Lesezeit ca. 12 Min.
arrow_back

Wandlungsfähig


Logo von LinuxUser
LinuxUser - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 19.01.2023

USB-Multiboot

Artikelbild für den Artikel "Wandlungsfähig" aus der Ausgabe 2/2023 von LinuxUser. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LinuxUser, Ausgabe 2/2023

README

Als mobiler Werkzeugkasten für Wartungsarbeiten an den heimischen Rechnern bietet sich ein USB-Stick mit allen dazu nötigen Distributionen darauf an. Wir stellen drei Tools zum Erzeugen solcher multibootfähiger Speichersticks vor.

Bootfähige USB-Sticks mit verschiedenen darauf installierten Werkzeugen eignen sich bestens dazu, Zugriff auf beschädigte Partitionen von Rechnern zu erhalten, die sich nicht mehr hochfahren lassen oder anderweitig mucken. Unter Linux gibt es zahlreiche Distributionen zu Reparatur- und Wartungszwecken, die man dazu sogar plattformübergreifend einsetzen kann. Die meisten davon sind für spezielle Problemstellungen optimiert und lassen sich nicht als Allround- Lösungen verwenden. Deshalb empfiehlt es sich, auf einem USB-Stick mehrere solcher Spezialdistributionen zu installieren, um für jeden Fall bestens gerüstet zu sein. Wir sehen uns drei ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 7,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von LinuxUser. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2023 von Leute, lasst uns gehen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leute, lasst uns gehen
Titelbild der Ausgabe 2/2023 von Wiederbelebung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wiederbelebung
Titelbild der Ausgabe 2/2023 von Bilderwand. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bilderwand
Titelbild der Ausgabe 2/2023 von Formwandler. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Formwandler
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Gesichert und sortiert
Vorheriger Artikel
Gesichert und sortiert
Auf zu neuen Ufern
Nächster Artikel
Auf zu neuen Ufern
Mehr Lesetipps

... Multiboot-Lösungen für diesen Zweck näher an.

? MultibootUSB

MultibootUSB ist ein Programm zum Anlegen von USB-Speichermedien mit mehreren Live-Distributionen. Die freie Software steht auf Sourceforge in Form von einem DEB- und drei RPM-Paketen zum Download bereit. Arch Linux, Open- Mandriva, Slackware, Solus und Void Linux führen MultibootUSB in ihren Repositories, sodass es sich dort per Paketmanagement einrichten lässt. Nach der Installation finden Sie einen entsprechenden Starter in der Menühierarchie der Arbeitsumgebung. Nach einem Klick darauf und einer anschließenden Authentifizierung öffnet sich ein zunächst etwas unübersichtlich wirkendes Fenster 1.

Es gliedert sich grob in drei Bereiche: Links oben finden Sie Angaben und Dialoge zum Ziellaufwerk, auf das MultibootUSB die Abbilder schreibt. Rechts daneben erscheinen ein Auswahldialog und Angaben zum gewählten ISO-Abbild, während die Steuerdialoge den unteren Bereich einnehmen. Ganz unten zieht sich über die gesamte Fensterbreite ein Laufbalken, der den Fortschritt von Schreibvorgängen anzeigt.

Die Software erkennt am System angemeldete USB-Datenträger automatisch und blendet die Laufwerksdaten zum ersten Datenträger oben links ein. Um ein Laufwerk als Ziel zu nutzen, müssen Sie im Dialog Select USB disk eine Partition wählen, in die die Abbilder kopiert werden. Auf dem USB-Stick muss dazu bereits eine Partition mit einem gängigen Dateisystem eingerichtet sein.

Der Bereich rechts füllt sich erst mit Daten, wenn Sie ein Abbild zum Transfer auf den USB-Stick ausgewählt haben. Dazu nutzen Sie den Dialog Select image und klicken dabei auf Browse. Nach Übernahme des gewünschten Abbilds im eingeblendeten Dateimanager können Sie im unteren Fenstersegment Konfigurationseinstellungen vornehmen.

Möchten Sie die gewählte Distribution sofort auf den USB-Stick übernehmen, klicken Sie im Reiter MultiBootUSB im _ unteren Fenstersegment auf Install distro. Die Software legt nun die bootfähige Dateisystemstruktur an und schreibt das ISO-Abbild auf den Datenträger. Nach dem Ende des Schreibvorgangs meldet MultibootUSB das erfolgreiche Anlegen des Speichersticks. Rechts unten blendet es zudem die soeben auf den Datenträger transferierte Distribution ein. Bei Bedarf laden Sie nun rechts oben ein weiteres Abbild und schreiben es wie beschrieben auf den USB-Stick.

Um eine bereits installierte Distribution vom Stick zu löschen, markieren Sie sie mit einem Mausklick unten rechts im Fenster und wählen darüber die Schaltfläche Uninstall distroaus. Nach einer Sicherheitsabfrage löscht MultibootUSB das System, wobei es erneut einen Fortschrittsbalken einblendet und nach Beendigung des Vorgangs eine entsprechende Erfolgsmeldung anzeigt 2.

Beim Systemstart vom so angelegten Multiboot-Speichermedium startet zunächst Syslinux. Anschließend erscheint ein schlichter Grub2-Bootmanager, der neben dem Starten der auf den Speicherstick geschriebenen Abbilder außerdem die Option anbietet, direkt vom Massenspeicher des Rechners zu booten. Wählen Sie dementsprechend eines der transferierten Abbilder aus, startet anschließend dessen Bootmanager mit allen spezifischen Optionen.

Persistenz

Sofern eine Distribution das Anlegen persistenter Daten auf einem Wechseldatenträger im Live-Betrieb unterstützt, blen-det MultibootUSB nach der Wahl eines entsprechenden Abbilds links unten im Reiter MultiBootUSB den Schieberegler Persistence ein. Er dient dazu, die Größe des persistenten Bereichs auf dem USB- Stick zu definieren. Sie schieben dazu den Regler einfach nach rechts, wobei MultibootUSB am rechten Rand des Reglers die jeweils eingestellte Größe des persistenten Bereichs in Megabyte anzeigt.

Haben Sie den persistenten Bereich Ihren Anforderungen gemäß eingestellt, dann transferieren Sie das Abbild durch einen Klick auf Install distro auf den mobilen Datenträger, wobei auch der persistente Bereich entsteht. Ein Formatieren oder Anlegen einer gesonderten Partition für den persistenten Speicher auf dem USB-Stick ist nicht nötig. Allerdings nimmt das Übertragen einer Distribution mit einem persistenten Bereich mehr Zeit in Anspruch als üblich.

Test

Bei Bedarf testen Sie die einzelnen Abbilder auf dem Stick auch ohne den Umweg über einen Warmstart des Systems oder der Virtualbox. Dazu benötigen Sie lediglich Qemu als Virtualisierungslösung auf dem Rechner. Für einen Test wählen Sie im unteren Fenstersegment den Reiter Boot ISO/?USB. Im nun eingeblendeten Dialog können Sie im oberen Bereich einzelne ISO-Abbilder testen, in der unteren Zeile den neu angelegten USB-Stick selbst.

Sie stellen dazu im Auswahlfeld Choose RAM size: jeweils die für den Start des Abbilds oder des USB-Speichermediums nötige Arbeitsspeichergröße ein. Dabei lassen sich unabhängig von der tatsächlich im Rechner vorhandenen Arbeitsspeicherkapazität maximal 2 GByte RAM für das einzelne ISO-Abbild beziehungsweise den USB-Stick zuweisen. Anschließend klicken Sie auf Boot ISO oder Boot USB.

Die Anwendung ruft nun Qemu auf. Der Virtualisierer öffnet ein eigenes Fenster, in dem er das ISO-Abbild respektive den Bootmanager des Speichersticks aufruft. Erscheint im Qemu-Fenster ein anderes Image als das, das Sie testen möchten, überprüfen Sie im Hauptfenster von MultibootUSB unter Select image oben rechts das eingestellte Abbild: Nur das hier eingestellte ISO ruft Multiboot- USB mit der Option Boot ISOauf 3.

Singulär

MultibootUSB beherrscht zudem das herkömmliche Anlegen eines startfähigen USB-Sticks. Dazu wählen Sie erneut im Dialog Select USB disk ein Laufwerk aus, geben jedoch keine Partition an. Anschließend bestimmen Sie oben rechts im Programmfenster in der Gruppe Select image das ISO-Abbild, das MultibootUSB auf den USB-Datenträger transferieren soll. In diesem Modus lässt sich nur ein einzelnes Abbild auf den Datenträger übertragen, das die gesamte Kapazität des Mediums beansprucht. Vorhandene Partitionen löscht MultibootUSB dabei komplett.

Nach Auswahl des gewünschten Abbilds öffnen Sie unten im Fenster den Reiter Write image to disk. Die Software blendet nun einen Warnhinweis ein. Sie starten den Transfer des ISO-Abbilds durch einen Klick auf Write image to USB. Haben Sie bei der Auswahl des Zieldatenträgers anstelle eines kompletten Laufwerks versehentlich eine Partition gewählt, weist MultibootUSB Sie vor dem Start des Transfers in einem gesonderten Fenster auf diesen Fehler hin, und Sie können die Geräteauswahl korrigieren.

Nach Abschluss der Übertragung öffnet MultibootUSB den Dateimanager des Linux-Desktops und zeigt die auf dem USB-Medium enthaltenen Daten an. Der Datenträger steht jetzt zum Hochfahren eines Rechners bereit.

Bootmanager

Da MultibootUSB bei FAT32 als verwendetes Dateisystem auf dem USB-Speichermedium stets Syslinux als primären Bootloader einsetzt, kann es nötig werden, dessen Konfiguration zu modifizieren. Um Zugriff auf die Syslinux-Konfigurationsdatei syslinux.cfg zu erhalten, öffnen Sie im Hauptfenster der Anwendung unten mittig den Reiter Install Syslinux. Nach einem weiteren Klick auf Edit ganz unten im Optionsfeld syslinux.cfgöffnet sich ein einfacher Texteditor mit dem Inhalt der Konfigurationsdatei 4.

Hier finden Sie strukturiert die Konfigurationsparameter zu allen Einträgen, die beim Hochfahren des Systems im Bootmanager angezeigt werden. Da es sich bei dieser Datei um eine einfache Textdatei handelt, können Sie die einzelnen Einträge editieren und bei Bedarf überflüssige Einträge entfernen. Nach dem Sichern und einem Neustart des Systems liest Syslinux die aktualisierten Konfigurationsdaten aus und fährt das System mit den neu eingestellten Parametern hoch.

? MultiSystem

Auch bei MultiSystem handelt es sich um ein bereits seit Jahren bereitgestelltes freies Programm, das es ermöglicht, mehrere bootfähige Linux-Distributionen auf einem USB-Stick zu nutzen. Die Software lässt sich unter Debian, Ubuntu und deren Derivaten mit den Befehlen aus Listing 1 in wenigen Schritten installieren. Anschließend finden Sie einen entsprechenden Starter in der Menühierarchie der Arbeitsumgebung.

Nach dem Aufruf der Software gelangen Sie zunächst in ein ungewöhnlich gestaltetes Programmfenster. Haben Sie noch keinen USB-Stick an den Rechner angeschlossen, weist MultiSystem darauf hin und bittet Sie, zunächst einen FAT32- formatierten Flash-Speicher an den Computer anzuschließen. Danach starten Sie MultiSystem neu. Nun erscheint das angeschlossene Laufwerk in der Listenansicht des Fensters. Haben Sie mehrere Laufwerke an den Rechner angeschlossen, tauchen diese untereinander auf 5. Nach Anwahl eines USB-Mediums klicken Sie unten rechts auf den Schalter Überprüfe. Die Applikation bereitet nun das Speichermedium für die Aufnahme neuer Abbilder vor. Nach Abschluss dieses Schritts erscheint ein neues Fenster, in dem Sie das Bootmenü des Grub2-Bootmanagers bearbeiten und ISO-Abbilder für den Transfer auswählen 6.

Die Images legen Sie per Drag & Drop aus dem Dateimanager des Desktops in MultiSystem ab. Das Tool öffnet ein extra Terminalfenster, in dem Sie nach Eingabe des Root-Passworts den Datentransfer auf das USB-Laufwerk nachvollziehen können. Sollte MultiSystem das Abbild nicht unterstützen, öffnet sich ein Hinweis. Anderenfalls passt MultiSystem Syslinux und den Bootmanager entsprechend der gewählten Distribution an.

Danach schließt sich das Terminal, und Sie gelangen zurück ins vorhergehende Fenster. Darin sehen Sie oben die neu auf dem USB-Flashspeicher installierte(n) Linux-Distribution(en). Möchten Sie einen Eintrag modifizieren, genügt dazu ein Doppelklick darauf: Ein sich daraufhin öffnendes Editorfenster gestattet das problemlose Editieren der Einträge im Bootloader-Menü 7.

Unterstützung

MultiSystem unterstützt zahlreiche Betriebssysteme von USB-Sticks. Die entsprechenden Abbilder sichern Sie direkt aus der Anwendung heraus auf die Platte und binden sie von dort aus in MultiSystem ein. Dazu nutzen Sie im Hauptfenster der Anwendung in der oben angeordneten Menüzeile die Option Menüs 8.

Sie gelangen in ein optisch ungewöhnliches, jedoch funktionelles Fenster mit verschiedenen Schaltern. Der Button Live-CDs herunterladen öffnet ein weiteres Fenster, das die unterstützten Betriebssysteme tabellarisch auflistet. Hier nennt MultiSystem auch den jeweils verwendeten Bootloader. Ein Doppelklick auf eines der gewünschten Systeme öffnet den Webbrowser mit der entsprechenden Projektseite, von der aus Sie das Abbild der Distribution herunterladen. Anschließend installieren Sie es per Drag & Drop aus dem Dateimanager ins MultiSystem-Fenster auf dem USB-Stick.

Haben Sie alle Abbilder auf den Stick transferiert, führen Sie einen Warmstart aus und wählen den Stick als Bootmedium. MultiSystem öffnet dann einen farbenfroh gehaltenen Grub-Bootmanager, in dem Sie Ihre Abbilder an erster Stelle vorfinden und sie wie gewohnt starten.

Modifikationen

Um einmal eingerichtete USB-Speichermedien zu modifizieren, nutzen Sie primär die Buttons rechts neben der Systemliste im Hauptfenster. Möchten Sie eine der installierten Distributionen vom Speichermedium entfernen, markieren Sie das gewünschte System mit der Maus und klicken anschließend rechts auf den Button mit dem Papierkorbsymbol. Nach einem Sicherheitshinweis und Eingabe des Root-Passworts im Terminal entfernt MultiSystem die Distribution und löscht den zugehörigen Eintrag in Grub.

Ein Klick auf das Bleistiftsymbol erlaubt, für die markierte Distribution Boot-Parameter in Grub hinzuzufügen. Dazu öffnet sich ein Fenster, in dem Sie aus einer Liste häufig genutzter Parameter die passenden durch Setzen eines Häkchens aktivieren. Ein gesondertes Feld ermöglicht zudem eine freie Texteingabe. Mithilfe der Buttons, die einen Pfeil nach oben und unten zeigen, verschieben Sie einen markierten Eintrag im Bootmanager-Menü. Bei Distributionen, die gestatten persistente Speicherbereiche zu nutzen, lassen sich diese nach Markieren des gewünschten Systems über das Diskettensymbol anlegen. Unterstützt die gewünschte Distribution keinen persistenten Modus, erscheint ein entsprechender Hinweis.

Weitere Werkzeuge rufen Sie im Reiter Menüs auf. Dort haben Sie unter anderem die Möglichkeit, ein Terminal zu öffnen. Für die Bootmanager können Sie in diesem Reiter außerdem verschiedene Einstellungen und Aktualisierungen vornehmen. Möchten Sie den aktiven USB-Stick formatieren, klicken Sie auf USB-Stick formatieren. Zudem können Sie in diesem Menü die Software aktualisieren und Virtualbox per Mausklick installieren.

Backup und Restore

Aus dem Dialog Menüs heraus fertigen Sie zusätzlich ein Backup eines MultiSystem-Flash-Speichers an oder lassen aus einer bereits angelegten Backup-Datei einen USB-Stick wiederherstellen. Dazu klicken Sie auf Backup / Wiederherstellen.

Im sich daraufhin öffnenden Fenster gibt es lediglich drei Optionen: Per Radiobutton fertigen Sie ein Backup an oder starten das Wiederherstellen eines Speichermediums. Die dritte Option schließt das Fenster und bringt Sie zurück in das primäre Fenster der Applikation9 9.

Test

Für Integritätstests der heruntergeladenen Distributionen kooperiert MultiSystem mit einer bereits auf dem System eingerichteten Virtualbox-Instanz. Um einzelne ISO-Abbilder zu überprüfen, wählen Sie im Menü Booten die Option Live-CD in VirtualBox ausprobieren. Es öffnet sich ein kleines MultiSystem-Fenster mit lediglich zwei Bedienelementen: Unterhalb eines Auswahlfelds, in dem Sie das zu testende System vorgeben, befindet sich ein größerer Bereich, in den Sie per Drag & Drop ein heruntergeladenes ISO-Abbild ziehen können. Anschließend öffnet MultiSystem automatisch Virtualbox und startet das ISO-Image. Umständliche Installationsarbeiten in Virtualbox fallen damit weg.

? Ventoy

Ventoy ist ein recht junges Softwarepaket zum Generieren von USB-Datenträgern mit mehreren Betriebssystemen. Das plattformübergreifend verfügbare Programm eignet sich für die Nutzung mit verschiedenen Linux-Derivaten. Zudem gibt es ein Live-CD-System, mit dessen Hilfe Sie einen optischen Datenträger anlegen können, der Ventoy enthält. Die Applikation unterstützt mehr als 800 ISO- Abbilder, sodass für Linux-Anwender praktisch kaum noch Distributionen übrig bleiben, die sich nicht mit Ventoy auf einen USB-Stick transferieren lassen.

Weitere Infos und interessante Links

Live-System

Das Live-System erhalten Sie als etwa 200 MByte großes ISO auf der Projektseite. Das für den hybriden Einsatz vorbereitete Image können Sie auf einen Flash- Speicher oder optischen Datenträger transferieren. Beim Start des neu angelegten Datenträgers fährt das System aus dem Grub-Bootmanager in eine grafische Oberfläche hoch, die jedoch nur Ventoy- 2Disk als Werkzeug zum Anlegen von Multiboot-Datenträgern anbietet0 0. Weitere Werkzeuge oder Konfigurationsmöglichkeiten sind nicht vorhanden.

Schließen Sie das Programm wieder, erfolgt ein Warmstart des ganzen Systems. Die Bedienung von Ventoy2Disk entspricht bis auf die Lokalisierungseinstellung der des installierbaren Programms. Im Live-System müssen Sie allerdings die voreingestellte chinesische Lokalisierung über das Menü Language auf die deutsche Sprache umstellen.

Stationär

Um Ventoy von einem stationären Computer aus nutzen zu können, installieren Sie es auf einem USB-Stick. Im ersten Schritt entpacken Sie auf dem Rechner den heruntergeladenen Tarball mit der aktuellen Version des Werkzeugs. In diesem Archiv befinden sich alle angepassten Varianten der Software inklusive einer Kommandozeilenversion und Paketen für unterschiedliche Hardwarearchitekturen. Nach dem Entpacken wechseln Sie in das Zielverzeichnis, in das alle Pakete entpackt wurden. Dort starten Sie die grafische Variante der Applikation für aktuelle 64-Bit-PCs durch Eingabe des Befehls ./VentoyGUI.x64_64.

Die Software präsentiert nun ein übersichtliches Fenster, in dem Sie zunächst über den gleichnamigen Menüpunkt die Lokalisierung anpassen. Anschließend wählen Sie im Bereich Gerät den USB- Stick aus, auf dem Sie verschiedene Betriebssysteme installieren möchten. Haben Sie mehrere Speichermedien an den Computer angeschlossen, werden diese inklusive ihrer Kapazität sowie Markenund Typenbezeichnung angezeigt, was Verwechslungen praktisch ausschließt.

Nach Wahl des Speichermediums klicken Sie unten links auf Installieren, um den USB-Stick vorzubereiten. Die Anwendung formatiert ihn nach einer Warnmeldung, anschließend ist er einsatzbereit. Im Hauptfenster sehen Sie nun rechts in der Mitte im Feld Ventoy (Gerät) dieselbe Versionsnummer der Software wie links im Bereich Ventoy (lokal).

Die Routine hat eine neue Partition namens Ventoy auf dem Flash-Speicher angelegt, die Sie im Dateimanager der Arbeitsumgebung wie ein konventionelles Verzeichnis öffnen. Sie können nun wahlfrei ISO-Abbilder mit Distributionen, die Sie bereits aus dem Internet bezogen haben, mithilfe des Dateimanagers in das Ventoy-Laufwerk transferieren. Die Anzahl der Abbilder, die sich auf den Wechseldatenträger übertragen lassen, begrenzt dabei nur dessen Kapazität.

Ventoy integriert alle neu hinzugefügten Abbilder automatisch beim nächsten Start des Computers in den Bootmanager Grub. Die Images lassen sich dann wie herkömmlich installierte Distributionen aus dem Bootmenü heraus aktivieren.

Varianten

Da Ventoy permanent weiterentwickelt wird, sollten Sie das System stets aktuell halten. Dazu dient die Schaltfläche Aktualisieren im Hauptfenster der Anwendung, um die neueste Variante auf den USB- Stick zu transferieren.

Für Systeme ohne grafischen Desktop bietet Ventoy eine Kommandozeilenvariante an. Sie bildet den gesamten Funktionsumfang ab und lässt sich über wenige Parameter bedienen. Dazu müssen Sie allerdings die Gerätebezeichnungen der USB-Medien kennen. Es empfiehlt sich, zunächst die genauen Gerätebezeichnungen zu ermitteln, um nicht ein falsches Laufwerk zu überschreiben.

Im Lieferumfang findet sich eine browserbasierte Ventoy-Variante, die Sie nach dem Entpacken des heruntergeladenen Archivs mittels sudo ./ aufrufen. Das Shell-Skript startet den Ventoy-Server, den Sie im Webbrowser unter der URL 127.0.0.1:24680erreichen. Dort erscheint das Ventoy-Programmfenster, das alle Funktionen der installierbaren Version enthält q q.

Persistenz

Ventoy bietet für Distributionen, die das unterstützen, die Option einen persistenten Speicherbereich auf dem USB-Stick anzulegen. Es erzeugt dazu statt einer neuen Partition eine Datei, die die persistenten Daten übernimmt. Somit lassen sich auch Konfigurationseinstellungen und zusätzliche Applikationen für die unterstützten Live-Systeme auf dem Speichermedium dauerhaft sichern.

Im einfachsten Fall legen Sie eine Datei für persistente Daten im Terminal mittels des Befehls aus der ersten Zeile von Listing 2 an. Die Datei mit einer Größe von 1 GByte enthält zunächst nur die Konfigurationsdatei persistence.conf. Die Größe der Datei lässt sich über Parameter variieren, eine ausführliche Dokumentation dazu liefert die Projektseite.

Nun rufen Sie im Terminal mithilfe des Befehls aus der letzten Zeile von Listing 2 das Skript zum Bearbeiten der Plugins auf, um die persistente Datei mit einem der gesicherten Abbilder zu koppeln. Die Plugin-Verwaltung startet einen Webserver, sodass Sie die Plugins in der grafischen Ventoy-Plugson-Oberfläche über einen Webbrowser verwalten können.

Dazu geben Sie die URL 127.0.0.? 1:24681 ein und wählen im dadurch geöffneten Fenster die Option Persistence Plugin. Klicken Sie daraufhin rechts auf den Add-Button. Im eingeblendeten Dialog geben Sie anschließend die Pfade für das zu koppelnde ISO-Abbild auf dem USB-Stick und die Persistenzdatei ein. Bestätigen Sie mit OK, koppelt Ventoy die Dateien schließlich. Eine Statusanzeige verrät, ob die Verbindung erfolgreich etabliert wurde.

Haben Sie den USB-Stick vorbereitet, erscheint bei einem Warmstart das Grub- Auswahlmenü. Wählen Sie die Distribution mit der zugewiesenen Persistenzdatei, erscheint ein weiteres Menü, in dem Sie definieren, ob das System mit oder ohne Persistenz starten soll. Beim Hochfahren mit aktivierter Persistenz wird das Abbild mit allen gesicherten Einstellungen und zusätzlichen Anwendungen aktiviert.

Fazit

Alle Werkzeuge legen zuverlässig multibootfähige USB-Datenträger an. Die Oberflächen sind selbsterklärend, die Bedienkonzepte zum Anlegen der Wechseldatenträger variieren kaum. Unterschiede fallen nur im Detail auf: Nicht alle Kandidaten gestatten, die Multiboot-Medien oder heruntergeladene Abbilder zu testen; der Umgang mit persistenten Speicherbereichen ist teils umständlich. Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie abwägen, welche Funktionen Sie zwingend benötigen. (jlu) ?

Dateien zum Artikel herunterladen unter