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Wahn & Sinn


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Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 21.04.2022

Brasilien an der Ostsee

»Runter da!«, ruft der Kerl und gestikuliert so wild, dass vor Schreck ein paar Möwen auffliegen. Er ist eindeutig zu laut, um im Hotelgewerbe zu arbeiten. Mit schweren Schritten geht er auf die junge Familie zu. »Runter da!«, wiederholt er. Und schiebt nach: »Die Buhnen sind nicht zum Spielen da!«

Nun entlarvt sich der Hinterwäldler. Ein Foto am Strand zu knipsen, ist doch kein Spielen! Seine Follower und Friends bei Snapchat, Tiktok und Instagram permanent mit neuem Material zu versorgen, ist harte Arbeit. Vor allem an der Ostsee, wo jeder Strand gleich aussieht und kaum interessante Motive bietet. Boltenhagen, Kühlungsborn, Zingst: Da ist die Düne, der Sand, das Meer. Baden geht noch nicht so richtig, Strandkörbe stehen noch nicht und ein Selfie mit Cocktail ist auch nicht drin, weil die Strandbars noch in irgendwelchen Lagerhallen liegen. Da bleiben ja eigentlich nur die ...

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Bildquelle: Das Satiremagazin EULENSPIEGEL, Ausgabe 5/2022

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... Buhnen für etwas Abwechslung.

Ein Mann, den sie Pferd nannten

Er hatte das Entwurmungsmittel vor drei Stunden genommen. Es sollte gegen sämtliche Krankheiten helfen. Er lief um den Tisch. Schnaubte. Ging in einen leichten Trab über. Dann in den Galopp. Er war frei. Er war ein Hengst. Das Entwurmungsmittel, eigentlich für Pferde gedacht, wirkte. Er riss die Tür auf. Er wollte nach draußen, um die Weite zu spüren. Ein Wiehern zwängte sich durch seinen Hals, bevor er sich in den Sonnenuntergang davonmachte.

GR

Frühlingser wachen

Die Schneeglöckchen begleiteten im Februar den Winterausklang, und jetzt läuten die Maiglöckchen den Frühling ein. Diesmal aber freue ich mich besonders auf die blühenden Frühlingsboten. Ich habe nämlich für die Maiglöckchen einen neuen Klingelton heruntergeladen.

EH

Umbenennung

Angesichts der Tatsache, dass der Mensch die Erde und auch sich selber gnadenlos ausbeutet und auslaugt, kann man ihn treffend als »Krone der Erschöpfung« bezeichnen.

OL

Veranlagung

Kinder von Eltern werden sehr oft selbst zu Eltern.

WR

Nirgendwo

Ich hielt an, denn da stand eine Tramperin. Hier, mitten im Nirgendwo.

»Sie haben aber Glück, dass ich vorbeikomme«, sagte ich.

Sie sah mich mit großen Augen an.

»Soll ich Sie irgendwohin mitnehmen?«, fragte ich.

Sie nickte und verstaute ihren

Rucksack auf der Rückbank. Ich fuhr los. »Sie reden wohl nicht gerne, was?« »Ich will einfach fort von hier.« »Und wohin?« »Irgendwohin.« »Ja, hier im Nirgendwo will niemand bleiben.« »Wissen Sie, wie lange wir brauchen?« Ich sah auf die Uhr. »Irgendwann werden wir schon ankommen«, sagte ich.

»Das habe ich mir gedacht.« Ich fuhr über eine Bodenwelle. »Wissen Sie denn schon, was Sie irgendwo machen wollen?« »Irgendwas.« Ja, das wollten sie alle. Irgendwie irgendwohin kommen, um irgendwas zu machen. Später vielleicht irgendwen heiraten. Im Nirgendwo hatten sie keine Zukunft. Ich hielt an. »Wir sind irgendwo«, sagte ich. »Hier?« Sie sah sich erstaunt um. »Es sieht irgendwie nach … irgendwas aus.«

»Irgendwann gewöhnt man sich daran«, sagte ich und fuhr weiter. Ich sah ihre Gestalt im Rückspiegel. Irgendwie rührend, wie sie dort stand und in ihre Tasche griff.

Wahrscheinlich suchte sie irgendwas.

GR

Welche Geschichte?

Mein Name ist Benjamin Wolf. Aber das tut nichts zur Sache, denn in dieser Geschichte geht es nicht um mich. Warum dies so ist, kann ich nicht sagen, denn ich kenne die Geschichte nicht, weshalb es vermessen wäre, wollte ich versuchen, sie zu erzählen. Ich weiß weder, wann oder wie sie begonnen hat, noch unter welchen Umständen sie zu Ende ging, auch nicht, ob sie überhaupt jemals zu Ende war oder sein wird. Mir ist ebenfalls nicht bekannt, ob diese Geschichte schon einmal erzählt wurde. Eigentlich deutet nichts darauf hin. Wahrscheinlich ist sie völlig unbekannt. Das würde jedenfalls erklären, dass es niemanden gibt, der schon einmal von dieser Geschichte gehört hat. Schade. Ich hätte die Geschichte gern erzählt.

WR

Millionärsformel

Nach seinem internationalen Abschluss an der renommierten School of Finance hat Business-Peter jetzt die »Gib-mir-dein-Geld-Formel« erfunden. Sie lautet: »Gib mir dein Geld!« Das finde ich überzeugend und reiche ihm zwanzig Euro sowie ein paar Tankgutscheine. »Die Formel basiert auf dem Prinzip des ›cash grabs‹«, erklärt Business-Peter geschäftig. Erstmals fasst er damit Bedarf und Nachfrage einseitig zusammen – der Erfolg spricht für sich: Villa, Sportwagen, Yacht mit Model-Freundin.

Ich versuche es auch gleich mal … zwei Euro und dreißig Cent, immerhin. Nur leider kommt Business-Frank wenig später mit der »Gib-mir-mein-Geld-zurück-sonst-hau-ich-diraufs-Maul-Formel« um die Ecke. Auch die wirkt sehr überzeugend.

Da wird mir klar, was mir fehlt: eine eigene Formel und ein Eckzahn.

MAG

Hier spricht der Fachmann

Zuerst vertrieseln wir den Außenfutz, dann muss unverzüglich das Hauptseloms an die Seitentritsche angezülpt werden – aber Vorsicht: nie die Überlapse vor dem Endbröfel einwemmeln, sonst besteht die Gefahr einer Längsverschnipfung! Die kriegen Sie nie wieder raus, es sei denn, Sie märseln das ganze Innenverschrulf noch einmal an die Querplotze. Aber wer hat dafür schon genügend Haltesimsel im Vorratsmulf?

Besser ist es deshalb, gleich den Spannwopf in die Hilfsdrösel einzubramseln und alle überstehenden Hupfel sauber mit Ausgleichskrotz wegzupirfeln. So entsteht IE nicht nur ein harmonisches Gesamtfoms, sondern Sie haben auch ein Brümmel, das noch lange und reibungslos für Sie plimseln wird.

Und vielleicht kommt jetzt endlich auch der Redakteur zurück, den ich hier als Haushandwerker während seines Toilettengangs vertreten musste!

RU

Übereinstimmung

Er: »Ich habe das Gefühl, ich rede oft ziemlichen Unsinn.« Sie: »Aber manchmal sagst du auch ganz richtige Dinge.« Er: »Ach ja, zum Beispiel?« Sie: »Na, das gerade eben.«

PF

Gut gesucht

Wenn ich abends nach Hause komme, finde ich nie einen Parkplatz. Aber heute hatte ich Glück. Direkt vor meiner Haustür gab es einen freien Platz. Nur leider stand heute mein Wagen in der Werkstatt.

EH

Neue Berufsbilder

• Waldbademeister

• Steckenpferdjockey

• Ehegespannführer

• Zeitfensterputzer

• Schnitzeljagdaufseher

• Scheineheberater

• Sonnenbankangestellter

• Steckbriefträger

HK

Überwiegend Rahm

Auf die Frage »Alles in Butter?« zähle ich immer die Inhaltsstoffe auf.

Die großen Fragen

• In welcher Jahreszeit lohnt sich eine eigene Meinung am wenigsten?

• Warum wird Gemüse nicht nach unterirdisch, ebenerdig und überirdisch sortiert?

• Wann wird die Zeitschrift »Zuhause wohnen« als Affront gegen Obdachlose entlarvt?

Leute heute: Herr Möllermüller

Die besten britischen Biere

• Pausch-Ale

• Sand-Ale

• Rand-Ale

• Fin-Ale

AM

Herr Möllermüller hatte einen Schatten. Eines Abends, als er durch eine stockfinstere Seitenstraße ging, nutzte der die Gunst des Augenblicks und machte sich auf und davon, ohne dass es Herr Möllermüller merkte. Sein Schatten ging fortan eigene Wege. Gern lag er im Dunkeln auf der Lauer und stob plötzlich hervor ins Licht einer Straßenlaterne, um Passanten zu erschrecken. Einen Heidenspaß machte es ihm auch, eine hell erleuchtete Straße langsam zu überqueren oder vor einem Fußgänger herumzutänzeln. Irgendwann wurde es ihm langweilig, und er kehrte zu seinem Herrn zurück. In der Finsternis heftete sich der Schatten verkehrt herum an, aber selbst das merkte Herr Möllermüller nie.

PK

3G-Überfall

Der Küchenchef informiert Topflappen braucht im Grunde kein Mensch. Mittelmäßige Flappen reichen völlig aus.

IVEN EINSZEHN (IE), PATRICK FISCHER (PF), MAZYAR GHEIBY (MAG), EDE HOLZWICK (EH), PETER KÖHLER (PK), HARALD KRIEGLER (HK), OVE LIEH (OL), ANDREAS MAIER (AM), WOLFGANG RIEKE (WR), GUIDO ROHM (GR), BERNHARD SPRING (BS), REINHARD ULBRICH (RU)

EH

Es sollte ein 3G-Banküberfall werden. »Geimpft?«, fragte ich Nelson, der den Fluchtwagen fuhr. »Getestet.« Ich zog meine Waffe und hielt sie ihm an den Kopf. »Zeig her!« »Ich fahre, du Idiot. Das Ergebnis ist in meinem Handy. Rechte Tasche.« Ich zog es vorsichtig raus. »Passwort?«, fragte ich. »Bekommst du nicht«, sagte er. »Kein Ding ohne Test aus einem Testzentrum.« Ich drückte den Lauf an seine Schläfe. »Das Passwort!« »Und was ist mit dir?«, fragte er. »Geimpft. Biontech.« »Kann jeder sagen.« Ich zog mein Hemd aus und zeigte ihm meinen Oberarm. »Hier haben sie reingestochen. Genau hier!« »Das kann man nicht mehr sehen. Ich will deinen Impfausweis.« Ich biss die Zähne zusammen. »Vergessen«, sagte ich. Er trat auf die Bremse. »Vergessen?« »Okay«, sagte ich, »wir verschieben es.« GR

AM