Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Vorwort: „Es ist noch immer ein sehr gefährlicher Sport“


Top Speed - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 28.02.2020
Artikelbild für den Artikel "Vorwort: „Es ist noch immer ein sehr gefährlicher Sport“" aus der Ausgabe 3/2020 von Top Speed. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Top Speed, Ausgabe 3/2020

SEHR GEEHRTE LESER UND INSERENTEN,

am 8. März werden auf dem Losail International Circuit die ersten Punkte in der Motorrad-Weltmeisterschaft 2020 vergeben. Dass bei dieser rasanten Sportart zahlreiche Stürze, verbunden mit gefährlichen Situationen für die Betroffenen, nicht ausbleiben, ist nach wie vor Realität. Insofern ist ein Blick auf die Unfallstatistik der letzten Saison recht interessant. Die von Serienveranstalter Dorna veröffentlichte Erhebung beinhaltet alle Details. In der Addition aller Freien Trainings, Qualifyings 1 & 2, Warm ups und Rennen passierten 2019 insgesamt 971 Unfälle, gleichbedeutend mit der niedrigsten Anzahl seit 2013. Dass in der Moto3 mit 404 die meisten Stürze registriert wurden, gefolgt von der Moto2 mit 347 Crashs, aber in der MotoGP lediglich 220 Unfälle passierten, beweist das gewachsene und demzufolge hohe fahrerische Können der Cracks in der Königsklasse. Bezogen auf die Rennstrecken, besaß im Vorjahr der Kurs in Le Mans mit 90 Unfällen die höchste Erdanziehungskraft, gefolgt vom Circuit de Barcelona - Catalunya und der Strecke auf Phillip Island mit jeweils 73 vorzeitigen Enden im Gelände. Dass der Sachsenring in dieser Wertung mit 41 Stürzen den 15. von 19 Plätzen belegt, ist durchaus eine erfreuliche Tatsache.

Zurück zu den Fahrern. Mit 22 unfreiwilligen Abflügen erwies sich Moto3-Chauffeur Tom Booth- Amos (Großbritannien) als unrühmlicher Spitzenreiter. Mit 21 bzw. 20 Stürzen waren der Türke Can Oncu (Moto3) und Toms Landsmann Sam Lowes (Moto2) dem Crash-King dicht auf den Fersen. Selbstverständlich sind auch in dieser Betrachtung die Ereignisse in der MotoGP am interessantesten. Johann Zarco und Jack Miller lauten die Namen der am häufigsten Verunfallten. Während sich der Franzose 17 Mal von seinem Bike trennte, passierte dieses Missgeschick dem Australier in 15 Situationen. Und Marc Marquez? Nachdem er in den Jahren zuvor nicht nur Weltmeistertitel und zahlreiche Siege einheimste, sondern häufig auch die Sturzstatistik anführte, überzeugte der Spanier im Vorjahr mit gewachsener Souveränität. Nach 23 harten Landungen 2018, erlebte der Honda-Fahrer dieses Malheur 2019 nur noch 14 Mal. Der inzwischen 27-Jährige (* 17. Februar 1993) nannte bereits zu Saisonmitte die wichtigsten Ursachen: „Was das Chassis angeht, haben wir in manchen Punkten vielleicht verloren, aber dafür in anderen gewonnen, vor allem in den für mich kritischen Punkten. Außerdem haben wir mehr Leistung. Das gibt uns auch auf der Bremse etwas mehr Sicherheit. Zusätzlich kommt es auf die Konzentration an. Wenn man auf dem Motorrad sehr konzentriert ist, kann man viele Stürze abwenden. Aus diesem Grund stürze ich weniger, habe aber mehr Saves.“ Als Saves bezeichnete man Situationen, in denen ein Fahrer fast sichere Unfälle mit hohem Geschick noch verhindern kann. Die diesbezüglichen Fähigkeiten des insgesamt achtmaligen Weltmeisters, verbunden mit seiner Kunst, physikalische Gesetze zu ignorieren, sind mittlerweile legendär. Mit 65 Grad Schräglage gelang dem Katalanen 2019 ein neuer unglaublicher Rekord. „Wo das Limit ist, weiß ich nicht. Wenn man mich in fünf Jahren fragt, könnte es sein, dass Marc 70 Grad erreicht“, vermutete Honda-Projektleiter Takeo Yokoyama.
Neben den möglichen gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Fahrer, spielen die Materialkosten aus finanzieller Sicht keine untergeordnete Rolle. In einem Gespräch mit dem Internetportal ,GPOne.com‘ erklärte Christophe Bourguignon, Technikchef in LCR-Team: „Ein Sturz in der MotoGP kann zwischen 15.000 und 100.000 Euro kosten. Einen 2.000-Euro-Sturz gibt es einfach nicht. Die Motorräder sind schwer und sehr schnell. Wenn man über das Vorderrad stürzt, nehmen mindestens die Verkleidung, die Lenkerstummel und viele Carbonteile Schaden. Die meisten Teile können repariert und wieder verwendet werden. Aber wenn man einen Unfall hat, wie wir in Australien 2018, als der Rahmen und die Schwinge zerstört wurden, ist das etwas anderes. Solche Sachen sind meistens unbezahlbar. In erster Linie unbezahlbar ist allerdings die Gesundheit der Fahrer. Glücklicherweise ist die diesbezügliche Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit sehr positiv. „Ich denke, wir haben über die Jahre gemeinsam mit der Sicherheitskommission seit 2003 sehr hart an diesem Thema gearbeitet. Es ist gelungen, die Sicherheit auf den Strecken selbst zu erhöhen. Gleiches gilt für die Ausrüstung. Mittlerweile sind viele Schutzmaßnahmen verpflichtend, wie zum Beispiel der Airbag oder der Brustprotektor. Die Qualität der Helme ist besser geworden, auch die Stiefel, wenn man es mit den 1990er-Jahren vergleicht. Wir arbeiten daran, überall mehr Auslaufzonen zu haben, egal von welcher Strecke wir sprechen. Es wird viel Geld dafür ausgegeben, doch das ist auch enorm wichtig. Es ist noch immer ein sehr gefährlicher Sport. Es wäre also dumm, nicht alles Menschenmögliche für die Sicherheit zu unternehmen“, berichtete Valentino Rossi. Keiner kann die gesamte Lage besser einschätzen als der globale Publikumsliebling mit der Startnummer 46, schließlich bereichert der inzwischen 41-Jährige (* 16. Februar 1979) seit 1996 jeden Grand Prix. Dass die 971 Stürze im Vorjahr fast immer ohne gravierende Folgen verliefen, ist ein Verdienst der von Valentino Rossi genannten Entwicklung und den damit verbundenen Details. In der Hoffnung, dass diese Tendenz in der kommenden Saison fortgesetzt wird, freuen wir uns auf eine faszinierende Motorrad-Weltmeisterschaft 2020.

Herzlichst

Artikelbild für den Artikel "Vorwort: „Es ist noch immer ein sehr gefährlicher Sport“" aus der Ausgabe 3/2020 von Top Speed. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Top Speed, Ausgabe 3/2020

Ihr Hendrik Nöbel Verleger „Top Speed“

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2020 von Info: Tissot Heritage 1973: Im Geist des klassischen Rennsports. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Info: Tissot Heritage 1973: Im Geist des klassischen Rennsports
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von MotoGP: präsentiert: „Er ist einfach ein Alleskönner auf zwei Rädern“: Titelverteidiger MotoGP - Marc Marquez. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MotoGP: präsentiert: „Er ist einfach ein Alleskönner auf zwei Rädern“: Titelverteidiger MotoGP - Marc Marquez
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von Kolumne: „Uns steht eine faszinierende und mitreißende Meisterschaft bevor“: Von Stefan Bradl (Moto2-Weltmeister 2011 & MotoGP-Testfahrer). Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kolumne: „Uns steht eine faszinierende und mitreißende Meisterschaft bevor“: Von Stefan Bradl (Moto2-Weltmeister 2011 & MotoGP-Testfahrer)
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von MotoGP: „Unser Hauptziel ist das gleiche - Weltmeister werden“: Die wichtigsten Konkurrenten des Titelverteidigers. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MotoGP: „Unser Hauptziel ist das gleiche - Weltmeister werden“: Die wichtigsten Konkurrenten des Titelverteidigers
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von MotoGP: „Bei Petronas haben wir ein fantastisches Team“: Valentino Rossi vor seiner letzten Saison als Werksfahrer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MotoGP: „Bei Petronas haben wir ein fantastisches Team“: Valentino Rossi vor seiner letzten Saison als Werksfahrer
Titelbild der Ausgabe 3/2020 von MotoGP: Fabio fährt famos: MotoGP-Testfahrten Malaysia / Sepang International Circuit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MotoGP: Fabio fährt famos: MotoGP-Testfahrten Malaysia / Sepang International Circuit
Vorheriger Artikel
Info: Tissot Heritage 1973: Im Geist des klassischen Rennsports
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel MotoGP: präsentiert: „Er ist einfach ein Alleskön…
aus dieser Ausgabe