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» Waldbrand EXTREM «


ROTORBLATT - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 06.08.2019
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Bildquelle: ROTORBLATT, Ausgabe 3/2019

Erst sah alles nach einem ganz normalen Einsatz aus – als in den Wäldern südöstlich von Schwerin mehrere Brandherde entdeckt wurden, konnte noch niemand ahnen, welche Katastrophe sich daraus bald entwickeln sollte.

EINE ERSTE ENTWARNUNG – ZU FRÜH!

Rasch konnte Entwarnung gegeben werden - am Freitag den 28.06. hieß es dann in den Medien, das Feuer sei unter Kontrolle, der Brand würde sich nicht weiter ausdehnen. Doch zwei Dinge hatte zu dem Zeitpunkt niemand wirklich vorhersehen können – den stark auffrischenden Wind und die Tatsache, dass der Boden des ehemaligen Truppenübungsplatzes, auf dem das Feuer ...

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... hauptsächlich wütete, mit Altmunition übersät ist. Am Sonntag, nur anderthalb Tage nach der positiven Pressemeldung, trieb der starke Wind die Flammen wieder an, ließ das neu entstehende Feuer zusehends an Fläche gewinnen. Nun wurde rasch klar, dass die Einsatzkräfte mit ihren herkömmlichen Löschmitteln nicht mehr weiterkommen. Bereits, als eine Fläche von 430 Hektar brannte, sprach das Umweltministerium von der größten Feuerkatastrophe des Landes. Zu dieser Zeit beteiligten sich bereits rund 400 Einsatzkräft e von Feuerwehr, THW und DRK an der Brandbekämpfung. Nun war schweres Gerät gefragt – Löschhubschrauber und Panzer sollten den Flammen den Weg abschneiden – im Einsatz: EC155 und AS332 L-1 der Bundespolizei und CH-53 sowie NH90 der Bundeswehr aus der Luft und Bergepanzer Büffel sowie Transportpanzer Fuchs und Pionierpanzer Dachs am Boden.

DER EINSATZ AUS SICHT DER BUNDESPOLIZEI

Bei der Bundespolizei-Fliegergruppe ging die Anfrage nach einer Unterstützung im Einsatz am 30. Juni 2019 durch das Land Mecklenburg-Vorpommern ein. Wobei die Bitte um Unterstützung zuerst an das Bundespolizeipräsidium gerichtet wurde und von dort an die Bundespolizei-Fliegergruppe selbst. Dabei war es für viele Kameraden nicht der erste Einsatz in diesem Jahr – erst kürzlich haben die Brände in der Lieberoser Heide Mitte Juni in Brandenburg Personal und Technik stark gefordert. Die Situation vor Ort ist auch dem AS 332 L1-Piloten Jürgen Errerd von der Fliegerstaffel Blumberg noch allgegenwärtig. Er hat Rotorblatt in einem Interview von den eindrücklichen Tagen in Brandenburg berichtet.

Errerd war gleich zweimal im Löscheinsatz in der Lieberoser Heide, da er jeweils Dienst hatte, als die Anforderungen des Landes Brandenburg eingingen. Errerds erste Alarmierung ereilte ihn recht kurzfristig. „Die Alarmierung erfolgte während des Tages“, erinnert er sich .“Ich hatte einen normalen Büroarbeitstag, den ich dann abgebrochen habe, um in die Lieberoser Heide zu fliegen. Außer Getränken und ein paar Snacks hatte ich nichts dabei, da absehbar war, dass ich abends (23:00 Uhr) wieder zuhause bin.“ Die Dienststelle habe aber schon damit gerechnet, dass es erneute Anfragen zur Brandbekämpfung geben wird. „Eine konkrete Personalplanung gab es aber zu diesem Zeitpunkt nicht. Die ersten Löschflüge übernimmt in der Regel unsere Bereitschaft sbesatzung,“ so Errerd. Die zweite Alarmierung erfolgte kurz darauf: „Das war am Wochenende am späteren Nachmittag. Ich war zuhause und bin ohne weitere Vorbereitungen zur Staffel gefahren,“ erinnert sich der Pilot - und weiter: „Der Hubschrauber wurde bereits am Vortag vorbereitet, um bei Alarmierungen schnell abfliegen zu können.“

Auf unsere Frage, welche Vorlaufzeit die Bundespolizei denn generell für solche Einsätze habe, antwortet uns Pressesprecherin Fina Roloff „Keine. Jedoch leben wir in der „Lage“. Das heißt: Bundesweite Lagebilder werden beobachtet, gesammelt und ausgewertet, sodass man sich bereits auf einen evtl. Einsatz vorbereiten kann.“ So kann bereits dann, wenn abzusehen ist, dass demnächst eine Alarmierung erfolgen könnte, das nötige Material und die entsprechende Manpower zusammengestellt werden, um im Einsatzfall dann möglichst wenig bis keine Zeit zu verlieren. Dazu zählt eben auch die Bereitstellung der Hubschrauber für einen zeitnah folgenden Löscheinsatz. Errerd erklärt dazu: „Die wichtigsten Faktoren der Vorbereitung sind Kraft stoff und Wasserversorgung. Ist kein geeignetes Gewässer in der Nähe, müssen wir den Fireflex –Behälter mitführen, um daraus, nach der Befüllung durch die Feuerwehr, das Wasser zu entnehmen.“

Es sollte als die größte Waldbrandkatastrophe in der Geschichte des Bundeslandes eingehen – als am 21.06.2019 auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern mehrere kleine Feuer ausbrachen, ahnte allerdings noch niemand, welches Ausmaß die Brände schnell annehmen würden.

Der Löscheinsatz brachte alle beteiligten Hilfskräfte an ihre Grenzen – so auch die Hubschrauberbesatzungen, ohne deren rasches Eingreifen das Ausmaß und die Schäden der Katastrophe noch deutlich schlimmer ausgefallen wären.

IM EINSATZ

Damit sich die Hubschrauber der Bundespolizei und der Bundeswehr nicht in die Quere kommen, werden solche Einsätze über einen Verbindungsbeamten des Flugdienstes der Bundespolizei vor Ort koordiniert. Im Falle Lübtheens war schwerpunktmäßig der gesamte Bundespolizei-Flugdienst mit Personal und Material in der Brandbekämpfung gebunden. Die Leitung vor Ort hatte bis zum 01. Juli die Bundespolizei-Fliegerstaff el Blumberg. Diese wurde allerdings am 02. Juli durch die Bundespolizei-Fliegerstaff el Fuhlendorf abgelöst. Seitens der Bundeswehr oblag die Leitung dem Kommando Territoriale Aufgaben in Zusammenarbeit mit den truppenstellenden Kommandobehörden. Beide saßen im Krisenstab, welcher in Lübtheen in einem Feuerwehrgerätehaus eingerichtet wurde. Der angrenzende große Sportplatz diente den Hubschraubern als Landeplatz.

Doch wie erlebt man als fliegende Crew einen solchen Katastropheneinsatz? „Einen Lageüberblick bekommt man tatsächlich oft erst vor Ort, da das Einschätzen der Brandflächen, bei den Ausmaßen der letzten Brände, vom Boden aus sehr schwer ist“, so Errerd. Immer wieder sieht man daher auch Hubschrauber der Landespolizei am Himmel, die mit Wärmebildkameras nach Glutnestern suchen oder Live-Bilder in die Einsatzzentrale übertragen. „Nach der Vorbereitung des Bambi-Buckets und der Einweisung durch die Feuerwehr, die dabei natürlich die Schwerpunkte des Löschangriff s erörtert, beginnen wir dann direkt mit unseren Flügen“, ergänzt der Pilot.

Auf unsere Frage, wie man sich einen solchen Löscheinsatz genau vorstellen kann, antwortet Errerd: „Das Feuerlöschen aus der Luft ist insbesondere in der Lieberoser Heide recht anstrengend gewesen, da wir sehr kurze Umläufe haben. Ein geeigneter See zur Wasseraufnahme liegt unmittelbar neben dem Waldbrand.“ So, wie es übrigens auch in Lübtheen der Fall ist. Hier diente das nahe gelegene Waldbad Jesar-Probst als Wasseraufnahmestelle für die Hubschrauber. „Es gibt also keine Flugphasen, in denen man sich etwas entspannen kann. Die Wasseraufnahme verlangt konzentriertes Fliegen. Der Abwurf des Wassers ist insbesondere bei starkem Wind und entsprechender Rauchentwicklung oft schwierig. Die Th ermik spielte, zumindest bei meinen Einsätzen, eine untergeordnete Rolle,“ erinnert er sich. „Die physische Belastung ist für die gesamte Crew hoch. Insbesondere unsere Operatoren, die bei geöff neter Tür nicht nur den heißen Temperaturen der Triebwerke, sondern auch dem Qualm verstärkt ausgesetzt sind, haben hier eine große körperliche Belastung.“

Der Wasserabwurf selbst folgt keinem festgelegten Verfahren. „Hier gibt es keine generelle Antwort, da jeder Abwurf eine Einzelbewertung der Crew ist“, so Errerd. „Mal muss man mit dem Wind das Wasser abwerfen, mal gegen den Wind. Mal löscht man punktuell aus dem langsamen Schwebeflug, mal mit einer Geschwindigkeit von 40 Knoten. Mal wirft man das Wasser aus 300 Fuß ab, mal aus 80 Fuß. Je nach Art des Feuers, dessen Ausbreitung, der Rauchentwicklung und den Windverhältnissen ist neu zu entscheiden, wie man das Wasser abwirft .“ Es kann aber genauso gut sein, dass von den Hubschraubern zu schützende Bereiche gewässert werden. Errerd dazu: „Das ist abhängig von den Vorgaben der Feuerwehr. Soll vermieden werden, dass sich das Feuer in eine bestimmte Richtung entwickelt, werden auch noch nicht brennende Bereiche bewässert. Oft löscht man aber direkt die Feuerlinien mit den off enen Flammen.“

ANFÄNGLICHE PROBLEME

Mit dem beschriebenen punktuellen Abwurf gab es in Lübtheen anfangs Probleme, wie ich vom Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg Christian Nimtz erfahren konnte. Allerdings lag dies in der Natur des Brandortes. Er erklärt: „Durch die hohe Munitionsbelastung im Boden des Truppenübungsplatzes waren die Hubschrauberbesatzungen erst angehalten, eine Flughöhe von 1.000 Metern einzuhalten und das Wasser auch aus dieser Höhe abzuwerfen. Da kommt vom Wasser am Boden natürlich nicht mehr viel an.“ Er ergänzt weiter, dass es im Wald ständig „gescheppert“ hätte – die Munition war also auch bzw. gerade für die Einsatzkräft e am Boden eine große Gefahr – das Betreten der stark belasteten Flächen daher streng untersagt. „Erst, als sich die Brände auf weniger munitionsverseuchtes Gebiet ausgebreitet haben, wurde die Freigabe erteilt, in 300 Metern Höhe zu fliegen und Wasser abzuwerfen, was dann auch tatsächlich den erhofft en Erfolg brachte“, schildert er seine Beobachtungen.

Doch zurück zu den Hubschraubern. Wir möchten natürlich wissen, wie sich die unterschiedlichen Beladungszustände und das Fliegen in der heißen, rauchbelasteten Th ermik auf die Maschinen auswirkt. Errerd erklärt: „Die Hubschrauber befi nden sich bei der Wasseraufnahme nahe der betrieblichen Begrenzungen. Probleme treten hierbei allerdings nicht auf. Dennoch: Um die strukturelle Belastung der Hubschrauberzelle festzuhalten, müssen sämtliche Aufzüge dokumentiert werden. Diese fließen dann in die Hubschrauberdokumentation und Wartung mit ein.“ Welch solides Arbeitstier gerade die Superpuma in diesem Bereich ist, zeigt auch, dass mittlerweile verstärkt zivile Firmen im Waldbrandeinsatz auf das Muster setzen.

DER EINSATZ AUS SICHT DER BUNDESWEHR

Bundeswehrseitig schafft en die eingesetzten CH-53 und NH-90 ebenfalls im Akkord große Mengen Wasser herbei. Wie uns Hauptmann Kloß dazu schildert, wurde die Bundeswehr am 30.06.2019 durch den Landkreis Ludwigslust-Parchim um Unterstützung im Brand bei Lübtheen gebeten. „Der Auft rag zur Durchführung der Waldbrandbekämpfung an die Luft transportgruppe erfolgte am 01. Juli 2019. Daraufh in wurde das benötigte Personal, wie Piloten, Bordtechniker und technisches Personal, alarmiert“, erläutert er den Einsatzbeginn und ergänzt: „Zusammen mit dem Personal des Fliegerhorstes und der Fliegerhorstfeuerwehr begannen hierauf die Vorbereitungen auf den Waldbrandeinsatz, welcher vorläufi g auf drei Tage begrenzt war.“ Schon am nächsten Tag sollte der erste Helikopter vor Ort eintreffen. “Der erste von zwei Hubschraubern CH-53 GA (German Advanced) startete am 01. Juli um 07:55 Uhr vom Fliegerhorst Holzdorf in Richtung des 222 Kilometer entfernten Einsatzziels.

Es folgte ein zweiter Hubschrauber zur Unterstützung. Beide Maschinen waren circa sechs Stunden am Einsatzort in der Nähe des Truppenübungsplatzes Lübtheen und flogen hierbei 60 Löschangriff e mit einem gesamten Wasservolumen von 300.000 Litern“, so Kloß. Am zweiten Einsatztag hatte sich die Anzahl der Löscheinsätze fast verdoppelt, so Kloß: „Am 02. Juli waren ebenfalls zwei CH-53 GA im Einsatz. Sie flogen an diesem Tag insgesamt 108 Löschangriff e mit einer Wassermenge von 540.000 Litern.“ Am dritten Juli, dem zeitgleich dritten Tag im Feuer, flogen die zwei Helikopter nochmals 70 Löschangriff e mit 350.000 Litern Wasser.

TAUSENDE LITER LÖSCHWASSER, HUNDERTE FLUGSTUNDEN

Auch die Hubschrauber der Bundeswehr nutzten das Waldbad Jesar-Probst zum Befüllen ihrer Löschwasserbehältnisse.

„Insgesamt wurden in den drei Tagen circa 1.190.000 Liter Wasser über dem Zielgebiet abgeworfen. Dazu wird ein Feuerlöschbehälter, ein sogenannter „Smokey“, benutzt, welcher bis zu 5.000 Liter Wasser fassen kann“, fasst Hauptmann Kloß den Einsatz in Lübtheen zusammen. „ Die Koordination vor Ort läuft über einen Einsatzoffi zier, welcher am Boden in ständigem Kontakt mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr steht. So kann die Crew in der Luft direkt auf die Bedürfnisse der Feuerwehren am Boden reagieren und jeden Löschangriff punktgenau in das betroff ene Zielgebiet fliegen“. Auch die durch die Bundespolizei transportierten Wassermengen sind beachtlich: Das Bambi Bucket des mittleren Transporthubschraubers (AS332 L1) hat ein Fassungsvermögen von knapp 2000 Litern und das Bambi Bucket für den leichten Transporthubschrauber (H/EC155) fasst 700 Liter. In der Lieberoser Heide (Stand: 28. Juni 2019) wurden insgesamt 1.069 Abwürfe mit 1.380.600 Litern Wasser geflogen.

Durch den fehlenden Regen im Frühjahr und Sommer tat sich in Lübtheen bald ein neues Problem auf: Hier wurde das Löschwasser in der Hochphase des Einsatzes knapp. Die kleinen Brunnen und Seen konnten bald nicht mehr ausreichend mit Grundwasser gefüllt wer- den, um die stetige Entnahme zu tragen. Abhilfe brachten Flüsse wie die Elde, die zur Wasserentnahme aufgestaut wurde. Auch der nahe gelegen Schaalsee wurde mit Pumpen als Löschwasserentnahmestelle eingerichtet und für diesen Zweck sogar für die Öff entlichkeit gesperrt. Der kurzzeitig angedachte Einsatz eines Löschflugzeugs musste unter anderem wegen der örtlichen Bedingungen und der damit verbundenen Möglichkeit, Wasser aufzunehmen, verworfen werden: Für die recht lange Gleitstrecke des Flugzeugs wäre quasi nur der Schweriner See bedingt geeignet gewesen.

Den letztendlichen Erfolg im Kampf gegen die Flammen brachte dann ein Zusammenspiel aus den Wasserabwürfen aus der Luft bei gleichzeitig intensiver Bearbeitung der umliegenden, noch unversehrten Wälder: Hier wurden innerhalb kurzer Zeit durch die Bergepanzer breite Brandschneisen geschlagen und durch die Einsatzkräft e ganze Baum- und Strauchbestände gerodet, um den Flammen das „Futter“ wegzunehmen. Glutnester, die beim Wasserbombardement aus der Luft versprengt wurden oder nicht gelöscht werden konnten, löschten die Kameraden am Boden von Hand oder mit Löschfahrzeugen und sogar Wasserwerfern. Eine Methode, die innerhalb kurzer Zeit Erfolg brachte – nicht zuletzt aber auch, da nach Tagen endlich der Wind abflaute.

TRAINING FÜR DEN ERNSTFALL

Da Waldbrände im Sommer leider immer wieder auft reten, gerade, wenn die Witterung über längere Zeit trocken ist, trainieren die fliegenden Verbände bereits im zeitigen Frühjahr für die Brand-Saison. „Die fliegerische Vorbereitung auf Brandeinsätze erfolgt bereits im Frühjahr, indem wir das Löschen trainieren. Das ist insgesamt nicht besonders aufwändig. Aus den Erfahrungen des letzten Jahres und der Brände in diesem Jahr sind wir auf einem guten Trainingsstand“, erklärt uns Errerd.

Um Löscheinsätze zu fliegen bedarf es einer Grundeinweisung im „Fliegen mit Außenlast“. Ist diese vorhanden, kann jeder Pilot mit dem entsprechenden Typerating eingesetzt werden, wenn er innerhalb eines Jahres drei Lastenaufzüge durchgeführt hat.

EIN EINSATZ VON VIELEN

Auch, wenn der Waldbrand rund um Lübtheen die wohl größte Medienwirksamkeit in diesem Jahr hatte, so ist die Bundespolizei bereits seit dem Frühjahr immer wieder im Einsatz zur Waldbrandbekämpfung. Fiona Roloff dazu: „Punktuell waren wir seit Frühjahr 2019 in Vechta, Th üringen, Bremen, Brandenburg und Bayern im Einsatz.“ Bereits beim Brand in den Mooren rund um Vechta Ende April und dem Großbrand in Meppen im letzten Herbst zeigte sich, wie schwierig die Löscheinsätze auf solchen Flächen sein können. Und schon damals war der Ruf nach der Beschaff ung neuer Gerätschaft en laut geworden. Auch für das Land Brandenburg sollen nun neue Löschfahrzeuge und -Panzer beschafft werden. Wie aktuell das Th ema weiterhin ist beweist die Lieberoser Heide: erst im Juli 2018 hatte es auf einer Fläche von 400 Hektar gebrannt, im Juni 2019 dann erneut auf tausend Quadratmetern. Und auch in Jüterbog loderte im Juli das Feuer. Haben die Meteorologen recht, so werden uns künft ig noch viele trockene Sommer bevorstehen. Die Einrichtung einer nationalen Feuerlöschstaff el halten Experten für längst überfällig. Bis dahin wird man die Bundespolizei, Länderpolizeien und die Bundeswehr wohl noch öft er im Einsatz gegen die Flammen sehen.


FOTOS: BUNDESPOLIZEI, MATTHIAS KRUTZINA, TIMO JANN