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WALD UND WILD IN ZEITEN DES KLIMAWANDELS: DER WALD IST TOT, ES LEBE DER WALD!


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 90/2019 vom 16.08.2019

Die Sommer 2018 und 2019 haben dem Wald zugesetzt, Baumbestände sind flächig abgestorben. Was nun zu tun ist, welche Baumarten mit der Erderwärmung fertigwerden und welche Rolle hierbei das Schalenwild spielt, erläutert Johannes Erbprinz von Schwarzenberg


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Der Wald stirbt, und dessen König muss tatenlos zuäugen. Allerdings ist Rotwild anpassungsfähig, es wird mit dem neuen Wald zurechtkommen. Fraglich nur, wie wir mit ihm während des Umbaus umgehen.


FOTOS: REINER BERNHARDT (ROTHIRSCH), PIXABAY (WALD)

Auch für Skeptiker wird es immer offensichtlicher, dass es einen menschengemachten Klimawandel auf der Erde ...

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... und speziell in Europa gibt. Für viele von uns herrscht der Eindruck, der Wald stirbt regional durch die Erderwärmung. Dies bedarf einer Präzisierung und einer Korrektur. Zuerst: Was ist der Wald? Ist der Wald die Ansammlung aller verholzten Gewächse auf einer Fläche? Oder ist der Wald ein Ökosystem mit der Summe aller darin lebenden Lebewesen? Also mit Pilzen, Kräutern, Gräsern, verholzten Gewächsen, Insekten, Vögeln und Säugetieren? Ich nehme als Definition das Ökosystem Wald mit all seinen Bewohnern. Dies ist der Unterschied zwischen Forst und Wald. Der Forst ist die Summe der verholzten Gewächse, die in weiten Bereichen Europas nach Möglichkeit wirtschaftlich genutzt werden.

GEWINNER & VERLIERER

Stirbt der Wald durch den Wandel des Klimas? Nein, er stirbt mit Sicherheit nicht. Er ändert sich nur, und es gibt Gewinner und Verlierer. Um es ganz einfach plakativ zu machen: Es ist ganz offensichtlich, dass die Fichte als Hauptbaumart unserer Wirtschaftswälder verliert, so wie auch der Schneehase langsam aber sicher Lebensraum verliert. Es gibt aber auch Gewinner. Ein ganz prominenter, zumindest zurzeit, ist der Borkenkäfer als Teil des Waldes und etliche Parasiten, die verbesserte Lebensbedingungen vorfinden und ihren Lebensraum vergrößern. Allerdings scheint es, dass auch die gute, alte Eiche und Laubbäume wie die Weißbuche sicher nicht an Lebensraum verlieren, sondern gewinnen.

BLICK IN DIE ZUKUNFT

Was bedeutet die Erderwärmung für uns in Mitteleuropa? Für die Einwohner Europas bedeutet dies nicht nur, dass es wärmer wird, sondern vor allem, dass es auch viel trockener wird. Trockener wird es, weil durch die hohen Temperaturen der Niederschlag oft verdampft, bevor er in den Erdschichten des Bodens ankommt. Der zweite wesentliche Punkt ist, wir können von wesentlich stabileren Wetterverhältnissen ausgehen. Es wird lange Dürreperioden geben und lange Perioden mit starkem Niederschlag. Schlicht gesagt, die Extreme nehmen zu. Auch ist es abgesichert, dass es mehr Wind geben wird (der trocknet wieder den Boden aus), und leider ist es auch statistisch abgesichert, dass starke Winde vermehrt auftreten werden, welche für den forstlichen Bewuchs, aber auch für die Tierwelt tödlich sein können.

… UND DAS ROTWILD?

Was bedeutet das fürs Rotwild in dieser sich ständig ändernden Umwelt als Teil des Ökosystems? Eigentlich ist der europäische Rothirsch bestens gerüstet für das, was die Natur von ihm verlangt. Er ist ein Tier, dass von Sardinien und Spanien bis Norwegen und Russland durchaus erfolgreich in der jeweiligen Umwelt lebt. Er ist in solchem Umfeld eines der Tiere, die wir als Gewinner des menschengemachten Klimawandels sehen können.

DER PIONIERWALD

In diesem Szenario der Verlierer und Gewinner schauen wir uns jene Gebiete an, die bis dato rund 600 Millimeter oder weniger Niederschlag hatten und 500 Höhenmeter oder weniger haben. In diesen Gebieten schlägt der Klimawandel voll zu, und die Pflanzengesellschaft des Waldes ändert sich. Was bedeutet dies für den wirtschaftenden Forstmann, der in forstlicher Tradition Waldbau betreiben möchte? Der vom Klimawandel letztlich auch in seiner Existenz gefährdete Waldbesitzer oder Forstangestellte steht vor der Frage, die durch flächiges Absterben von Fichten, Buchen und Kiefern oft 40 bis 100 Hektar großen Flächen wieder zu bewalden. Dafür hat er mehrere Optionen. Die erste Option ist: „Gut hat’s die Forstpartie, der Wald, der wächst auch ohne sie.“ Er forstet nicht auf, wartet bis ein Pionierwald von Birken, Aspen, Weiden oder Brombeerbüschen kommt, und in dessen Schatten als natürlicher Verbissschutz wachsen dann Eichen und auch andere Laubbäume. Dieses Verfahren ist von der Natur vorgegeben. Der Nachteil ist, dass dieses Verfahren wirtschaftlich unsinnig ist, da es zu lange dauert, bis wirtschaftlich interessante Baumarten, wie wir sie jetzt kennen, heranwachsen. Der Vorteil ist, dass mit geringsten Kosten ein absolut klimafitter Wald heranwächst, der für verschiedenste Lebensgemeinschaften äußerst interessant ist. Er ist auch schalenwildtolerant, solange nicht übermäßige Dichten an Schalenwild toleriert werden. Dieses Verfahren wurde in Österreich berühmt durch einen forstlichen Vordenker Baron Kottwitz in Kohfidisch im Burgenland, welcher einen Eichenwald mit viel Rotwild in einer köstlichen Rotweingegend mit allen Problemen des Klimawandels bereits in den 80er Jahren hatte. Er fällte Bäume auf großen Flächen und ließ die Natur heilen. Nachdem sich Bezirksforstbehörde und andere aufregten, kam es zu einer Beweisfeststellung. Diese ergab, dass Pionierbaumarten ja auch im Forstgesetz als Baumarten gelten. Der Baron machte sich den Scherz, bei einer Exkursion Studenten neben jede Eiche zu stellen, die sich langsam aus dem Pflanzengewirr herausquälte. Siehe da, es waren doch mehr Eichen vorhanden, als man glaubte. Laut Augenzeugen reichte es bei Weitem nicht für einen bestockten Eichenhochwald, aber möglicherweise durchaus für einen Eichenwald in einem Gebiet mit 40 Grad Celsius im Sommer, 450 Millimeter Niederschlag und oft drei Monate ohne Regen. Dieses Verfahren wird sicher öfter zur Anwendung kommen, da zu große Flächen entstehen und es zu wenig gutes, erprobtes Pflanzmaterial gibt und geben wird. Auch werden sich viele Waldbesitzer, nachdem sie ihr Holz möglicherweise nicht einmal kostendeckend bei der Säge abliefern durften, trotz größter Förderung die Arbeit nicht mehr antun, aufzuforsten. Auch gibt es in Zukunft sicher einen Mangel an Arbeitskräften, um dies alles zu bewerkstelligen.


„DER WALD STIRBT NICHT DURCH KLIMAWANDEL, ER VERÄNDERT SICH NUR. VERLIERER IST DIE FICHTE ALS HAUPTBAUMART, GEWINNER ZURZEIT DER BORKENKÄFER.“


Mischform: aus Pionierwald und Einzelpflanzung von Werthölzern – nicht nur fürs Rehwild ein idealer neuer Lebensraum.


FOTO: ARCHIV JÄGER

Junger Ponierwald: bietet dem Rotwild Deckung und Äsung. Der Vorteil dieser Wiederbewaldung ist, dass klimafitte Bäume heranwachsen.


FOTO: MARTIN OTTO

DIE WIEDERAUFFORSTUNG

Das andere übliche Verfahren ist es, große Waldflächen wieder zu bewalden, um damit rasch die Optimalphase (sprich auf der Fläche wachsen nur wirtschaftlich interessante Bäume) zu erreichen. Auch dieses Verfahren hat große Vorteile. In relativ kurzer Zeit werden auf der Fläche möglichst viele wirtschaftlich verwertbare Kubikmeter Holz produziert. In einer Zeit, wo wir nachhaltig wirtschaften müssen und die menschliche Bevölkerung sich stets vermehrt, sicher ein berechtigtes Anliegen. Es ist sicher ökologischer, selber in Mitteleuropa Holz zu produzieren, als das Problem nach Südamerika oder Südafrika zu verlagern und damit einen Naturneokolonialismus zu betreiben. Dieses Verfahren ist aber weniger naturnahe, auch wenn es, die Buntheit des bewirtschafteten Waldes zeigend, wieder anderen Lebensraumgemeinschaften Platz bietet als der Pionierwald. Das Problem ist, dass auf diesen Flächen mit relativ wenigen Pflanzen ein gewünschter Wald zustande kommen soll. Verschiedene Baumarten, verschiedene Probleme. Ich werde die gängigen klimafitten Baumarten näher auf ihre Fraßeinwirkung von Rotwild betrachten.

KLIMAFITTE BAUMARTEN

Eiche: Wichtigster Laubbaum für große Aufforstungen wird sicher die gute, alte Eiche sein. Die Eiche ist leider, vor allem durch Trockenheiten gestresst, ein Langsamwachser und verbissanfällig. Der Vorteil dieser Baumart ist, dass wenn sie aus der Verbisszone ist, nicht mehr geschält und auch nicht übertrieben gefegt wird. Teilweise werden auf kleineren Flächen Zäune unerlässlich sein, die regional vor allem auch schwarzwilddicht sein müssen. Bei sehr großen Flächen von 30 bis 40 Hektar, und wenn man keinen 100- prozentigen Anwachserfolg erwartet, kann man durch sehr scharfe Bejagung auf der Fläche sicherlich diese relativ wildarm halten. Für den Anwachserfolg ist Rotwild ja sogar das geringere Problem als das liebe Rehwild. Wichtig ist aber die Dosis des Schalenwildes. Habe ich hohe Rotwildbestände, alles über fünf bis sechs Stück pro 100 Hektar Wald ist hoch, wird es auch sehr schwierig sein, einen Kulturzaun dicht zu halten. Bei unter zwei Stück Rotwild pro 100 Hektar kann man nur mehr bedingt von einer Rotwildpopulation sprechen, die sozial in Ordnung ist. Beide sind Teile des Ökosystems Wald.Ahorn: Ahorne werden auch gerne verwendet. Sie wachsen schnell, haben aber den Nachteil, gerade wenn sie in Monoschutzsäulen gepflanzt werden, in geringer Stückzahl auch bei geringstem Rotwildbestand stark verbissen zu werden. Ich kenne Ahornkulturen mit Totalschäden bei Rotwild als Wechselwild und einem nachhaltigen Abschuss von einem Stück pro 1.000 Hektar. Wichtig ist eine hohe Pflanzenanzahl oder wiederum der liebe gute, alte Zaun. Der Nachteil ist aus der Sicht des Forstmanns, dass der Ahorn gerne geschält wird. Er wächst zwar weiter zu einem klimafitten Baum, aber das Holz ist doch recht entwertet.


„,GUT HATS DIE FORSTPARTIE, DER WALD, DER WÄCHST AUCH OHNE SIE.DIESES VERFAHREN IST VON DER NATUR VORGEGEBEN.


Pflanzung: mit welchen Baumarten? Das entschied einst die Wirtschaftlichkeit, heute ist die Klimaverträglichkeit entscheidend.


FOTO: JENS KRÜGER

Wiederaufforstung mit Ahorn: hier mit Einzelbaumschutz. Im Rotwildrevier aufgrund seiner Beliebtheit nur im Zaun möglich.


FOTO: KLAUS SCHNEIDER

Hainbuche: Die Weiß-oder Hainbuche ist zwar wirtschaftlich zurzeit nicht übermäßig interessant, ist aber ein extrem klimafitter Baum, der sämtliche Misshandlungen oder – ökologisch richtig – Fraßeinwirkungen der Pflanzenfresser sehr gut verkraftet. Auf schlechten Standorten in trockenen Gebieten sicherlich eine überlegenswerte Baumart. Ist auch auf schlechten Standorten hin und wieder eine Eiche beigemischt, wird das durchaus ein wirtschaftlich interessanter Forst und zudem ein wunderbares Ökosystem.
Rotbuche: Die Rotbuche leidet sehr unter dem Klimawandel, ist aber in höheren Lagen sicher geeignet, als Baum der Zukunft die Fichte zu ersetzen. Sie ist eigentlich ein Baum, der viel Verbiss übersteht, aber leider Gottes schälschadensanfällig ist. Auch sollte diese Baumart sehr dicht aufwachsen, um sich zu erziehen, um also einen langen, geraden, schönen Stamm zu bekommen. Eine große Anzahl an alten Buchen wird in Zukunft teilweise schwierig zu erreichen sein, da möglicherweise auch in höheren Lagen durch den Wassermangel nur geringe Stammzahlen auf der Fläche sein werden.
Douglasie: Die Douglasie wird von vielen als Wunderbaum der Zukunft gesehen, was ich definitiv nicht glaube. Auf großen Flächen aufgeforstet, bei moderatem Rotwildbestand und entsprechendem Jagddruck, überlebt diese Pflanze viele Misshandlungen, auch wenn sie gerne von Rot-und Rehwild gefegt wird. Nach naturgegebenen Verlusten in der Jugend ist der Charme für den wirtschaftenden Forstmann bei dieser Baumart, dass sie Schälschäden meist ohne nennenswerte Entwertung verdaut.
Tanne: Die Tanne ist eine Baumart, die als Schattenbaumart für Großkahlschläge nur bedingt geeignet ist. Trotz alledem ist sie für das Ökosystem sehr wichtig und durchaus klimafit. Sie ist extrem problematisch gegenüber dem Rotwild. Durch alte Kahlschlagwirtschaft fast ausgerottet, ist sie ein Verbissleckerbissen. Hat man sie durch Zaun oder geringem Wildbestand endlich aus dem Verbiss gebracht, muss sie meist auch noch vor Schälschäden geschützt werden, da ihre Rinde anscheinend besonders gut schmeckt und daher besonders gern vom Rotwild geschält wird. Diese Baumart ist aber besonders wichtig. Es sollte daher sowohl Fraßdie Jagd wie auch der Forst Geld in die Hand nehmen, um diese Baumart wieder in einem Ausmaß zu verbreiten, dass sie kein besonderer Leckerbissen mehr ist. Als Beispiel kann man kroatische Wälder anführen, wo die Tanne Hauptbaumart blieb, in größter Hitze klimafit ist und bei gar nicht so geringem Rotwildbestand weder besonders verbissen noch geschält wird. Der Weg dorthin wird in Deutschland lang und teuer sein. Es ist aber edelste Pflicht des deutschen Forstmanns und Jägers, diesen zu gehen, und es ist besser, Geld in die Tanne zu stecken, als unsinnige Futtermittel in den Wald zu legen, damit ein Kilo mehr auf dem Haupt des Hirsches wächst.

Fichte verbeißendes Alttier: ein Bild vergangener Tage. Aber nicht, weil wir alles Rotwild totschießen, sondern weil die Fichte sich rar macht in unserem Wald.


Lärche: Die Lärche gilt bei richtiger Herkunft als möglicherweise auch klimafitte Baumart. Der Vorteil ist, sie wird wenig verbissen und wenig geschält, aber furchtbar gerne gefegt. Gerade als Beimischung wird sie oft zur Gänze selbst bei moderatem Wildbestand herausgefegt, wenn sie in einem Lebensraum neu eingebracht wird. Aber auch dort kann durch lenkende Schwerpunktbejagung einiges erreicht werden.

ERNEUERBARE BÄUME

Dies ist nun bei Gott nur ein kleiner Abriss über die Probleme der künstlichen Wiederbewaldung. Das größte Problem wird sein, dass wir in Zukunft stabile Wetterverhältnisse mit langen Dürre-phasen und langen Regenphasen haben werden. Durch die langen Dürrephasen kann es bei jeder künstlichen Begründung zu sehr großen Ausfällen kommen, welche die Verbisstoleranz des Wirtschaftenden noch einmal senkt. Trotz alledem, sieht man das gesamte Ökosystem, wird man diese Problematik bewältigen. Entscheidend für den Wald, den Waldbesitzer und alles, was dranhängt, wird sein, ob in Zeiten der Energiewende erneuerbare Energie aus dem Wald, sprich das Sortiment Brennholz, einen wesentlich höheren Preis erzielt. Dies ist einerseits möglich durch die fortschreitende Holztechnik, andererseits durch staatliche Lenkungsmaßnahmen. Es ist zurzeit unerträglich, dass Brennholz und anderes Holz zu Schandpreisen auf den Markt kommt, gleichzeitig wir aber fleißig Öl oder Gas importieren und verheizen.

HIRSCH ODER GNU?

Jeder deutsche Jäger hat es mit in der Hand, dem heimischen Hirsch den Stellenwert zu geben, der ihm gebührt. Es stellt sich die Frage, ob ich zum Beispiel lieber nach Namibia auf Jagdurlaub fahre und mehrere Stücke erlege oder für selbiges Geld einen Hirsch in Mitteleuropa erlege. Abgesehen vom wesentlich geringeren ökologischen Fußabdruck durch weniger Reisetätigkeit gebe ich mein Geld für die heimische Flora und Fauna und deren Erhaltung aus. Es wird die Fraß einwirkung von Rotwild, aber auch von anderem Schalenwild, für den wirtschaftenden Forstmann immer ein Problem sein. Ist das Schalenwild für den Lebensraum überreichlich vorhanden, ist es auch für das Ökosystem Wald ein Problem.

DER AUTOR

JOHANNES ERBPRINZ VON SCHWARZENBERG

ist verantwortlich für die Bewirtschaftung von Wäldern in den österreichischen Alpen, in der Tschechischen Republik und in Mittelfranken. In Österreich lebt ein großer Rotwildstand, in Tschechien ein kleiner. Es gehört zu seinem Betätigungsfeld, den Wald – im Einklang mit der Natur – einigermaßen profitabel zu erhalten, ebenso das Wild als Teil des Waldes. In dem Beitrag sind Erfahrungen aus seinem eigenen Wald, aus zahlreichen Besuchen bei anderen Waldbesitzern und aus Besichtigungen von Nationalparks wiedergegeben. Im Zuge der Fortbildung besuchte er auch Wälder in der Toskana, die mit Rotwild recht dicht besiedelt sind. Dort bekam er eine gewisse Ahnung, was unseren Wäldern in der Zukunft bevorsteht.


FOTO: MICHAEL BREUER