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WANDERREITEN IN MONTENEGRO: Raue Schäncheit


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Montenegro – wo liegt das noch mal? Richtig, es war früher ein Teil Jugoslawiens und liegt zwischen Kroatien und Albanien am Adriatischen Meer. Das kleine Land fasziniert mit einerabwechslungsreichen und unberührten Natur: Berge, Wälder, Meer und Strand – alles, was das Herz begehrt. Wir durften uns von der Schönheit der Balkanrepublik auf einemsechstägigen Wanderritt selbst überzeugen


Artikelbild für den Artikel "WANDERREITEN IN MONTENEGRO: Raue Schäncheit" aus der Ausgabe 80/2018 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 80/2018

Montenegro ist ein kleines, aber sehr vielseitiges Land: Weite, grasbewachsene Hügel wechseln sich mit schroffen, felsigen Bergformationen ab


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WISSENSWERTES ZU MONTENEGRO

Mit einer Fläche von knapp 14.000 Quadratkilometern ist Montenegro ungefähr so groß wie Schleswig-Holstein, das fünftkleinste Bundesland Deutschlands. Der Name setzt sich aus „monte“ und „negro“ zusammen und bedeutet „schwarzer Berg“ – die Namensgebung geht auf den höchsten Berg des Landes, den Stirovnik, zurück. Montenegro wurde erst im Jahr 2006 zu einer unabhängigen und eigenständigen Republik erklärt.

Huf für Huf klettern unsere Pferde einen schmalen und steilen Pfad empor. Zwischenzeitlich reiten wir an einem sehr tiefen Abhang entlang, und während dem einen oder anderen eventuell etwas mulmig zumute ist, behalten die Pferde die Nerven und laufen konzentriert weiter. Streckenweise besteht der Weg aus losen Felsen und glatten Steinen, doch das ist alles kein Problem für die montenegrinischen Pferde. Nach einer anspruchsvollen Kletterpartie haben wir etwa 500 Höhenmeter überwunden und schlussendlich einen der Berggipfel erreicht. Wir genießen den wundervollen Ausblick über die zerklüftete Berglandschaft Monte negros, während sich unsere Pferde kurz erholen dürfen – obwohl sie nicht sonderlich erschöpft wirken. Wenn ich an die Pferde in Deutschland denke, habe ich das Gefühl, dass diese die Strecke nicht ohne Weiteres gemeistert hätten. „Unsere Pferde sind ausdauernde Shagya-Araber und zum Großteil montenegrinische Bergpferde, die für harte Arbeit – insbesondere zum Holztransport – gezüchtet wurden. Sie sind zäh, ausdauernd und mutig“, erzählt die Rittführerin Jann. Obwohl die Vierbeiner sehr gutmütig sind, sollte man für den Montenegro-Berg-Trail über eine gewisse Reiterfahrung verfügen, da teilweise anspruchsvolle Wegstrecken auf Pferd und Reiter warten. Aus diesem Grund empfehlen Jann und Istvan, die Organisatoren und Eigentümer von Mountain Riders, das Tragen einer Sicherheitsweste, die vor Ort kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann. Ich sitze im Sattel einer stämmigen Scheckstute mit dem Namen Sarah. Ursprünglich hieß sie einmal „Šarac“ was übersetzt so viel wie Schecke oder mehrfarbiges Pferd bedeutet. Da die Montenegriner verhältnismäßig unkreativ bei der Namenssuche für Pferde sind, hatten noch drei weitere Pferde auf dem Hof denselben Namen. Deshalb wurden Istvan und Jann aktiv und fanden individuellere Namen für ihre Tiere: Aus den vier Pferden mit denselben Namen wurden Sarah, Hatschi, Heston und Texas.

Zwischen Felsen und Blütenmeeren

Es hat mich schon immer gereizt, ein mir unbekanntes Land vom Pferderücken aus zu entdecken. Bei dem Montenegro-Berg-Trail von PFERD & REITER konnte ich auch endlich die Faszination des Wanderreitens selbst erleben.

Sechs Tage lang erkundeten wir im Sattel gut ausgebildeter Wanderreitpferde zwei Bergregionen Montenegros: Zum einen das Hochgebirge im Norden mit einsamen Hochplateaus, sanften Hügeln und mächtigen Bergen, und zum anderen den Süden, eine felsige Küstenregion mit idyllischen Wäldern und wunderschönen Ausblicken auf das Adriatische Meer. Jeden Tag verbrachten wir zwischen fünf und sechs Stunden im Sattel, um zu unserer nächsten Übernachtungsmöglichkeit zu gelangen.

Der Norden Montenegros besteht aus scheinbar endlosen Hügeln und Bergen – teilweise felsig und schroft, teilweise grasbewachsen und san – sowie menschenleeren Hochplateaus und Tälern, die nur so nach einem schwungvollen Trab oder einem schnellen Galopp verlangen.

Ganz im Rhythmus der Pferde

Die drei Tage in der nördlichen Bergregion lassen sich vor allem mit einem Wort zusammenfassen: Ruhe. Im Hintergrund zirpen die Grillen, Vögel zwitschern, ein Pferd schnaubt, die Sättel knarzen leise, und wir geben uns völlig dem Rhythmus der Pferde hin, während wir uns, mal langsam und mal schnell, durch die Bergwelt Montenegros bewegen. Dabei wechseln sich bizarre Felsformationen und grüne Täler ab – immer wieder bestaunen wir Meere aus Wildblüten in allen erdenklichen Farben und genießen ihren Duft. Der richtige Moment, um die Seele baumeln zu lassen und einfach abzuschalten. Die nördliche Region fasziniert mit ihrer unberührten Natur, nur wenige Menschen wohnen dort ganzjährig. Die meisten verbringen nur die Sommermonate in kleinen Hütten, um die Schaf- oder Rinderherden zu hüten. Zu diesem Zweck dienen teilweise die sogenannten Katuns, traditionelle zeltförmige Hütten mit Metalldach, als temporäre Unterkunft.

Auf schmalen ehemaligen Militärstraßen, die ihre besten Tagen schon hinter sich haben, tragen unsere Pferde uns in fleißigem Schritt die Berge rauf und runter, rauf und runter. Immer wieder treffen wir nicht nur auf die Ruinen verlassener Häuschen und ganzer Dörfer, sondern auch auf umzäunte Äcker und Felder, auf denen die Menschen auch heute noch Gemüse anbauen – trotz der harten Bedingungen. Absolut trittsicher, vorsichtig und ausdauernd überwinden unsere Pferde nicht nur zahlreiche Streckenkilometer, sondern auch etliche Höhenmeter. Jeder Gipfel bietet eine faszinierende Aussicht, und jedes Tal hält eine neue Möglichkeit für einen ausgedehnten Trab oder einen fleißigen Galopp bereit.

Auf diesem Gipfel scheint die Welt zu Ende zu sein


Auf einigen Wegen sollte man durchaus schwindelfrei sein, da sie zum Teil nah an Abhängen vorbeiführen


Meere aus Wildblüten mit vielen surrenden Bienen und wunderhübschen Schmetterlingen sind nichts Ungewöhnliches in Montenegro


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1) Die Pferde sind auf der Farm der Firma Mountain Riders zu Hause 2) Im Sommer dienen kleine Hütten den Hirten als Unterkunft 3) + 4) Zum Abschluss der Reise besichtigten wir ein kleines Weingut und wurden von den Gastgebern mit montenegrinischen Köstlichkeiten und selbst angebautem Wein verwöhnt 5) Ein Gletschersee bot sich für eine kleine Pause an – die Pferde genossen das saftige Gras und die Reiter eine Tasse Kaffee 6) Bei einem Land mit 200 Kilometern Küste darf auch eine kleine Bootstour nicht fehlen 7) Reizvolle Unterkünfte in den Bergen, beispielsweise diese Bungalows, rundeten die Reise ab

Wir verbringen zwei Nächte in der Abgeschiedenheit der Berge, weit weg von jeglicher Zivilisation: nur wir, unsere Pferde und unsere Gastgeber. Auch in der wundervollen Bergpension spürt man die Ruhe der Natur und die Einsamkeit– in Sichtweite befinden sich, über das Tal verstreut, höchstens noch zehn weitere Häuser. Bei einem traditionellen Abendessen mit gefüllter Paprika, Schinken, Käse und Brot erzählt uns der Eigentümer des achteckigen Holzhauses, wie er darauf kam, genau an diesem Ort eine Pension zu bauen: „Ich habe von diesem Ort und diesem Holzgebäude geträumt. Als ich herausfand, dass das Land meinen Vorfahren gehört hatte und sie vor langer Zeit einmal eine einfache Hütte auf diesem Berggipfel besessen hatten, beschloss ich, eine kleine Pension zu bauen.“ Bevor es uns auf die einfachen, gemütlichen Zimmer zieht, lassen wir die Erlebnisse des ersten Reittages Revue passieren. Unsere Pferde verbringen die Nächte angepflockt auf der Wiese vor der Pension und werden liebevoll umsorgt – auch eine Decke für die mitunter sehr kalten Bergnächte darf nicht fehlen.

Über Stock und über Stein

Die südliche Bergregion, in der wir anschließend reiten, ist etwas dichter besiedelt und hier wird die freundliche und zuvorkommende Art der Montenegriner deutlich: Hirten grüßen uns mit einer Zigarette im Mundwinkel, Anwohner machen Fotos von unserer Reitgruppe, und wir bekommen verschiedene Einladungen zu einer Tasse Kaffee oder einem kleinen landestypischen Snack. Der Süden ist felsiger und anspruchsvoller für Pferd und Reiter und bietet weniger Raum für ausgedehnte Galoppstrecken. Bei den Kletterpartien, den schmalen Gebirgspässen und steilen Auf- und Abstiegen wird etwas Schwindelfreiheit und Abenteuergeist benötigt. Außerdem erwarten uns im Lovcen-Nationalpark urige Wälder, spektakuläre Bergformationen sowie malerische, teilweise verlassene Steindörfer. Immer wieder bieten sich wunderschöne Aussichten auf das Meer und die Küste.

Nach den Tagen und Nächten in der menschenleeren nördlichen Bergregion, kommt es einem Kulturschock gleich, plötzlich wieder in Städten wie Cetinje oder Kotor zu übernachten und von verhältnismäßig vielen Menschen umgeben zu sein. Diese Reiseplanung ist jedoch notwendig, damit neben den abwechslungsreichen Ritten durch die faszinierende Berglandschaft Montenegros auch ein kulturelles Rahmenprogramm angeboten werden kann. Neben Stadtführungen in der Residenzstadt Centinje und der wundervollen Küstenstadt Kotor, steht auch eine Bootsfahrt zu der bekannten Kirche „Lady of the Rocks“, die auf einer Insel in der Bucht von Kotor liegt, auf dem Programm. Und auch eine kurze Abkühlung im Meer durfte bei 30 Grad Lufttemperatur natürlich nicht fehlen. Ein Highlight für mich war die Besichtigung eines traditionellen Landhauses mit angrenzenden Weinbergen: Der Gastgeber erklärte uns zunächst anschaulich die Besonderheiten der Weinproduktion, bevor wir den vollmundigen Rotwein bei einem traditionellen Abendessen verkosten durften.

REISEINFOS

Montenegro-Berg-Trail

Anreise: Kostenloser Sammeltransfer ab dem Flughafen Podgorica
Unterbringung: 5 x Doppelzimmer im 3- oder 4-Sterne-Hotel, 1 x Bergpension, 1 x Bungalow; Einzelzimmer nach Verfügbarkeit; Vollpension (mittags als Satteltaschenpicknick) ohne Getränke
Reiten: Kleine Gruppen mit maximal sechs Reitgästen, englischsprachige Reitführung, Wanderreitsättel, sicheres Reiten in allen drei Gangarten im Gelände wird vorausgesetzt
Preise: 1.490 Euro (ohne Anreise), Einzelzimmeraufschlag 20 Euro/Nacht
Termine: 2.–9. September 2018, 16.–23. September 2018, 30. September – 7. Oktober 2018 (ausgebucht), 19.–26. Mai 2019, 8.–15. September 2019, 22.–29. September 2019
Wichtig: PFERD & REITER bietet noch einen weiteren Trail in Montenegro an: „Auf den Spuren der Wölfe“
Weitere Informationen:
www.pferdreiter.de/montenegro/trail.php Ansprechpartnerin: Lidwina Riemann (Tel.: 040/60766949)

Nach einer wunderschönen Aussicht am Gipfel des Berges nimmt die Reitgruppe den Abstieg in Angriff


Auch ein kleiner Regenschauer kann die Laune der Mein Pferd-Redakteurin nicht trüben


Gut gepackte Satteltaschen

Da sich das Wetter besonders in den Bergen in Montenegro schnell ändert, hatten wir nicht nur die dringend benötigte Sonnencreme, sondern auch einen Regenmantel in die Satteltaschen gepackt. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und brauchten die Regenjacke nur am letzten Tag– auch wenn wir schon vorher immer mal besorgt dunkle Wolken und ein leichtes Gewitter grollen vernahmen. Am letzten Tag aber öffnete sich der Himmel mit voller Wucht, und trotz Regenkleidung hatte fast jeder von uns die ein oder andere nasse Stelle zu beklagen. Dies trübte jedoch die Reiterfahrung in keinem Fall, und die Aussicht, als sich die dunklen Wolken verzogen hatten und der Dunst noch leicht in den Bergen hing, entschädigte für alles – auch für die nassen Füße in meinem Fall.

Der Montenegro-Berg-Trail von PFERD & REITER ist für alle ideal, die abwechslungsreiche Natur im Sattel gut ausgebildeter Wanderreitpferde erleben wollen. Der Ritt ist ein sogenanntes Rundum-sorglos-Paket: Das Gepäck wird von Unterkunft zu Unterkunft transportiert, Vollpension ist inklusive, wobei es das Mittagessen immer als Satteltaschenpicknick gibt. Für das Picknick hatten Jann und Istvan immer die wundervollsten Ecken ausgesucht, unter anderem vor einer idyllischen Steinruine an einem kleinen, verwunschenen Bachlauf, an einem kleinen Wasserfall oder auf einer Wiese am Fuße des bekannten Berges Babji Zub – er trägt den Spitznamen „Großmutters Zähne“, da sein Gipfel an ein zerklüftetes Gebiss erinnert. Nachdem wir auf knapp 150 Kilometern die Natur in Montenegro vom Sattel aus erkundet haben, naht nach sechs Tagen der Abschied. Und wir sind alle etwas traurig, als „unsere“ Pferde vom Transporter abgeholt und nach Hause auf die Farm gebracht werden. Die Vierbeiner sind uns ans Herz gewachsen, mit ihren kleinen sympathischen Eigenheiten und ihrer unbeschreiblichen Sicherheit. Auch der Abschied von Jann und Istvan fällt schwer: Sie haben uns nicht nur die schönsten Ecken Monte negros gezeigt, sondern auch spannende Geschichten zu Land und Leuten mit uns geteilt. Der Wanderritt in Montenegro wird für mich eine unvergessliche Erinnerung bleiben – „Hvala“ (= Danke).


Fotos: Nicole Audrit (14), Stefan Rohländer (2)