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WAHRE LIEBE & CO. KG


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 06.10.2021

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Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 11/2021

Gerlinde und Andreas Lochner betreiben in Berlin zusammen die ?Weinwirtschaft Lochner?

Gegensätze ziehen sich an? Falsch! 61 % der Deutschen wünschen sich einen Seelenverwandten als Partner. Quelle: Statista

Manchmal ist es nur ein Lächeln, das Roland Mertin seiner Frau Bärbl zuwirft, wenn sie sich auf den Gängen ihres Gartencenters begegnen. Oder er streichelt ihr im Vorbeilaufen über den Arm. „Solche liebevollen Gesten bedeuten mir viel“, sagt Bärbl Mertin. „Sie machen mir bewusst, wie innig und harmonisch unsere Beziehung ist.“ Die beiden sind seit 28 Jahren nicht nur privat ein Paar, sondern auch beruflich. „Geplant war das nie, das hat sich einfach so ergeben“, erzählt Bärbl. Beide kennen sich schon seit der gemeinsamen Schulzeit.

Beim Klassentreffen funkt’s wieder

Mit 14 erleben sie gemeinsam die erste zarte Liebe. Nach der Schule trennen sich ihre Wege. Beide heiraten, Roland bekommt eine Tochter, Bärbl eine Tochter und einen Sohn. Erst mit 30 begegnen sie sich bei einem ...

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... Klassentreffen in Rosenheim wieder. Zu diesem Zeitpunkt sind beide geschieden und Single. Bärbl lebt mit ihren Kindern in Bad Hersfeld und hat als Alleinerziehende so wenig Geld, dass sie alte Sachen auf dem Flohmarkt verkaufen muss, um sich die Autofahrt nach Rosenheim leisten zu können. Eigentlich will sie bei einer Freundin übernachten, doch als sie Roland im Juli 1993 auf der Party wiedersieht, funkt es sofort. „Wir haben uns auf Anhieb so gut verstanden, dass ich nach der Feier bei ihm blieb. Seitdem sind wir ein Paar.“ Fünf Monate später zieht sie mit ihren Kindern bei Roland ein.

Ein eingeschworenes Team

Der gelernte Gärtner hatte damals seit knapp einem Jahr seinen Traum vom eigenen Blumenladen verwirklicht. Bärbl, die gelernte Bürokauffrau, kümmert sich neben Haushalt und Kindern um das Büro und die Kasse. „Genauso wie Roland liebe ich Blumen und Pflanzen. Als Quereinsteigerin bin ich da mit der Zeit reingewachsen. Vieles habe ich mir mit seiner Hilfe oder auch allein beigebracht, zum Beispiel wie man ausgefallene Blumensträuße bindet.“ Heute gehört den beiden 58-Jährigen ein Gartencenter in Kolbermoor bei Rosenheim. Roland ist für den Grünbereich verantwortlich. Bärbl leitet die Deko-Abteilung sowie den Gartenbedarf und kümmert sich um die Saison-Angebote. „Wir sind ein eingeschworenes Team“, freut sie sich.

Wie die beiden verhindern, dass sie sich irgendwann mehr als Geschäftsdenn als Lebenspartner fühlen?

„MAL BIN ICH SCHNELLER ENTSCHLOSSEN UND ROLAND BREMST MICH, MAL IST ES UMGEKEHRT“

Bärbl und Roland Mertin treffen große Entscheidungen immer gemeinsam

Zum Beispiel mit ihren Alltags-Ritualen. So ist das gemeinsame Frühstück und Abendessen den Mertins heilig. Und ist es tagsüber stressig, dann setzen sie sich mit einem Espresso kurz auf die Terrasse hinter ihrem Gartencenter und genießen den Ausblick auf die saftig grünen Wiesen.

Nicht nur privat ein Paar zu sein, sondern auch im Beruf, gemeinsam eine Leidenschaft zu teilen und zusammen etwas aufzubauen – das verbindet und schweißt zusammen. „Es entsteht eine große Nähe“, erklärt die Paartherapeutin Birgitt Hölzel. „Man kann unwahrscheinlich vieles teilen, hat immer neuen Gesprächsstoff und weiß genau, welche beruflichen Probleme den anderen belasten – selbst wenn der nicht mit der Sprache herausrücken will und alles in sich hineinfrisst.“

Gemeinsame Visionen beflügeln

Die 55-Jährige spricht auch aus eigener Erfahrung: Seit 25 Jahren ist sie verheiratet und führt zusammen mit ihrem Mann Stefan Ruzas (53) die paartherapeutische Praxis „Liebling + Schatz“ in München. „Als Paar gemeinsame Visionen und Ziele zu entwickeln und zu verfolgen – das kann beflügeln.“ Es stellt die Partner aber auch vor Herausforderungen: Was ist zu regeln, damit die Zusammenarbeit funktioniert? Was tun bei Konflikten? Und wie bleibt bei so viel Zweisamkeit die Liebe frisch?

Die finanzielle Basis muss stimmen

„Grundsätzlich muss jeder von beiden dem anderen vollkommen vertrauen, sonst kann die Zusammenarbeit nicht funktionieren“, betont Therapeutin Birgitt Hölzel. Gut sei es, die Arbeitsbereiche klar zu definieren, alle finanziellen Fragen vorab zu klären und schriftlich zu fixieren. „Stimmt die geschäftliche Basis, ist das die beste Voraussetzung, damit beide auch beruflich als gleichwertige Partner harmonieren.“ Bärbl und Roland Mertin besitzen ihr Gartencenter je zu 50 Prozent. „Große Entscheidungen treffen wir gemeinsam“, so Bärbl. „Mal bin ich schneller entschlossen und Roland bremst mich. Dann ist es wieder umgekehrt. Das ist manchmal mühsam, hilft aber, Schnellschüsse zu vermeiden.“

Bei Gerlinde (58) und Andreas Lochner (56) ist es ähnlich. Vor 34 Jahren lernten sie sich in einem Restaurant in Schwäbisch Hall kennen. Sie, die heute Sommelière ist, bediente damals im Restaurant und er war Koch. Schon zu Beginn ihrer Beziehung waren sich beide einig, dass der Job in der Gastronomie nicht familientauglich ist. Kinder wollten sie nie, dafür aber möglichst viel Zeit miteinander verbringen. Seit 1994 arbeiten beide nur noch zusammen. Das Paar betrieb beispielsweise zehn Jahre lang in Berlin-Mitte ein Restaurant, in dem Prominente aus Politik und Showbusiness regelmäßig zu Gast waren. „Das war eine spannende Zeit“, erzählt Andreas. „Der Druck war aber enorm. Ständig kamen Tester von Gastro-Bibeln vorbei. Ich war viel zu oft nervös und gestresst.“

„WIR STREITEN NIE VOR ANGESTELLTEN, SONDERN GEHEN DAZU IN UNSEREN WEINKELLER“

Gerlinde und Andreas Lochner ist es wichtig, Probleme offen anzusprechen und den anderen zu respektieren

Das Lokal ist ihr Wohnzimmer

Vor sieben Jahren fingen beide noch mal neu an. Gerlindes besondere Leidenschaft als Sommelière galt schon damals dem deutschen Wein. Gemeinsam eröffneten sie 2014 in Berlin-Schöneberg die „Weinwirtschaft Lochner“. Das Konzept: Wein und kleine Häppchen, serviert in rustikalem Ambiente, das mit vielen Andenken aus der ehemaligen Gaststätte von Andreas’ Eltern in Franken dekoriert ist. Hier verbringen die Lochners an fünf Tagen in der Woche bis zu zwölf Stunden täglich. Gerlinde kümmert sich um die Gäste und berät bei der Auswahl der Weine. Andreas steht in der Küche und bereitet Köstlichkeiten wie gebratene Wachtelbrust mit Pfifferling-Risotto zu.

Wenn sich Partner „auf Augenhöhe“ begegnen, ist die Beziehung harmonischer und glücklicher.

Quelle: „Happyness-Index-Studie“ von eharmony

Mit vielen Stammgästen sind beide mittlerweile befreundet. Mit ihnen setzen sie sich, wenn Zeit ist, auch mal auf ein Glas Wein zusammen. Das Berliner Lokal ist ihr gemeinsames Wohnzimmer. Sie fühlen sich hier wohl. Beide sind überzeugt, dass ihnen dieses harmonische Miteinander auch deshalb so gut gelingt, weil sie neben den klar abgegrenzten Aufgabenbereichen die Kompetenz des anderen respektieren und sich nie gegenseitig reinreden würden.

Auch in der Freizeit gönnen sich die Lochners gegenseitig viel Freiraum: Gerlinde walkt morgens, während Andreas auf dem Sofa entspannt. Nachmittags geht er Rad fahren und sie schmökert in einem Buch. Einig sind sie sich auch, dass es wichtig ist, Probleme offen zu besprechen und Konflikte nie vor den Angestellten auszutragen. „Selbst wenn wir noch so verärgert sind, reißen wir uns zusammen und gehen in den Weinkeller“, sagt Gerlinde Lochner, „dort können wir ungestört reden.“

Prosit auf die Liebe: Paare mit ähnlichem Trinkverhalten bleiben länger glücklich.

Quelle: Uni Michigan

Sich zur Aussprache ein ruhiges Plätzchen suchen – das rät auch Paartherapeutin Birgitt Hölzel: „So wird der Partner vor den Angestellten nicht bloßgestellt.“ Bei heftigen Auseinandersetzungen sollten beide den Feierabend getrennt verbringen und am besten Sport treiben. „Bei einem Streit werden im Körper Stresshormone ausgeschüttet, Adrenalin rauscht durch die Adern. Bewegung baut das überschüssige Adrenalin wieder ab.“ Am nächsten Morgen sollte man überlegen, was genau einen so rasend gemacht hat, ob man sich etwa übergangen oder bevormundet gefühlt hat, und dem Partner das ruhig und sachlich erklären.

„UNS BEIDEN WIRD ES EINFACH NIE LANG- WEILIG!“

Positiv in die Zukunft blicken, aktiv bleiben und auch im Alter neue Pläne schmieden – so lautet das Geheimrezept von Frances Maier-Breitsamer (71) und Franz Breitsamer (81). Seit 45 Jahren sind sie verheiratet, haben zwei erwachsene Kinder und drei Enkel. Die ganze Familie ist verrückt nach Hunden und betreibt in Obertaufkirchen in der Nähe von München auf einem gutshofähnlichen Anwesen die Hundeschule und Hundepension Maier.

Der Gesprächsstoff geht nicht aus

Je nach Saison sind 25 bis 40 Vierbeiner zu Gast, manche übernachten auch im Privathaus von Frances und Franz. Beide lieben es, die Tiere zu beobachten und sich darüber auszutauschen. „Anders als viele ältere Paare haben wir immer Gesprächsstoff “, sagt Frances. „Bei uns wird es nie langweilig, denn wir überlegen ständig, was wir erneuern oder verbessern könnten.“ So stehen heute auf dem Gelände drei großzügige Hundewohnhäuser mit weitläufigen Spielund Auslauf-Flächen. „Unsere gemeinsame Leidenschaft für die Tiere macht uns glücklich und zufrieden“, sagt Frances, „und wir freuen uns auf alles, was noch kommt.“

Sabine Hoffmann