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WACHABLÖSUNG AN DER SPITZE?


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Basket - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 10.11.2021

MISCHEN DIE NBA AUF

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Bildquelle: Basket, Ausgabe 12/2021

Während der Name Christopher Kolumbus weltweit fast jedem Kind ein Begriff ist, können mit dem Namen Hank Biasatti wohl nur die wenigsten etwas anfangen. Ersterer, ein in Italien geborener Seefahrer, machte sich bekanntlich 1492 auf, um – wen auch nicht direkt geplant – Amerika zu entdecken. Zweiterer, ein in Italien geborener Basketballspieler, tat dies im Grunde genommen auch – nur rund 450 Jahre später. Wir schreiben die Saison 1946/47, die heute als „National Basketball Association“ (NBA) bekannte beste Basketballliga der Welt heißt noch „Basketball Association of America“ (BAA), als Hank Biasatti sich den Toronto Huskies anschließt. Das macht ihn zum ersten europäischen Baller auf amerikanischem Basketballparkett. Sechs Partien steht der 25-Jährige in dieser Spielzeit auf dem Court, erzielt dabei im Schnitt einen Punkt. Danach ist seine BAA-Karriere vorbei, die ...

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... Umbenennung der Association in NBA 1948/49 erlebt er als Spieler nicht mehr mit. Dennoch wird er bis zu seinem Tod 1996 mit Freude verfolgt haben, wie etliche Akteure vom Alten Kontinent seinem Weg nachgefolgt sind – und heute, das kann man durchaus so sagen, die beste Basketballliga der Welt dominieren.

Zum Start der Saison 2021/22, es ist die 75. Spielzeit der Liga-Geschichte, kommt der amtierende Finals MVP aus Griechenland, der „Most Valuable Player“ aus Serbien. Der beste Verteidiger der Association stammt aus Frankreich, der mit hoher Wahrscheinlichkeit aufregendste junge Star aus Slowenien. Im Allstar-Game der abgelaufenen Spielzeit waren zudem noch die Nationen Montenegro (Nikola Vucevic) und Litauen (Domantas Sabonis) vertreten, in den Jahren zuvor durften sich regelmäßig auch Deutschland (Dirk Nowitzki) oder Spanien (Pau Gasol, Marc Gasol) über Teilnehmer am Kräftemessen der besten Basketballer der Welt freuen. Beweise eines immer globaler werdenden Sports, der mittlerweile leistungstechnisch kaum mehr einen Unterschied zwischen den Top-Spielern aus den USA und Europa erkennen lässt. Das war beileibe nicht immer so – vor allem noch nicht im Jahr 1992, als der Aufstieg der europäischen Superstars in gewisser Weise ein Stück weit ihren Anfang nimmt.

Dream Team begeistert die Basketball-Welt

25. Juli 1992, die Olympischen Spiele in Barcelona stehen vor der Tür. Und während dieses Sportevent alle vier Jahre ohnehin Menschenmassen vor die Bildschirme zieht, sind die Spiele aus Basketball-Sicht nochmal ein gutes Stück aufregender als zuvor: Erstmals sind in diesem Jahr professionelle Athleten bei dem Sportevent erlaubt, die USA nutzen das aus und demonstrieren der gesamten Welt ihre Übermacht: Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird und Co. gehen als „Dream Team“ in die Sportgeschichte ein, demütigen Gegner im Schnitt mit 44 Punkten Differenz und sorgen in Europa für einen Basketball-Boom. Das Interesse am Sport wächst weltweit schlagartig, rund um den Globus ahmen Kids die Moves von „MJ“ und seinen Allstar-Kollegen nach. Natürlich auch in Europa, und bereits wenige Jahre später machen sich die ersten (namhaften) Auswüchse bemerkbar. Sechs Jahre nach der Machtdemonstration der USA in Barcelona wählen die Milwaukee Bucks im NBA-Draft 1998 zum ersten mal seit zehn Jahren einen europäischen Spieler in den Top Ten aus, den sie sofort nach Dallas weiterschicken. Sein Name: Dirk Nowitzki.

Klar, auch vor Nowitzki hat es bereits namhafte NBA-Profi s aus Europa gegeben, Detlef Schrempf oder Drazen Petrovic wären hier in erster Linie zu nennen. Dennoch nimmt der heute in der Association zu beobachtende „Euro-Boom“ erst Ende der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre so richtig an Fahrt auf. Im Draft 2003 befi nden sich insgesamt 18 europäische Spieler unter den 58 Picks, bis heute ein Rekord – darunter auch der sagenumwobene Darko Milicic, der vor Spielern wie Carmelo Anthony und Dwyane Wade ausgewählt wurde. Dies taten die Detroit Pistons nicht etwa, um in dieser Hinsicht für ewig zur Lachnummer zu werden, vielmehr versuchten sie, den nächsten Dirk Nowitzki zu fi nden. Dass dies nicht wirklich gelang, ist bekannt, dennoch zeigt die Auswahl von Milicic an Zwei schon vor rund 20 Jahren, wie weit Europäer in der NBA schon damals gekommen sind.

Auch, wenn sie trotz allem Talent von Anfang an mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Egal ob sie aus Frankreich, Deutschland, Spanien oder vom Balkan kommen, sämtliche europäische Profi s müssen sich mit dem Vorurteil herumschlagen, sie seien körperlich nicht auf dem Level ihrer amerikanischen Kollegen, könnten bei diesen ergo nicht mithalten. Für die 80er und 90er Jahre mag dies möglicherweise in Teilen noch gestimmt haben; galt das Spiel allgemein als physischer und mehr auf am Korb dominante Big Men zugeschnitten. Nicht ausschließlich durch, aber auch mit der Ankunft von wurfstarken Seven-Footern wie Nowitzki 1998 oder spielintelligenten Pivoten wie Pau Gasol (2001) hat sich das Spiel jedoch in den vergangenen 20 Jahren extrem verändert.

Heute sind mehr noch als Physis Qualitäten gefragt, die viele Profi s vom Alten Kontinent durch ihre Ausbildung mitbringen: Shooting, Ballhandling, Perimeter-Defense. Das soll keineswegs heißen, dass auf diese Basics bei der Ausbildung in den USA nicht auch Wert gelegt wird – dennoch steht dort die athletische Ausbildung weit mehr im Vordergrund als in Europa, wo es für viele Spieler gilt, möglicherweise mangelnde Sprungkraft und Schnelligkeit mit basketballerischen Skills wettzumachen. Was unter anderem dazu führt, dass der „Eurostep“, den der Litauer Sarunas Marciulionis in den 90er Jahren erstmals in der NBA präsentiert, oder der von Holger Geschwindner und Dirk Nowitzki erfundene „Flamingo Shot“ heute im Repertoire keines Basketball-Superstars fehlen darf – ganz gleich, ob der Spieler aus den USA, Europa oder von einem anderen Kontinent kommt.

Europäer heimsen Awards ein

Dass sich auch „Übersee“ eine Menge talentierter Baller befi nden, hat auch ein anderer Pionier für den Erfolg europäischer Akteure in der NBA früh erkannt: Gregg Popovich. Einen gewissen Tony Parker machte er bekanntlich vom französischen Zweitrunden-Pick zum Finals MVP, hält seine Augen auch heute noch immer nach europäischen Profi s offen, um sein Team zu verbessern. Dabei achtet Popovich auf besondere Details, wie der Journalist Seth Wickersham bereits 2013 in einem Artikel für das „ESPN Magazine“ erklärt. „Wenn er nach Europa schaut, scoutet „Pop“ vor allem nach Spielern mit Charakter, Spieler, die bereits etwas durchmachen mussten, im Team spielen und sich auch für einen Teammate freuen können. Wenn er sich amerikanische Talente anschaut, sieht er viele Spieler, die bereits seit der achten, neunten oder zehnten Klasse die Besten ihres Teams waren, es vor dem Profi dasein kaum gewohnt sind, gegen Widerstände anzukämpfen.

Natürlich gilt das nicht für alle amerikanischen Spieler gleichermaßen, dennoch ist es in seinen Augen auffällig.“ Mitte der 2000er und zu Beginn der 2010er-Jahre fangen die Europäer dann auch noch damit an, jede Menge Awards mit nach Hause zu nehmen. 2006 wird Dirk Nowitzki zum ersten europäischen MVP der NBA-Geschichte gewählt, ein Jahr später darf sich Tony Parker wie zuvor bereits erwähnt mit dem Titel des besten Spielers der Finalserie schmücken. 2009 und 2010 holt Pau Gasol als Kobe Bryants Edelhelfer zwei Meisterschaften, im Jahr 2011 folgt dann bekanntlich die Krönung des „Großen Blonden“ aus Würzburg. Seitdem ist das „Soft“-Label nicht nur für Dirk, sondern auch für viele seiner europäischen Kollegen verschwunden; spätestens seit den Finals 2011 zweifelt niemand in den USA mehr, ob ein Europäer ein NBA-Team entscheidend zum Titel führen könnte.Denn dass dies auch künftig weiterhin passieren würde, demonstrierte nicht zuletzt Giannis Antetokounmpo – ein in jeglicher Hinsicht außergewöhnlicher Athlet, der, aus der Armut in Griechenland kommend, eine Dominanz ausstrahlt, wie man sie lange nicht gesehen hat. Was mittlerweile dazu führt, dass Europäer mit immer größerem Selbstbewusstsein in der NBA zu Werke gehen. Niemand verdeutlicht dies besser als der Nachfolger von Dirk Nowitzki in Dallas, Luka Doncic. Mit seiner im Februar 2019 getätigten Aussage, es sei einfacher, in der NBA zu scoren, als in Europa, sorgte er unter Basketballfans für große Diskussionen – wobei er mit diesen Worten keinesfalls zu einer Beleidigung des US-Basketballs ausholen wollte. Vielmehr würden ihm der größere Court und die in Europa nicht vorhandene, defensive 3-Sekunden-Regel in die Karten spielen, zusätzlich zu seinen Skills natürlich. Dass er mit diesen so erfolgreich ist, färbt logischerweise auch auf den Nachwuchs ab, mittlerweile wollen Kinder rund um den Globus nicht mehr zwingend fl iegen wie „MJ“, sondern vielleicht den Stepback-Jumper treffen wie Luka – oder Pässe verteilen wie Nikola Jokic. Und das dürfte letztlich dazu beitragen, dass in den kommenden Jahren weitere, hochtalentierte Spieler vom Alten Kontinent in die USA übersiedeln, um der besten Basketballliga der Welt ihren Stempel aufzudrücken. Mit Victor Wembanyama, 17 Jahre alt und 2,19 Meter groß, steht nämlich schon das nächste europäische Mega-Talent in den Startlöchern, der Franzose von EuroLeague-Club ASVEL wird aktuell als Top-Favorit auf den Ersten Pick 2023 geführt. So scheint ein Ende des „Euro-Booms“ in der NBA auch für die kommenden Jahre nicht in Sicht. Worüber sich Basketballfans, die die Entwicklungen um Antetokounmpo, Jokic oder Doncic in den vergangenen Jahren beobachtet haben, nur freuen dürften.