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Warum schwer, wenn´s auch einfach geht?


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 70/2021 vom 14.06.2021

Rollmasten

Rollanlagen erleichtern das Bootshandling enorm, deshalb gehören Rollvorsegel schon längst zum Standard. Aber auch Rollmasten liegen voll im Trend. Aktuell werden etwa 40 Prozent der neuen Serienyachten mit Masten ausgeliefert, in die man das Großsegel hineindrehen kann. Wer noch keinen Rollmast hat, denkt vielleicht ans Nachrüsten? Doch welche Rollsysteme werden aktuell angeboten, worin liegen ihre Unterschiede und wieviel kostet die Arbeitserleichterung?


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 70/2021

Dank moderner Materialien, effektiver Schnittgebung und flexibler Latten können Segelmacher inzwischen Rollgroßsegel anfertigen, die bezüglich Größe und Profil nahe an normale Großsegel herankommen. Daher denken immer mehr Segler über das Umrüsten von einem Standardmast auf einen Rollmast nach oder bestellen ihre neue Yacht gleich mit Rollanlage fürs Groß. Verständlicherweise, denn sie vereinfacht die Handhabung und sorgt für mehr ...

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... Sicherheit an Bord. Ein Segel, das in den Mast gerollt werden kann, braucht nicht mit jedem Ausflug neu gesetzt zu werden, und man erspart sich das Auftuchen nach dem Segeln, was mit zunehmender Schiffsgröße immer anstrengender wird. Darüber hinaus wird Reffen einfacher, ist stufenlos machbar und lässt sich bei entsprechend angepasster Beschlagausrüstung vom Cockpit aus erledigen. Ein wichtiger Sicherheitsaspekt, der ebenfalls für einen Rollmast spricht. Wer Segeln also nicht notwendigerweise mit Auspowern verbindet und keine Regattasiege anstrebt, die optimierte Segelflächen voraussetzen, ist tatsächlich gut beraten, sich mit dem Thema Rollmasten näher zu beschäftigen, denn nach der Umrüstung wird er höchstwahrscheinlich noch mehr Freude am Segeln haben.

Kostenüberblick

Bei den genannten Vorteilen darf selbstverständlich nicht vergessen werden, dass eine Nach- beziehungsweise Umrüstung nennenswerte Kosten verursacht. Bis der neue Rollmast aufgeriggt auf einem 35-Fuß-Schiff steht, muss man etwa 15.000 Euro ausgeben. Hinzu kommt das neue Rollgoßsegel, das nochmals einige Tausend Euro verschlingt. Im Gegenzug erhält man aber viel: Deutlich mehr Komfort, deutlich mehr Sicherheit und viel mehr Segelzeit, denn Arbeitserleichterung und höhere Sicherheitsstandards führen erfahrungsgemäß dazu, dass man mehr Stunden auf dem Wasser verbringt und sein Hobby altersgerecht und insgesamt länger ausübt. Die gewonnene Segelzeit relativiert also den hohen Anschaffungspreis.

Gut zu sehen: eine Art Profilstag, auf welches das Segel aufgerollt wird


Schon jetzt erkennt man bei modernen Segeln nicht mehr, ob es sich um Rollsegel oder konventionelle Segel handelt


Bei Seldén wird das Segel über eine Winsch am Mast eingerollt


Bleibt die Frage: Welche Rollmasten werden von welchen Herstellern angeboten und worin unterscheiden sie sich? In Nordeuropa dominiert die schwedische Marke Seldén den Markt. Daneben sind einige französische Hersteller, unter ihnen Sparcraft, am Start.

Der hauptsächliche Unterschied zwischen Seldén-Rollmasten und denen, die Sparcraft fertigt, liegt im Aufbau der Anlage. Beide arbeiten mit Mastprofilen, die zwei Kammern haben. In der vorderen laufen die Kabel, in der achteren wird das Segel aufgerollt. Bei beiden Herstellern dreht sich das Tuch auf einer Rollstange ein. Der Unterschied liegt in der Verankerung der Stange und in der Drehmechanik.

Bei Seldén wird die Stange unten und oben in Lager eingesetzt und mit lockerer Vorspannung ins Mastprofil gehängt. Das Eindrehen funktioniert hier über einen Spindelantrieb.

Handhabung

Der französische Hersteller Sparcraft hingegen setzt auf archimedische Schrauben. Auch hier wird das Segel auf einer Stange gedreht, doch diese ist im Topp nicht befestigt. Das bedeutet: Die Rollstange steht auf dem Antrieb, ist oben im Masttopp aber nicht mehr extra aufgehängt. Damit sie beim Drehen nicht eiert, wird sie durch den Fallwirbel zentriert. Antrieb ist die archimedische Schraube. Sie befindet sich unten im Mastprofil und wird durch die Reffleine gedreht.

Auch in der Handhabung unterscheiden sich die beiden Rollanlagensysteme. Seldén empfiehlt seinen Kunden, die Einrollleine mit einem Endlosspieß zu versehen, womit drei Leinenenden zur Verfügung stehen. Sie werden folgendermaßen geschoren: Die Ausrollleine /der Ausholer führt vom Mastfuß über eine Umlenkrolle, durch eine Klemme hindurch zur Backbordwinsch oben auf dem Kajütdach. Die Endloseinrollleine läuft auf der Einrollwinsch am Mast und wird von dort über zwei Umlenkrollen auf die Steuerbordwinsch gelenkt. Auf dem Weg dorthin passiert sie zwei Fallenstopper, die die Winsch freigeben, wenn sie anderweitig gebraucht wird. Dieses Layout sorgt dafür, dass das Aus- und Einrollen des Großsegels vom Cockpit aus machbar ist. Falls keine Möglichkeit zum Umlenken der Rolltampen besteht, kann man die Einrollwinsch und den Ausholer auch direkt am Mast betätigen. In diesem Fall wird der Ausholer über eine Winsch am Mast bedient. Der Nachteil besteht darin, dass man für die Rollvorgänge auf dem Deck arbeiten und das sichere Cockpit verlassen muss.

Egal, ob mit oder ohne Umlenkvorrichtungen, Sören Matthiessen vom Seldén-Deutschland-Im-porteur Gotthardt-Yacht empfiehlt jedem, der eine neue Rollanlage in Betrieb nimmt, sich mit ihr vertraut zu machen, bevor er zur ersten Ausfahrt startet. Am besten rollt man dafür das Groß im Hafen mehrmals aus und ein.

Dieses Layout sorgt dafür, dass das Ausund Einrollen des Großsegels vom Cockpit aus machbar ist

Bei Seldén besteht der Mast aus zwei Kammern. In der vorderen verlaufen Kabel und Fallen wie das Fockfall. In der hinteren dreht sich das Profil für das Großsegel


Eine Spindel dreht das Profil und rollt somit das Segel ein. Das Einrollen erfolgt über eine Endlosleine, die in das Cockpit umgelenkt wird


Hallberg-Rassy legt großen Wert darauf, dass ihre Schiffe auch mit kleiner Crew gesegelt werden können. Das Rollgroß spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle


Das Ausrollen funktioniert bei Seldén-Anlagen folgendermaßen: Nachdem die Rücklaufsperre am Mast freigeschaltet ist, werden beide Parten der Endlosleine freigegeben, dann kann man das Segel mit der Ausrollleine aus dem Mast ziehen.

Beim Einrollen beziehungsweise Bergen des Segels geht man ähnlich vor wie beim Einrollen von Vorsegeln. Dafür wird die Ausrollleine auf leichter Spannung gehalten, denn nur so kann sich das Segel gleichmäßig um die Stange wickeln. Die geeignete Spannung lässt sich mit Hilfe der Dirk oder eines Kickers so justieren, dass der Zug nicht allzu stark wird und trotzdem ein gleichmäßiges Einrollen auf ganzer Länge erfolgt.

Reffen

Fürs Reffen muss man zunächst den Ausholer ein wenig fieren. Dann wird das Steuerbordende der Endlosleine auf die Winsch gelegt und das Segel in den Mast gekurbelt, wobei darauf zu achten ist, dass die Ausrollleine immer leicht stramm bleibt.

Einige typische Fehler, die bei den Rollvorgängen passieren, lassen sich leicht vermeiden, meint Matthiessen. Oftmals wird das Einrollen zum Problem, weil man es auf dem falschen Kurs vornimmt. Statt für das Manöver in den Wind zu gehen, versucht man, es auf einem raumen Gang oder vor dem Wind zu erledigen. Ab und zu geschieht es auch, dass ein Crewmitglied aus Versehen in die falsche Richtung aufgedreht oder beim Eindrehen nicht darauf achtet, dass die Latten sauber ins Mastprofil eintauchen. Einen sehr wichtigen Sicherheitshinweis hält der Mastenexperte auch noch parat: „Man sollte nie die Kurbel auf der Einrollwinsch stecken lassen! Sie dreht sich sehr schnell, wenn das Segel ausgerollt wird.“

Für das Handling der Sparcraft-Anlagen sind ebenfalls zwei Leinen, aber nur zwei Leinenenden vorgesehen. Eine zum Ausrollen, eine zum Eindrehen. Angesprochen auf Fehlervermeidung bei der Bedienung fällt auch Carsten Burfeind, der mit der Fa. Hahnfeld-Masten Sparcraft vertritt, als erstes richtiges Kurshalten ein.

Das Prinzip bei Sparcraft funktioniert mit einer Art archimedischen Schraube, die den Rollvorgang in Gang setzt


Rollmasten sind nicht größer als Masten mit normaler Besegelung. Schwerer sind sie nur aufgrund des eingerollten Segels


Muss der Baum genau waagerecht stehen? Nein, das Unterliek wird lose gefahren und sobald die Spannung am Strecker abnimmt, spielt die Ausrichtung des Baumes keine Rolle


„Das Segel sollte nur gerollt werden, wenn das Schiff annähernd im Wind steht,“ sagt er und komplettiert: „Beim Bergen ist zu beachten, dass das Rollsegel auf keinen Fall gegen eine ungelöste Ausholerleine eingerollt werden. Technisch kann es nur in eine Richtung aufgerollt werden. Fürs Ausrollen gilt, Großschot und Baumniederholer beziehungsweise Kicker müssen vorher gelöst werden, damit das Segel leicht ausrollen kann. Um den Rollvorgang ordentlich abzuschließen, muss erst der Ausroller richtig durchgesetzt sein, bevor Schot und Kicker getrimmt werden.“

Wartung der Anlage

Um beschwerliches Einrollen und Ausrollen zu vermeiden, sollte der Mast grundsätzlich gerade getrimmt sein, bevor der Rollvorgang beginnt. Das heißt: Trimmhilfen wie das Achterstag müssen gelöst werden, bevor das Rollen beginnt. Falls es sich trotzdem als schwergängig oder nicht machbar erweist, könnte das auch am Segel liegen. Segelmacher mit viel Erfahrung in der Rollsegelfertigung kennen Kniffe und Schnitte, mit denen Großsegel wirksame Kurven und sogar ein etwas ausgestelltes Topp bekommen, ohne dass beides beim Einrollen stört. Segelmacher, die bislang nur wenige oder gar keine Rollsegel angefertigt haben, tun sich damit sicher schwerer. Referenzen einzuholen, bevor man ein neues Rollgroßsegel bestellt, kann also nicht schaden. Manchmal sind auch alte, ausgeleierte Segel ursächlich für eine Stockung. Wenn sie beim Rollen starke Falten aufwerfen, sind nicht mehr geeignet. Im schlimmsten Fall können sie sogar den Rollmechanismus beschädigen.

Da ein Stück des Segels aus dem Mast schaut, muss es extra gegen UV-Strahlung geschützt werden


Sobald man feststellt, dass der Rollvorgang schwergängig wird, bemüht man sich am besten sofort um einen Wartungstermin (oder nimmt die Wartung gegebenenfalls selbst vor) und verzichtet so lange aufs Ein- und Ausrollen. Das gilt erst recht, wenn die Leinen über E-Winschen laufen, denn dann besteht die Gefahr, dass man die Schwergängigkeit unterschätzt und den Schaden vergrößert. Ansonsten ist Motorunterstützung selbstverständlich willkommen, vor allem bei größeren Schiffen.

Je nach Größe des Riggs sind für Sparcraft-Rollmasten sowohl Elektro- als auch Hydraulikantriebe möglich. Seldén setzt auf E-Motoren und hat erst kürzlich einen einfach zu installierenden Nachrüstsatz auf den Markt gebracht. Er nennt sich SMF, was für synchronized main furling steht und bedeutet, dass sich die Rollleinen mit Hilfe von zwei E-Winschen synchron und mit der richtigen Spannung bewegen.


Fotos: Silke Springer

Fotos: Silke Springer, Gafik: Seldén

Foto: Silke Springer