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Vorzeitig in Rente: Weniger arbeiten, noch weniger Geld


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2010 vom 31.08.2010

Rente mit 67, weniger Altersteilzeit, kurzeres Arbeitslosengeld: Wer sich schon vorzeitig zur Ruhe setzen will, braucht gute Ratgeber, ein finanzielles Polster und kreative Ideen.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 9/2010

Für den 59-jährigen Jens Muller ist es schon lange klar: Mit 62 will er raus aus dem Job. Nach 34 Berufsjahren traumt der Stadtentwicklungsexperte davon, endlich frei zu sein, aufs Land zu ziehen und im dritten Lebensabschnitt noch einmal ganz neue Aufgaben anzupacken. „Es gibt heute immer differenziertere Berufswege, aber auch ganz neue Moglichkeiten, den Ubergang in den Ruhestand fl exibel zu gestalten“, glaubt der ...

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Für den 59-jährigen Jens Muller ist es schon lange klar: Mit 62 will er raus aus dem Job. Nach 34 Berufsjahren traumt der Stadtentwicklungsexperte davon, endlich frei zu sein, aufs Land zu ziehen und im dritten Lebensabschnitt noch einmal ganz neue Aufgaben anzupacken. „Es gibt heute immer differenziertere Berufswege, aber auch ganz neue Moglichkeiten, den Ubergang in den Ruhestand fl exibel zu gestalten“, glaubt der Diplomsoziologe und verweist auf seine eigene „bruchige Erwerbsbiografi e“. Kurze Phasen der Arbeitslosigkeit wechselten mit langjahrigen und gut bezahlten Vollzeitjobs oder mit freien Beratervertragen. Er bekam einen Zuschuss als Existenzgrunder, ergatterte vor zwei Jahren wieder eine befristete Teilzeitstelle und managt daneben als Freiberufl er ein Stadtteilprojekt in der Jugendhilfe. Beide Arbeitsvertrage enden in drei Jahren. Aber wie kann er sich dann ohne grose fi nanzielle Verluste in die Rente retten? Muller hat ein bisschen Geld zuruckgelegt, aber keine Reichtumer angehauft. Er ist kinderlos, das Hauschen auf dem Lande fast abgezahlt, seine Lebenspartnerin verdient nicht schlecht. Und weil er fast durchgehend sozialversicherungspfl ichtig gearbeitet hat, stehen ihm rund 1.700 Euro Rente zu, die ihm fur seinen Lebensabend reichen. Doch die kann er in voller Hohe erst mit 65 bekommen. Um die Phase bis dahin zu uberbrucken, plant der Sozialfachmann mit zwei Varianten. Moglichkeit eins: Seine befristeten Jobs laufen aus. Dann ist er 62 und hat immerhin 18 Monate lang Anspruch auf normales Arbeitslosengeld (ALG I). Zwar muss er in dieser Zeit dem Arbeitsmarkt theoretisch zur Verfugung stehen. Aber eine erfolgreiche Jobvermittlung durch die Arbeitsagentur halt Muller fur auserst unwahrscheinlich.

Vor allem für die Jüngeren wird es schwer

Zugute kommt ihm auserdem eine besondere Gesetzesklausel: Wenn Empfanger von Arbeitslosengeld neben ihrer letzten Festanstellung bereits ein Jahr lang selbststandig tatig waren, durfen sie das bis zu 14 Stunden pro Woche auch weiterhin sein. Der Freibetrag bemisst sich dann an ihrem fruheren Nebenverdienst. Muller hat also die Chance, sein Arbeitslosengeld um eine hubsche Summe aufzustocken. Anschliesend konnte er mit 63 Jahren wegen Arbeitslosigkeit vorzeitig in Rente gehen.

Zum Ausgleich fur den um zwei Jahre vorgezogenen Ruhestand wurde seine Rente dann allerdings um 7,2 Prozent geschmalert. Dazu kommt der Verlust durch die fehlenden Beitragsjahre. Muller hatte monatlich knapp 190 Euro weniger auf dem Konto, und zwar lebenslang. Das schmerzt. Er denkt deshalb noch uber eine zweite Moglichkeit nach. Mit Kurzzeitjobs kann er namlich den Bezug von Arbeitslosengeld beliebig unterbrechen und so die Leistung der Arbeitsagentur bis zum normalen Rentenalter strecken. Er nennt das „kreative Stuckelei“. Sein Ziel – Berufsausstieg mit 62 – hatte Muller zwar auch in diesem Fall nicht ganz erreicht. „Aber ich konnte das Leben doch etwas gemutlicher angehen“, sagt er.

Scharfere Rentengesetze und kurzeres Arbeitslosengeld: Wer sich einmal vorzeitig zur Ruhe setzen will, muss sich schon fruh darauf vorbereiten und gut beraten lassen. Muller hat noch Gluck. Er gehort zu jener Generation der heute 59- bis 63-Jahrigen, die von den Gesetzesanderungen kaum betroffen sind. Fur alle Jungeren aber wird es mit dem sanften Ubergang in den Ruhestand sehr schwer. Die Rente mit 67 ist beschlossene Sache. Die Altersgrenze von derzeit noch 65 wird ab 2012 schrittweise angehoben. Ab Jahrgang 1964 mussen dann alle Beschaftigten zwei Jahre langer ran. Zwei Rentenarten sind dem Rotstift sogar vollstandig zum Opfer gefallen: Die Altersrente fur Frauen konnte bisher schon mit 60, die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit je nach Geburtsjahrgang spatestens mit 63 beantragt werden. Doch diese Privilegien stehen jetzt nur noch jenen zu, die wie Muller vor 1952 geboren wurden.

Nur wenige halten bis zur Rente durch

Fruher Schluss machen durfen kunftig neben den Schwerbehinderten nur noch sogenannte langjahrig Versicherte mit einer Wartezeit von mindestens 35 Jahren. Dabei werden auch Schulund Ausbildungszeiten, Perioden mit Krankengeld, Arbeitslosigkeit, gering fugigen Beschaftigungen oder Erziehungszeiten mit angerechnet. Das Problem: Fur die Hohe der Rente zahlen vor allem das Einkommen und die tatsachlich geleisteten Beitragsjahre. Selbst wer also die vorgeschriebene Wartezeit vorweisen kann, wird sich in den allermeisten Fallen eine Rente mit 63 nicht leisten konnen. Schon jetzt muss ein Durchschnittsverdiener mit Vollzeitjob rund 28 Jahre in die Rentenkasse zahlen, um im Alter nur auf das Niveau der Grundsicherung zu kommen. 2030 wird er dafur sogar 34 Jahre benotigen. In Zeiten von Niedriglohnen, Minijobs und steigender Arbeitslosigkeit liche Belastung ist extreme hoch. Ich glaube nicht, dass ich den Job bis zur Rente durchhalten kann“, stellt die Padagogin fest. Ahnlich wie sie denkt in Deutschland jeder dritte Beschaftigte, wie eine aktuelle Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) belegt.

Kompakt

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Mit dem Altersgrenzenanpassungsgesetz wurde jetzt ein ganz neuer Rententyp eingefuhrt. Anspruch auf die Altersrente fur besonders langjahrig Versicherte haben Beitragszahler mit einer Wartezeit von 45 Jahren. Dazu zahlen unter anderem auch Wehr- und Zivildienst, Zeiten mit Krankengeld oder geringfugige versicherungsfreie Beschaftigungen, aber weder das Studium, noch Arbeitslosigkeit. Das Besondere: Die Rente kann ohne Abschlage schon mit 65 bezogen werden, fruhestens ab 2012. Sie kommt aber nur fur sehr wenige Menschen in Frage.

Arbeitszeit vor der Altersteilzeit aufstocken

Masstab fur die Altersteilzeit ist hochstens die Arbeitszeit, die in den vorangegangenen 24 Monaten im Schnitt vereinbart war. Teilzeitbeschaftigte konnen sich deshalb Altersteilzeit oft nicht leisten. Sie konnen aber versuchen, ihre Arbeitszeit in den zwei Jahren vor dem Beginn aufzustocken.

Von der Altersteilzeit über die Arbeitslosigkeit in die volle Rente?

Viele erwagen, die Zeit von der Altersteilzeit bis zur abschlagsfreien Rente durch Arbeitslosigkeit zu uberbrucken. Doch Vorsicht: In diesem Fall orientiert sich das Arbeitslosengeld an dem um 50 Prozent gemindertem Teilzeitentgelt. Es bleiben also nur 30 Prozent (60 % von 50 %) des vollen Gehalts, das der Betreffende vor der Altersteilzeit bezogen hat. Dazu kommt eine Sperrfrist von zwolf Wochen, sodass das Arbeitslosengeld um ein weiteres Viertel gemindert wird. Es kann also eine bose Uberraschung geben.

Auslaufmodell Altersteilzeit: Seit Anfang 2010 beteiligt sich der Staat nicht mehr an der notigen Aufstockung der Gehalter.


Lukrative Altersteilzeit als Auslaufmodell

Ulrike Schmidt mochte gesund in den Ruhestand kommen und wie Jens Muller mit 62 ihren Dienst quittieren. Aber die bei ihren Kollegen fruher so beliebte Altersteilzeit wurde fur Lehrer langst abgeschafft. Uberhaupt steht diese Moglichkeit immer weniger Menschen offen. Dabei ist Altersteilzeit fur Beschaftigte, die fruher gehen mochten, ein besonders attraktives Modell. Man arbeitet nur halb so viel, kassiert trotzdem 70 Prozent des Gehalts und hat auserdem die Moglichkeit, sich vorzeitig aus dem Berufsleben zuruckzuziehen. Denn Altersteilzeit kann nur genommen werden, wenn theoretisch im Anschluss eine Rente moglich ist. Das Prinzip funktionierte bisher so: Die Arbeitszeit wird halbiert und meistens in zwei Blocke aufgeteilt, wobei die Laufzeit zwischen drei und zehn Jahren betragen kann.

In der ersten Phase jobbt der Arbeitnehmer voll, in der zweiten gar nicht mehr. Der reduzierte Lohn wird dabei durchgehend um 20 Prozent des letzten Gehalts aufgestockt. Stellt das Unternehmen fur die frei werdende Stelle zusatzlich einen Arbeitslosen ein, hat es Anspruch auf fi nanzielle Forderung durch die Arbeitsagentur. Der Staat steuert auch einen Zuschuss fur die Rentenbeitrage bei, sodass der Teilzeitbeschaftigte 90 Prozent seiner Anspruche behalt. Das lohnt sich, fi ndet auch Walter Glanz, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung: „Wenn man das umrechnet in Euro und Cent, dann muss man nur einmal im Monat ein Glas Wein weniger trinken und hat das Geld schon wieder raus.“ Doch seit Anfang 2010 hat die Politik den Geldhahn zugedreht. Die Firmen mussten die Aufstockung der Gehalter jetzt also selbst fi nanzieren. Fur Neueinsteiger stehen die Chancen auf die lukrative Altersteilzeit deshalb schlecht. Nur in der Metall-, Elektro- und Chemiebranche sowie im offentlichen Dienst wurden entsprechende Nachfolgemodelle in den Tarifvertragen neu aus gehandelt. Allerdings setzten die Arbeitgeber Beschrankungen durch. Beispielsweise haben in der Metall- und Elektro industrie hochstens vier Prozent einer Belegschaft Anspruch auf Alters teilzeit – vorausgesetzt, sie arbeiten mindestens schon zwolf Jahre in ihrem Betrieb. Im offentlichen Dienst gibt es noch strengere Quoten. Dort werden die begehrten Altersteilzeitvertrage nur bis zu 2,5 Prozent der Mitarbeiter angeboten, und auch nur, wenn keine dringenden dienstlichen Grunde dagegensprechen. Das neue Altersteilzeit modell gilt auserdem nur fur Bundesbehorden, kommunale Amter und Betriebe. Die Lander hatten sich aus den Tarifverhandlungen schon vorher ausgeklinkt.

Vom Sabbatjahr in die Frühpensionierung

Auch fur die Lehrerin Ulrike Schmidt bleibt also der Weg in die Altersteilzeit verschlossen. Bildung ist schlieslich Landersache. Aber die Kunsterzieherin hat zumindest die Moglichkeit, ein sogenanntes Sabbatjahr einzulegen. Bei diesem Teilzeitmodell konnen Beamte ihre Arbeitszeit uber hochstens sieben Jahre so verteilen, dass sie am Ende zwolf Monate freigestellt werden, um die angesparten Dienststunden quasi abzubummeln. Die Teilzeitbezuge werden durchgehend gezahlt. Schmidt konnte die Ansparphase also auf sechs Jahre ausdehnen, um die Einbusen auf dem Gehaltszettel besser abzufedern. Sie hat sich aber fur eine andere Variante entschieden: ein Jahr Vollzeitarbeit bei halbem Gehalt, anschliesend das Sabbatjahr und der nahtlose Ubergang in die Fruhpensionierung.

Die begeisterte Bildhauerin kann es kaum erwarten, sich endlich ganz auf ihre Arbeit im Atelier zu konzentrieren. Dafur nimmt sie auch deutliche Einkommensverluste in Kauf: Genauso wie fur jeden Rentner wird ihre Pension pro Jahr um 3,6 Prozent gekurzt. „Als Lehrerin mit einem einigermasen gu-ten Gehalt kriegt man das schon hin“, meint Schmidt, deren 27-jahrige Tochter inzwischen auf eigenen Fusen steht. Die Familie besitzt kein Wohnungseigentum, hat lange gespart und eine kleine Erbschaft sicher angelegt. „Andere Kollegen haben ein Haus gebaut oder sich eine Segeljacht gekauft, um jeden Sommer auf grose Fahrt zu gehen“, erzahlt die Studienratin. „Wenn dann noch zwei Kinder studieren, wird es mit dem Vorruhestand naturlich eng.“ Und was tun, wenn man kein Beamter ist? Die Altersteilzeit ist als Einstieg in den fruhen Ausstieg praktisch vom Tisch. In Zeiten knapper Kassen favorisieren Politiker und Unternehmer billigere Instrumente, um Personal abzubauen und den vorzeitigen Ubergang in den Ruhestand zu erleichtern. Das Zauberwort heist jetzt Flexibilisierung der Arbeitszeit. Moglich machen sollen das zum Beispiel sogenannte Wertguthaben und Langzeitarbeitskonten. Bei diesem Konzept sparen die Beschaftigten praktisch wahrend ihres gesamten Arbeitslebens in Form von Uberstunden, Weihnachtsgeld, Pramien fur die Altersvorsorge oder andere Sonderzahlungen ein Zeit- bzw. Geldpolster an, das sie am Ende schon weit vor der offi ziellen Rente verbraten konnen. Theoretisch handelt es sich um eine Art Vorruhestand bei vollen Bezugen. Das Geld dafur wird wahrend des Erwerbslebens angespart. Auch Zuschlage fur Sonntags- und Feiertagsarbeit, Urlaubsanspruche oder Entfernungspauschalen bei auswartigen Einsatzen konnen dem Konto gutgeschrieben werden.

Angesparte Zeitpolster für den Ruhestand

Gegen Insolvenz und Arbeitgeberwechsel sind die Langzeitkonten inzwischen gesetzlich abgesichert. Ein weiteres Plus: Das Gut haben bleibt zunachst frei von Steuern und Sozialabgaben.

Erst bei der Auszahlung greift der Fiskus zu. Dennoch gibt es Tucken. Wird das Beschaftigungsverhaltnis vorzeitig beendet, kann der neue Arbeitgeber das Konto weiterfuhren. Aber langst nicht jeder Chef ist dazu bereit. Dann tritt das ein, was die Finanzexperten einen „Storfall“ nennen: Der Betroffene muss die Steuern und Sozialversicherungsabgaben auf einen Schlag bezahlen. Es gibt allerdings auch die Moglichkeit, das Guthaben auf die Deutsche Rentenversicherung zu ubertragen. Nur muss die Summe zum Zeitpunkt der Erstubertragung eine bestimmte Mindesthohe uberschreiten. Das waren 2009 in den alten Bundeslandern 15.120 Euro und in den neuen Bundeslandern 12.810 Euro. Menschen mit geringerem Einkommen oder in Teilzeitbeschaftigung benotigen dafur etliche Jahre. Ist das Konto bei der Rentenversicherung aber einmal eingerichtet, kann das Guthaben durch jeden beliebigen Betrag weiteraufgestockt werden.

Wirtschafts- und Finanzkrisen kommen als weiterer Unsicherheitsfaktor dazu. Gerade in den letzten Monaten haben etliche Betriebe ihre Wertguthaben aufgelost und Uberstunden abgebaut, um Kurzarbeit zu vermeiden. Wenn es dumm lauft, steht der Langzeitsparer am Ende mit leeren Handen da. Das muss aber nicht so sein. Wird das Konto ausdrucklich fur den Vorruhestand eingerichtet und werden entsprechend wasserdichte Vertrage geschlossen, ist ein Ruckgriff auf das Ersparte auch bei Kurzarbeit ausgeschlossen. Auf jeden Fall sollte man mit der Ansparphase schon sehr fruh beginnen. Wie die Gewerkschaft Verdi errechnet hat, muss Otto Normalverdiener Jahrzehnte schuften, damit sich der Traum von der Fruhrente durch ein Langzeitarbeitskonto auch erfullen kann. Ohnehin wird diese Moglichkeit bisher nur in sehr wenigen Unternehmen angeboten.

Kompakt

Altersteilzeit und Krankheitsrisiko

Langere Erkrankungen konnen in der Altersteilzeit problematisch sein. In der Regel zahlt der Arbeitgeber bei Arbeitsunfahigkeit nur in den ersten sechs Wochen das regulare Gehalt. Ab der siebten Woche andert sich das. Gesundheitlich angeschlagene Arbeitnehmer sollten sich den Schritt in die Altersteilzeit deshalb genau uberlegen. Experten raten, in die Vertrage eine Aufstockung des Krankengeldes wahrend der Arbeitsphase aufzunehmen. Zumindest sollte vereinbart werden, die durch Krankheit verlorene Zeit wahrend der Freistellungsphase nachzuarbeiten.

Umkehrhypotheken: Rente aus Stein

In den USA sind sogenannte Umkehrhypotheken langst ein gangiges Modell. Altere Hausoder Wohnungseigentumer, deren Immobilien abbezahlt sind, konnen ihren steinernen Besitz teilweise zu Geld machen. Beispielsweise gewahrt eine Bank dem Hausbesitzer einen tilgungsfreien Kredit mit unbegrenzter Laufzeit, der in monatlichen Raten ausgezahlt wird. Ist das Darlehen aufgebraucht, geht der Besitz entweder an die Bank uber oder der Hauseigentumer kauft es zuruck. Eine andere Form der Immobilienrente bietet die gemeinnutzige Stiftung Liebenau am Bodensee fur Interessierte ab 60 Jahren an. Man uberschreibt sein Haus an die Stiftung, bekommt aber lebenslanges Wohnrecht und muss sich nicht um die Instandsetzung kummern. Die „Zustifterrente“ kommt vor allem fur Menschen mit Geldbedarf in Frage, die unbedingt in ihren eigenen vier Wanden wohnen bleiben und nichts vererben wollen. Sie ist aber fur den Darlehensgeber riskant und deshalb teuer bzw. das Rentenzubrot fallt meist ausgesprochen mager aus. Auch ist nicht jede Immobilie dafur geeignet. In bestimmten Fallen kann sie jedoch den Betroffenen zu einem sorgenfreien Ruhestand verhelfen – auch schon vor der Rente. Ob sich das lohnt, sollte aber jeder vorab sehr genau prufen.

Teilrente: Baustein für den gleitenden Rentenbeginn

Um den Ubergang in den dritten Lebensabschnitt fl exibler zu gestalten, sind noch weitere Bausteine in der Diskussion. Denn schon heute ist absehbar: Durch die Rente mit 67 werden kunftig noch weniger Menschen die gesetzliche Altersgrenze direkt aus der Berufstatigkeit erreichen und von ihrem Ruhegeld auch tatsachlich leben konnen. Ab 2011 soll deshalb eine Regierungskommission Konzepte zur Bekampfung der drohenden Altersarmut entwickeln. Dabei wird es vermutlich auch um das Thema Teilrente gehen – ein Modell, das es bereits jetzt schon gibt. Eine Teilrente steht allen Versicherten ab 63 zu, die die Voraussetzung fur eine vorgezogene Altersrente erfullen. Je nach Hinzuverdienst darf ein Drittel, die Halfte oder zwei Drittel der Vollrente in Anspruch genommen werden. So konnen die Betroffenen nebenbei weiter arbeiten und Abschlage vermeiden. Teilrenten werden bisher aber kaum in Anspruch genommen, auch weil sie relativ spat einsetzen und das Zusatzeinkommen an starre Obergrenzen gekoppelt ist. Viele Experten drangen nun darauf, den Zugang zur Teilrente zu erleichtern. Beispielsweise konnten die Einschrankungen beim Hinzuverdienst demnachst ganz entfallen. Es wird auch vorgeschlagen, die Altersgrenze grundsatzlich auf 60 herabzusetzen. Fur kunftige Generationen, deren Rentenalter ja auf 67 ansteigt, hatte das allerdings drastische Abschlage zur Folge. Der Teil der Rente, der schon ab 60 bezogen wird, wurde sich um 25,2 Prozent verringern. Eine echte Alternative zur gunstigen Altersteilzeit ist die Teilrente also nicht.

Rückkauf von Rentenabschlägen: Alles auf einen Schlag

Kaum bekannt ist die Option, Rentenabschlage durch eine Einmalzahlung gewissermasen zuruckzu kaufen. Auf diese Weise konnen Versicherte fruher in Rente gehen und trotzdem ihre volle Rente kassieren. Eine solche Ausgleichszahlung ist fruhestens mit 54 moglich – auch dann noch, wenn man den Vorruhestand bereits begonnen hat. Spatestens bei Erreichen des gesetzlichen Rentenalters muss man sich entschieden haben. Allerdings ist die Sache nicht billig. Um zwei Jahre fruher aus dem Job auszusteigen, muss ein Durchschnittsverdiener rund 20.000 Euro auf einen Schlag berappen. Das lohnt sich eigentlich nur fur sehr wohlhabende Versicherte, die unter Umstanden Steuern sparen, wenn sie ihr Rentenkonto fullen. Es wird uberlegt, ob man die fur den Ruckkauf notige Summe nicht auch durch einen regel masigen Zusatzbeitrag uber einen langeren Zeitraum ansparen kann, damit die Belastung uberschaubar bleibt. Fur zwei zusatzliche Rentenjahre musste ein Durchschnittsverdiener dann ab seinem 50. Lebensjahr monatlich 100 Euro mehr einzahlen.

In bestimmten Fallen ist der Ruckerwerb von Rentenabschlagen aber auch schon jetzt fur altere Beschaftigte mit wenig Geld interessant. Wenn namlich ihr Job ohnehin gestrichen werden soll, ist der Firmenchef vielleicht bereit, die Einmalzahlung zu ubernehmen. Davon wurden beide Seiten profi tieren: Der Arbeitnehmer kann seinen vorzeitigen Ruhestand mit vollen Bezugen geniesen, und der Arbeitgeber hat Lohnkosten gespart.

Als Gast an der Uni

Ein bisschen Hochschulluft schnuppern, sich weiterbilden, ohne direkt einen Abschluss machen zu mussen – Gasthorer konnen in vielen Universitaten eine oder mehrere Veranstaltungen belegen. Im Wintersemester 2009/2010 waren an deutschen Hochschulen 41.900 Gasthorer gemeldet, immerhin 13,6 Prozent mehr als im Vorjahr, teilt das Statistische Bundesamt mit.

Abfindungsrechner

Mit einem Berechnungsprogramm im Internet lasst sich die voraussichtliche Abfindungshohe bei einer betriebsbedingten Kundigung ermitteln. Das Programm des Bruhler Rechtsanwalts fur Arbeitsrecht Michael Felser stutzt sich auf die Erfahrungen aus vielen Kundigungsschutzverfahren sowie auf Studien der Hans-Bockler-Stiftung. Die Internetadresse lautet www.felser.de/ abfindungsrechner.html

Mehr BAföG-Empfänger

Insgesamt 873.000 Schuler und Studierende bekamen im Jahr 2009 BAfoG; das ist ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erhielt fast die Halfte der BAfoG-Empfanger (49 Prozent) die Vollforderung.

Dem Ruhrgebiet fehlen Fachkräfte

Im Ruhrgebiet konnte ab 2013 der Fachkraftemangel zu einem ernsthaften Problem werden. Davor warnt das Institut Arbeit und Qualifikation der Universitat Duisburg-Essen. Nicht nur der demografische Wandel und die Abwanderung junger Leute, sondern auch Ausbildungslucken und die hohe Zahl an nicht deutschsprachigen Kindern sowie ein geringes Bildungsniveau der Eltern seien gravierende Entwicklungen, auf die umgehend reagiert werden musse.

Frauen im Handwerk

Mit einem Anteil von 27 Prozent hat die Zahl der neuen weiblichen Auszubildenden im Handwerk ein Rekordhoch erreicht, meldet der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Der Frauenanteil bei den Meisterprufungen liege bei etwa 20 Prozent und habe sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.

Selbstständige | Bald Anspruch auf Mutterschutz

Selbststandige Frauen sowie die Partnerinnen von Selbststandigen haben bald ebenfalls Anspruch auf mindestens 14 Wochen Mutterschutzleistungen. Ihnen steht dann der gleiche rechtliche Schutz wie angestellten Frauen zu. Die entsprechende Gesetzesinitiative der Europaischen Kommission wurde vom Europaischen Parlament gebilligt und vom Ministerrat formal angenommen. Damit mussen die Mitgliedsstaaten der EU die Richtlinie innerhalb der nachsten zwei Jahre umsetzen. Ob Leistungen wie Mutterschaftsgeld und -urlaub aber auf freiwilliger oder verpfl ichtender Basis angeboten werden, entscheidet jedes EU-Mitglied selbst.

Arbeitnehmervertretung | Betriebsrat wirkt positiv

Bei so manchem Arbeitgeber sind die Betriebsrate nicht unbedingt gern gesehen. Doch eine Studie der Hans-Bockler-Stiftung zeigt, dass die Arbeitnehmervertreter nicht nur den Beschaftigten nutzen, sondern auch dem Unternehmen selbst. Denn Firmen mit Betriebsrat seien oft produktiver und innovativer und hatten eine familienfreundlichere Personalpolitik, was wiederum eine geringere Fluktuation zur Folge habe.

Buchtipp | Hilfe bei der Jobsuche

Auf der Suche nach einer neuen Stelle? DerJobguide Germany kann helfen. Er stellt die grosten Unternehmen nach Branchen vor und fuhrt Einstiegsmoglichkeiten, Aus- und Fortbildungsprogramme sowie wichtige Infos zur Bewerbung auf.Jobguide Germany , matchboxmedia Verlag, Dusseldorf 2010, 386 S., 12,90 Euro.

Hochschule | Studium mit Arbeitsplatzgarantie

Seit Kurzem gibt es im baden-wurttembergischen Tuttlingen drei Studiengange mit einer Quasi-Jobgarantie. Die neue Wirtschaftsfakultat, die zur staatlichen Fachhochschule Furtwangen gehort und die Bachelor-Studiengange Medizintechnik, Mechatronik und Fertigungstechnik anbietet, wird nicht nur zu einem grosen Teil von ortlichen Unternehmen mitfi nanziert. Die Betriebe der Region stellen neben Schulungsmaterial und technischen Hilfsmitteln auch Praktikumsplatze zur Verfugung. Der standige Kontakt mit der Industrie soll auserdem dafur sorgen, dass die angehenden Ingenieure nach Ende ihres Studiums den Arbeitsplatz praktisch sicher in der Tasche haben. Nahere Informationen unter www.hfu-campus-tuttlingen.de

Burnout | Der Einfluss der Chefs

Wenn Fuhrungskrafte ihre Mitarbeiter unterstutzen, sinkt das Burnout-Risiko in den Unternehmen erheblich, so eine Langzeitstudie der Bertelsmann Stiftung. Ob durch geeignetere Arbeitsmittel oder fachliche Tipps, personlichen Zuspruch oder bessere Motivation: Alles hilft, die psychischen Belastungen der Angestellten zu reduzieren. Daher musse sozial unterstutzendes Verhalten zu einer standigen Fuhrungsaufgabe werden, fordert die Bertelsmann Stiftung. Immerhin entstehen durch arbeitsbedingte psychische Belastungen in Deutschland jahrlich volkswirtschaftliche Kosten von 6,3 Milliarden Euro.

Gute Erfolgsquote | Wenn Arbeitslose sich selbstständig machen

Unternehmensgrundungen aus der Arbeitslosigkeit heraus sind viel erfolgreicher als bisher angenommen. Gut zwei Drittel sind auch funf Jahre nach der Grundung noch im Geschaft, nur zehn Prozent wieder arbeitslos. In vier von zehn Fallen geben die vorher arbeitslosen Existenzgrunder sogar anderen Leuten wieder Arbeit. Zu diesen Ergebnissen kommt eine gemeinsame Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und des Deutschen Instituts fur Wirtschaftsforschung (DIW).

Schülerbefragung | Gymnasiasten optimistischer als Hauptschüler

Deutschlands Schuler blicken recht zuversichtlich in ihre Zukunft. Am optimistischsten aber schatzen Gymnasiasten ihre Perspektiven ein. Das ergab die aktuelle sogenannte Zuversichtsstudie, die regelmasig vom Versicherungsunternehmen Allianz gemeinsam mit der Universitat Hohenheim erhoben wird. Befragt wurden bundesweit 1.503 Schuler, zu je gleichen Anteilen aus Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. Auf die Frage, wie sie ihrer personlichen Situation im kommenden Jahr entgegensehen, antworteten 56 Prozent „mit Zuversicht“ oder „mit groser Zuversicht“. Bei den Gymnasiasten war diese Gruppe mit 62 Prozent uberdurchschnittlich stark, bei den Hauptschulern mit 46 Prozent am schwachsten. Das zeige, dass Bildung auch wichtig fur das eigene Selbstbewusstsein sei, so die Forscher. Bei der Beurteilung der zukunftigen Lage Deutschlands ist der Optimismus aber nicht so gros: Nur etwa 25 Prozent der Befragten glauben, dass es wirtschaftlich bergauf geht.

Rasanter Bedarf | Apotheker starten Nachwuchsoffensive

„Exzellente Berufsaussichten“ haben nach Meinung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbande junge Leute, die sich fur ein Pharmaziestudium entscheiden – und wirbt um Nachwuchs. Gut ausgebildete Apotheker bekamen im zunehmend privat fi nanzierten Gesundheitswesen einen groseren Stellenwert. Wer sich uber das Studium, das Berufsbild oder auch nur ein mogliches Praktikum informieren will, kann dies auf der jugendlich-peppig aufgemachten Internetseite www.studier-pharmazie.de tun.