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Vulkanausbruch auf La Palma


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Sterne und Weltraum - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 12.11.2021

AMATEURASTRONOMIE

Jupiter auf La Palma

Artikelbild für den Artikel "Vulkanausbruch auf La Palma" aus der Ausgabe 12/2021 von Sterne und Weltraum. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sterne und Weltraum, Ausgabe 12/2021

Am 3. September 2021 gegen 01:27 Uhr UT gelang mir bei sehr gutem Seeing diese Jupiteraufnahme in Las Manchas, La Palma, 490 Meter über Normalnull. Das Bild wurde auf einer erst einige Wochen zuvor installierten ASA-500-Montierung von einem Prototypen eines 500 Millimeter durchmessenden Cassegrain-Spiegels ( f/15) mit extrem kleiner Obstruktion gemacht. Ich nahm insgesamt sieben Videos von jeweils 60 Sekunden Dauer auf. Zum Einsatz kam die Farbkamera ZWO ASI 462 MC in Verbindung mit einem ADC (Atmospheric Dispersion Corrector) von Gutekunst Optiksysteme, welcher den Farbfehler, der durch die Atmosphäre gerade bei tiefer stehenden Objekten entsteht, korrigiert. Sechs dieser Videos wurden dann per »AutoStakkert!AS3« (www.autostakkert.com) zu jeweils einem Bild nach der Lucky-Imaging-Technik gerechnet. Dieses Verfahren selektiert aus einem Video nur ...

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... die besten Einzelbilder heraus. Mit der Software »WinJUPOS« habe ich die sechs Bilder derotiert und mit Hilfe von Photoshop letzte Anpassungen gemacht.

La Palma von oben

Am 30. September und 10. Oktober 2021 nahm Copernicus Sentinel-2 diese Satellitenbilder aus fast 800 Kilometer Höhe auf. Die Bilder erscheinen in Echtfarben; nur der Lavastrom wurde im Nahinfraroten aufgenommen und hier besonders hervorgehoben. Die Vulkanausbrüche ereigneten sich im Westen der Kanarischen Insel La Palma. Aschewolken und Lava treten aus dem Vulkan auf der Bergkette Cumbre Vieja aus. Die Lava strömt hinab und zermalmt Dörfer auf ihrem Weg. Nach sechs Kilometer Weg tritt sie in den Atlantischen Ozean über. Der Norden blieb verschont; allerdings beeinträchtigt die in die Atmosphäre geschleuderte Vulkanasche den Flugverkehr und astronomische Beobachtungen.

Im Jahr 2005 erfuhr ich von meinem Bekannten Günter Miller aus Starnberg, dass die Bedingungen für astronomische Beobachtungen auf der Kanaren insel La Palma sehr gut seien. Er schwärmte von den vielen klaren Nächten auf der wunderschönen, naturbelassenen Insel, die kaum von Lichtverschmutzung (siehe S. 78) beeinträchtigt werden. Davon wollten wir uns persönlich überzeugen, so dass ich für uns – meine schwangere Frau, meine kleine Tochter und mich – damals gleich zwei Wochen Urlaub auf La Palma buchte.

Im Vorfeld hatten wir uns auch Immobilienangebote im Netz angeschaut. Nach ein paar Besichtigungen möglicher Ferienhäuser fanden wir etwas, das uns sehr zusagte, und schlugen gleich zu. Schnell wurde klar, dass die astronomischen Bedingungen vor Ort wirklich exzellent sind. Ich beschloss, ein Teleskop vom Typ SC Meade LX 200 mit 16 Zoll Öffnung anzuschaffen, und brachte es im Jahr 2007 nach La Palma. Mit einem Baader-Zeiss-Binoansatz – also einem Binokular wie bei einem Fernglas – als Ergänzung hatten wir viele spektakuläre visuelle Erlebnisse.

Ich erkannte, dass hier nochmals aufgerüstet werden muss. So leitete ich alles in die Wege, die Dachterrasse mit einem abfahrbaren Dach auszustatten und vor dem Haus eine Sternwarte zu bauen (siehe »Teleskop auf dem Hausdach« und »Observatorium im Garten«). Im Jahr 2012 installierte die Firma ASA ein 750-Millimeter- AZ-Tele skop auf der Dachsternwarte. Praktischerweise ist das Teleskop nur wenige Meter neben dem Schlafzimmer: ein Traum für jeden Astronomen. Wir hatten viele Jahre eine schöne Zeit, und auch die Kinder genossen jeden Tag.

IN KÜRZE

ó Nach 50 Jahren kam es am 19. September 2021 zu Ausbrüchen auf der Vulkankette Cumbre Vieja auf La Palma.

ó Betroffen war der Süden der Kanarischen Insel. Viele Häuser wurden zerstört.

ó Enrico Enzmann verlor sein Haus mit Privatsternwarten und schildert hier das Drama.

Teleskop auf dem Hausdach

Auf der Dachterrasse des Hauses befand sich eine Sternwarte mit der gerade neu installierten ASA-500-Montierung und dem Prototypen eines 500-Millimeter-Cassegrain-Spiegels ( f/15). Mit diesem Instrument gelang das auf S. 36 gezeigte Jupiterbild.

Das letzte Astrobild

Der Rückzug aus dem beruflichen Tagesgeschäft meiner Firma hat mir vor Kurzem die Möglichkeit eröffnet, länger auf La Palma zu bleiben. So hatte ich im Jahr 2020 erstmalig die Möglichkeit, zwei Monate am Stück dort zu verbringen. Diese lange Zeit nutzte ich, um mit dem renommierten Planetenfotografen Damian Peach aus England ein privates Training durchzuführen, bei dem er mir einige seiner Techniken und Tricks beibrachte.

In diesem Jahr flog ich am 21. Juni nach La Palma, um neu bestellte Teleskope zu installieren. Am 3. September 2021 gegen 01:27 Uhr UT hatte ich dann für kurze Zeit ein überragend gutes Seeing. Das unter diesen Bedingungen aufgenommene Jupiterbild zeigt feinste Strukturen, die man sonst nur von Hubble-Bildern her kennt (siehe »Jupiter auf La Palma«, S. 36). Die Aufnahme gehört sicherlich mit zu einem der besten Bilder des Gasriesen, die bisher von einem Hobbyastronomen gemacht wurden. Niemand konnte wissen, dass dieses Werk das letzte sehr gute Bild meiner Sternwarte sein würde und dass eine verhängnisvolle Katastrophe nur ein paar Tage unmittelbar bevorstand.

Jupiter kündigte den Ausbruch an

Es war der 11. September 2021, als ich während der Videoaufzeichnung von Jupiter ein leichtes Zittern in den Aufnahmen bemerkte. Erst dachte ich, es sei ein Fehler der Montierung. Aber am Folgetag erkannte ich ähnliche Erschütterungen an einem Wasserglas. Es kam mir der Verdacht, dass es sich um kleine Erdbeben handeln könnte. Trotzdem verlängerte ich den Aufenthalt bis zum 22. September, weil mir das keine Angst machte.

Observatorium im Garten

Die Gartensternwarte war ausgestattet mit der gerade neu installierten ASA-500-Montierung und einem neuen 800-Millimeter-Teleskop. Von dort aus ist im Hintergrund das Haus schwach zu erkennen.

Als sehr ärgerlich empfand ich, dass ich den Impakt auf Jupiter am 13. September um nur acht Minuten verpasst hatte (siehe S. 11). Es wäre sicherlich eine fantastische Aufnahme geworden. Zwei Tage später, am 15. September, wurde ich gegen 11 Uhr Ortszeit wach. Mir wurde auf Grund der Windrichtungen klar, dass von den verbleibenden sieben Tagen nur einer dabei sein könnte, an dem gutes Seeing zu erwarten ist. Kurz entschlossen buchte ich daher meinen Rückflug auf den Nachmittag desselben Tages um. In Deutschland angekommen, hörte ich dann vom drohenden Vulkanausbruch im Süden der Insel.

Sehr groß war der Schock am 19. September, als gegen 16:20 Uhr MESZ deutscher Zeit die ersten Bilder über Whats­ App die Runde machten: Sie zeigten einen Vulkanausbruch direkt hangaufwärts von meinem Haus in nur etwa 2800 Meter Abstand! Ich sagte damals schon, dass es nun ein Wunder bräuchte. Mehrere Lavaströme wälzten sich in den Folgetagen bis auf 150 Meter an das Haus heran. Der letzte am 25. September überrollte es schließlich. Es ist eine bittere Ironie, dass der Strom unmittelbar danach stoppte. Wäre er nur 50 Meter weniger weit gelaufen, würde unser Haus noch stehen. Es mag sich seltsam anhören, aber als nach den Tagen des Bangens und Hoffens das Haus letztlich von der Lava verschlungen und dies durch Bilder gesichert war, konnten wir mit der Sache abschließen.

Neue Zukunft auf La Palma?

Was den materiellen Wert angeht, so ist alles verloren. Ein 16 Jahre währendes Mühen, alles so zu gestalten und es schließlich vernichtet zu wissen, ist schon herzzerreißend.

Der finanzielle Schaden ist noch nicht klar zu beziffern. Trotz bester Ver sicherung sind normalerweise Vulkanausbrüche auf den gesamten Kanaren nicht versichert. Allerdings gibt es einen besonderen Versicherungsfall, den »Consorcio-Fall«, der bei mir greifen könnte. Am 21. September hat die spanische Regierung in Madrid den Katastrophenfall für La Palma ausgerufen – was gut für uns ist.

Werden wir nach La Palma zurückkehren? Nun, das ist, während ich diese Zeilen schreibe, noch nicht sicher, aber wir tendieren schon dazu, denn die Insel ist sehr schön, und wir sind inzwischen dort auch verwurzelt. Auf der anderen Seite muss man sich die Frage stellen, wie viel Zeit die mehr als vier Quadratkilometer große Fläche, die mit einer teilweise zehn Meter hohen Lavaschicht bedeckt ist, benötigen wird, um auszukühlen. Unklar ist auch, wie sich die Naturkatastrophe auf die astronomischen Bedingungen auswirken wird. Die Vulkan asche hat zumindest zeitweise die Beobachtungen unmöglich gemacht.

Den Medien konnte ich entnehmen, dass ein fünf Meter dicker Lavastrom normalerweise etwa zwei Jahre benötigt, um vollständig zu erkalten. Erst dann wird man den Boden urbar machen können.

Unsere Gedanken sind jedenfalls bei denen, die alles verloren haben. Die vielen tragischen Schicksale, welche hinter den nackten Zahlen stehen, sind unglaublich schlimm.