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WALES: A Walk on the Wild Side


British Travel - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 11.03.2020

Der Coast Path ist der längste Wanderweg, den Wales zu bieten hat. Die Küstenstrecke vereint alles, was den Reiz der Region ausmacht.


Artikelbild für den Artikel "WALES: A Walk on the Wild Side" aus der Ausgabe 4/2020 von British Travel. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: British Travel, Ausgabe 4/2020

Eine Wanderung über die Llyn-Halbinsel.


©Alan5766

Sieht aus wie eine Kirche: Der Church Rock in Pembrokeshire.


©David Evans

Es war eine Weltpremiere, als der Fernwanderweg Wales Coast Path im Jahr 2012 eröffnet wurde. Wales konnte sich von nun an damit schmücken, die wohl erste Region zu sein, die ihre Küste nahezu vollständig mit einem extra ausgewiesenen Wanderweg erschlossen hatte. Es dauerte nur wenige Wochen, bis die ersten Wanderer die neue Strecke ausprobierten. „Wales ...

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... hat eine spektakuläre Landschaft. Der Weg ist eine wunderbare Gelegenheit, einiges davon zu entdecken”, sagte der damalige Umweltminister von Wales, John Griffiths, bei der Eröffnung.

Der Wales Coast Path hat eine Länge von 1400 Kilometern. Er beginnt in der Ortschaft Chester an den Ufern des Flusses Dee im nördlichen Wales und endet südlich an der Mündung des Flusses Severn, unweit der Stadt Chepstow.

Dazwischen liegen Burgen und uralte Eichen, moderne Kraftwerke und Pilgerstätten aus grauer Vorzeit. Die Küsten sind die Heimat unzähliger Seevögel und Meeresbewohner. Kurz gesagt: Die Strecke ist die Quintessenz dessen, was den Reiz von Wales ausmacht.

Die Gesamtlänge des Wales Coast Path allein nötigt einigen Respekt ab. Dazu kommt der Umstand, dass Anstiege und abfallende Abschnitte sich abwechseln. Wer sich die gesamte Strecke vornimmt, hat am Ende des Weges so viele Höhenmeter überwunden wie ein Bergsteiger, der zweieinhalb Mal den Mount Everest erklommen hat.

Doch der Wales Coast Path will gar keine Hochleistungsstrecke für Ausdauersportler sein. Auf einigen Abschnitten lädt der Weg ein zu Tagestouren, zum Radfahren oder zum sonntäglichen Spaziergang. Jede Etappe ist auf die eine oder andere Weise an das öffentliche Nahverkehrsnetz angeschlossen. Wer die Tour unterbrechen will, für den ist die nächste Bushaltestelle oder der nächste Bahnhof nie weit. Unterkünfte entlang der Strecke sind vorhanden, jedoch gerade zur Hauptreisezeit im Sommer kann es ganz schön eng werden. Daher sollte man für die Sommermonate besser vorbuchen.

Der Coast Path mag auch einen Anlass bieten, den Sehenswürdigkeiten etwas abseits der Strecke einen Besuch abzustatten. Im Norden von Wales sind das die mittelalterlichen Burgen, die die Region wie ein eiserner Ring umschließen. Dieser Eisenring („Iron Ring”) wurde den Walisern vom englischen König Edward angelegt, der damit die Hoffnung verband, endlich seine Herrschaft über Wales zu sichern.

Zwischen Himmel, Meer und Bergen: Der Küstenort Trefor.


©Berndbrueggemann

Der Leuchtturm von Bardsey Island.


©Gail Johnson

Der Wanderweg führt auf die Halbinsel Llyn und zum Fischereihafen Aberdaron. Die Blütezeit des Hafens war im 18. Jahrhundert, als von hier aus Kalkstein aus den Steinbrüchen der Umgebung verschifft wurde. Das war ein schwieriges und gefährliches Geschäft, zahllose Schiffe liefen von Aberdaron auf Grund und sanken.

Die Llyn-Halbinsel war im Mittelalter das Ziel unzähliger Pilger. Über die Halbinsel verteilt stehen zahlreiche Kirchen, die teilweise baulich verändert wurden, um dem Ansturm gerecht zu werden. Viele dieser Kirchen zählen zu den ältesten Gotteshäusern auf den britischen Inseln.

Im Mittelalter ließen sich Pilger von Aberdaron aus auf die Insel Bardsey übersetzen, die „Insel der 20.000 Heiligen”. Sie verdankt ihren Namen einem Kloster, das im 6. Jahrhundert hier gebaut wurde. Außerdem soll König Arthur auf der Insel begraben liegen, doch dabei darf man nicht vergessen, dass auch ein halbes Dutzend anderer Orte diese Ehre für sich beanspruchen.

Am südlichen Ende der Halbinsel Llyn befindet sich der Ort Llanystumdwy. Hier wuchs der englische Premierminister Lloyd George auf. Er war einer der schillerndsten Politiker, die Großbritannien je hatte. George war Regierungschef in den Jahren von 1916 bis 1922.

Der englische Pressebaron Lord Beaverbrock bemerkte über George: „Ihm ist egal wohin er fährt, so lange er am Steuer sitzt.” Der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes gab einen äußerst bildhaften Bericht über die Person des britischen Premiers: „Diese außerordentliche Person der Zeitgeschichte. Diese Sirene. Dieser ziegenfüßige Barde… dieser Halbmensch … aus den verwunschenen Wäldern der keltischen Vorzeit”. Einzelheiten aus dem Leben von Llloyd George vermittelt das gleichnamige Museum in Llanystumdwy unweit der Burg Criccieth Castle.

Nach dem Ausflug in die jüngere britische Geschichte schließt sich nun nach Süden hin die weitläufige Bucht Cardigan Bay an. In der Bucht sammeln sich Delfine, die sich sogar vom Ufer aus gut beobachten lassen. Die beste Jahreszeit dafür ist zwischen Juni und September. Die Delfine tummeln sich zwar das ganze Jahr über vor der Küste, sind aber bei ruhigem Wetter und ohne Herbst- und Winterstürme besser zu sehen.

„Der Ort New Quay ist die Heimat einer von insgesamt zwei großen Tümmler-Populationen in Großbritannien”, sagt Jonathan vom Touranbieter Dolphin Spotting Boat Trips. Er zeigt den Gästen an Bord Vogelkolonien und Kegelrobben, die in der Sonne dösen. „Im Sommer kann man eine der größten Kolonien von Tordalken und Lummen auf den Klippen von New Quay beobachten. Manchmal sehen wir vom Boot aus Eissturmvögel, Sturmtaucher und vereinzelt Papageientaucher”, sagt Jonathan. Seine Firma arbeitet auch mit der Umweltschutzorganisation „Sea Watch” zusammen.

In St. Davids gibt es eine Käferfarm.


©Tom Lee cc by-nd 2.0

Hütten aus der Eisenzeit: Das Freiluftmuseum Castell Henllys.


©Keith Ruffles

Die steinzeitlichen Begräbnisstätte Pentre Ifan Cromlech.


©Richard Hayman

Zahllose Seevögel leben an der Küste. In den Sommermonaten kann man viele Nistplätze sehen. Im Winter machen die Zugvögel in Wales Rast auf ihrem weiten Weg in den Süden.


©David Evans

Die Kathedrale von St. Davids: Sie wurde im Jahr 1131 geweiht. ©Hilda Weges

Doch nicht nur zu Wasser öffnet der Wales Coast Path den Zutritt zu besonderen Ökosystemen. Eichenwäldchen an der walisischen Westküste formen ein besonderes Ökosystem, das „keltischer Regenwald” (celtic rainforest) genannt wird. Wie ihre viel bekannteren Verwandten in den Tropen entstehen auch die Regenwälder in den gemäßigten Zonen unter dem Einfluss von Luftfeuchtigkeit, an der es ja bekanntlich in Wales nicht mangelt.

Vor wenigen Monaten ist ein Schutzprogramm für den Erhalt dieser Wälder angelaufen. Dafür werden nun 6,5 Millionen Pfund ausgegeben. „Dieses Projekt wird die Widerstandsfähigkeit eines unserer wertvollsten Ökosysteme schützen”, sagte die walisische Umweltministerin Lesely Griffiths.

In Cardigan Bay liegt auch die bunte Hafenzeile von Aberaeron. Von dort hat man noch einmal einen schönen Blick zurück auf die Insel Bardsey. Aberaeron ist der Ausgangspunkt für einen rund fünf Kilometer entfernten Abstecher zum Herrenhaus Llanerchaeron.

Die Villa wurde 1783 von dem Architekten John Nash (1752-1835) umgestaltet. Nash begann seine Karriere in London, doch nach wenigen Jahren hatte er sich dort finanziell verausgabt. Um wieder zu sich zu finden, kehrte er in seine alte Heimat Wales zurück. In der Ruhe und Abgeschiedenheit entwickelte er seinen eigenen Stil, wie er sich in Llanerchaeron zeigt.

Spielende Delfine: Ausflugsfahrten organisiert u.a. der Anbieter Dolphin Spotting Boat Trips. newquayboattrips.co.uk


©Jonathan Evans

Die Kathedrale von St. Davids: Sie wurde im Jahr 1131 geweiht.


©Hilda Weges

Nachdem er in Wales Kraft getankt hatte, kehrte er nach London zurück, wo er sich nicht mehr mit den Entwürfen für Einfamilienhäuser zufrieden gab: Nash wurde der Architekt von Buckingham Palace. Seine Entwürfe gefielen dem englischen König so gut, dass Geld keine Rolle spielte: Buckingham Palace wurde doppelt so teuer wie ursprünglich veranschlagt. Llanerchaeron ist für Besucher geöffnet. Heute besteht das Anwesen aus einem Farmbetrieb und einem Garten.

Der Weg führt nun in den Nationalpark Pembrokeshire hinein, den einzigen Küstennationalpark Großbritanniens. Die Halbinsel Pembrokeshire hat einen eigenen Küstenwanderweg, der sich in wesentlichen Teilen mit dem Wales Coast Path überschneidet.

Im Norden des Nationalparks fällt doppelt so viel Regen wie in der Ebene. Im Winter bleibt der Regen sogar teilweise als Schnee liegen. Vom 536 Meter hohen Gipfel Foel Cwm Cerwyn schweift der Blick über leeres Land. Nur gelegentlich sind Schafe zu sehen. Dies ist das Preseli-Gebirge. Aus dieser Bergregion stammen blau-schimmernde Steine, denen magische und heilende Kräfte nachgesagt wurden.

Diese Steine wurden beispielsweise für die Kultstätte Stonehenge in Südengland verwendet, und Archäologen ist bis heute nicht ganz klar, wie die jeweils rund zwei Tonnen schweren Steine von Wales nach Stonehenge transportiert wurden. „80 Felsen über eine Strecke von 290 Kilometern zu bewegen, und dass ohne Räder oder moderne Maschinen ist eine erstaunliche Leistung”, so der Archäologieprofessor und Stonehenge- Kenner Mike Parker Pearson.

Doch Wales hat auch seine eigenen archäologischen Sehenswürdigkeiten. Schilder weisen den Weg zu der steinzeitlichen Begräbnisstätte Pentre Ifan Cromlech im Landesinneren.

Die Burg Criccieth Castle.


©Acceleratorhams

Ponys traben frei an der Küste von Pembrokeshire entlang.


©Graham White

Zwischen Newport und Cardigan befindet sich außerdem das Castell Henllys, ein Freiluftmuseum, das eine Festungsanlage aus der Eisenzeit abbildet. Die Funde, die Archäologen hier gemacht haben, sind rund 2500 Jahre alt. Sie bilden den Grundstock für die Nachbauten, die den Besuchern einen möglichst authentischen Eindruck vom Leben in der Eisenzeit vermitteln sollen.

Die dem Nationalpark Pembrokshire vorgelagerten Inseln gehören genau genommen nicht zum Wales Coast Path dazu, aber der Abstecher lohnt sich. Die Insel Ramsey ist der westlichste Ausläufer von Wales. Ein knapp sechs Kilometer langer Wanderpfad führt um die Insel herum, die Klippen an der Westseite sind 120 Meter hoch.

Seit einigen Jahren ist Ramsey der Schauplatz eines ungewöhnlichen Vogelschutzprojekts. Attrappen aus Plastik sollen den umherfliegenden Papageientauchern zeigen, dass Ramsey wie gemacht ist für die Gründung einer Vogelfamilie. „Die Leute haben uns anfangs für verrückt erklärt”, sagt Rangerin Lisa. Die Tierschützer ahmen auch Töne nach, die Papageientaucher gerne hören. Das klingt wie das Muhen einer Kuh, die Tonleitern übt. Zur Brutzeit liegt Ramsey auf einem Klangteppich aus Kuhmuhen.

Von Ramsey aus ist es nur ein kurzer Abstecher nach St. Davids. Der kleine Ort hat zwar kaum 2000 Einwohner, ist aber auf den Landkarten als veritable Stadt verzeichnet. Der Grund dafür ist die Kathedrale im Stadtzentrum. Sie wurde im Jahr 1131 geweiht und soll auf den Grundmauern eines alten Klosters errichtet worden sein, das der Nationalheilige von Wales, der heilige David, im 6. Jahrhundert errichtet hatte.

In der Nonnenstraße (Nun Street) liegt das Restaurant von Neil Walsh. Hinter der leuchtend-blauen Fassade des „St. Davids Kitchen” wird bevorzugt mit einheimischen Zutaten gekocht: frisches Lammfleisch oder Wild. Besonders stolz ist Neil auf seinen neuen Gin „St David´s Seaweed Welsh Dry”, der mit Kräutern aus der Umgebung hergestellt wird. Entsprechend gestärkt wandert es sich gleich noch einmal so gut. ■

Was Sie wissen sollten:

Der Wales Coastal Path ist 1400 Kilometer lang und führt an der gesamten walisischen Küste entlang. Er lässt sich nach Belieben verkürzen und abändern. Geht man die Strecke von Norden nach Süden, ist der Start im englischen Chester an der Mündung des Flusses Dee. Das südliche Ende liegt bei Chepstow an der Severn-Mündung.

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Liverpool oder Manchester. Von dort aus geht es mit dem Zug nach Chester. Cardiff Airport und Bristol Airport liegen am südlichen Ende des Wales Coast Path. Auf der Strecke selbst finden sich Zug- und Busverbindungen. An den Sonntagen ist der Busverkehr oft eingeschränkt. Die beste Reisezeit ist der Sommer.

Für Mutige: Bei St. Davids befindet sich die Bug Farm, eine Insekten-Forschungseinrichtung samt Besucherzentrum. Im hauseigenen Café gibt es Käfer-Burger. thebugfarm.co.uk

Bootsausflüge an der Küste organisiert der Touranbieter Dolphin Spotting Boat Trips. Die Ausflüge führen u.a. zu Seevogelkolonien und zu den höchsten Klippen an der Küste von Ceredigion. Dort haben Delfine ihre Futterplätze und lassen sich gut beobachten. Die Ausflüge finden in Abstimmung mit der Umweltschutzorganisation Sea Watch Foundation statt, um sie möglichst ökologisch und umweltschonend zu gestalten. newquayboattrips.co.uk