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Wahn & Sinn


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Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 25.05.2022
Artikelbild für den Artikel "Wahn & Sinn" aus der Ausgabe 6/2022 von Das Satiremagazin EULENSPIEGEL. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Das Satiremagazin EULENSPIEGEL, Ausgabe 6/2022

Meine Schokoladenseite? Die ist innen.

MAG

Wie einmal mein Wissen rapide veraltete

Ich hatte ja schon oft davon gehört, dass die Halbwertszeit unseres Wissens immer kürzer wird, dachte jedoch nie, dass mich das im Alltag betreffen könnte. Dennoch stand ich eines Morgens an der Tür meines Vorgartens und wusste nicht, in welche Richtung ich gehen musste, um zu meiner Arbeitsstelle zu gelangen. Das Wissen über meinen Arbeitsweg war völlig veraltet bzw. wegen der Halbwertszeit halbiert worden und wahrscheinlich war dadurch ausgerechnet die erste Hälfte des betreffenden Wissens weg. Ab einem bestimmten Punkt hätte ich vielleicht sogar noch ins Büro gefunden. Da durchfuhr mich ein Gedanke wie ein … na so ein Ding, das bei Gewitter immer so hell leuchtet. Es gab doch jetzt da dieses Dingens, wo man nachgucken konnte, wenn man etwas nicht wusste. Ich nahm dieses flache Gerät mit dem großen Display aus der ...

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... Jackentasche, Sie wissen schon welches, und schaltete es ein. Das konnte ich noch, denn ich hatte in meinem Leben schon so oft solche Dinger eingeschaltet, dass ich sogar noch mit der Hälfte meines Wissens darüber zurechtkam. Ich war sozusagen auf einem Wissensvorsprung zu stehen gekommen und konnte mich zurücklehnen. Ich musste das sogar, sonst wäre ich nach vorn abgestürzt vom brüchigen Gebäude meines Wissens und hätte bisherige Annahmen über meine Halbwertszeit ad absurdum geführt. Als das Display hell leuchtete, wusste ich nicht weiter, denn mein Wissen darüber, was ich eigentlich tun wollte, war längst überholt. In der Halbwertszeitschleife gefangen, begann ich zu zucken und schreckte hoch. Gott sei Dank, ich war längst im Büro und der Arbeitstag hatte schon seine Halbwertszeit erreicht. Ab diesem Moment verlief mein Tag wieder wie gewohnt, weil mein Wissen darüber, dass mein Wissen eine immer kürzere Halbwertszeit hätte und rasend schnell veraltete, wurde genau von diesem Schicksal ereilt. Und was man nicht weiß, das macht einen nicht …, na … Sie wissen schon, also es hindert einen jedenfalls nicht daran, nach Hause zu gehen, oder?

OL

Dubioses Fleischgericht

Beim letzten Mal im Restaurant war ich mir nicht sicher, ob ich sagen soll: »Können Sie den Rest für den Hund einpacken?« oder: »Können Sie den Rest des Hundes einpacken?«

IM

Seitenwechsel

Konnte man vor ein paar Jahren noch davon ausgehen, dass jemand, der allein vor sich hinredet, ein Problem hat, so kann man jetzt getrost annehmen, dass er telefoniert. Man sieht sie nicht, den kleinen Knopf im Ohr und das Mikrofon am Kragen. Die Verrückten sind also gut getarnt unter den vielen, die mit Freisprecheinrichtung telefonieren. Ich persönlich begrüße diese Entwicklung. Denn ich habe mit dem Älterwerden entdeckt, wie wohltuend es sein kann, ab und zu ein paar Worte an sich selbst zu richten.

WR

Homo ludens

Der Spieleabend beim Philosophenpärchen war sehr amüsant. Besonders gut gefallen haben mir die Spiele »Mensch, beherzige die zentralen Einsichten der Stoa« und »Stadt, Land, wässrige Entität von einer gewissen Mindestlänge«.

AM

Du sollst nicht Ehe brechen

Meine Ehelosigkeit werde ich mir als praktizierender Katholik noch zu Nutzen machen. Wenn ich vor dem Jüngsten Gericht stehen werde, plädiere ich für Strafmilderung: Zumindest gegen eines der 10 göttlichen Gebote habe ich nicht verstoßen.

GP

Steuerrecht

Veranlagungspflichtige, die ihre Einkommensteuererklärung abgeben, indem sie die Unterlagen aus einer Drehbewegung heraus mit großer Wucht auf den Schreibtisch des zuständigen Finanzbeamten schleudern, gelten als Fiskuswerfer. Eine Befreiung vom Hebesatz trifft für sie i. d. R. nur bei Flachwürfen zu.

AM

Auf der Hut

Hüte gibt es in insgesamt 1177 verschiedenen Farben. Abzugrenzen sind Hüte von den Haubitzen. Die Anfänge des Huts verlieren sich im Dunkel der Frühzeit und/oder auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Das erklärt auch, warum Hüte so bodenständig sind, denn nicht wenige von ihnen »müssen das Haus hüten«.

Die beiden schönsten Hüte, die jemals gebaut wurden, gehörten Marie Joséphine Anatole Élisabeth Gräfin Krawehl. Marcel Proust hat den beiden seinen vieltausendseitigen Roman »Auf der Suche nach dem verlorenen Hut« gewidmet, Friedrich Nietzsche inspirierten sie zu der Schrift »Jenseits von Hut und Böse«, und Jean-Paul Sartre soll bis ins hohe Alter Mütze-Glatze gespielt haben. Wer da nicht hut de suite Französin werden möchte, der lässt es sein.

In Österreich gibt es die Redewendung »grinsen wie ein Hutschpferd«. Ob das Pferd den betreffenden Hut legal erworben hat oder nicht doch ein Klauschpferd ist, konnte uns Magister Melange vom Wiener Innenministerium leider nicht sagen. Wir beantragen daher die Inobhutnahme des Tiers bzw. die Inobtiernahme des Huts und beschäftigen uns demnächst mit einer Kopfbedeckung, die sich bislang nur in Belgien durchsetzen konnte: dem Schuh.

AM

Inkonsequent?

In der Erziehung haben es Eltern nicht immer leicht. Dem kleinen Kind, das keine Mütze aufsetzen will, sagen wir: »Schau mal, Mama hat eine Mütze auf, Papa hat eine Mütze auf, Opa auch. Alle haben eine Mütze auf.«

Einige Jahre später, wenn aus dem kleinen Kind ein Jugendlicher geworden ist und dieser klagt: »Alle andern dürfen bis Mitternacht bei der Fete bleiben, nur ich nicht«, dann kontern wir Eltern gern: »Es interessiert mich nicht, was andere machen. Du bist um 22:00 Uhr zu Hause.«

Das mag zunächst inkonsequent klingen, aber recht betrachtet gehen Mama, Papa und auch Opa um 22:00 Uhr ins Bett.

EH

Schwanger

Weil schwangere Frauen gewisse Vorteile genießen, hat es sich Inge zur Angewohnheit gemacht, seit drei Jahren im neunten Monat schwanger zu sein, wenn sie z.B. einkaufen geht. Zwar stört der Kunstbauch ein wenig, aber man lässt sie an der Kasse unbedingt vor, wenn sie stöhnt: »Ich glaube, es kommt gleich.« So ergeht es ihr auch bei anderen Gelegenheiten, etwa wenn sie von einem Mann angesprochen wird, den sie nicht kennenlernen möchte. In einem solchen Fall streichelt sie den Bauch und sagt: »Schatz, dein zukünftiger Papa ist da!« Und schon hat sie Ruhe.

So hat Inge über die Jahre eine völlig neue Form der freudigen Erwartung geschaffen: die dauerhafte Ausgehschwangerschaft.

GR

Gehobener Durst

Uschi war immer mit unserem Wasser aus der Leitung zufrieden, aber seit ihrer letzten Rentenerhöhung von sieben Euro fuffzig glaubt sie, sich in eine höhere Gesellschaft von Wassernutzern einloggen zu können. Nun haben wir im Internet gestöbert, was uns alles an Genüssen entgeht. Wenn unser Rentenkonto weiter so anschwillt, greifen wir unbedingt zum »Acqua di Cristallo Tributo a Modigliani«, das schon für glatte 55 000 Euro zu haben ist. Die Flasche ist mit 24 Karat Gold überbezogen und besteht nicht aus Keramik wie unsere primitiven Trinkgefäße. Vorerst bringen uns allerdings schon die gängigen Wassersorten in Verlegenheit, so das »Pineo Mondwasser« (bei Mondschein abgefüllt) für 2,25 Euro das Fläschchen. Oder »Bling« für 40 Euro oder das »Svalbardi Wasser« für 80 Euro die Flasche. Uschi ist jedenfalls fest entschlossen, ins gehobene Wassermilieu einzusteigen, koste es, was es wolle. Vermutlich reicht es aber, wenn wir bei den steigenden Preisen einfach die nächste Wasserrechnung abwarten.

AS

Die großen Fragen

• Was ist der Unterschied zwischen Rohr und Röhre?

• Ist der Begriff »Schwarte« für ein dickes Buch diskriminierend?

• Wieso gibt es Zuckerwürfel, aber keine Salzwürfel, obwohl damit beim Kochen eine exakte Dosierung möglich wäre?

• Empfinden auch Sie Hodensäcke als unhöflich?

IM

Der Nebel

»Hallo!«, rief ich in den Nebel hinein.

Ich versuchte, etwas zu erkennen. Nichts zu machen. War das da vorne ein Baum? Eine Person?

Plötzlich erwiderte jemand: »Hallo!«

»Wo sind Sie?«, fragte ich. »Hier.« »Wo? Ich kann Sie vor lauter Nebel nicht sehen.« »Ich bin der Nebel.«

Ich zuckte zurück. Da trieb jemand seine Scherze mit mir. »Der Nebel?« »Ja. Ich ziehe durch die Gegend. Zum Teil auch um die Häuser. Und zum

Teil liege ich auch nur rum. Multitasking.« Eine Art Lachen folgte.

»Unsinn. Zeigen Sie sich!«, sagte ich.

»Ich zeige mich doch.

In meiner ganzen nackten Pracht. Gefalle ich Ihnen?«

Ich kniff die Augen zusammen und sagte: »Ich gehe jetzt weiter.«

»Oh«, sagte der Nebel, »du dringst in mich ein.

Wunderbar. Ich mag das.«

Ich blieb stehen. »Unterlassen Sie solche

Anspielungen!« »Anspielungen?«, sagte die Stimme. »Wenn du nicht kommst, komme ich eben.«

Mit einem Mal stand ich im Nebel.

»Und schon sind wir Freunde.«

Ich drehte mich verwirrt im Kreis. Meine Hand – ich konnte sie nicht mehr sehen.

»Meine Hand!«

»Die ist in mir«, sagte der angebliche Nebel. »Oh, du böser Schlingel, das ist ganz mein Ding.«

Ich musste hier weg.

Ich war offensichtlich an einen äußerst fragwürdigen Nebel geraten.

GR

Was macht(e) eigentlich …

MiG Checker ist Bordmechaniker bei der Luftwaffe.

Leonardo DiCabrio bastelt an seinem Auto mit offenem Verdeck.

Kohl Porter braute das süffige Weißkohlbier.

Schon Penn ist als Schlafforscher tätig.

Wuppi Goldberg hebt Barren in Fort Knox.

Kies Richard handelt mit Baustoffen.

HK

Wer’s findet, darf’s benennen

Er war kein Paläoanthropologe, wusste nicht mal, was das ist. Aber immerhin hatte er und keiner dieser Fachidioten das hier ausgegraben. Bei diesem Fund handelte es sich eindeutig – da musste er gar nicht erst am Smartphone recherchieren – um eine bislang unentdeckte, ausgestorbene Art der Gattung Homo. Das bedeutete, er allein durfte nun einer ganzen menschenartigen Art den Namen geben. Aber welchen? Nach der Statur, wie beim Homo erectus, dem »aufgerichteten Menschen«? Dieses Relikt war eher bucklig, ein Homo curvus. Vielleicht sollte er es besser nach einer Eigenschaft benennen, wie beim »geschickten« Homo habilis oder bei uns, dem »wissenden« Homo sapiens. Aber er kannte die spärlichen, grade erst mit dem Spaten aus der Erde gekratzten Überreste noch nicht gut genug, um ihre Fähigkeiten einschätzen zu können. Auch die anderen Tricks der Artenbenennung – zum Beispiel nach der Stammesgeschichte (Homo antecessor, der »Vorläufer«) oder dem Angestelltenverhältnis (Homo ergaster, der »Arbeitende«) – kamen ihm wenig brauchbar vor. Dann nach dem Fundort, wie bei den good old Homines floresienses, rudolfenses oder heidelbergenses. Das bedeutete in diesem Fall: Willkommen, Homo hinterhofensis! Schließlich hatte Peter Peinschinger das Fossil im Garten hinterm Haus beim Umstechen des Gemüsebeetes gefunden. Nachtrag: Später stellte sich heraus, dass es sich nur um einen alten, vergrabenen Regenschirm gehandelt hatte. Schade.

JM

Immerhin

Lieber ’ne ordentliche moralische Messlatte als gar keine Erektion.

PF

PATRICK FISCHER (PF),

MAZYAR GHEIBY (MAG),

EDE HOLZWICK (EH),

HARALD KRIEGLER (HK),

OVE LIEH (OL),

ANDREAS MAIER (AM),

IVANESCU CEL MARE (IM),

JÜRGEN MIEDL (JM),

GUIDO PAULY (GP),

WOLFGANG RIEKE (WR),

GUIDO ROHM (GR),

ALFRED SALAMON (AS)