weniger anfällige, resistentere Sorten. Teilweise zeigen tolerante beziehungsweise resistente Sorten allerdings Schwächen gegenüber anderen Krankheiten. Beispielsweise neigt die gegen Schorf weitgehend resistente Apfelsorte ‘Topaz’ zu stärkerem Befall mit der Mehligen Apfelblattlaus, Obstbaumkrebs oder Schwarzem Rindenbrand. Gegen Schädlinge wie Blattläuse, Blattsauger, Wanzen, Apfel- und Pflaumenwickler sowie Kirschfrucht-/Kirschessigfliegen und Walnussfruchtfliegen gibt es keine resistenten Sorten. Bei hohem Befallsdruck ist abzuwägen, ob sie dennoch angebaut werden sollen.

BEI UND NACH DER PFLANZUNG

Folgende Maßnahmen unterstützen die Gehölze nach der Pflanzung und in den Folgejahren in ihrer Entwicklung:

• Das Pflanzloch mindenstens doppelt so breit und tief ausheben wie der Wurzelballen groß ist. Den Boden lockern und nur oben mit reifem Humus vermischen. Das fördert Bodenleben, Wasserhaltevermögen und Wurzelwachstum.

• Eine Baumscheibe anlegen und durch eine Mulchschicht unkrautfrei halten (z. B. Rindenmulch, Hackschnitzel oder eine dünne Grasschnittschicht). Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe durch Beikräuter sollte vermieden werden, bis der Baum nach mindestens zwei Jahren einen ausreichend großen Wurzelraum erschlossen hat, in dem ihm auch während einer Trockenperiode genügend Wasser zur Verfügung steht.

• In der Anwachsphase nach dem Pflanzen sowie in den ersten Standjahren immer eine ausreichende Wasserversorgung gewährleisten. Dafür haben sich Wassersäcke bewährt, bei denen eine größere Wassermenge langsam einfiltriert.

• Zum Schutz vor Fraßschäden durch Mäuse an den Wurzeln und der Stammbasis das Gehölz in einen Drahtkorb (Maschenweite 13 x 13 mm) pflanzen.

• Hasendraht oder Baumschutzspiralen schützen den Stamm vor Verbiss- und Fegeschäden durch Rot-, Reh- oder Damwild, Hasen und Kaninchen oder auch Weidetiere wie Schafe und Ziegen. Baumschutzspiralen können schnell angebracht werden, sind aber nur wenige Jahre haltbar und müssen ausgetauscht werden, und müssen rechtzeitig ausgetauscht werden, bevor Kunststoffteile in die Anlage eingetragen werden.

»Lichten Sie Baumkronen aus, damit die Blätter nach Regen schneller trocknen.«

GERHARD STEINECKE

• Ein Weißanstrich reflektiert die Sonnenstrahlen. Das „Weißeln“ der Stämme schützt die Rinde vor Frostrissen, Sonnenbrand und dem Eindringen von Holzkrankheiten.

• Mitte bis Ende Oktober einen dicht schließenden Leimgürtel aus grünem Gürtelpapier um den Stamm und vor allem um das Befestigungsmaterial (Pfahl) legen, um aufwandernde Frostspanner-Weibchen an der Eiablage in der Krone zu hindern. Unterhalb der Barriere abgelegte Eier beseitigen, bevor der Leimgürtel entfernt wird.

VOR DEM AUSTRIEB

Ungepflegte und zu dichte Baumkronen sollten in der Etragsphase der Bäume durch Schnittmaßnahmen regelmäßig so ausgelichtet werden, dass sie nach Niederschlägen schnell abtrocknen. Das kann feuchtigkeitsliebende Krankheiten wie Schorf, Obstbaumkrebs oder Monilia- und Grauschimmelfruchtfäulen deutlich reduzieren.

Entfernen Sie sorgfältig alle von Krankheiten und Schädlingen befallenen Knospen, Triebspitzen, Äste und noch anhaftende Fruchtmumien. Schneiden Sie Äste und Triebe bis ins gesunde Holz zurück. Bei Mistelbefall kann ein Rückschnitt notwendig werden, um die weit ins Gehölz eingedrungenen Saugorgane zu entfernen. Verzichten Sie auf Schnittmaßnahmen in Frostperioden. Bei trockenen Witterungsbedingungen dringen Pilze und Bakterien deutlich weniger über frische Schnittwunden ein. Schnittwerkzeuge müssen nach dem Schnitt von kranken Bäumen desinfiziert werden, z. B. mit 70 %-igem Alkohol.

NACH DEM AUSTRIEB

Spätestens vor der Blüte sollten Sie noch vorhandene Fruchtmumien entfernen, um einen Übergang der Fruchtfäule-Erreger in die Blüte zu vermeiden. Erst nach dem Austrieb ersichtlich befallene Triebe und Knospen können Sie ausschneiden oder ausreißen („Mehltauriss“ bei Apfel). Schneiden Sie stark von Schädlingen befallene und deformierte Pflanzenteile aus und entfernen Sie sie, z. B. Gespinste der Apfelbaumgespinstmotte oder verdrehte Triebe durch die Mehlige Apfelblattlaus.

Besonders bei Kirsche und Pfirsich können Auslichtungsschnittmaßnahmen auch während des Trieb- und Fruchtwachstums durchgeführt werden. Treiben nach stärkerem Rückschnitt aus „schlafenden“ Augen viele neue Triebe aus, reißen Sie diese im noch weichen Stadium aus („Juni-Riss“).

Werden bei zu dichtem Behang Früchte ausgedünnt, können vor allem Kontakt-Fruchtfäulen reduziert werden. Dazu kontrolliert man während der Fruchtentwicklung auf Krankheitsund Schädlingsbefall und entfernt befallene Früchte. Sammeln Sie bereits heruntergefallenes Obst ein und beseitigen Sie es, um noch darin befindliche Schädlinge zu erfassen. Gegen Maden von z. B. Kirschfrucht- und Kirschessigfliegen können kleinkronige Bäume vollständig eingenetzt werden. Bei größeren Bäumen gelingt das zumindest teilweise an gut beerntbaren Astpartien zum Zeitpunkt der Gelbfärbung der Früchte mit Kulturschutznetzen (Maschenweite 1 x1 mm).

ERNTE BIS LAUBFALL

Um Fruchtfäulen im Lager vorzubeugen, erntet man am besten bei trockenen Witterungsbedingungen und kühlt die Früchte rasch. Ins Lager kommen nur gesunde Früchte mit Stiel. Verletzungen der Fruchthaut gilt es zu vermeiden. Pflaumen, Mirabellen, Kirschen und Pfirsich können z. B. zur Vorbeugung von Monilia-Fruchtfäulen, nur im Kühllager unter 8 °C kurzzeitig gelagert werden. Sind die Hände in Kontakt mit einer von Fruchtfäulen befallenen Frucht gekommen, können Sporen auf nachfolgend geerntete, gesunde Früchte übertragen werden. Optimal wäre es, die Ernte erst nach dem Desinfizieren der Hände, der Pflückhilfen und Gefäße fortzusetzen.

Bleibt kein Fallobst liegen, lockt es auch keine Mäuse an. Wenn man außerdem umgebende Grasflächen nach dem Laubfall nochmals mulcht und die Baumscheibe von Bewuchs freihält, fehlt den Mäusen die Deckung und sie können leichter von Greifvögeln erbeutet werden. Sitzstangen können diesen bei der Jagd helfen. Im noch belaubten Zustand sind kranke oder abgestorbene Äste und Zweige gut erkennbar und können bei trockenem Wetter bis ins gesunde Holz ausgeschnitten werden. Das reduziert Pilzfruchtkörper und Sporen.

Wenn die Bäume nach einigen Jahren in die Ertragsphase kommen, sind Stämme und größere Äste durch Frostrisse gefährdet. Wie nach der Pflanzung verringert das Weißeln der Stämme die Gefahr. Weißanstriche werden bei trockener Witterung und Temperaturen über 10 °C aufgetragen.

In Regionen mit Frostspanner-Fraßschäden können, wie schon nach der Pflanzung, Mitte bis Ende Oktober Leimgürtel angebracht werden. Viele Pilzkrankheiten überdauern den Winter im Falllaub bzw. in Fruchtmumien. Das Beseitigen bis zum Austrieb in nächsten Frühjahr senkt den Infektionsdruck deutlich. Damit sich dennoch Humus aufbaut und, um Regenwürmer zu fördern, kann man das Falllaub zunächst unter der Baumscheibe belassen und dann spätestens vor dem Austrieb beseitigen und kompostieren.

Unabhängig, ob frisch gepflanzt oder in der Ertragsphase, helfen Nützlinge gegen Schädlinge. Wichtig sind Nistund Überwinterungsmöglichkeiten. Auch Steinriegel, Reisighaufen, Hecken und nicht gemähte bzw. ungepflegte Teilbereiche der Streuobstwiese fördern Nützlinge.