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WAFFEN & TECHNIK: NVA-LANDUNGSSCHIFF PROJEKT 108: Welle auf Welle


Militär & Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.11.2019

In den 1970er-Jahren entstehen in der DDR hocheffiziente Landungsschiffe, die im Kriegsfall die Strände der verfeindeten Ostsee-Anrainer stürmen sollen. An Feuerkraft sind sie sogar den vergleichbaren Schiffen der verbündeten Flotten überlegen


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Bildquelle: Militär & Geschichte, Ausgabe 1/2020

Beeindruckend: DieEberswalde-Finow setzt ihre Schützenpanzerwagen vom Typ 60 PB ab, während der Schwimmpanzer PT-76 im Vordergrund bereits das Feuer eröffnet. Die hier beim Manöver „Waffenbrüderschaft“ (1980) präsentierten Landungsschiffe sind ein Aushängeschild der DDR-Volksmarine


Es ist Mitte August 1980. Im Sperrgebiet Karlshagen-Peenemünde herrscht rege ...

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... Betriebsamkeit. Durch den Uferwald sind Gassen geschlagen worden, eine riesige Tribüne steht unmittelbar am Strand. Auf ihr versammelt sich die militärische Führungselite der Warschauer Vertragsstaaten, und natürlich sind auch Erich und Margot Ho necker, Stoph, Sindermann, Krenz erschienen. Zwei Oberste der Bundeswehr sind ebenfalls auf der Presse tribüne als Beobachter dabei. Alle warten auf eine nie dagewesene kombinierte Landungsoperation der Verbündeten Ostseeflotten, die von Armeegeneral Heinz Hoffmann geleitet wird.

Dann beginnt auch schon ein regelrechtes Inferno an der Küste. Der Warschauer Vertrag hat angesichts der NATO-Nachrüstung mit Raketenwaffen mittlerer Reichweite unglaubliche Kräfte und Mittel aufgeboten. Tonnen von Sprengstoff jagen meterhohe Fontänen in den Himmel. Die KreuzerWarszawa aus Polen undOktoberrevolution der UdSSR symbolisieren mit ihren großkalibrigen Geschützen den Küstenbeschuss. Minensuchschiffe und Hubschrauber mit Minensuchgeräten im Schlepp suchen das Küstenvorfeld ab.

Dann nähern sich in mehreren Wellen Landungsschiffe der drei Flotten. Darüber hinweg jagen Marineflieger heran, silbrige „Backfire“-Bombenflugzeuge legen einen Bombenteppich vor den Strand. Schon sind die ersten Landungsschiffe in mustergültiger Dwarslinie da, öffnen ihre Landeklappen … und heraus stürmen schwimmfähige Panzer PT-76 und Schützenpanzerwagen. Es folgen in hohem Tempo Kampfpanzer T-55 und erklimmen nach kurzer Wasserdurchfahrt die Dünen.

Größte Aufmerksamkeit aber wecken neue, formschöne und schwer bewaffnete Mittlere Landungsschiffe der Volksmarine: Es sind Einheiten derHoyerswerda -Klasse, die auf der Peene-Werft in Wolgast gebaut wurden. Kaum haben die Schiffe der ers- ten Welle ihre militärische Fracht entladen, stoßen sie zurück, wenden und machen der nächsten auflaufenden Welle Platz. All das zeugt von hohem Können der Besatzungen und vor allem von einer präzisen Arbeit der Stäbe. Jedoch: Die hier gezeigte Show ist unrealistisch, denn es fehlt jede Art von Landungsabwehr. Vor allem aber ist ein feiner Sandstrand ohne Gestein am Meeresboden, wie ihn Usedom bietet, eine unbedingte Voraussetzung, um Schiffskörper unbeschadet an einer Küste aufsetzen zu können. Und solche Gebiete sind rar.

Angelandete Schützenpanzerwagen (SPW) schwimmen dem Strand zu, ein PT-76 der Baltischen Flotte hat bereits festen Grund. Unten: Die Schwimmfähigkeit der SPW 60 PB ist von großem Vorteil für schnelle Landungsmanöver


Neu und leistungsfähig

DieHoyerswerda -Klasse, also das Projekt 108 (oder nach NATO-Code „Frosch I“), stellt die dritte Generation von in der DDR gebauten Landungsschiffen dar. Den Anfang machen 1961 die zwölf Kleinen Landungsschiffe (LaBo) Projekt 45. Das sind flach gebaute Einheiten, die nur aus einem pontonartigen Laderaum mit Rolldeck und Landeklappe und einem winzigen Deckshaus bestehen. Dann folgen ab 1964 sechs Mittlere Landungsschiffe des Projekts „Robbe“ (700 t), die schon mehr Militärtechnik an Land bringen können (zum Beispiel sieben Panzer).

Als man diese ersetzen muss, entsteht Anfang der 1970er-Jahre in Zusammenarbeit des Kombinats Schiffbau und der Werft ein völlig neuartiges, leistungsfähigeres Schiff (1.744 t). Mit einer Länge von über 90 Metern macht es nicht nur optisch etwas her, sondern kann nun auch wesentlich mehr Fahrzeuge, z. B sieben Panzer T-72 oder acht Schützenpanzerwagen SPW, aufnehmen. In der Überlastvariante sind es jeweils acht Panzer beziehungsweise acht SPW 60 PB, wobei an Oberdeck jede Art von Radtechnik Platz findet, etwa fünf oder sechs Lkw Typ LO mit angehängter Flak. Diese werden dann über eine absenkbare Rampe und mithilfe des Ankerspills herauf- und herabgezogen.

Kurz vor der Auffahrt auf ein Landungsschiff konzentrieren sich die Kommandanten der SPW und der Kampfpanzer auf die schwierigste Phase des Belademanövers


Mot.-Schützen an Bord

Das Schiff ist seefähiger als die Vorgänger, windschlüpfiger, schwerer bewaffnet gegen Luft- und Seeziele und bietet sowohl der 48-köpfigen Besatzung als auch 280 Marineinfanteristen gute Lebensbedingungen während der Überfahrt. Für diese gibt es sogar Kojen, Aufenthaltsräume, Sanitäreinrichtungen und Waschgelegenheiten.

Insgesamt werden zwölf Schiffe dieser Klasse gebaut, die nun ein verstärktes motorisiertes (mot.) Schützenbataillon anlanden können: Kommandeur und Stab sowie Fernmeldeeinheit (in Zugstärke), hinzu kommen noch Versorgungsgruppe, Wartungs- und Instandsetzungsgruppe, drei mot. Schützenkompanien und zwei Kompanien oder Züge anderer Waffengattungen (das macht die erwähnte „Verstärkung“ aus) beziehungsweise Panzertruppen.

Bei einer Anlandung, natürlich nur an flachen Sandstränden, setzt das Vorschiff im Flachwasserbereich auf, wobei schon zuvor die achteren Ballastwasserzellen geflutet werden.


Das Beladen der Schiffe ist kompliziert und muss immer wieder geübt werden.


Dann schiebt sich das Vorschiff auf den flachen Strand, die vordere Landeklappe senkt sich auf den Grund und die Fahrzeuge, die man zuvor entzurrt hat, rollen nacheinander in die Brandung. Die schwimmfähigen Panzer PT-76 und die Schützenpanzerwagen 60 PB können schwimmend an Land gelangen, und auch der Kampfpanzer T-72 ist für eine Unterwasserfahrt ausgelegt. Jedes dieser Schiffe kostet 35,6 Millionen Mark Ost; die mit je zwei 40-rohrigen nachladbaren Geschosswerfern (ähnlich den Sta linorgeln) ausgerüsteten Einheiten schlagen sogar mit 47,5 Millionen Mark zu Buche.

Flexibel: Über schwimmende Brücken, die von Land aus in die See ragen, lassen sich die Schiffe auch an komplizierten Küsten - abschnitten beladen


Ihre Aufgabenstellung ist eindeutig: Sie sollen die offensiv vorgehenden Landstreitkräfte an der Seeflanke unterstützen. War die Volksmarine zunächst als eine reine Küstenverteidigungsflotte konzipiert worden, hat sie nach 1960 zunehmend Aufgaben im Interesse der Baltischen Flotte der UdSSR zu übernehmen. Und dazu gehört im Ernstfall, die Ostseeausgänge zu erobern und damit den Zugang zu Nordsee und Atlantik zu öffnen. Dies soll im Zusammenwirken mit den verbündeten Ostseeflotten geschehen und wird immer wieder geprobt, wobei die Schiffe der Peene-Werft sich bei zahlreichen Manövern des Warschauer Vertrages zwischen 1975 und 1985 durchaus bewähren.

Die Landungsschiffe der Frosch-IKlasse sind alljährlich im Dauereinsatz. In jedem Sommer verlegen die Schiffe nach Rügen, wo mehrere Wo- chen lang sogenannte Beladeübungen stattfinden. Dabei müssen die Soldaten der Landstreitkräfte, speziell die des zugeteilten mot.-Schützen-Regiments 29 aus Hagenow, die komplizierte Auffahrt über die steile Landeklappe auf die Schiffe trainieren. Da es im Regiment einen häufigen Personalwechsel unter den 18 Monate dienenden Wehrpflichtigen gibt, sind diese Trainingseinheiten periodisch anzusetzen.

Vor- und rückwärts

Besonders knifflig: Alle Fahrzeuge müssen im Normalfall zwar vorwärts über die schräge Landeklappe fahren, dann aber im engen Laderaum wenden und sich in Vorausrichtung aufstellen. Die Rückwärtsauffahrt wie bei den LaBO und Robben hat man aufgegeben, sie wird allenfalls noch bei ruhiger See praktiziert. Die Kraft- fahrer, nur eingewiesen durch den an Bord stehenden Bootsmann, müssen Geschick, Mut und Können beweisen. So finden allein beim ersten Schiff (Projekt 108.01) insgesamt 58 derartig aufwendige Beladetrainings am Strand von Prora statt.

Die Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee wird 1956 gestiftet und zeigt Angehörige aller drei Teilstreitkräfte


ZITAT


Die Landungsschiffe der Peene-Werft, ob es die Projekte 46 (LaBo), 47 (Robbe) oder 108 (Frosch I) waren, konnten sich mit den Landungsschiffen der Baltischen Rotbannerflotte und der Seekriegsflotte Polens gut messen. Sie standen für Zuverlässigkeit, Manövrierfähigkeit und solide Schiffbauerkunst.
Fregattenkapitän a. D. Wolfgang Telle, Kommandant des Landungsschiffes 635 Proj. 108Anklam


Feuer frei: Landungsschiffe der Volksmarine setzen ihre Salvenwerfer A 215 ein. Im Ernstfall sollen sie mit ihren 122-mm-Feststoffraketen die Küsten des Gegners sturmreif schießen


Das 57-mm-Zwillingsgeschütz AK-725 auf dem Vorschiff. Diese Geschütze haben eine hohe Kadenz und erreichen funkmessgesteuert eine hohe Trefferquote


Genau ins Ziel

Für die mit Geschosswerfern ausgerüsteten Einheiten werden mehrfach Schießübungen auf Landziele vor der estnischen Insel Suur Pakri an be - raumt. Hier erzielen die Besatzungen stets ausgezeichnete Trefferbilder mit ihren je zwei 40-rohrigen Werfern, die Ziele in 22 Kilometer Entfernung punktgenau erreichen können. Diese eigentlich für die Landstreitkräfte gedachten Waffen befinden sich nur deshalb an Deck, weil Schiffbauer und Marinespezialisten sie samt zugehöriger Feuerleitanlage in Eigenleistung auf die Schiffe montiert haben. In den anderen Flotten des Warschauer Vertrages sucht man solche Werfer denn auch vergeblich.

Das LandungsschiffEberswalde-Finow kommt 1989 sogar zu der Ehre, am Flottenbesuch der Volksmarine in Leningrad teilzunehmen, und selbstverständlich werden die Schiffe auch bei den großen Flottenparaden 1979 und 1989 im Rostocker Stadthafen präsentiert. Da alle Schiffe dieser Klasse Namen von DDR-Städten tragen, haben sich zwischen den Besatzungen und den Institutionen dieser Kommunen lebendige Partnerschaften entwickelt, was sich insbesondere für die Matrosen an Bord sehr günstig auswirkt. Es gibt einen regen Besucheraustausch und zu Feiertagen erhalten die Seeleute Geschenke aus „ihren“ Städten.

Im Peenemünder Hafen werden ab 1990 alle Einheiten des Projekts 108 aufgelegt. Die Tage, an denen deutsche Soldaten das Deck säubern müssen, sind da schon gezählt


Letzte Reise: 1993 machen sich die desarmierten Schiffe auf den Weg nach Indonesien; hier die ehemaligeLübben


Das LandungsschiffEberswalde-Finow kommt 1989 sogar zu der Ehre, am Flottenbesuch der Volksmarine in Leningrad teilzunehmen, und selbstverständlich werden die Schiffe auch bei den großen Flottenparaden 1979 und 1989 im Rostocker Stadthafen präsentiert. Da alle Schiffe dieser Klasse Namen von DDR-Städten tragen, haben sich zwischen den Besatzungen und den Institutionen dieser Kommunen lebendige Partnerschaften entwickelt, was sich insbesondere für die Matrosen an Bord sehr günstig auswirkt. Es gibt einen regen Besucheraustausch und zu Feiertagen erhalten die Seeleute Geschenke aus „ihren“ Städten.

Empfindlicher Antrieb

Wie wohl bei jedem neuen Schiff, gibt es auch bei der Frosch-Klasse einige technische Probleme. Vor allem die Antriebsanlage bereitet Sorgen. Mangels eigener DDR-Motoren nimmt man als Hauptantriebsmaschinen je zwei sowjetische 16-Zylinder-Gegenkolben-Dieselmotoren (61 B). Diese Zweitakter (je 4.500 kW) sind im Prinzip Schnellläufer und arbeiten über zwei parallel angeordnete Zylinderreihen und vier Kurbelwellen auf einem gemeinsamen Antriebsflansch. Im unteren Drehzahlbereich, welcher zwingend während der Anlandungen oder bei komplizierten Revierfahrten notwenig wird, tritt mitunter Glühkohle auf, was zu Schornsteinbränden führt. Für Abhilfe sorgt das sogenannte Freibrennen, was aber bedeutet, dass die betroffenen Einheiten sich kurzzeitig vom Verband lösen, entfernen und eine höhere Fahrtstufe einnehmen müssen.

TECHNIK: Landungsschiff Projekt 108

1 Absenkbare Landeklappe
2 Steuerbordbuganker
3 Laderaum
4 Vorderes Zwillingsgeschütz 57 mm AK-725
5 Zwei Raketenwerferstationen A-215 122 mm/40 Rohre
6 Unterkünfte für Besatzung und Marineinfanteristen sowie Kombüse und Messen
7 Kommandobrücke (Hauptgefechtsstand)
8 Feuerleitantenne und Navigationsradar
9 Funkmessantennen zur Abwehr von Luft- und Seezielen
10 Zwei Zwillingsgeschütze 30 mm AK-230
11 Achteres Zwillingsgeschütz 57 mm AK-725
12 Oberdeck, aufnahmefähig für Rädertechnik

Imposant: Die Landungsschiffe derHoyerswerda -Klasse („Projekt 108“) sind über 90 Meter lang


Problematische Küsten

Eines der Hauptprobleme aber ist, dass man diese Schiffe – wie eingangs erwähnt – nur an seichten Sandstränden sicher anlanden kann. Überall, wo vor den Küsten Findlinge oder Geröllhalden mit größeren Steinen liegen, schließen sich Anlandungen damit aus. An Steilküsten sowieso. Da aber die dänischen Inseln durchaus flache Sandstrände besitzen, werden Bedenken weitestgehend verdrängt, dass es im Ernstfall vielleicht zu unbeabsichtigten Grundberührungen mit Folgeschäden an den Unterwasserschiffen kommen könnte.

Hingegen ist man jahrelang kaum davon ausgegangen, dass die NATO größere Anstrengungen machen könnte, eine wirksame und tief gestaffelte Landungsabwehr vor den eigenen Küsten zu installieren. Erst gegen Ende der DDR untersucht die Volksmarine, wie in solchem Fall die Schiffe auch mit einer Vielzahl von Grundminen, Ankertauminen, spanischen Reitern, Sprengfallen oder diversen Stahldrahtsperren zurecht kämen. Auch deshalb hat man die sogenannten Sprengschnüre, also das Gassensprenggerät „Sosna-100“, vorgehalten.


Die verkauften Schiffe sind noch immer im Dienst –wenn auch in anderer Funktion.


Diese Streckladungen werden, von Raketen geschleppt, vor der Anlandung in Richtung Strand geschossen, detonieren dann beim Aufschlagen und sollen so breite Gassen in die Abwehrmittel reißen. Ende der 1980er-Jahre muss die DDR infolge von Abrüstungsverträgen ihre Offensivwaffen stark reduzieren. Neben Panzern und Jagdflugzeugen sowie Kampfhubschraubern Mi-8 und Mi-24 sind auch die Landungsschiffe des Projekts 108 betroffen. Man deklariert sie kurzerhand als Transportschiffe, Minenleger oder Ausbildungsschiffe und fängt an, die Waffen auszubauen. Doch dann werden die Schiffe noch am 1. Oktober 1990 außer Dienst gestellt und in Peenemünde aufgelegt.

Endstation Indonesien

Kaum ist Deutschland wieder vereint, beginnt dann auch schnell der weltweite Verkauf von Waffen und Gerät der NVA. Indonesien bekundet sein Interesse an allen zwölf Landungsschiffen 108 sowie an den beiden GefechtsversorgernNordperd undSüdperd (Frosch-II-Klasse 109). Nachdem man alle Schiffe auf der Rostocker Neptunwerft überholt und modernisiert hat, gehen sie 1993 nach und nach auf eigenem Kiel auf die lange Reise durch Mittelmeer, Suezkanal und Indik bis nach Indonesien. Bis auf eine Beinahe-Havarie in der Biskaya, als eines der Schiffe seine Landeklappe verliert, gelingt diese Überführung reibungslos.

Die indonesische Marine setzt die Schiffe in ihrem Marineinfanteriekorps und für militärische Transporte zwischen den Inseln ein. Sie haben gut zu tun: Der Verband verfügt noch heute über 70 Schwimmpanzer PT-76, Schützenpanzer BMP 3, Mannschaftstransporter BTR 56 und BTR 80.

Dieter Flohr, Jahrgang 1937, Fregattenkapitän (Ing.) a. D., Presseoffizier der Volksmarine, Schifffahrtsjournalist und Buchautor u. a. bei GeraMond.


Abb.: BArch 183-W0909-018, Dieter Flohr (2)

Abb.: BArch 183-Z0707-023, p-a-/ddrbildarchiv.de/Robert Grahn, Peter Seemann, MIREHO

Abb.: Peter Seemann, Dieter Flohr, Interfoto/TV-Yesterday

Abb.: Ulf Kaak, Sammlung D. Flohr (2), p-a/ddrbildarchiv.de/RobertGrahn