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Wann ist das Kleine fit fürs Töpfchen?


Baby & Co. - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 04.09.2019

Viele Eltern wünschen sich, dass ihr Nachwuchs schon früh auf Windeln verzichten kann. Doch es ist Geduld gefragt: Jedes Kind braucht seine Zeit


VON ANFANG AN WINDELFREI?

Tatsächlich gibt es Mütter, die von Babys Geburt an auf Windeln verzichten, auch bei uns in Europa. Doch es ist aufwendig: Windelfreie Babys brauchen Eltern, die unglaublich viel Zeit haben. Denn die Säuglinge lernen nicht, Bescheid zu geben, wenn sie mal müssen, oder das Pinkeln ein paar Minuten zu verschieben – das können sie rein körperlich gar nicht. Die Eltern müssen dem Baby ansehen, wenn Blase oder Darm drücken, und es dann ...

Artikelbild für den Artikel "Wann ist das Kleine fit fürs Töpfchen?" aus der Ausgabe 3/2019 von Baby & Co.. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Baby & Co., Ausgabe 3/2019

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... schnell über der Toilette oder im Garten abhalten. Das klappt tatsächlich. Im normalen Familienalltag ist es allerdings kaum zu schaffen: Der volle Terminplaner, Teppichböden und Polstermöbel machen es schwierig. Für Interessierte hier trotzdem noch ein Buch-

Früh üben ist okay – aber bitte ohne Zwang!


In der Kita unseres Sohnes sind Plastiktüten ein begehrtes Gut, Spenden jederzeit willkommen. Denn wenn bei einem der Kleinen etwas in die Hose geht – ganz wörtlich gemeint –, kommen da die nassen Sachen hinein. Die kleinen Missgeschicke sind ganz normal. Und genau so normal ist es, dass manche Kinder der Krippengruppe schon ohne Windel schlafen, während einige Kinder in der „großen Gruppe” auch tagsüber noch nicht darauf verzichten wollen.

EINE FRAGE DER REIFE
Der Zeitpunkt des Trockenwerdens ist von Kind zu Kind verschieden. Wann die Kontrolle über die Schließmuskel von Blase und Darm erlangt wird, hängt nämlich nicht vom guten Willen des Kindes oder gar von Mamas, Papas oder Omas Zureden ab – sondern davon, ob das Kind von der körperlichen Entwicklung her schon so weit und auch innerlich bereit ist (siehe Kasten rechts). Wer „muss”, geht zur Toilette: Bis dies eine Selbstverständlichkeit ist, sind etliche Entwicklungsschritte zu bewältigen.

„Zunächst muss dem Kind das Druckgefühl in der Blase oder am Po überhaupt bewusst werden”, erklärt Prof. Ulrike Zach, Diplom-Psychologin an der Frankfurt University of Applied Sciences. Dann muss es erkennen, dass zwischen diesem Gefühl und der Entleerung ein Zusammenhang besteht. In einem dritten Entwicklungsschritt muss das Kind einen Erwachsenen darauf hinweisen, dass es gerade ein dringendes Bedürfnis hat. Und schließlich muss es auch noch in der Lage sein, seine Schließmuskeln zu kontrollieren und den Harndrang eine Weile zurückzuhalten.

WANN KANN ES LOSGEHEN?

Eltern können es ihrem Kind anmerken, wenn es bereit ist, trocken zu werden. Hier ein paar Anhaltspunkte:

DAS KLEINE ZEIGT, WENN ES „MUSS”
Zieht das Kind sich für den Stuhlgang trotz Windel zurück, versteckt es sich, hockt es sich hin? Kündigt es an, dass es mal muss, macht es vielleicht spezielle Geräusche? Viele Kinder tänzeln auch von einem Bein aufs andere, wenn Blase oder Darm drücken.

LIEBLINGSTHEMA: „ PIPI” UND „KACKA”
Ahmt das Kind Badezimmerrituale nach? Kann es das große und kleine Geschäft benennen? Spricht es allgemein gern über das Thema oder findet es zum Beispiel Hundehaufen interessant? Werden Tiere oder Puppen spielerisch gewickelt oder aufs Töpfchen gesetzt?

„GROSS WERDEN” IST DEM KIND WICHTIG
Hat das Kind keine Lust mehr aufs Windelwechseln? Möchte es richtige Unterhosen tragen anstatt des Bodys? Sagt es Bescheid, wenn die Windel voll ist? Möchte es gleich eine frische Windel haben? Zeigt es Mama und Papa öfter mal, wie groß und unabhängig es schon ist?

KONTROLLE ÜBER KÖRPERFUNKTIONEN
Ist die Windel tagsüber häufig drei bis vier Stunden lang trocken? Hat das Kind normalen Stuhlgang zu relativ regelmäßigen Zeiten? Kann es laufen? Kann es selbst die Hose an-und ausziehen? Kann es allein auf dem Töpfchen oder dem Toilettenaufsatz sitzen?

Erst wenn das Kind all das kann – dann ist es reif fürs Töpfchen.

Verfrühtes Töpfchentraining sorgt nur für Frust. „Toilette und Töpfchen müssen vom Kind mit positiven Gefühlen verbunden werden”, sagt die Kinderärztin Dr. Ursula Keicher. „Je eher die Kinder merken, dass das Thema für die Eltern kein Problem ist, desto entspannter gehen sie selbst damit um. Und desto eher stellen sich dauerhafte Erfolge ein.”

TÜCH TIG LOBEN!
Ob Kinder Toilette oder Töpfchen bevorzugen, ist verschieden: Manche gehen gern von Anfang auf die Toilette, mit Sitzverkleinerer oder Toilettenleiter. Andere fühlen sich auf dem Töpfchen wohler. Spaß macht es Kindern, sich ihren „Thron” im Laden selbst auszusuchen. Wenn Töpfchen oder Toilettensitz dann erfolgreich ausprobiert werden, ist natürlich ein großes Lob fällig. Und wenn was daneben geht oder gleich ganz in die Hose? Wegwischen und gelassen bleiben, das kann passieren!

Doch ein paar Regeln sind sinnvoll. Zum Beispiel: Pipi machen, ehe man das Haus verlässt oder ins Bett geht. Zwingen sollte man das Kind dazu aber nicht. Genauso wenig, wie das Kind so lange sitzen bleiben muss, bis etwas kommt. „Die Kinder müssen Autonomie lernen. Eltern sollten bald die Verantwortung weitergeben und sagen: Wenn du das Gefühl im Bauch hast, dass du mal musst, dann sag bitte Bescheid”, rät die Diplom-Psychologin Ulrike Zach.

PRAK TISCH DENKEN
Für den Gang zum Töpfchen oder zur Toilette brauchen Kinder Klamotten, die sie selbst ausziehen können. Also Hosen mit Gummizug und Unterhosen anstatt Bodys. Mein Sohn war auf seine ersten Unterhosen so stolz, dass er gern zwei oder drei Exemplare übereinander anzog, ehe wir zum Kindergarten losspazierten. Die beste Zeit für Windelfrei-Versuche ist die warme Jahreszeit. Dann merken die Kleinen, wie gut es sich anfühlt ohne Windel – und wie es nass am Bein he runterrinnt, wenn sie Pipi machen. Für Mama ist es von Vorteil, dass nicht so viel Wäsche anfällt wie im Winter; aber natürlich können Sie jederzeit beginnen, wenn Ihr Kind so weit ist.

INTERVIEW

Ulrike Zach hat eine Professur für Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche an der Frankfurt University of Applied Sciences inne


„DAS TROCKENWERDEN IST EIN REIFEPROZESS


Baby&Co:Gibt es eine Faustregel, bis zu welchem Alter ein Kind sauber und trocken sein sollte?

PROF. DR. ULRIKE ZACH :Mit Altersangaben ist Vorsicht geboten. Das Trockenwerden ist ein Reifeprozess und kann nicht geübt werden, ehe sich die Grundlagen für Körperfunktionen wie die Blasenkontrolle entwickelt haben. Und auch wenn es zuvor schon Teilerfolge gegeben hat: Unkontrolliertes Einnässen zwischen dem zweiten und bis ins vierte Lebensjahr hinein sind völlig normale Ereignisse.
Was können Eltern tun, wenn dauernd was danebengeht? Natürlich sind Eltern nicht sehr erfreut, wenn in unpassenden Momenten die Hose nass ist. Und spontane Unmutsgefühle sind vor dem Kind schwer zu verbergen. Wichtig ist deshalb, ihm trotzdem kein Versagensgefühl zu vermitteln und nicht zu schimpfen. Sondern zu zeigen: Es ist zwar gerade etwas unpraktisch – aber sooo schlimm auch nicht! Oft steckt auch die Trotzphase dahinter, wenn es Rückschritte gibt. Im Zweifelsfall sollten Eltern den Arzt fragen: Manchmal sind auch eine Blasenentzündung oder seelische Ursachen – etwa Angst vor dem Kindergarten – Gründe für erneutes Einnässen.
Worauf sollten Eltern bei der Sauberkeitserziehung außerdem achten? Wichtig ist, dem Kind dabei zu helfen, die Regulation hinzukriegen: Wann ist es nötig, zum Töpfchen zu gehen? Dafür müssen sie viel mit ihm sprechen. Zum Beispiel Hinweise geben: „Wenn es sich im Bauch so anfühlt, als müsstest du mal, dann laufe gleich ins Badezimmer und ziehe schnell die Hose herunter.” Wenn das Kind ausnahmsweise tagsüber noch mal eine Windel tragen soll – vielleicht wegen einer längeren Busfahrt, auf der es weit und breit keine Toiletten gibt –, ist es wichtig, mit ihm darüber zu sprechen. Erwachsene denken sich oft etwas, sagen aber nur die Hälfte davon. Kinder brauchen aber die ganze Erklärung.

Geschafft! Ein eigener Toilettensitz macht es Kindern leichter


Apropos Wäsche: Anfangs immer Ersatz mitnehmen! Wenn die Kleinen ins Spiel vertieft sind, merken sie oft zu spät, dass sie gerade mal mussten. Und was zu Hause schon prima klappt, kann unterwegs noch schwierig sein. Auch beim Schlafen bemerken Kinder den Druck auf der Blase anfangs oft nicht. Manchmal wachen sie nicht einmal auf, wenn sie schon in einer Pfütze liegen. Nachts sind also noch etliche Monate länger Windeln angesagt. Und eine wasserdichte Matratzenauflage ist sowieso Pflicht. Die kleinen Töpfchengänger stört das nicht: Die sind jetzt einfach stolz auf sich!

BILDERBUCHTIPPS

Bärbel Spathelf: der kleine zau berer windelfutsch.Albarello, 12,90 Euro

Bringt Kindern einfühlsam und humorvoll das Töpfchen näher.

Hermien Stellmacher: Moritz Moppelpo …arsEdition, 7,99 Euro

In diesem Band der Reihe mag sich der kleine Hase erst nicht von seiner Windel trennen.

ELTERNBUCHTIPPS

Claudia Sarkady: Family guide – so wird mein Kind sau ber.Circon, 5,99 Euro Claire Cross: so wird ihr kind sau ber.DK, 9,95 Euro Gabriele Haug-Schnabel: wie kinder sau ber werden können.Oberstebrink 17,80 Euro


FOTOS: Getty Images/iStockphoto/matka_Wariatka, -/kfleen; Privat