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WANN WERDEN AUTOS SCHLAUER ALS WIR?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 14/2022 vom 07.04.2022

INTERVIEW Osman Dumbuya

Artikelbild für den Artikel "WANN WERDEN AUTOS SCHLAUER ALS WIR?" aus der Ausgabe 14/2022 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 14/2022

SIE ÜBERSETZEN SPRACHE, verstehen, wohin wir fahren wollen, merken sich, wo wir gestern waren und was wir am liebsten einkaufen. Ist das schon künstliche Intelligenz (KI)? Was ist das überhaupt genau? AUTO BILD traf einen, der es weiß. Osman Dumbuya (44), Gründer und CEO des Software-Start-ups Incari in Berlin.

Ist künstliche Intelligenz bald schlauer als wir?

Dumbuya: Nein, sie ist erst mal vor allem ein Buzzword, mehr nicht. Heute ist KI die Intelligenz des Programmierers.

Wenn ich sage, mein Auto hat KI, was erwarte ich dann?

Dumbuya: Na ja, die Erwartung kennen wir alle: Bei Knight Rider hatte KIT ein eigenes Bewusstsein, hat quasi selbstständig agiert. Heute gibt es Maschinen, die alles richtig machen – wie ein Taschenrechner zum Beispiel. Aber sie sind deshalb nicht intelligent. Ein Auto, das mich auf dem effizientesten Weg von A nach B durch eine Stadt ...

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... bringt, ist programmiert. Auch das hat mit Intelligenz nichts zu tun. Intelligent wird es erst dann, wenn ich sage, hey, bring mich mal zum Potsdamer Platz, und das Auto sagt, nee, heute ist das Wetter so schön, lass uns lieber raus an den See fahren. Was ich sagen will: Bei KI geht es darum, Maschinen zu entwickeln, die eigenständig handeln können. An dem Punkt sind wir noch lange nicht. Wir haben nicht mal eine Vorstellung davon, wie der Weg dahin geht, so komplex ist das.

Wo stehen wir denn?

Dumbuya: Auf einer Skala von 0 bis 100, wenn 100 die Reproduk-tion der Leistung des menschlichen Gehirns ist? Da sind wir noch nicht mal bei 10 Prozent. Vielleicht kommt jemand irgendwann auf die Lösung, wie man Intelligenz elektrotechnisch abbilden kann. Ich weiß es nicht.

Was haben wir heute?

Dumbuya: Algorithmen haben wir, unglaublich viele. Einen Elefanten auf der Straße erkennen wir mit unserer Sensorik extrem schnell und fahren drum herum oder bremsen. Ein Computer muss dafür etliche Schritte durchlaufen. Erst ist es irgendwas, dann eine graue Wand, vielleicht sind es aber nur Nebelschwaden. Ist es Beton oder ist es eine Glaswand, durch die man fahren kann? Ein Check nach dem anderen läuft da ab. Das kann man alles hinbekommen, aber überlegen Sie mal, wie viel Schritte da ablaufen. Deshalb ha- ben Computersysteme so große Schwierigkeiten, ein Auto autonom durch unsere Welt zu führen.

ZUR PERSON Osman Dumbuya

In Sierra Leone geboren, kam mit 5 Jahren nach Berlin, studierte Anfang der 2000er Informatik. Seine erste Software-Firma verkaufte er in die USA. Heute arbeitet er an Software für den Piëch-E-Renner, an Hardware, die unser Leben leichter macht.

Leichter leben

Was wäre, wenn Computer und Bildschirme nicht mehr als solche erkennbar wären? Wenn sie in Wänden, Scheiben, Tischen steckten? Die Bilder zeigen, was in Zukunft möglich sein wird. Sprache und Bewegung werden das dauernde Tippen ablösen. Ob im Auto oder beim Shoppen vorm Schaufenster …

Wo ist Ihr Ansatz?

Ich will digitale Maschinen menschengeeigneter machen. Die Entstehungsgeschichte des Computers ist sehr ingenieursgetrieben, bis Steve Jobs kam. Keine grauen Kisten mehr, sondern smarte, harmonische Begleiter deines Lebens. Der Zugang zu digitaler Infrastruktur wird sich verändern, sogar die Notwendigkeit, sein Handy immer dabeizuhaben, wird verschwinden. Wir werden an und in Wänden, Schaufenstern, Bushaltestellen, einfach überall Zugang zu unseren Accounts haben. Auch durch Sprache. Früher waren Wohnzimmer auf den Fernseher ausgerichtet. Künftig werden digitale Geräte unsichtbar integriert sein. Auf dem Tisch, an der Tür, in den Wänden, in einem Holzbrett. Man wird nicht mehr wahrnehmen, dass es ein Computer ist.

„Heute ist künstliche Intelligenz die Intelligenz des Programmierers.“

Osman Dumbuya

Können wir das? Oder andersherum: Warum überlassen wir Innovationen immer den anderen?

Dumbuya: Ihr Eindruck ist falsch und auch richtig. Die Autoindustrie ist innovativer als andere. Auch KI wurde zuerst in Europa entwickelt. Aber dann hat Google investiert und nicht Europa. Und heute brauchen wir Milliarden, um das aufzuholen. Amazon, Google, Apple, Microsoft sind ja nicht als Giganten entstanden. Sondern in Garagen.

Sind wir nicht vorausschauend genug?

Dumbuya: Wir handeln verhalten. Wie beim Smartphone. Stellen Sie sich vor, die Amerikaner hätten vor 120 Jahren ähnlich reagiert, als Daimler das erste Auto mit Verbrennungsmotor erfand. Sie hätten sich zurückgelehnt, gesagt, hey, wir haben ja einen freien Markt mit Europa, die werden uns das schon rüberschicken und verkaufen. Die Konsequenz für die USA wäre gewesen: Sie hätten nie verstanden, wie ein Verbrennungsmotor funktioniert, es hätte Ford nie gegeben, die USA hätten nie angefangen, Trucks zu bauen, nie Flugzeuge, nie Flugzeugträger. All das hätte gefehlt, weil sie das Know-how nicht gehabt hätten. Ein ähnliches Bild können wir in der IT-Welt für uns zeichnen. Ende der Siebzigerjahre kamen die ersten Personal Computer, das war die Initialzündung. Alles danach baute darauf auf. Wir haben das alles verpasst. Jetzt reden die Amerikaner über Quantencomputer, und wir stellen in Europa fest, dass wir ohne China weder CPUs noch kompakte Platinen bauen können. Wir sitzen da und haben gar keinen Zugang mehr, diese Strukturen aufzubauen.

Was müssen wir tun?

Wir sehen doch gerade, wie gefährlich Abhängigkeiten sind, zum Beispiel bei der Energie. Die Frage ist: Was müssen wir als Gesellschaft machen, um resistent gegenüber Herausforderungen zu sein, um unabhängig zu sein? Wir brauchen eigenes Know-how, die Fähigkeit, die Infrastruktur, auf die wir angewiesen sind, selbst zu betreiben. Das können wir im Bereich der Digitalisierung nicht, in der Energieversorgung nicht, auf den Marktplätzen dieser Welt nicht. 62 Prozent des digitalen Handels laufen über Amazon. Wir brauchen das Bewusstsein für eine deutsche und europäische Souveränität.

Wie geht es weiter am Steuer?

Dumbuya: Die erste Verbesserung der Mensch-Maschine-Schnittstelle im Auto war die Laut-Leise-Bedienung am Lenkrad, dann später die Telefon-an/aus-Taste. Weil die Hände ja naturgemäß am Lenkrad sein sollten. Dann kam die Sprachbedienung. Damit man nicht 100 Knöpfe hat, kamen die Bildschirme dazu, die von Menü zu Menü eigentlich ja nur Knöpfe abbilden. In der nächsten Generation von Autos ändern sich die Bedürfnisse hinsichtlich der Innenräume, der Interaktion. Beide Hände am Lenkrad wird es nicht mehr geben. Ergonomische Grenzen fallen weg. Der Fahrer muss nicht mehr alle Bedienelemente sofort erreichen. Muss das Display an den Sitz und sich dann mitbewegen, mitdrehen oder aufs Cockpit? Wird Sprache weiter das Haupt-Kommunikationsmittel sein? Ich glaube ja. Die Spracherkennungssysteme sind heute leistungsfähig, spektakulär. Dennoch ist es so, dass die ersten, die auf den Markt kamen, so schlecht waren, dass viele heute keine Lust mehr auf einen neuen Versuch haben.

Wie werden autonome Autos kommunizieren?

Dumbuya: Was wir dann brauchen, ist Feedback vom Fahrzeug, dass es mich verstanden hat. Sucht es das Ziel? Hat es das Reh da vorne auf der Straße erkannt? Die Passantin am Zebrastreifen? Das muss passiv, also visuell oder mit Zeichen auf dem Screen erfolgen, denn was wir nicht wollen, ist ein plapperndes Auto, dass mir andauernd sagt: „Hab den Laster da vorne gesehen, klaro! Guck mal, da ist eine Apotheke! Da links ein Baum …“ Wir arbeiten an Software, die das kann, auch in Virtual Reality.