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Warum der nächste Schritt wichtig ist


CIO - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.06.2021

KARRIEREWEGE IN DER IT

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Christa Koenen (49) ist CIO der Deutschen Bahn und Vorsitzende der Geschäftsführung der IT-Tochter DB Systel GmbH. Im September wechselt sie als CIO und Chief Data Officer in den Vorstand der DB-Tochter DB Schenker.

Frau Koenen, was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?

Christa Koenen: Ich hatte kein explizites Lieblingsfach. Ob ich ein Fach mochte oder nicht, hing für mich immer davon ab, wie gut die Lehrerinnen und Lehrer die Inhalte rübergebracht und wie sehr sie mich begeistert haben. Am Ende habe ich dann Englisch und Mathematik als Leistungskurse gewählt, die beide Spaß gemacht haben.

Welchen Berufstraum hatten Sie als junges Mädchen?

Als ich ganz jung war, wollte ich Cowgirl werden. Das war damals für mich eine tolle Vorstellung, denn mein Onkel war auch eine Zeitlang Cowboy auf einer Ranch in Wyoming. Später hatte ich keine feste Vorstellung, außer dass ich erfolgreich sein und Entscheidungen treffen wollte. Irgendetwas, wo ich mitreden konnte.

Sie haben dann Volkswirtschaft studiert und später noch einen MBA draufgesetzt. Wie kam es dazu?

Zu meiner Zeit gab es keine Berufsberatung, ...

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... das ist heute ja anders. Deshalb habe ich mich an meinem Umfeld orientiert und bin so auf VWL gekommen. Ich habe dann zwar noch einmal mit Medizin geliebäugelt und auch ein Praktikum absolviert, bin letztendlich aber doch bei VWL geblieben, weil das besser für mich passte.

Wie ging es nach dem Studium weiter?

Ich war zunächst bei einer Unternehmensberatung, wo ich vor allem im strategischen Bereich unterwegs war. Das war sehr analytisch, sehr mathematikbasiert – wie VWL ja auch, beispielsweise Conjoint-Analysen für Preisfindung. Danach bin ich bei der Deutschen Bahn über die Strategieabteilung eingestiegen und habe Projekte geleitet wie Optimierung der IT und der TK. Von da ging es in den Bereich Finance und Controlling, speziell ins Unternehmens-Controlling, wo man die großen Muster sieht, sich die Trends anguckt und das Business analysiert.

Sie waren in der Folge Finanzchefin verschiedener Bahn-Töchter. Heute verantworten Sie als Chief Information Officer (CIO) die IT der Deutschen Bahn und sind Vorsitzende der Geschäftsführung der IT-Tochter DB Systel GmbH. Wie kommt man von Finance zu IT?

Als ich Finanzchefin der DB Kommunikationstechnik GmbH war, gehörte auch der Bereich IT zu mir und damit alle großen IT-Projekte. Und IT ist ja das Herzstück eines jeden Unternehmens. Ohne die IT geht heute nichts mehr. Damit habe ich mich auch damals schon intensiv auseinandergesetzt.

Warum hat Sie die IT gereizt?

Einerseits ist die IT ein faszinierendes Instrument, mit dem man gestalten kann – wie etwa Kundeninteraktionen oder Produktionsprozesse –, und wo man mit Innovationen viel erreichen kann. Andererseits kann man mit der Art und Weise, wie man in der IT zusammenarbeitet, unglaublich viel bewegen. Das agile Arbeiten, Experten eine Stimme und Raum zu geben, die Geschwindigkeit der Innovationen …

Warum ist IT gerade bei der Bahn spannend, wie würden Sie das Talenten erklären?

Die Deutsche Bahn ist einer der spannendsten Arbeitgeber, weil wir ein so breites Feld bieten, wo man sich einbringen kann, und wo man auch alle paar Jahre mal gucken kann, was es für neue Herausforderungen im eigenen Unternehmen gibt. Wenn man sich unsere Ziele ansieht, die wir uns mit unserer Strategie „Starke Schiene“ vorgenommen haben, da weiß man, wofür man arbeitet. Das zentrale Anliegen ist ja, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen – für das Klima, für die Menschen, für die Wirtschaft und für Europa. Das heißt konkret, wie bekommen wir künftig 260 Millionen Passagiere im Fernverkehr plus eine Milliarde mehr Kunden im Regionalverkehr organisiert, und wie bekommen wir 70 Prozent mehr Güter auf die Schiene? Wir brauchen die IT , um diese Ziele auch zu erreichen.

Früher hat man die Bahn ja nicht unbedingt mit IT verbunden …

Das stimmt, aber in den letzten Jahren haben wir uns so weiterentwickelt und positioniert, dass wir als DB Systel zu den Top Ten der beliebtesten (IT-)Arbeitgeber gehören – zum Beispiel auf Kununu. Wir sind sichtbar in der IT, auch durch unsere Cloud-Migration, unsere Transformation der Arbeitsweise und innovative Projekte.

Haben Sie da ein Beispiel?

Wir haben spannende Projekte im KI-Umfeld, etwa im Bereich Instandhaltung. Über Kamerabrücken fotografieren wir zum Beispiel die Dächer der Züge ab und werten die erfassten Daten automatisch dahingehend aus, ob es Schäden auf den Dächern gibt. Oder nehmen wir unseren KI-Sprachassistenten „Semmi“, den wir momentan mit der TH Köln weiterentwickeln. Hier wollen wir wegkommen von den einfachen KI-Dialogen und dahin, dass Semmi auch die Parameter der menschlichen Kommunikation wie Emotion und Reaktion aufnehmen kann.

„Es gibt keinen Zwang, dass man Führungskraft werden muss. Ein Credo muss aber sein, Mut zu haben und zu sagen, ich probiere das aus.“

Welche Talente haben bei Ihnen eine Chance?

Egal ob mit oder ohne MINT-Hintergrund, es gibt viele Möglichkeiten bei uns in der IT. Wir haben ein breites Spektrum an Hintergründen – neben Informatik, Physik oder Mathematik zum Beispiel auch Wirtschaftswissenschaften oder Psychologie. Viele Kolleginnen und Kollegen sind auf Umwegen in die IT gekommen, haben sich weitergebildet in Sachen Programmierung, Softwareentwicklung oder Data Science. Inzwischen haben wir übrigens eine dreistellige Zahl an Data Scientists in der gesamten Bahn.

Was müssen Kandidatinnen und Kandidaten mitbringen?

Ich glaube ganz fest daran, dass – wenn man sich sein ganzes Leben lang weiterbildet – das Studium oder die Ausbildung die Grundlage ist, auf der man abspringt. Man hat alle Möglichkeiten, wenn man mutig und offen ist, Interesse hat und sich anguckt, wo man sich einbringen kann.

Wie hoch ist der Frauenanteil bei Ihnen in der IT?

Wir liegen in der DB Systel mit 24 bis 25 Prozent über dem bundesdeutschen Schnitt von 17 Prozent. Wir tun alles, um diesen Anteil weiter auszubauen: Wir bieten beispielsweise Schülerpraktika an – in den letzten Monaten auch virtuell, wir engagieren uns beim Girls‘ Day mit Programmierkursen, wir haben einige Schulkooperationen, sind beteiligt an MINT-Mentoringprogrammen, und wir haben unser eigenes Hochschulnetzwerk mit 40 Botschaftern und Botschafterinnen aus der DB Systel, die regelmäßig an 30 verschiedenen Hochschulen Vorträge halten und aus dem IT-Berufsalltag der Bahn berichten.

Wie sieht es aus in Sachen Chancengleichheit und Equal Pay bei der Deutschen Bahn?

Da gucken wir ganz genau hin, das ist mir ein großes Anliegen. Diese Punkte müssen so normal und so klar sein, dass man da nicht mehr drüber sprechen muss.

Sprechen wir über Karriere: Wie sind Sie persönlich vorgegangen?

Zunächst habe ich reflektiert und geschaut: Ist das, was ich mache, gut? Dann habe ich überlegt, ob mir das reicht oder ob ich weitere Herausforderungen brauche. So bekommt man eine Vorstellung, wo es hingehen könnte. Aber der nächste und der übernächste Schritt, das sind die wichtigen! Wie weit es danach noch geht, das wird sich zeigen …

Gab es jemanden, der Sie unterstützt hat?

Es ist immer hilfreich, wenn man Menschen in seinem Umfeld hat, mit denen man sich austauschen kann, die einen fördern oder Mentoren sind. Ich hatte einen ganz tollen Mentor, der mir über viele Jahre geholfen hat, den nächsten Schritt zu wagen und einfach mal zu machen.

Apropos nächster Schritt: Wie geht es bei Ihnen weiter?

Ich wage tatsächlich im September den nächsten Schritt und wechsle innerhalb des Konzerns in den Vorstand von DB Schenker. Dort verantworte ich als CIO und Chief Data Officer die digitale Transformation eines der weltweit führenden Logistikdienstleisters.

Sie sind in der IT in einer nach wie vor männerdominierten Branche unterwegs, wie haben Sie sich da durchgesetzt?

Wahrscheinlich durch meinen Charakter (lacht). Viel hängt davon ab, wie man auftritt. Und man muss den Mut haben, einfach hinzugehen und gehört zu werden. Man findet, glaube ich, keine Frau, die einen gewissen Karriereweg gegangen ist, die sich nicht bis zu einem gewissen Maße durchsetzen musste. Das geht von „Wo platziere ich mich sichtbar am Konferenztisch?“ über „Wie verschaffe ich mir Gehör?“ bis hin zu Hinweisen darauf, dass gewisse Witzchen einfach nicht witzig sind. Ich glaube, man muss einfach geradestehen, seinen Raum einnehmen, es sich zutrauen und den Mut haben, hineinzuwachsen. Denn: in jeden Job und in jedes Level muss man reinwachsen.

Welchen Karrieretipp haben Sie gerade für Frauen?

Ich rate allen Mädchen und Frauen, seid neugierig! Neugierig, was Zusammenhänge, die Industrie oder das Umfeld angeht, in dem sie unterwegs sind. Neugierig, wenn ein neuer Job begonnen wird. Und hinterfragt Sachen, zeigt euch, diskutiert mit und mischt mit! Dann findet jede Frau auch ihren Weg.

Auch in puncto Führung?

Ich denke, jede Frau muss zuerst einmal selbst herausfinden, welcher Weg zu ihr passt. Es gibt ja keinen Zwang, dass man Führungskraft werden muss. Ein Credo muss aber sein, Mut zu haben und zu sagen, ich mach das, ich probiere das aus. Ich nehme das Projekt oder die Herausforderung an und ich kämpfe mich da durch. Und wenn es mal nicht ganz so gut klappt, dann kämpfe ich mich so lange da durch, bis ich eine Lösung gefunden habe. Ansonsten muss jede einzelne von uns ihren eigenen Führungsstil und ihr eigenes Auftreten finden. Aber jede Frau sollte dabei an sich und ihre Fähigkeiten glauben und daran, dass sie gleichberechtigt mitreden kann und sollte!

Karen Funk [redaktion@cio.de]