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Warum Foot Locker unterbewertet ist


AnlegerPlus - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 29.02.2020

VALUE-SERIE Die auf Schuhe und Sportbekleidung fokussierte Einzelhandelskette Foot Locker ist auf Rang 14 in der US-Bekanntheitsliste von spezialisierten Einzelhändlern zu finden. Die Fans sind loyal und bestehen hauptsächlich aus Generation-X- und Millennial-Kunden. Übertriebene Ängste vor der „Amazonisierung“ haben die Aktie auf ein KGV unter 8 gedrückt. Ein Value-Investment für Mutige?


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Bildquelle: AnlegerPlus, Ausgabe 2/2020

Wert und Preis stimmen bei Aktien oft nicht überein. Genau da beginnt das Interesse der Value-Investoren, denn ihre Anlagephilosophie besteht darin, die Differenzen zu ihrem Vorteil zu nutzen. Auch in einer rationalen ...

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... Welt können Über- oder Unterbewertungen lange bestehen und sich sogar ausweiten - bis dann wieder unweigerlich die Rückkehr zum Mittelwert erfolgt.

Erlebniswelt contra E-Commerce

Die aktuelle Marktkapitalisierung von Foot Locker beträgt rund 4,2 Mrd. US-Dollar. 2018/19 (GJ-Ende 31. Januar) belief sich der Gewinn auf 547 Mio. US-Dollar - ein KGV von 7,8! Der Umsatz stieg von 2014 bis 2018 von 7,15 Mrd. US-Dollar auf 7,94 Mrd. US-Dollar. Dabei wird an der Börse nicht erst seit gestern befürchtet, dass vor allem Amazon, aber auch andere Online-Händler den sogenannten Specialty-Retailer-Ketten (Einzelhandelsketten) wie z. B. Foot Locker das Wasser abgraben werden.

Die Abwanderung der Käufer von Sportbekleidung und -schuhen zu reinen ECommerce-Anbietern ist jedoch begrenzt. Ein ganz natürlicher Grund ist die Tatsache, dass Füße höchst unterschiedlich sind - platt, breit, gesenkt, geschwollen usw. Daher legt ein hoher Prozentsatz der Käufer, selbst die jüngeren, gesteigerten Wert auf Passform, Bequemlichkeit und Haptik - und die lassen sich nur durch Anprobieren testen. Zudem hat Foot Locker eigene Online-Aktivitäten entwickelt. Die Läden sind ansprechend und großzügig gestaltet und bieten ganz zeitgemäß eine immer neue Erlebniswelt für die Kunden. Frauen spielen als vernachlässigte Zielgruppe eine wichtige Rolle für Foot Locker. Das zielgerichtete Marketing und entsprechend spezialisierte Angebote haben nachhaltig für mehr weibliche Käufer gesorgt.

Von Woolworth zu Foot Locker

Entstanden ist Foot Locker 1974. Die ehemalige Muttergesellschaft Woolworth hatte 1963 die Kinney Shoes Corp. erworben und elf Jahre später in Kalifornien mit Sportschuhläden die Marke Foot Locker etabliert. 1998 wechselte die einst bedeutende Einzelhandelskette Woolworth den Namen in Venator, nur um sich dann 2001 in Foot Locker umzubenennen. Der letzte Woolworth in den USA schloss 1997 die Pforten. Die Wurzeln der heutigen Foot Locker reichen somit bis zur Gründung von Kinney Shoes 1879 zurück. Heute betreibt Foot Locker fast 2.000 Läden an den besten Lagen der Vorgängergesellschaften in 28 Ländern, u. a. unter den Marken Kids Foot Locker, Lady Foot Locker, Footaction USA, Champs Sports und Runners Point. Letztere wurde 2013 in Deutschland akquiriert. Die Aktie ist seit 25 Jahren Bestandteil des S&P-500-Index und belegte 2019 Rang 385 gemessen an der Umsatzstärke.

Wenn auch die absoluten Steigerungsraten bei Umsatz und Gewinn nicht berauschend sind, so sind es doch andere Kennzahlen. Die Eigenkapitalrendite lag im Geschäftsjahr 2018/19 bei 21,5 %. Die Nettogewinnmarge betrug beachtliche 6,9 %. Was unter Value-Aspekten besondere Beachtung verdient, ist die rapide Verringerung der ausstehenden Aktien von 143,9 Millionen Ende 2015 auf zuletzt 106,9 Millionen. Dadurch verteilt sich der Unternehmensgewinn auf eine geringer werdende Anzahl von Aktien. Der Gewinn je Aktie - und um den geht es aus Aktionärssicht - steigt durch die Aktienrückkaufprogramme daher überproportional. Im vorletzten Geschäftsjahr lag er bei 4,68 US-Dollar. Die Analysten erwarten in diesem Jahr im Mittel 5,23 US-Dollar Gewinn je Aktie. Die aktuelle Dividendenrendite erreicht 3,8 %.

Chancen und Risiken

Die Migration der Käufer von stationären Läden hin zu E-Commerce-Anbietern ist ein Fakt. Kein Händler kann daher auf eigene Online-Angebote verzichten. Und obwohl Amazon und andere große Adressen Marktanteile gewinnen, bleibt doch gerade bei Kleidung, Schuhen und etlichen weiteren Produkten der stationäre Handel erhalten. Bei Sportbekleidung und Schuhen herrscht sogar ein reger Wettbewerb. Aktionen, Mitglieder- und Treue-Programme, Rabatte, Online-Spiele und weitere zeitgemäße Marketinginstrumente halten die Kunden an immer neuen Angeboten interessiert.

Aufgrund der starken Stellung und der soliden Bilanz sollten sich die moderaten Wachstumsraten und die überproportional steigenden Gewinne je Aktie bei Foot Locker fortsetzen. Im Gegensatz zu hochbewerteten und von allen geliebten Aktien besteht bei unbeliebten Underdogs wie Foot Locker ein starker „Margin of Safety“ (Sicherheitsspanne zwischen dem inneren Wert einer Aktie und ihrem Marktpreis). Durch die niedrige Bewertung scheint das Abwärtspotenzial begrenzt. Die Cash-Position von 749 Mio. USDollar per 31.10.2019 entspricht gut 18 % der Marktkapitalisierung. Nach 30 % Kursverlust in den letzten zwölf Monaten sind nun über 12 % des Streubesitzes leerverkauft. Früher oder später, besonders bei steigenden Kursen, müssen sich die Leerverkäufer jedoch aus einem schwindenden Pool an verfügbaren Aktien eindecken. Denn nach einer Pleite sieht es bei Foot Locker nicht aus.

Alexander Bosch


Bild: © Manuel-F-O - istockphoto.com