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Wann küssen die sich endlich?


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L-MAG - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 28.10.2022
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Carmilla & Laura in „Carmilla“ (1872)

Na klar: Vampir:innen sind pansexuell! Was wir heute als selbstverständlich hinnehmen, hat sich der irische Schriftsteller Sheridan Le Fanu ausgedacht: Er schildert in seiner Novelle „Carmilla“ die Begegnung zwischen der Schlossbewohnerin Laura und ihrem mysteriösen Gast (Carmilla), die sich als Vampirin entpuppt. Die heiße – wenn auch nur angedeutete – Liebesgeschichte zwischen den beiden (wir sprechen hier vom 19. Jahrhundert!) war Vorbild für viele lesbische Vampirinnen in Literatur und Film. Ein Kulthit wurde etwa die Webserie „Carmilla“ (2014–2016), die die Handlung in ein College verlegte. 2017 entstand sogar ein Spielfim, der die Story weiterspinnt (Foto: Filmplakat von „The Carmilla Movie“). Wie Pfarrerssohn Le Fanu auf die Idee zu seiner Geschichte kam, ist leider nicht überliefert.

Manuela von Meinhardis & Fräulein von Bernburg in „Mädchen in Uniform“ ...

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... (1931)

Hach, die Schwärmerei für die Lehrerin: Das kennen viele junge und künftige Lesben! Manuela (Hertha Thiele) kommt nach dem Tod ihrer Mutter auf ein strenges Internat und verliebt sich in ihre warmherzige Lehrerin Fräulein von Bernburg (Dorothea Wieck). Es kommt sogar – damals eine Sensation! – zu einem Kuss. Die verbotene Liebe darf’s natürlich nicht geben, aber dass das lesbische Liebesdrama nicht tödlich endet, wie es um 1930 und noch viele Jahrzehnte danach im Kino üblich war, liegt sicherlich daran, dass die Drehbuchautorin Christa Winsloe selbst lesbisch war. Viel harmloser geriet das Remake des Films (1958, Foto) mit Romy Schneider und Lili Palmer, in dem Fräulein von Bernburgs Gefühle eher mütterlicher Natur sind.

Carol & Therese in „Carol“ (Roman: 1952, Film: 2015)

Schon beim ersten Blickkontakt zwischen der jungen Verkäuferin Therese und der mondänen Kundin Carol im Weihnachtstrubel eines New Yorker Kaufhauses prickelt’s gehörig und schnell werden daraus die ganz großen Gefühle. Genau eine solche Begegnung mit „einer blonden Dame“ inspirierte die lesbische Autorin Patricia Highsmith zu „Salz und sein Preis“, wie der Lesbenroman zunächst hieß, der lange als einziger seiner Art mit zuversichtlichem Ende galt. Das Buch, das unter dem Pseudonym „Claire Morgan“ erschien, wurde ein Bestseller – jedoch nicht in Highsmiths Stammverlag, der das Werk ablehnte. Todd Haynes’ Verfilmung mit den elektrisierenden Hauptdarstellerinnen Rooney Mara und Cate Blanchett (Foto) wurde zum erfolgreichsten Lesbenfilm aller Zeiten.

Patience & Sarah in „Patience und Sarah“ (1969)

Dass vor gut 50 Jahren endlich die ersten lesbischen Liebesromane mit starken Charakteren und Happy End erschienen, haben wir lesbischen Feministinnen wie Alma Routsong (1924–1996) zu verdanken. Unter dem Pseudonym „Isabel Miller“ schrieb sie den Klassiker „Patience & Sarah“ („Isabel“ ist übrigens ein Anagramm von „Lesbia“). Ihr Liebespaar im ländlichen New York des 19. Jahrhunderts hat historische Vorbilder: Die Figur der wohlhabenden Patience und die der hosentragenden Sarah, die zusammen gen Westen ziehen und ein neues gemeinsames Leben aufbauen, basieren auf der Malerin Mary Ann Willson und ihrer Lebensgefährtin Florence Brundage.

Celie & Shug in „Die Farbe Lila“ (Roman: 1982, Film: 1985)

Niemand hat eine glückliche Liebe mehr verdient als die geschundene Celie, die von klein auf Gewalt durch Männer erleben musste. Erst durch die schöne Sängerin Shug lernt sie die Freuden des Sex kennen und gewinnt den Mut, ihren furchtbaren Mann zu verlassen. Mit ihrer Entscheidung, keinen männlichen Erlöser in Celies Leben treten zu lassen, war die queere Autorin Alice Walker ihrer Zeit voraus. Steven Spielberg deutete in seiner Verfilmung mit Whoopi Goldberg und Margaret Avery (Foto) ihre Beziehung hingegen nur hauchzart an – man kann wohl davon ausgehen, dass er eine Hetero-Lovestory mehr ausgekostet hätte. Das für 2023 angekündigte Musical-Remake spart die Liebesgeschichte voraussichtlich nicht aus.

Corky & Violet in „Bound“ (1996)

Bonnie und Bonnie statt Bonnie und Clyde: Mit dem coolen Ex-Knacki Corky (Gina Gershon) und der verführerischen Femme Violet (Jennifer Tilly), die deren Mafia-Lover um zwei Millionen Dollar erleichtern, präsentierten die Wachowskis die nächste Generation an selbstbewussten Lesbenpaaren. Solche heißen lesbischen Sexszenen hatte es im Mainstreamkino vorher nicht gegeben (und es war ein Novum, dass sie von einer lesbischen Beraterin choreografiert wurden). Das Drehbuch brach auch mit einer anderen Kino-Konvention: Keine der beiden Frauen spielt ein falsches Spiel, ihre Liebe ist echt, und am Ende fahren sie glücklich zusammen mit dem Geldkoffer in den Sonnenuntergang!

Bette & Tina in „The L Word“ (2004–2009)

Mit einem leidenschaftlichen Kuss zwischen Bette (Jennifer Beals) und Tina (Laurel Holloman) und dem Satz „Let’s make a baby!“ begann die weltweit erste Lesbenserie – und ein Traumpaar war geboren! Im Rückblick spricht allerdings viel für eine Romantisierung durch ein Publikum, das eigene Wünsche auf das Paar projizierte: Wer sich die alten Staffeln anschaut, muss erkennen, dass die beiden wahrlich nicht gut füreinander sind. Auch wenn „TiBette“ im Serien-Reboot „The L Word: Generation Q“ geschieden und neu liiert sind, wünschen sich viele bis heute ein Pärchen-Revival. Immerhin: Ein Cliffhanger weckte Hoffnungen – Staffel 3 startet im November in den USA.

Saskia & Harumi in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (1996)

Seit Mitte der 90er-Jahre gibt’s auch in der sterilen Soap-Welt Frauenpaare. Die schlechte Nachricht: Meist dienten sie als Ausstiegsgeschichte. Den Anfang machte Saskia (Saskia Valencia), die ihre alte Schulfreundin Harumi (Mey Lan Chao) wiedertraf und sich in sie verliebte – und keine drei Monate später wanderte das Paar zusammen aus. Dieses ärgerliche Muster prangerte „Verbotene Liebe“-Darstellerin Raphaela Dell 1999 an, als ihre Beziehung zu Nina (Freya Trampert) mit ihrem Wegzug beendet wurde – erst Jahre später wurde ein Happy End nachgereicht. Dass sich durchaus auch längere lesbische Storylines erzählen lassen, erkannte erst dieARD-Soap „Marienhof“, die die ersten Frauenbeziehungen ohne festgelegtes Verfallsdatum zeigte.

Clarke & Lexa in „The 100“ (2015–2016)

Zehn Folgen lang fieberte das Publikum der Endzeit-Serie mit, bis die bisexuelle Hauptfigur Clarke (Eliza Taylor) und Lexa (Alycia Debnam-Carey) endlich ein Paar wurden – doch ihr Liebesglück dauerte nur eine Sendeminute: Nach dem ersten Sex wurde Lexa versehentlich erschossen. Ihr Tod löste in den USA einen gewaltigen Shitstorm aus, und der Protest gegen das unnötige Lesben-Sterben wurde schnell grundsätzlich, denn in der damaligen TV-Saison wurden insgesamt dreißig weitere lesbische und bisexuelle Charaktere zu Grabe getragen! Die bittere Botschaft „Lesbischsein kann nur tragisch enden!“ ist dann auch der Serien-Branche aufgefallen, die’s seitdem (meist) besser macht. „Clexa“, so ihr Pärchenname, leben allerdings nur in den Herzen der Fans weiter – und seit 2017 auch in der lesbisch-queeren Fan-Convention „ClexaCon“.

Héloïse & Marianne in „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (2019)

Eine kleine bretonische Insel, 1770. Die Malerin Marianne (Noémie Merlant) reist an, um die junge Adelige Héloïse (Adèle Haenel, die Ex-Freundin und Muse von Regisseurin Céline Sciamma) zu porträtieren, die sich beharrlich dagegen wehrt – und langsam aber stetig wächst die Anziehung zwischen den beiden. „Ich wollte Schritt für Schritt zeigen, wie es ist, wenn man sich ineinander verliebt. Das pure Erlebnis, die ganze Wonne“, erklärte Sciamma dazu. Ihren Hauptdarstellerinnen gelingt es, die steigende erotische Spannung so spürbar zu machen, dass fast die Leinwand beschlägt. Die leidenschaftliche, bittersüße Lovestory ist ein perfektes Beispiel für einen Film, der mit weiblichem Blick statt mit „Male Gaze“ erzählt ist.

// Karin Schupp