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WALD-WIEDERAUFBAU


Terra Mater - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 16.08.2019

Wie Costa Rica seine verbliebenen Regenwälder schützen, vergrößern und vernetzen will.


Artikelbild für den Artikel "WALD-WIEDERAUFBAU" aus der Ausgabe 5/2019 von Terra Mater. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Terra Mater, Ausgabe 5/2019

Regenwald-Revival Auf einer ehemals versumpften Weide gedeiht nach Entwässerung und gezielter Anpflanzung in kurzer Zeit neuer Wald.

IM DEZEMBER 2018 beschloss Costa Ricas Regierung die Umsetzung eines ambitionierten Plans zum Schutz der Waldgebiete des Landes. Das Projekt „Amistosa” sieht vor, den Nationalpark und das Schutzgebiet der Halbinsel Osa durch biologische Korridore mit Waldschutzgebieten im Bergland zu verbinden.

Die Tropenstation La Gamba ist mit ihren Aktivitäten Teil dieses Konzepts. Die Forscher wollen ...

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... deshalb zügig die nächsten Schritte setzen: Sie wollen weiteres Land aufkaufen, das nordöstlich des Nationalparks Piedras Blancas liegt. Hier sollen biologische Korridore entstehen, die den Nationalpark mit den Wäldern um die Berglandschaft Flia Costenña verbinden. Dabei ringen die Biologen um jeden Quadratmeter Fläche. Schließlich haben auch Ölplantagenbetreibern ihr Interesse an dem Land angemeldet. „Denen dürfen wir das Land nicht überlassen”, sagt der Biologe Anton Weissenhofer kämpferisch.

Außerdem sind biologische Inseln nordöstlich von La Costeña geplant. Die sollen wandernden Tieren als Trittsteine dienen, damit sie bis in den 40 Kilometer entfernten internationalen Park La Amistad wechseln können.Der ist über 400.000 Hektar groß, Heimat von 3.000 Pflanzenarten und Teil des UNESCO Welterbes.

HILFE FÜR HELFER

Die Tropenstation La Gamba ist eine Forschungs- und Lehrinstitution der Universität Wien. Hier liegt auch das Zentrum der Bemühungen um die Wiederbewaldung des umliegenden Land- striches. Über den Verein zur Förderung der Tropenstation (lagambaat) kann jeder den Ankauf weiterer Flächen unterstützen.

1996 WENDEJAHR Seit diesem Datum bremst in Costa Rica ein neues Gesetz die Abholzung.

25 % SCHUTZGEBIET Ein Viertel Costa Ricas steht unter Naturschutz. Die Gebiete sind übers ganze Land verstreut.

700 kg NUTZLAST So viel Kohlendioxid aus der Luft bindet ein Regenwaldbaum in seinem Leben.

100 BAUMSORTEN So groß ist das Sortiment in der Dschungel- Baumschule. Damit gibt es für jeden Standort die richtige Pflanze.

53.000 SETZLINGE Damit haben die Biologen rund 50 Hektar Land rings um La Gamba in einen Dschungel verwandelt.

3 JAHRE So lange ist ein Setzling auf menschliche Hilfe angewiesen. Erst dann hat er sich seinen Platz im Ökosystem erkämpft.

Der Bilderbuch-Dschungel So sieht ein intakter, unberührter Regenwald aus. Heute gepflanzte Setzlinge können den Anstoß liefern für die Wiederkehr dieser Vielfalt.Den Rest erledigen die Zeit – und die Natur.


DIE TIERE KEHREN ZURÜCK

Den Botanikern zufolge dürfte es rund hundert Jahre dauern, bis hier wieder ein ursprünglich wirkender Urwald wuchert. Doch schon jetzt dient die wachsende Wildnis als Refugium und Korridor.Beim Rundgang durch die Finca Amable stoßen Besucher mehrfach auf die Klauenspuren von Pekaris. Diese Wildschweine sind ideale Beutetiere für Jaguare und Pumas. In einer Wiederbewaldungsfläche auf der gegenüberliegenden Talseite wurde wenige Tage zuvor eine Jaguarundi, eine mittelgroße Raubkatzenspezies, beobachtet.

Sieben Kilometer nordöstlich von La Gamba, in rund 380 Meter Seehöhe, liegt die Finca Alexis. Hier sind die Pflanzungen noch in vollem Gange. Wucherndes Dickicht aus Gras, Farnen und Winden überzieht das Gelände, dazwischen stehen Büsche und kleine, ältere Baumgruppen. Ebenfalls keine Überreste der einstigen Urwaldvegetation, betont Anton Weissenhofer. Nützlich seien sie dennoch. Sie verbessern das Mikroklima und somit die Startbedingungen für den neuen Wald: „Wir müssen hier oben nur Teilstücke bepflanzen.” Die Natur selbst würde für weiteren Nachwuchs sorgen; auch, weil hier die Samenbank im Boden noch vorhanden sei.

Während Weissenhofer noch redet, verteilen die Arbeiter dutzendweise Setzlinge von vierzig verschiedenen Arten. Nun geht’s ans Werk. Weissenhofer und Eibl greifen ebenfalls zum Spaten. Die speckig glänzende Erde ist schwer und tonig. Für jedes der Bäumchen heben sie ein knapp halbmetertiefes Loch aus. Die Prozedur ist Routine: Wurzelballen rein, einen Liter Kompost, eine Schaufel Kalk gegen den sauren Boden, alles wieder zu und auf zum nächsten Bäumchen. Die Hitze macht die Arbeit zum körperlichen Stresstest. Schon nach einer halben Stunde scheint einem die Haut zu schmelzen. Gut, dass an diesem Tag wenigstens die Sonne nicht scheint.

TERRA MATERREISESERVICE

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Lodge am Pazifik Schlafen ohne Wände, Ausblick ohne Ende.

WAS MACHE ICH DORT?Aussteiger sein. Wer ein radikales Gegenprogramm zur Zivilisation sucht, findet es im Corcovado-Nationalpark, einem wahren Mekka für Naturliebhaber. Nach einem Tag in wirklich wilder Wildnis lockt das Bett in einer der Freiluftunterkünfte (Tipp: Lapa Rios). Auch die Tropenstation La Gamba steht Besuchern gerne offen (naturreisenat).

UNBEDINGT PROBIEREN Irgendwo aus dem Bus steigen und in einemSoda , einem kleinen familiengeführten Restaurant,Casado essen. Dieses Potpourri aus Reis, Bohnen, Salat, Kochbananen und dem an diesem Tag gerade verfügbaren Fleisch gibt es immer nur einmal.

WIE KOMME ICH HIN? Flug nach San José (ab 550 Euro). Zum Corcovado-Nationalpark: Bus nach Puerto Jiménez, weiter imCollectivo . Zur Tropenstation

Glücksspiel namens Casado Verkocht wird, was Küche und Natur an diesem Tag hergeben.


La Gamba: Im Bus nach Villa Briceno. Weiter im Taxi. Die Anreise dauert etwa acht Stunden, die Tropenstation ist von 7 bis 19 Uhr geöffnet.

BESTE REISEZEIT
Von Jänner bis April, dann herrscht Trockenzeit.

NEUN VON ZEHN KOMMEN DURCH

Drei Jahre lang muss der Baumnachwuchs regelmäßig freigeschnitten werden, erklärt Weissenhofer: „Wir arbeiten gegen das Gras.” Auch Blattschneiderameisen machen immer wieder Probleme. Trotzdem beträgt die Ausfallrate unter den Setzlingen nur zehn bis fünfzehn Prozent. Sobald die ersten Neugepflanzten ausreichend Schatten zu werfen beginnen, ist der Kampf gewonnen.Der Lichtmangel unter den Bäumen lässt Gras und Farne verkümmern, der junge Wald übernimmt das Regime.

Bis es so weit ist, sagt Weissenhofer, kostet jedes Bäumchen im Schnitt 18 Euro, Pflegemaßnahmen inklusive. Auch Nutzen inklusive: Die lokale Bevölkerung profitiert von den entstehenden Arbeitsplätzen. Und die neue Bewaldung wirkt gegen Erosion, Erdrutsche und Hochwässer – all das macht die Region widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels.

Gegen Abend schickt der Pazifik schwarzgraue Wolkenmassen übers Land. Im Garten der Tropenstation und dem angrenzenden Wald herrscht abwartende Ruhe. Ein Aguti huscht durchs Unterholz, in den Baumkronen ruft ein Tukan, dessen Ansagen allerdings jäh von zwei Donnersalven unterbrochen werden. Dann öffnet der Himmel seine Schleusen.

Der Regen fällt dicht wie eine Decke vom Himmel, hüllt alles und jeden förmlich ein.Derweil bricht die Nacht herein. Die Dunkelheit erweckt den Dschungel, bald vibriert der ganze Wald vor Leben. Dann hört der Regen so unvermittelt auf, wie er begonnen hat. Jetzt erheben tausende Frösche ihre Stimmen.

Ihr Choral, Millionen Jahre alt, kündet von ständiger Erneuerung.