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Vorwort: Vize-König Ducati


Top Speed - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 30.01.2020
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SEHR GEEHRTE LESER UND INSERENTEN, am 27. Oktober 2019 fand in Australien der drittletzte Grand Prix der vergangenen Saison statt. Andrea Dovizioso belegte auf dem Phillip Island Circuit im MotoGPRennen lediglich die siebente Position. Trotzdem war die Platzierung des Ducati-Piloten mit einem gewissen Erfolgserlebnis verbunden, der Italiener sicherte sich vorab den inoffi ziellen Titel eines Vizeweltmeisters. Doch nicht nur der 33-Jährige, sondern auch sein Arbeitgeber musste sich in der WM-Fahrerwertung nach 2017 und 2018 zum dritten Mal hintereinander mit der Rolle des Kronprinzen abfi nden. Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti suchte eine Erklärung: „Wir haben 2019 weniger Rennen gewonnen, das ist ein Fakt. Aber man darf nicht vergessen, dass Marc Marquez eine unglaubliche Saison hatte. Ich glaube nicht, dass es in der Geschichte des modernen Motorsports einen Fahrer gibt, der in allen Rennen Erster oder Zweiter geworden ist - mit Ausnahme von Austin, wo er einhändig gewonnen hätte, wenn er nicht aufgrund eines technischen Problems gestürzt wäre. Honda hat sein Motorrad verbessert und erlaubt einem außergewöhnlichen Fahrer, den Unterschied zu machen. Ihr Motor ist jetzt auf unserem Niveau.“ Anders ausgedrückt, die Leistung des Ducati-Triebwerks war zuvor die bessere. Dennoch erwies sich die Performance des Motors der Desmosedici für den Gewinn des begehrtesten Weltmeistertitels im Motorradsport als nicht ausreichend. Blicken wir zurück. 2001 endete die globale Ära der Klasse bis 500 ccm, im darauffolgenden Jahr wurde diese Kategorie durch die MotoGPMaschinen, ausgestattet mit Viertakt- Motoren, ersetzt. Seit 2003 bereichert die italienische Motorradmarke Ducati die neue Königsklasse. Gewinn der Weltmeisterschaft, lautete das Ziel des Herstellers aus Borgo Panigale. 2007 realisierte der Australier Casey Stoner diesen prestigeträchtigen Triumph nicht nur für sich - sondern auch für Ducati. Dass die Vorgabe in den nächsten Jahren keine andere war, versteht sich in diesem Business von selbst. Allerdings blieb diese Herausforderung unerfüllt. Für Casey Stoner 2008 und Andrea Dovizioso 2017 bis 2019 reichte es jeweils „nur“ für den fi nalen Rang direkt hinter dem Champion. Sogar Valentino Rossi erreichte das Ziel - Weltmeister auf einem italienischen Motorrad - 2011 und 2012 ebenfalls nicht. Der Racer aus Tavullia schaffte in allen Läufen dieser zwei Jahre lediglich drei Podiumsplätze, aber keinen GP-Sieg. Da Ducati neben der MotoGP auch in der Superbike- WM werksseitig vertreten ist, bleibt ein Blick in die Kategorie der seriennahen Viertakter nicht aus. Nach der Premiere dieser Klasse 1988 wurden 32 Fahrer- Weltmeister ermittelt, nicht weniger als 17 dieser Piloten vertrauten zu Recht auf Ducati, gleichbedeutend mit einer ausgezeichneten Bilanz für die heutige Unternehmenstochter der Audi AG. Das Problem jedoch ist die Tatsache, dass der letzte SBKTitel bereits acht Jahre zurückliegt. Carlos Checa gewann die bislang letzte Superbike-Weltmeistershaft 2011 mit einer 1098R aus dem bekanntesten Stadtteil von Bologna. Chaz Davies 2015, 2017 und 2018 sowie Alvaro Bautista 2019 wurden in den fi nalen Tabellen dieser Jahre als Zweite registriert. Den Weltmeistertitel gewannen andere, allen voran Jonathan Rea. Der Kawasaki-Chauffeur regiert seit 2015 ununterbrochen auf diesem Thron. „Ich bin mit unserem Paket sehr zufrieden. Wir konnten beweisen, dass man mehr benötigt als einen starken Motor, um zu gewinnen“, stellte der Nordire nicht ohne einen Seitenhieb auf seine Ducati-Gegner fest. Doch in Borgo Panigale gibt niemand auf, alle Beteiligten haben das große Ziel, den Titelgewinn, nach wie vor im Visier. „Wir müssen daran arbeiten, das Motorrad für 2020 weiter zu verbessern“, meinte Ciabatti. Luigi Dall’Igna, versierter Ingenieur und Rennsportchef zugleich, äußerte sich nicht nur zum Bike: „Es wird notwendig sein, dass wir sowohl auf der technischen Seite als auch seitens der Piloten vorankommen, um das Ziel zu erreichen.“ Den Italienern ist das Gelingen dieses Vorhabens, genau wie allen andern Herstellern in der MotoGP und der Superbike-WM, ausdrücklich zu gönnen. Warum? Je höher die Ausgeglichenheit, desto so spannender sind die Rennen. Genau diese Brisanz sorgt für die besondere Faszination des Motorradrennsports!
Herzlichst

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Ihr Hendrik Nöbel Verleger „Top Speed“

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