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WAFFEN & TECHNIK: Wölfe fern der Heimat


Militär & Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 09.03.2020

1938 werden die ersten U-Boote der Klasse IX in Dienst gestellt. Sie sind größer als ihre berühmten „Schwestern“ der Klasse VII und sollen im Kriegsfall in weit entfernten Einsatzgebieten auf Beute lauern


U-BOOT-KLASSE IX

Artikelbild für den Artikel "WAFFEN & TECHNIK: Wölfe fern der Heimat" aus der Ausgabe 3/2020 von Militär & Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Militär & Geschichte, Ausgabe 3/2020

Patrouille im Atlantik: Die Klasse IX ist besonders gut dafür geeignet, in weit entfernten Räumen zu operieren. Boote des ab 1941 gebauten Typs IX D2 schaffen es sogar in den Indischen Ozean und nach Japan (Gemälde des Marinemalers Olaf Rahardt)


Vergleich:Die Boote des Typs IX B wirken schnittiger, auch der doppelte „Wintergarten“ am Turm fällt ins Auge


Von wegen: Der NS-Propaganda ...

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Von wegen: Der NS-Propaganda zufolge ließen sich alliierte Schiffsverluste durch Neubauten nicht ausgleichen


Unter Beschuss: Deutsche U-Boote greifen 1940 einen Konvoi im Ärmelkanal an. Generell kommen die meisten Schiffe jedoch zum Zielhafen durch


Typ IX C (U 505)

TECHNIK

1 Je zwei Torpedo-Ausstoßrohre am Bug
2 Antenne zum Empfang von Langwellenfunksignalen
3 Druckkörper bzw. Doppelhülle des Bootes (enthält Teile des Treibstoffvorrates sowie die Tauchzellen)
4 Kommandoturm mit der Zentrale
5 Periskope
6 Flak auf der Plattform hinter der Brücke (auch „Wintergarten“ genannt)
7 Propeller und Ruder
8 Zwei achtere Torpedoausstoßrohre (verdeckt)

E s ist der 4. Juni 1944. Das deutsche Unterseeboot U 505 unter Oberleutnant zur See Harald Lange kreuzt seit Tagen auf seiner achten Feindfahrt im Mittelatlantik vor Afrika nordwestlich Dakar. Lohnende Ziele können lange Zeit nicht ausgemacht werden. Dann aber: „Fluuugzeug an Steuerbord!!!“ Tatsächlich kommt ein amerikanisches Trägerflugzeug in Sicht. „Alarmtauchen!“, befiehlt der Kommandant. Nach 35 Sekunden ist das schlanke Boot unter der Wasseroberfläche verschwunden. Doch noch beim Überflug erkennen die US-Piloten den Schatten des in Sehrohrtiefe manövrierenden Fahrzeugs und markieren mit Leuchtmunition die Posi tion.

Schiffe einer US-Task-Group mit dem Geleitflugzeugträger Guadal canal, den Zerstörern Chatelain, Pillsbury, Flaherty, Pope und Jenks eilen heran. Die Chatelain setzt Wasserbomben ein, einige Flugzeuge ebenfalls. Und sie verfehlen ihre Wirkung nicht: U 505 erhält Nahtreffer, Wassereinbrüche folgen. „Auftauchen!“, befiehlt Oberleutnant Harald Lange. Kaum steigt der Bug aus der Wasseroberfläche, beginnt ein höllisches Artilleriefeuer vom Zerstörer Chatelain. Einige Granaten schlagen in den Bootskörper. U 505 beginnt zu sinken. „Seeventile und Schotten auf! … Ausbooten!“, befiehlt der Kommandant noch, dann wird er schwer verwundet. Während sich die Besatzung auf dem lang gezogenen Oberdeck einfindet, wird sie mit kleinkalibrigen Waffen beschossen und springt schutzsuchend größtenteils über Bord. Dabei wird der Funker tödlich getroffe

HINTERGRUND

Vermeintliche U-Boot-Erfolge

In den ersten 28 Kriegsmonaten bringen die Alliierten schon 900 Geleitzüge mit 12.057 Frachtern in Fahrt. Daraus schießen die deutschen U-Boote 291 Schiffe heraus. Demnach erreichen ganze 98 Prozent der Frachter ihr Bestimmungsziel. Auch vor der US-Küste versenken U-Boote der Klasse IX 1941/42 bei 148 Feindfahrten zwar 609 Frachter, darunter 143 Tanker. Doch bis 1943 entstehen auf den alliierten Werften schnellstens 440 neue Frachtschiffe mit insgesamt 7,1 Millionen BRT.


Mit zwei Dutzend Torpedos und mehreren Geschützen gehen die U-Boote auf die Jagd.


Treffer auf einem Tanker, beobachtet vom Turm eines deutschen U-Bootes. Links ist ein Matrose im Torpedoraum von U 103 zu sehen. Das Boot kann bis zu 22 Torpedos aufnehmen


Enterkommando gegen U 505

Der US-Commander Captain Daniel Gallery aber will die einmalige Chance nutzen und nun das Boot erbeuten. Ein Enterkommando unter Lieutenant Albert L. David nähert sich im Beiboot dem sinkenden U 505. David entert allein an Bord, es gelingt ihm tatsächlich, die Seeventile zu schließen. Das Boot wird in Schlepp genommen, notdürftig abgedichtet, gelenzt und mit Drahtseilen unterfangen.

Unter Beschuss: Deutsche U-Boote greifen 1940 einen Konvoi im Ärmelkanal an. Generell kommen die meisten Schiffe jedoch zum Zielhafen durch Schließlich wird es unter Triumph bis zu den Bermudas geschleppt. Die deutsche Besatzung geht in Gefangenschaft. Und fast noch schlimmer: Auch alle Geheimunterlagen, darunter sogar eine der neuesten Schlüsselmaschinen „Enigma“ mit vier (!) Walzen, fallen dem Feind in die Hände. Lieutenant David erhält später die Medal of Honor.

Damit hat die US Navy einen der gefürchteten „Wölfe“ erbeutet, die der amerikanischen Seeschifffahrt während des Krieges auf dem Atlantik, im Nordmeer, vor Kanada, aber auch in der Karibik immensen Schaden zugefügt hatten. Und der Kampf gegen die deutschen U-Boote erhält wegen der nun stets den Funkverkehr mitlesenden Gegner eine neue und tödliche Dimension. U 505 gehört zur U-Boot-Klasse IX C-40, die, anders als die vielbeschriebenen Boote der Klasse VII C, speziell für Langzeitfahrten in entfernte Seegebiete konzipiert und gebaut werden.

Vom Jäger zum Gejagten: Ein Boot der Klasse IX musste auftauchen und wird nun von einem Flugzeug bombardiert; dieser Einschlag sitzt schon empfindlich nah


„Nazi Submarine“: U 505 wird 1944 von amerikanischen Schiffen aufgebracht, in die USA geschleppt und landet schließlich im Museum, wo dieses Schild an das Ereignis erinnert


Ein neues Konzept

Die Klasse IX avanciert im Verlauf des Seekrieges 1939 bis 1945 nach den VII-C-Booten zur meistgebauten Serie. Es gibt am Ende sieben stets etwas verbesserte Unterklassen, angefangen von U-Klasse IX A über B, C bis hin zu D1, D2 und D42.


Glücksfall für die US Navy: Ihr fällt ein unversehrtes Klasse-IX-Boot in die Hände.


Erste Forderungen noch von der Reichsmarine, ein U-Boot mit großer Seeausdauer zu konstruieren, stammen bereits aus dem Jahr 1934. Es solle in der Lage sein, im Mittelmeer zu operieren und dortige Seeverbindungen zu stören. Warum ausgerechnet Mittelmeer und welche Handelswege dort gestört werden sollten, ist unklar. Denn zu dieser Zeit darf Deutschland aufgrund des Versailler Vertrages noch keine Unterseeboote besitzen. Erste Versuchsboote entstehen aber derweil schon in Spanien und Finnland. Nach dem deutsch-englischen Flottenabkommen von 1935, dem Beginn der Wiederaufrüstung und dem vom Oktober 1938 stammenden Marinebauplan „Z“ ändert sich dies schlagartig. In diesem ist der Bau von 249 U-Booten vorgesehen.

Angelehnt an den bereits existieren U-Boot-Typ I A legt das Konstruktionsamt (K) der Marine einen ersten Entwurf mit der Bezeichnung IX vor – ein Boot mit einer Reichweite von stolzen 10.000 Seemeilen pro Einsatz. Noch in guter Erinnerung sind die im Ersten Weltkrieg eingesetzten U-Boote UC II/III und UB III, die als Handelsund Fern-U-Boote die britische Blockade durchbrechen sollten. Im Juli 1936 wird ein erster Bauauftrag für vier Boote der Klasse IX (U 37 bis U 40) an die Werft Deschimag Bremen vergeben. Nach erneuter Überarbeitung entsteht der endgültige Entwurf für die Klasse IX: Das U-Boot soll 740 Tonnen verdrängen, 75 Meter lang sein und eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten erreichen. Bei zehn Konten pro Stunde ist ein Fahrbereich von 11.000 Seemeilen anvisiert (oder 15.000 Seemeilen bei acht Knoten).

Der nun einsetzende ungebremste Serienbau von U-Booten durch die Marinewerften führt bis 1943 über die bereits erwähnten fünf Varianten zu insgesamt 243 geplanten U-Booten der Klasse IX. Das ins Auge gefasste Einsatzgebiet ist nun nicht mehr das Mittelmeer, sondern der Nord- und Südatlantik, die Ostküste der Vereinigten Staaten, Kanada, Südamerika, die Karibik, West und Südafrika und sogar der Indische Ozean. Dann allerdings nur mit Unterstützung von Tankschiffen und Versorgern.

Die Bewaffnung besteht im Prinzip aus vier Bugtorpedorohren, zwei Hecktorpedorohren, zwölf Torpedos im Innenraum zum Nachladen und zusätzlichen Aalen in druckfesten Behältern an Oberdeck. Außerdem verfügen die Boote über eine 10,5-cm-U-Boot-Kanone, eine 3,7-cm-Flak und ein 2-cm-MG C/30. Doch sehr schnell stellt sich während der Fronteinsätze heraus, dass diese Bewaffnung bei Weitem nicht ausreicht. So verzichtet man ab 1943 auf das 10,5-cm-Geschütz, montiert aber gegen Ende des Krieges zusätzlich einen bei alliierten Flugzeugbesatzungen gefürchteten 2-cm-Vierling. Natürlich ist auch die Mitnahme von Minen vorgesehen, dies aber vor allem bei späteren Varianten der U-IX-Klasse.

Der Zerstörer USS Chatelain nimmt Überlebende von U 505 an Bord, während andere Navy-Soldaten das U-Boot im Triumph in die USA überführen


243 U-Boote des Typs IX werden zwischen 1937 und 1944 insgesamt gebaut


Mehr Platz, mehr Reichweite

Bereits im August 1938 kann die Kriegsmarine mit U 37 das erste Boot der Klasse IX in Dienst stellen. Bauwerften sind die Deschimag-Werft in Bremen und die Deutsche Werft Hamburg. Am Ende hat die Marine 194 Boote im Fronteinsatz.

Die auffallendsten Unterschiede zu den VII-C-Booten sind zum einen die schlankere und längere Bauweise (rund 76 Meter) und die höhere Verdrängung, die um die 1.100 bis 1.500 Tonnen liegt. Zum anderen fehlen die beidbordigen Satteltanks der VII-C-Boote; stattdessen ist der Bootskörper mit einer Doppelhülle versehen, die mehr Sicherheit bei Nahtreffern von Wasser- und Fliegerbomben bieten soll, aber vor allem der Aufnahme größerer Treibstoffmengen dient. Dadurch erhöht sich die Seeausdauer auf über 10.000 Seemeilen. Den Turm haben die Ingenieure weiter nach achtern verlagert.

Für die 48-köpfige Besatzung (bis zu 60 Mann bei Verstärkung der Luftabwehr) ist in dem nun längeren Boot deutlich mehr Platz. So lässt es sich darin einigermaßen aushalten, wenn Feindfahrten bis nach Kanada, New York, in die Karibik und den Südatlantik führen. Dies vor allem, seitdem die Kriegsmarine französische Häfen nutzen kann. Bei den Ferneinsätzen versenken die U-IX-Boote zunächst zahlreiche Schiffe, weil vor den Ostküsten Amerikas die U-Boot-Abwehr kaum ausgebaut ist. Kein Wunder, dass die dort einzeln handelnden Boote vom Typ IX C oftmals arglose Handelsschiffe überraschen und auf den Meeresgrund schicken können.

Grundsätzlich gilt, dass die U-Boot-Klasse IX sehr gute Seeeigenschaften besitzt. Allerdings bewirkt die größere Tonnage, dass die Boote nicht so schnell abtauchen können wie die VII-C-Klasse. Zwar ist man beim Alarmtauchen nach nur 35 Sekunden unter der Wasseroberfläche verschwunden, aber das reicht bei plötzlichen Flugzeugangriffen kaum aus. Nachweislich werden die meisten U-Boote noch in der Phase des Abtauchens aus der Überwasserlage von Fliegerbomben getroffen und vernichtet. Die Einführung des Schnor- chels, der den Dieselmotoren Frischluft auch in Unterwasserfahrt zuführen soll, hilft ebenfalls kaum noch, weil die Radartechnik der Alliierten sich sprunghaft weiterentwickelt.

TECHNIK

Turm und Waffen


Bug des U-Bootes mit vier Torpeoausstoßrohren (53,3 cm)
10,5-cm-Geschütz (im Verlauf des Krieges ausgebaut zugunsten anderer Geschütze)
3 Zwei Periskope (ausfahrbare Sehrohre)
4 Achtere Plattform, genutzt als zeitweiliger Aufenthaltsort und Standort von Fla-Geschützen
5 Kommandoturm mit Zentrale bzw. Kontrollraum, dem Herzstück des Bootes (oben: Hauptausstiegsluke)

U 505 steht nach 1954 zunächst vor dem Museum of Science and Industry, Chicago (rechts), zieht dann ins Innere um und präsentiert sich heute als beeindruckendes Großexponat in einer eigenen Halle


Wenn die schlanken Klasse-IXBoote an der Oberfläche fahren, pflügen sie im Durchschnitt mit 18 Knoten durch die Wellen, getaucht in der Schleichfahrt erreichen sie mit den E-Maschinen immerhin noch 7,7 Knoten. Die Konstruktionstauchtiefe beträgt 150 Meter.


Die Kriegsmarine kann große Erfolge erzielen – zahlt aber einen hohen Preis.


Die Besatzung von 48 Mann setzt sich zusammen aus vier Offizieren, sechs Portepee-Unteroffizieren, neun Maaten und 29 Mannschaften. Als die Flugzeuggefahr über See in der Mitte des Krieges zunimmt, verstärkt man die Artillerie der Boote und nimmt deshalb bis zu zwölf Mann zusätzlich für die Geschützbedienungen an Bord. Fast alle U-Boote der Klasse IX kommen unmittelbar nach ihrer Indienststellung zu Fronteinsätzen, die sie als Einzelfahrer bestreiten. Am Ende können sie eine beeindruckende Bilanz vorweisen: Mehr als jedes dritte versenkte Handelsschiff geht auf ihr Konto.

Doch für diese Erfolge müssen sie auch bitter bezahlen. Weil die alliier- ten Flotten ihre Ortungstechnik und Abwehrwaffen laufend verbessern, haben die deutschen U-Boote immense Verluste – auch die Klasse IX. Von den 194 Frontbooten gehen 160 (also 88 Prozent) vor dem Feind verloren. Nur ein geringer Teil der Besatzungen wird dabei gerettet und überlebt den Krieg in Gefangenschaft.

Innenansichten von U 505. Links der vordere Torpedoraum, der natürlich auch etliche Kojen aufnehmen musste, rechts der Maschinenraum mit seinem Gewirr an Anzeigen und Leitungen


Dieter Flohr, Jahrgang 1937, ist Fregattenkapitän (Ing) a. D., Presseoffizier der Volks - marine, Schifffahrtsjournalist und Buchautor u. a.


Erinnerungen bleiben

Auch die U-Boot-Männer der Klasse IX müssen im Verlaufe des Seekrieges einen unermesslichen Blutzoll hinnehmen. Trotz aller Propagandaerfolge und der durchaus hohen Versenkungsziffern von Handelsschiffen der Alliierten erleiden von den insgesamt 33.000 deutschen U-Boot-Männern fast 30.000 in ihren Eisensärgen einen grausamen Seemannstod. Sie werden Opfer einer verbrecherischen Ideologie und des Wahns eines Großadmirals Dönitz, der meinte, die Anti-Hitler-Koalition durch die völlige Lahmlegung ihrer Seeverbindungen in die Knie zwingen zu können. Das Andenken all jener Toten wird im U-Boot-Ehrenmal Möltenort bei Kiel in würdiger Form gewahrt.

Wer heute ein U-Boot der Klasse IX besichtigen möchte, muss eine ebenso weite Reise antreten, wie die Originale sie zu Kriegszeiten mitunter auf sich genommen haben. Denn die US Navy hat das eingangs erwähnte U 505 nicht nur aufgebracht, sondern anschließend wieder seegängig gemacht, umfangreich erprobt und als Versuchsboot USS Nemo erneut in Dienst gestellt. 1954 kam das Boot schließlich nach Chicago ins Museum of Science and Industry, wo es noch heute von zahlreichen Besuchern bestaunt werden kann.

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

U 505


Typ IX C
Werft Deutsche Werft Hamburg/ Deschimag AG Weser Bremen/ Seebeckwerft Wesermünde
Kiellegung 12. Juni 1940
Indienststellung 26. August 1941
Einsätze 8
Versenkungen 8 Handelsschiffe (44.962 BRT)
Verdrängung 1.144 t ü. W.
Länge 76,5 m
Breite 6,51 m
Tiefgang 4,7 m
Antrieb 2 MAN-9-Zyl.-Viertakt-Dieselmotoren mit je 2.200 PS (1.620 kW) / getaucht 2 Elektromotoren mit je 500 PS (370 kW)
Geschwindigkeit ü. W. 18,2 kn / u. W. 7,7 kn
Reichweite 13.850 sm ü. W. / 63 sm u. W.
Torpedorohre 6 x 53,3 cm
Torpedos 22 oder 66 Minen
Artillerie 1 x 10,5 cm, 1 x 3,7-cm-Flak, 1 x 2-cm-Flak
Tauchtiefe max. 150 m
Alarmtauchzeit 35 s
Besatzung 48 Mann


Abb.: SZ Photo (2), ullstein bild (2), BArch 101II-MW-3926-15, Sammlung D. Flohr (2)

Abb.: Sammlund D. Flohr (3), Archiv M&

Abb.: Chicago Museum of Science and Industry (4)