Lesezeit ca. 3 Min.

Warum sagt man eigentlich …?


Logo von HÖRZU
HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 38/2021 vom 17.09.2021

WISSEN

Aus einer Mücke einen Elefanten machen

Artikelbild für den Artikel "Warum sagt man eigentlich …?" aus der Ausgabe 38/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 38/2021

Damit verspottete man schon vor gut zwei Jahrtausenden im alten Griechenland eine Person, die etwas Unbedeutendes auf bauschte. Die Fliege war nicht nur sehr klein, sie galt auch als verächtlich und lächerlich. Der Elefant dagegen war das damals größte bekannte Tier, also der ideale Gegensatz, zumal er symbolisch für Stärke und Macht stand.

Wenn der Sprachforscher Dr. Rolf- Bernhard Essig gefragt wird: „Können Sie überhaupt ohne Redensarten sprechen?“, antwortet er: „Sie auch nicht.“ Rund 100 Redewendungen nutzt jeder täglich. „Sie begleiten uns wie ein treuer Hund“, sagt der Bamberger Dozent. Seit Jahren nimmt der 58-Jährige unsere Sprache unter die Lupe und schüttelt inzwischen zu beinahe jeder bekannten Redewendung die Geschichten, Philosophen oder Romanautoren aus ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 38/2021 von Inhalt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Inhalt
Titelbild der Ausgabe 38/2021 von Mit vollem Körpereinsatz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mit vollem Körpereinsatz
Titelbild der Ausgabe 38/2021 von Schluss mit der Versch wendung!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schluss mit der Versch wendung!
Titelbild der Ausgabe 38/2021 von Die große Flatter. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die große Flatter
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Wo die ALPEN schmelzen
Vorheriger Artikel
Wo die ALPEN schmelzen
Schick und schnell
Nächster Artikel
Schick und schnell
Mehr Lesetipps

... dem Ärmel, die hinter ihr stehen. In seinem neuen Buch „Phönix aus der Asche“ (siehe Buchtipp) stellt er Sprüche vor, die in vielen europäischen Ländern identisch sind und gemeinsame Wurzeln haben.

Grün vor Neid sein/werden

Dieser Spruch basiert auf der sogenannten Säftelehre der antiken Wissenschaft, nach der vor allem vier Hauptkörpersäfte für unsere Wesensart entscheidend sind: schwarze Galle, gelbe Galle, Schleim und Blut. „Sie sollten gleichmäßig im Körper verteilt sein. Ein Ungleichgewicht führte zu krankhaften Gemütern“, so Dr. Essig. Zu viel gelbe Galle machte einen zum Choleriker, dem man Charaktereigenschaften wie Jähzorn, Eifersucht und Neid zuschrieb. Sein Gesicht zeigte laut der alten Medizinlehre gelb-grünliche Färbung. Europaweit nehmen Comiczeichner dieses gef lügelte Wort gern wörtlich und malen Gesichter von auf brausenden und neidischen Figuren häufig grün.

Die Gelegenheit beim Schopf packen

„In der Antike verehrte man die günstige Gelegenheit als eine eigene Gottheit“, erklärt Essig. „Diese Gelegenheitsgottheiten zeichneten sich immer durch ihre Eile aus sowie einen fast vollständig glatzköpfigen Schädel. Nur an der Stirn hatten sie eine Stelle mit langen, kräftigen Haaren.“ So war also entschlossenes Zupacken nötig, um sie zu erwischen – denn an ihrem kahlen Schädel war kein Halt zu finden. Als pädagogische Aufforderung, schnell zu handeln, kommt die Floskel in ganz Europa vor – manchmal leicht abgewandelt.

Sich mit fremden Federn schmücken

Diese Redensart drückt aus, dass jemand Verdienste anderer als die eigenen ausgibt. Ihr Ursprung soll in der Fabel „Die Dohle und die Vögel“ des griechischen Dichters Äsop liegen: Zeus beruft eine Versammlung der Vögel ein, um unter ihnen einen König auszuwählen. „Die Dohle weiß, dass sie hässlich ist, sammelt deshalb zur Auf hübschung herabgefallene Federn anderer Vögel und heftet sie sich an“, erzählt Dr. Essig. „Bunt schillernd erscheint sie auf der Vollversammlung vor dem obersten Gott.“ Zeus will die Dohle inthronisieren, doch die anderen durchschauen sie und reißen ihr die fremden Federn aus, um sie bloßzustellen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Teils erfreut, teils betrübt zu sein: Seit jeher kennen wir gemischte Gefühle. Doch populär wurde diese Redensart durch das wohl meistgespielte Drama von William Shakespeare: „Hamlet“. Als der König seine Hochzeit mit der Witwe seines Bruders verkündet, sagt er „with an auspicious and a dropping eye“. Dr. Essig erläutert: „Die Dramatik der Szene und die Heuchelei in der feierlichen Ansprache verliehen dem Zitat besondere Kraft und Bedeutung.“

Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen

Diese Redensart lässt sich auf die Bibel zurückführen. Jesus bezeichnete in seiner Bergpredigt im Matthäusevangelium seine Jünger als „Licht der Welt“ und rief sie auf, dieses leuchten zu lassen, denn „man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel“. Mit „Scheffel“ war laut Essig „ein Gefäß zum Messen von Schüttgut“ gemeint. „Es wäre widersinnig, ein Licht unter so etwas wie einen Eimer zu stellen.“ Im Original ist von „luxnos“ die Rede, das vor allem Öllämpchen bedeutete. So vermittelt das Sprichwort, wie zweckmäßig es sei, Leistungen und gute Eigenschaften mit berechtigtem Stolz und gewissem Nutzen für andere zu zeigen. Es ging nach Angaben von Rolf-Bernhard Essig in 28 europäische Sprachen ein und wird mal mit, mal ohne Verneinung verwendet.

Eine Rolle spielen

Diese Redensart, die betont, dass etwas oder jemand wichtig ist, hat sich so sehr im alltäglichen Sprachgebrauch eingebürgert, dass man sie als solche nicht mehr wahrnimmt. Ursprünglich handelt es sich um einen Fachbegriff aus dem Theater. „Statt den Schauspielern und Schauspielerinnen vollständige Textbücher in die Hand zu drücken, verwendete man aus Kostengründen seit Ende des 16. Jahrhunderts Papierstreifen, auf denen der jeweilige Part stand“, weiß Essig. „Praktischerweise rollte man sie.“ Daher also die Rolle, die dann auch bald für den Part selbst stand. Das Bedeutsame ergab sich schließlich dadurch, dass dem Geschehen auf der Bühne mehr Wertschätzung entgegengebracht wurde als dem normalen Leben.

ANJA MATTHIES

HORZU AKTION!

Liebe Leser und Leserinnen, schreiben Sie uns, über welche REDENSART Sie mehr erfahren wollen!

Gibt es ein Sprichwort, dessen Bedeutung und Herkunft Sie gern wissen möchten? Schreiben Sie uns per Mail: hoerzu-leserservice@funkemedien.de Oder per Post an HÖRZU Redaktion, Brieffach 4110, Kennwort Redensart, 20445 Hamburg. Vielen Dank!