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Warum Hunde das Geheimnis des Lebens kennen


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 42/2018 vom 12.10.2018

Mit dem Herzen sehen, mitfühlen, vergeben, vertrauen, erkennen, was wirklich zählt: Von unseren Vierbeinern können wir viel lernen


Artikelbild für den Artikel "Warum Hunde das Geheimnis des Lebens kennen" aus der Ausgabe 42/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 42/2018

BLICKKONTAKT
Ein Hund sieht seinen Menschen an – und blickt tief in seine Seele


LIEBE OHNE WENN UND ABER

Für einen Hund sind Frauchen und Herrchen perfekt, so wie sie sind: unvollkommen, schwach, mit Macken, aber immer wert, geliebt zu werden.

SOLIDARITÄT

Hunde beurteilen eine Person danach, wie sie sich anderen gegenüber verhält.

Die Brauen leicht hochgezogen. Der Kopf ein wenig zur Seite geneigt. Der Blick ganz sanft. Der Gesichtsausdruck dieses Hundes ist kein Zufall. Forscher ...

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... der Universität Portsmouth in England sehen darin ein deutliches Signal: Widme dich mir intensiver! Denn der Hund weiß genau: Er kann mit Frauchen oder Herrchen nur kommunizieren, wenn er ihnen in die Augen sieht. Letztlich tue der Vierbeiner das, was ein guter Partner täte. Hundeexpertin Elli H. Radinger beschreibt es in ihrem neuen Band „Die Weisheit alter Hunde“ (siehe Buchtipp Seite 18): „Er ist hochgradig aufmerksam und an dem Menschen interessiert.“ So habe er die Gabe, seinem Gegenüber ein Gefühl der Wertschätzung zu vermitteln.

Eigentlich ist die Autorin eine viel beachtete Wolfsforscherin. Doch seit jeher beschäftigt sie sich auch mit Hunden, heute mehr als früher. Ihre Wolfsforschung, für die sie vor über 30 Jahren ihren Beruf als Rechtsanwältin aufgab, um mehrmals im Jahr wochenlang im US-amerikanischen Yellowstone-Nationalpark wilde Wölfe zu beobachten, hat sie gerade unterbrochen. Der Grund: Ihre Labradorhündin Shira, ihr inzwischen dritter Hund, ist 13 Jahre alt. „Je älter sie wird, desto kostbarer ist die Zeit, die ich mit ihr verbringen darf“, sagt sie.


Sofreundlich und offen wie ihreHunde


Ein Treffen mit der Autorin an einem Sonnabendmorgen in der Eifel. Die 67-Jährige, die jeden Tag um fünf Uhr aufsteht, kommt von ihrer ersten Gassirunde zurück. Sie hat kurze blonde Haare, funkelnde blaue Augen hinter einer Brille, trägt Jeans und Poloshirt und begegnet einem sofort mit Freundlichkeit, Offenheit und Wohlwollen. Hat sie sich das von ihren Hunden abgeschaut? Fragt man sie danach, schmunzelt sie: „Mag schon sein.“

Wie viele der etwa 8,8 Millionen Deutschen, die mit einem Hund zusammenleben, ist Radinger überzeugt: Die Vierbeiner verstehen uns, blicken tief in unsere Seele, sind wunderbare Freunde. Wozu sie in Sachen Loyalität, Resilienz und Vertrauen fähig sind, erstaunt immer wieder. Selbst Wissenschaftler. Forscher um Kazuo Fuita an der Universität von Kyoto in Japan überprüften etwa, wie solidarisch sich ein Hund seinem Menschen gegenüber verhält. Sie testeten drei Gruppen von je 18 Hunden in Rollenspielen mit dem Hundebesitzer und zwei Schauspielern. In der ersten Szene tut der Besitzer so, als habe er Probleme, die Futterdose zu öffnen. Es bittet nur eine der beiden Personen im Raum um Hilfe, die andere fragt er nicht. Der Hund nimmt anschließend von beiden Probanden Futter an. In der zweiten Szene weigert sich einer der beiden, dem Besitzer zu helfen, während der andere zusieht, ohne einzugreifen. Die Folge: Das Tier akzeptiert das Futter nur von der neutralen Person und zeigt sich der anderen gegenüber abweisend.

EINTRACHT
Hund und Herrchen: Die beiden verbindet eine Freundschaft, die ein Leben lang hält


SENSIBILITÄT

Ein Hund kann hervorragend Menschen lesen.

ACHTSAMKEIT

Der gegenwärtige Augenblick ist der wichtigste: Ein Hund lebt im Hier und Jetzt.

BUCHTIPP
Elli H. RadingerDie Weisheit alter Hunde Ludwig Verlag 320 Seiten 22 Euro


Fazit: Hunde nehmen soziale und emotionale Bewertungen vor, unabhängig von ihrem direkten Interesse. Sie beurteilen Menschen danach, wie sie sich anderen gegenüber verhalten. „Vielleicht sollten wir uns daran ein Beispiel nehmen“, schlägt Radinger vor.


DieFamilie ist das Wichtigste imLeben


Hund und Mensch – nie waren sie sich näher. Der Vierbeiner avanciert immer mehr zum Mitbewohner. „Hunde sind unsere Familie, Partner, Freunde und auch Kinderersatz“, weiß die Expertin. „Und sie sind Rudeltiere. Die Familie, also wir, ist für sie das Wichtigste.“ In Tausenden von Jahren haben Hunde gelernt, dem Menschen zu genügen. Es liegt nahe, dass sie in ihrem Verhalten ihren Besitzer spiegeln. Radinger: „Freut sich der Mensch, freut sich der Hund. Ärgert sich Frauchen oder Herrchen, klemmt der vierbeinige Begleiter den Schwanz zwischen die Beine. Weint der Mensch, leckt er ihm die Hand. Und will gestreichelt werden.“ Solche Hinweise auf echte Empathie belegen heute mehrere Studien.
Weisheiten finden sich am Wegesrand, etwa beim Gassigehen. Radinger schildert, wie sie ein Rentnerehepaar beobachtete. Und zwar folgende Szene: Die Frau strahlte. Der Mann warf ein Dummy. Der Hund suchte danach. Der Vierbeiner war alt. Frauchen und Herrchen ebenso. Doch keine Spur davon in diesem Moment. Beide hüpften, riefen in hohen Tönen „Super, Arko, kooomm!“, sanken auf die Knie, breiteten die Arme aus. Der Hund warf sie mit seiner stürmischen Begeisterung fast um. Die beiden Menschen stützten einander, als sie sich mühsam erhoben – und lachten, als wollten sie allen zeigen: Seht her, der Hund animiert uns, Spaß miteinander zu haben.

Im Jetzt leben, nicht in den vergangenen fünf Minuten, nicht im Morgen. „Hunde können ihren Lieblingsball zum Zentrum des Universums machen, aber wenige Sekunden, nachdem er fortgerollt ist, vergessen sie ihn und wenden sich etwas anderem zu“, weiß die Expertin. Sie ist sich sicher: Hunde leben es uns vor, dass der gegenwärtige Augenblick der wichtigste ist.

EXPERTIN
Elli H. Radinger mit ihrer Labradorhündin Shira beim Interviewtermin in der Eifel


Ihre bedingungsloseLiebe hört nie auf


Attestiert sie den Hunden, das Geheimnis des Lebens zu kennen? Radinger neigt den Kopf, überlegt und nickt schließlich. „Ihre bedingungslose Liebe spricht dafür. Einem Hund sind unser Aussehen, Einkommen und sozialer Status vollkommen egal. Alles, was er will, ist bei uns sein. Nichts, was wir tun, bringt ihn dazu, uns zu verlassen.“ Er sei unfähig zu verurteilen, nicht nachtragend, verzeihe und könne im Nu vergeben. Man brauche, so ihr Tipp, nur den Test zu machen: „Sperr deinen Partner und deinen Vierbeiner im strömenden Regen für eine halbe Stunde vor die Tür. Dann lass beide wieder herein. Wer wird dich wohl begeistert begrüßen?“


FOTOS: S. 16-17: NICOLE SCHICK/TRIO BILDARCHIV; S. 18: LEUKER/TRIO BILDARCHIV, PR, ANJA MATTHIES