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Vorbeugen nach der Geburt: Das können Eltern tun


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2009 vom 16.02.2009

Ob ein Kind eine Allergie entwickelt, hängt von mehreren Faktoren ab. Gefährdet sind vor allem Kinder aus vorbelasteten Familien, das heißt, wenn ein oder beide Elternteile selbst an Allergien leiden. Doch Eltern können ihren Teil dazu beitragen, dass der Nachwuchs gesund bleibt.


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Muttermilch wäre besser, doch es gibt spezielle HA-Ersatznahrungen, die auch für Säuglinge aus Familien mit Allergierisiko geeignet sind.


Foto: irisblende.de

Ausschließlich Muttermilch in den ersten vier bis sechs Monaten ist der beste Allergieschutz. Muttermilch enthält wichtige Abwehrstoffe, die sich wie ein ...

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Ausschließlich Muttermilch in den ersten vier bis sechs Monaten ist der beste Allergieschutz. Muttermilch enthält wichtige Abwehrstoffe, die sich wie ein Film auf die Darmschleimhaut des Babys legen, es vor Allergenen schützen und helfen, eine gesunde Darmflora aufzubauen. Zudem wird das Milcheiweiß der Muttermilch als arteigenes Eiweiß vom kindlichen Organismus akzeptiert. Das ist insbesondere in den ersten sechs Lebensmonaten von Bedeutung. Während dieser Zeit ist die Darmschleimhaut des Babys relativ durchlässig. Größere Eiweißmoleküle – etwa aus herkömmlicher Säuglingsnahrung – können leicht ins Blut geraten und zu einer Über empfindlichkeit führen. Aus diesem Grund sollte das Baby, insbesondere wenn es aus einer Risikofamilie kommt, in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt wer den. Das heißt, dass außer Muttermilch nichts anderes gefüttert wird, auch keine Tees oder Säfte.

Spezialnahrungen fürs Baby

Frauen, die aus gesundheitlichen, beruflichen oder anderen Gründen nicht stillen können oder wollen, können auf Milchpulvernahrung zurückgreifen. Wenn ein Elternteil oder sogar Vater und Mutter Allergien haben, dann sollten die Mütter ihren Babys vorsichtshalber HA-(hypoallergen)-Nahrungen geben. Sie ist für Säuglinge mit einem erhöhten Allergierisiko gedacht. HA-Nahrungen entsprechen in ihrer Zusammensetzung herkömmlichen Milchpulvernahrungen. Die darin enthaltenen Kuhmilcheiweiße sind jedoch in kleine Bruchstücke gespalten. Damit soll der kindliche Darm überlistet werden: Denn die kleineren Eiweißstücke erkennt er nicht so schnell als fremdartig. Sie passieren die Darmwand ungehindert.

In teuren Therapienahrungen, die es nur in Apotheken zu kaufen gibt, sind die Eiweiße durch Hitze und Enzyme noch stärker gespalten. Auf den Packungen steht manchmal auch die Abkürzung eHF für „extensiv hydrolysierte Formula“. Das bedeutet: besonders stark gespalten. Diese Produkte sind dann sinnvoll und angebracht, wenn das Kind nachweislich von einer Kuhmilcheiweißallergie betroffen ist.

Die speziellen Therapienahrungen basieren entweder auf Kuhmilch oder auf der Milch von Sojabohnen. Allerdings werden Säuglingsnahrungen auf Sojabasis weder zur Prävention noch zur Therapie von Allergien empfohlen. Auch bei Säuglingen mit einer Kuhmilchallergie rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in den ersten sechs Monaten ausdrücklich von Sojanahrung ab. Solche Nahrungen sind laut Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin nicht optimal in ihren Nährstoffen zusammengesetzt. Es ist bei spielsweise bekannt, dass Mineralien und Spurenelemente aus Sojanahrungen im Körper schlecht verwertet werden. Ungünstig beurteilt wird außerdem der hohe Gehalt an Isoflavonen. Das sind pflanzliche Hormone mit östrogenartiger Wirkung. Diese Substanzen finden sich im Blut von Säuglingen, die mit Sojanahrung gefüttert werden. Außerdem gilt Sojaeiweiß als stärkeres Allergen als Kuhmilcheiweiß. Es gibt jedoch einige seltene Erkrankungen oder Störungen, bei denen der Arzt eine Therapienahrung auf Sojabohnenbasis speziell verordnet. Etwa wenn der kindliche Organismus zu wenig von dem Enzym Laktase produziert, das für die Aufspaltung von Milchzucker zuständig ist. Diese an geborene Störung ist aber sehr selten.

Von Wissenschaftlern wird zudem seit einiger Zeit darüber diskutiert, ob es besser ist, die Eiweiße in HA-Nahrung nicht so sehr aufzuspalten, damit das kindliche Immunsystem lernt, sich damit auseinanderzusetzen. Ergebnisse der German-Infant-Nutritional-Intervention-Studie (GINI-Studie) mit 2.252 Babys aus Allergikerfamilien zeigen, dass es vor allem auf den Prozess der Eiweißaufspaltung an kommt. HA-Nahrung kann teilweise ähnlich gut vor Allergien schützen wie Muttermilch. Die beste Wirkung unter den HA-Nahrungen, die während der GINI-Studie zum Einsatz kamen, zeigte ein partielles Molkenhydrolysat von Nestlé (Beba H.A.)

Die GINI-Studie zeigte aber auch, dass sich inhalative Allergien wie Heuschnupfen und Asthma durch HA-Babynahrung nicht signifikant beeinflussen lassen.

Produkte mit Prä- und Probiotika

Relativ neu auf dem Markt sind hypoallergene Säuglings- und Therapienahrungen, die mit Prä- und/oder Probiotika angereichert sind. Bei Präbiotika handelt es sich um Kohlenhydrate, die das Wachstum probiotischer Bakterien im Darm fördern. Zu den Probiotika gehören zum Beispiel Lactobazillen und Bifidobakterien. Sie siedeln in einer gesunden Darmflora und stärken das Immun system. Seit Langem ist bekannt, dass gestillte Kinder eine andere Darmflora haben als Flaschenkinder. Deshalb versprechen sich Wissenschaftler von Säuglingsnahrung die Präoder Probiotika enthalten, eine bessere Darmgesundheit und da mit auch einen gewissen Schutz vor Allergien.

Seit einiger Zeit gibt es Hin weise dafür, dass diese Annahme richtig sein könnte. Allerdings liegen nur sehr wenige klinische Studien dazu vor. Deshalb hält es Professor Dr. Michael Radke vom Zentrum für Kinder und Jugendmedizin am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam für verfrüht, Säuglingsnahrung mit Pro- oder Präbiotika generell zur Allergieprophylaxe zu empfehlen. Die positiven Effekte müssen sich in weiteren klinischen Studien erst noch bestätigen.

Erbfall Allergie: Wenn Vater, Mutter oder sogar beide Elternteile unter einer Allergie leiden, dann trägt auch ihr Kind ein höheres Risiko zu erkranken.


Foto: corbis

Gesunde Luft ist wichtig

Welche Rolle eine frühkindliche Belastung mit Allergenen wie Tierhaaren oder Milben spielt, darüber diskutieren Experten immer wieder neu. Verschiedene Studien liefern dazu widersprüchliche Ergebnisse. Zwar ist bekannt, dass Kinder auf Allergenbelastung in Innenräumen – zum Beispiel durch Tierhaare und Hausstaub – reagieren. Sie bilden individuell unterschiedlich und abhängig vom Grad der Belastung Antikörper gegen die Allergene in der Luft. Das bedeutet aber nicht, dass bei ihnen auch tatsächlich ei ne Allergie ausbricht. In der aktuellen Leitlinie des Aktionsbündnis Al lergieprävention vom Januar 2009 haben sich Experten daher auf eine stufenweise Vorgehensweise geeinigt:

• Wenn bei Kindern noch keine Erkrankungs- oder Sensibilisierungszeichen für eine Allergie aufgetreten sind, gibt es keine Einschränkungen bestimmter Umweltallergene wie etwa Tieren. „Das gilt auch für allergiegefährdete Kinder, also wenn die Eltern Allergiker sind“, sagt die Kin derärztin und Allergologin Dr. Susanne Lau.

• Sind bei den Kindern bereits Sensibilisierungen gegen Tiere oder Milben aufgetreten, etwa Atembeschwerden oder Hautreaktionen (atopisches Ekzem), dann raten Mediziner von felltragenden Tieren im Haushalt ab. Außerdem soll die Milbenbelastung in der Wohnung dann möglichst niedrig sein. Um den Kontakt mit Hausstaubmilben zu minimieren, können spezielle Matratzenbezüge sinnvoll sein. Als Fußbodenbeläge eignen sich solche, die sich gut reinigen lassen – wie Parkett, Kork oder Fliesen. Bei Teppichböden sind kurzhaarige den langhaarigen vorzuziehen. Wichtig ist es außerdem, alle Zimmer in der Wohnung regelmäßig zu lüften.

Ein weiterer gefährlicher Risikofaktor ist Tabakrauch. Die eindeutige Empfehlung der Experten lautet: Der Verzicht auf das Rauchen senkt das Allergierisiko. Eine rauchfreie Wohnung sollte deshalb selbstverständlich sein.

Checkliste Allergien vorbeugen

• Sechs Monate lang ausschließlich stillen.
• Wenn das nicht geht und in der Familie Allergien bestehen: Hypoallergene HA-Nahrung füttern.
• Mit Beikost frühestens nach dem vierten Monat beginnen.
• Anfangs nur eine Gemüsesorte wie Karotten oder Kartoffeln geben.
• Die Auswahl langsam steigern und einfach zusammengesetzte Babymenüs auswählen. Vier Zutaten im Babymenü reichen aus – eine Gemüsesorte, Kartoffeln oder Reis, Fleisch und Fett.
• Im ersten Lebensjahr keine Eier, Nüsse, Fisch und Soja sowie Gewürze, Schokolade, Kakao, Aromen etc.
• Allergiegefährdete Säuglinge: keine Kuhmilch im ersten Lebensjahr.
• Leiden die Eltern bereits an Allergien: keine felltragenden Haustiere in der Wohnung halten.
• Wenn bereits ein Haustier zum Haushalt gehört, sollte es zumindest aus dem Kinderzimmer ferngehalten werden.
• Nicht in der Wohnung rauchen.

Das richtige Putzmittel

Harmlose Keime, wie sie auf dem Küchenboden oder im Badezimmer ganz natürlich vor kommen, müssen nicht mit scharfen Reinigern mehrmals täglich vernichtet werden. Besonders antibakterielle Substanzen in Putzmitteln, Müllbeuteln oder Geschirrspülmitteln können sogar eine Allergie auslösen. Einfache Reinigungsmittel reichen aus. Normale Keime in der Wohnung trainieren das kindliche Immunsystem sogar. „Weil sie ständig mit Keimen konfrontiert werden, wird ihr Immunsystem toleranter – es gewöhnt sich an harmlose Bakterien und schaltet dann quasi ab“, erklärt Professor Harald Renz vom Universitätsklinikum Marburg. Ebenso verhält es sich mit Schmutz draußen im Feld, Wald oder auf Spielplätzen.