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WACKEL - Kandidaten


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 10/2023 vom 09.12.2022
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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 10/2023

Ein ruhiger Schenkel ist Übungssache. Dabei darf das Bein nicht getrennt vom Rest des Sitzes betrachtet werden

Reiten in Harmonie ist dann möglich, wenn sich zwei Körper aufeinander einlassen und nicht gegeneinander arbeiten. In unserem Alltag sind unsere Füße und Beine ständig in Bewegung. Sie tragen uns durchs Leben und sind dafür gemacht, nicht stillzustehen. Auf ihnen lastet eine Menge Druck und Gewicht. Nur selten nehmen wir uns Zeit, uns den Muskeln von der Hüfte abwärts zu widmen, sie zu lockern und entsprechend zu stärken. Während sich Haltungsfehler und andere Probleme im Bereich des Nackens oder Rückens eher durch Schmerzen bemerkbar machen und wir dagegenwirken, schenken wir den Beinen weniger Aufmerksamkeit. Im Sattel wünschen wir uns dann jedoch ein ruhiges, locker anliegendes Bein und eine lockere Hüfte, aus der heraus wir entsprechend feine Hilfen geben können. Dann wundern wir uns, warum der Wunsch nach dem perfekten Sitz einfach nicht mit der Realität übereinstimmt.

Knackpunkt Trab ...

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„Es kann doch nicht so schwer sein“, diesen Gedanken kennt auch Julia Jentschek. Die 24-jährige Studentin hat eine Reitbeteiligung an einem 1,78 Meter großen Dressurpferd. Willow ist bis zur Klasse M ausgebildet und bringt einiges an Schwung mit. Vor einem Jahr lernt Julia den Wallach kennen und bekommt von dessen Besitzerin die Chance, weiter im Dressursport gefördert zu werden. Zweimal wöchentlich nimmt die junge Reiterin Unterricht. Von Anfang an sind die unruhigen Schenkel ein Punkt, an dem Julia arbeiten muss: „Im Schritt konnte ich mich noch gut auf Willows Bewegungen einlassen, und auch der Galopp fiel mir nicht so schwer. Aber im Trab verkrampfte ich regelrecht und konnte mein Bein gar nicht mehr locker aus der Hüfte heraus fallen lassen.“ Je mehr sie sich auf ihre Unterschenkel konzentriert, desto schwieriger wird es. „Nach der Reitstunde hatte ich ständig Muskelkater und teilweise sogar Schmerzen in den Beinen, aber auch im Bauch und im unteren Rücken“, erinnert sich Julia. Während sie im Galopp sogar schon fliegende Wechsel reitet, ist im Trab Basisarbeit angesagt. „Wie soll ich eine Traversale reiten, wenn ich mein Bein nicht kontrollieren kann?“, gibt die junge Reiterin zu bedenken und fügt hinzu: „Obwohl Willow sehr gut ausgebildet ist, verzeiht er nicht gleich jeden Fehler. Das ist auch gut so, denn nur so lerne ich. Zudem ist er ein echtes Sensibelchen, und meine unruhigen Schenkel haben ihn immer wieder irritiert.“

Longe als Hilfsmittel

Julias Reitlehrerin erkennt das Problem und bietet ihrer Schülerin Sitzübungen an der Longe an. Zunächst auf einem erfahrenen Lehrpferd mit weniger Schwung als Willow. Ohne Steigbügel reitet Julia Trab-Schrittund Trab-Galopp-Übergänge. Im Schritt kreist sie mit den Armen und den Füßen, lockert den Oberkörper und die Beine. Mit den Händen an den Hüften und einem locker herabhängenden Bein kann sie sich auf ihren eigenen Körper konzentrieren und loslassen lernen. Das Treiben übernimmt Julias Trainerin. Nach und nach spürt die junge Reiterin die Bewegungen des Pferdes immer deutlicher und ist in der Lage, sich darauf einzulassen. „Es war, als wäre ein Knoten geplatzt. Plötzlich habe ich ein ganz neues Körpergefühl und damit auch ein anderes Bewusstsein für die Bewegungen von mir und meinem Pferd bekommen. Da ist mir zum ersten Mal klar geworden, dass ich meine Beine nicht mit Zwang in der richtigen Position halten darf, sondern dass es auf den gesamten Sitz ankommt.“

Ubung 1

Hüfte dehnen

Mit wenigen kurzen Übungen können Sie die Hüfte öffnen und die Beweglichkeit in diesem Bereich fördern beziehungsweise aufrechterhalten.

• Beginnen Sie im Sitzen auf dem Boden. Führen Sie beide Fußsohlen zueinander, die Knie zeigen dabei nach außen. Im Schmetterling spüren Sie ein leichtes Ziehen an der Innenseite der Oberschenkel.

• Nun greifen Sie mit beiden Händen, so gut es geht, Ihre Füße. Lehnen Sie sich behutsam nach vorne. Gehen Sie dabei nicht an Ihre Schmerzgrenze. Atmen Sie weiter und lassen Sie sich bei jedem Atemzug tiefer nach vorne fallen.

• Halten Sie diese Position etwa eine Minute. Machen Sie dann 30 Sekunden Pause und üben Sie erneut.

• Als Nächstes ist der Hüftbeuger an der Reihe. Stellen Sie sich hin und machen Sie einen großen Schritt nach vorne. Achten Sie auf einen Untergrund, auf dem Sie nicht wegrutschen.

• Jetzt stützen Sie sich mit beiden Händen auf Ihrem vorderen Knie ab und halten den Oberkörper gerade. Der Bauch ist angespannt. Nun schieben Sie das Becken nach vorne. Spüren Sie ein Ziehen? Dann halten Sie die Position noch 20 bis 30 Sekunden und wechseln Sie das Bein.

Was Julia beschreibt, ist ein wichtiger Faktor: Die Beine gehören zum Körper und dürfen nicht getrennt davon betrachtet werden. Es kommt also immer auf das Gesamtbild an. Mehrere Beispiele: Ein Reiter, der mit dem Oberkörper nach vorne fällt, wird seine Beine nicht in der korrekten Position halten können, schließlich ist er nicht mehr im Lot. Wer Schwierigkeiten hat, mit der Mittelpositur mitzuschwingen, blockiert den Schwung des Pferdes und kann den Unterschenkel nicht mehr locker am Pferd lassen. Drückt der Reiter den Absatz herunter oder zieht er diesen hoch, ist die Muskulatur im Bein so unter Spannung, dass eine einfühlsame Hilfengebung nicht mehr möglich ist. Schaut der Reiter mit dem Kopf nach unten, beeinflusst auch das den gesamten Sitz, inklusive der Schenkelhilfen.

Nicht nur optisch korrigieren

Eine aktive Korrektur des Unterschenkels, ohne dabei den Rest des Reiterkörpers zu betrachten, kann kurzfristig (optisch) helfen, wird auf Dauer jedoch keine Früchte tragen. „Mein vorheriger Trainer hat mir oft einfach gesagt, ich solle mein Bein im Trab ruhiger halten“, erinnert sich Julia. „Was habe ich also gemacht? Meinen Oberkörper verkrampft und versucht, die Beine regelrecht ans Pferd zu drücken, damit sie nicht mehr so hin- und herwackeln.“ Willow ist daraufhin zunächst schneller geworden, und irgendwann wollte er nicht mehr auf feine Hilfen vorwärts gehen. Das zeigt, wie schnell selbst gut ausgebildete Pferde „umlernen“. Der Wallach hat probiert, Julia zu verstehen und sich an die Situation angepasst. Der Sitz der jungen Dressurreiterin besserte sich so allerdings nicht. Erst durch ihre jetzige Trainerin versteht sie die Zusammenhänge von Bewegung und Hilfengebung:: „Es geht ja nicht nur darum, einen äußerlich perfekt erscheinenden Sitz zu halten, sondern so zu sitzen und einzuwirken, dass ich mit meinem Pferd gut kommunizieren und eine Einheit bilden kann“, sagt Julia.

Nach der Sitzschulung auf dem Lehrpferd kommt schließlich auch Willow an die Longe. Entspannt trabt er Runde für Runde, und Julia lernt, sich auf die schwungvollen Bewegungen des Wallachs einzulassen. „Mir hat es auch geholfen, einfach mal die Augen zu schließen und zu spüren, wann Willow mit welchem Bein abfußt und wie sich mein Becken bewegt, wenn ich einfach nur sitze beziehungsweise mich von seinen Bewegungen regelrecht mitnehmen lasse.“ Dieses gute Gefühl nimmt die Dressurreiterin schließlich auch mit in den Sattel. Anfangs trabt sie noch vermehrt leicht und sitzt dann immer wieder ein paar Tritte aus. So bleibt sie locker und kann Beine sowie die Hüfte lösen.

Bewegung ist ein Lernzprozess

Unruhige Schenkel können diverse Ursachen haben und bereits im Schritt auftreten – zum Beispiel, wenn der Reiter versucht, sein Pferd durch Klopfen mit dem Schenkel vorwärts zu bewegen, oder wenn er die Nickbewegung nicht zulässt, die Mittelpositur festhält und den Oberkörper verkrampft. Andere Reiter haben generell ein Problem mit dem Gleichgewicht und können ihre Unterschenkel nicht ruhig am Pferd halten. Aber auch ein unpassender Sattel oder zu lange beziehungsweise zu kurze Steigbügel können der Grund sein.

Bewegung ist ein Lernprozess. Genauso, wie wir als Kinder Laufen oder später Fahrradfahren lernen, müssen wir als Reiter lernen, uns auf die Bewegungen des Pferde einzulassen und dabei gleichzeitig unseren Körper zu kontrollieren, ohne zu verspannen. Selbst wenn wir auf einem Pferd gut sitzen, heißt das noch nicht, dass wir in der Lage sind, jedes Pferd gut zu reiten. Für ein gutes Bewegungslernen sind Wiederholungen wichtig. Ähnlich wie unser Vierbeiner eine Lektion immer wieder ausführen muss, um sie zu perfektionieren und beispielsweise das Kreuzen der Beine in einem Seitengang zu verinnerlichen, sollten auch wir genügsam mit uns umgehen und uns Zeit geben. Es wird immer wieder Tage geben, an denen wir womöglich Überforderung spüren oder einfach nicht gut lernen können. Das ist normal. Dann kann es sinnvoll sein, vom Boden aus zu arbeiten. Hören Sie in sich hinein und achten Sie auf Ihre Tagesverfassung, bevor Sie sich in den Sattel setzen. Wenn Sie zum Beispiel sowieso schon angespannt und gestresst im Stall ankommen, wird es Ihnen in der Regel schwerer fallen, auf dem Pferd alle Anspannung loszulassen und sich auf ein anderes Lebewesen einzulassen.

Ubung 2

Oberschenkel dehnen

Mit dieser einfachen Übungen dehnen Sie nicht nur Ihren Oberschenkel, sondern schulen auch Ihr Gleichgewicht.

• Stellen Sie sich gerade hin und schauen Sie geradeaus. Dabei können Sie sich mit den Augen einen Punkt suchen, den Sie fixieren. Greifen Sie mit der rechten Hand den rechten Fußrücken.

• Spannen Sie dabei Ihre Bauchmuskeln an, sodass Sie nicht in eine Hohlkreuzposition kommen. Den Fuß ziehen Sie in Richtung Gesäß. Ihr Knie zeigt nach unten.

• Nun können Sie die Dehnung im Bereich der Hüfte sowie der Oberschenkelvorderseite spüren.

• Halten Sie die Position für 30 bis 60 Sekunden und wechseln Sie dann das Bein.

• Wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Fuß zu greifen, können Sie ein Handtuch zu einer Schlaufe um den Fuß legen und so Ihren Arm verlängern. Wenn Sie Probleme mit dem Gleichgewicht habe, üben Sie zunächst in der Nähe einer Wand, an der Sie sich zur Not festhalten und dann wieder auf die Übung und das freie Stehen einlassen können.

Ubung 3

Wadenmuskulatur dehnen

Da wir im Alltag viel sitzen und stehen, neigt unsere Wadenmuskulatur häufig zu Verspannungen und ist nicht selten sogar verkürzt. Genau diese verkürzten Wadenmuskeln führen dann zu Problemen im Sattel, da das Zusammenspiel der Muskeln nicht mehr reibungslos abläuft. Infolgedessen sind auch Verspannungen und Dysbalancen der Wirbelsäule möglich. Dehnen Sie daher Ihre Wadenmuskulatur regelmäßig.

• Stellen Sie sich gerade vor eine Wand hin und verteilen Sie Ihr Gewicht gleichmäßig auf beide Beine. Nun machen Sie einen weiten Ausfallschritt und strecken Ihre Arme nach vorne aus, sodass Sie sich mit geraden Handflächen an einer Wand abstützen können, als wollten Sie diese wegdrücken.

• Ihre Füße zeigen parallel nach vorne. Nun verlagern Sie Ihr Körpergewicht mehr und mehr auf das vordere Bein. Die Ferse des hinteren Beins drücken Sie in Richtung Boden. Das Knie des hinteren Beins strecken Sie langsam, sodass Sie eine Dehnung in der Wade spüren. Diese können Sie durch die Veränderung Ihrer Körperposition intensivieren.

• Halten Sie diese Position für 30 bis 60 Sekunden und wechseln Sie anschließend das Bein.

Gut gedehnt besser reiten

Nach der Sitzschulung an der Longe beginnt Julia zudem mit gezielten Dehnübungen, vor allem für die Beine, die Hüfte und den Rücken. „Ich habe mich anfangs wirklich erschrocken, wie unbeweglich ich war. Meine Beine waren richtig verspannt“, sagt die Dressurreiterin. Zuerst trainiert sie abends zu Hause, dann auch am Stall vor dem Reiten. Schnell spürt sie auch im Sattel erste Veränderungen: „Auf einmal konnte ich mein Bein locker aus der Hüfte fallen lassen und Willow leichter aussitzen. Da wurde mir noch einmal bewusst, wie doch alles im Körper zusammenhängt und wie effektiv auch Übungen ohne Pferd sind.“

Ubung 4

Rücken dehnen

Wer an einem ruhigen Bein arbeiten möchte, darf nicht vergessen, den Rücken zu dehnen. Schließlich dürfen wir die Beine nicht getrennt vom Rest des Körpers betrachten.

• Gehen Sie in den Vierfüßlerstand. Dabei positionieren Sie die Hände unter den Schultern und die Kniegelenke unter den Hüften. Nun beginnen Sie mit der Übung die aus dem Yoga als „Katze-Kuh“ bekannt ist: Zuerst machen Sie einen Katzenbuckel, indem Sie Ihre Wirbelsäule in maximale Beugung bringen. Anschließend folgen die Gegenbewegung und die maximale Streckung, so, als hätten Sie einen Hängebauch.

• Diese Übung können Sie auch gut zum Aufwärmen nutzen und sie mindestens 15 bis 20 Mal wiederholen.

• Wenn Sie das Bedürfnis verspüren, Ihre Wirbelsäule auch mal in andere Richtungen zu bewegen, dann schließen Sie die Augen und folgen Sie Ihrem Gefühl.

• Anschließend gehen Sie wieder in die Grundposition und spannen Sie die tief liegende Bauchmuskulatur an. Dann strecken Sie den linken Arm nach vorne und das rechte Bein nach hinten aus. Spüren Sie die Streckung und Dehnung. Halten Sie die Position einige Sekunden und wechseln Sie dann die Diagonale. Führen Sie die Übung mehrfach im Wechsel aus.