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Warum wir lesen sollten


emotion - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

KAPITEL 1

I Wer Bücher liest, ist schlauer

Dass das Lesen von Fachliteratur das Wissen erweitert, überrascht nicht. Aber auch Romane und Gedichte machen uns schlauer. Beim Lesen werden verschiedene Regionen im Gehirn aktiviert und miteinander verknüpft. „Je mehr wir lesen, umso stärker werden diese Verbindungen“, sagt Maryanne Wolf. Die US-amerikanische Kognitions- und Literaturwissenschaftlerin erforscht, welche Auswirkungen das Lesen auf unser Gehirn hat. In ihrem Buch „Schnelles Lesen, langsames Lesen“ erklärt sie auch, warum es für uns auf Dauer besser ist, gedruckte Bücher zu lesen als Texte auf dem ...

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... Computer oder dem Handy. „Lesen wir am Bildschirm, verwenden wir weniger Aufmerksamkeit, werden leichter abgelenkt und überfliegen Texte meist nur. Mit Büchern nehmen wir uns mehr Zeit“, sagt sie. Wir geraten dann in das sogenannte „Deep Reading“ – einer der komplexesten Vorgänge, die unser Gehirn durchführen kann. Das fördert unsere Fähigkeit, kritisch zu denken und komplizierte Probleme zu verstehen.

II Wer Bücher liest, ist glücklicher

Menschen, die viel lesen, haben seltener Depressionen – dieser Zusammenhang ist erwiesen. Unklar ist allerdings: Lesen Menschen, die glücklich sind, mehr oder sind sie glücklicher, weil sie viel lesen? Verschiedene Forschungsergebnisse sprechen für Letzteres. Lesende Menschen empfinden weniger Einsamkeit, sie fühlen sich verstanden und gesehen und in ihrem Freundeskreis aufgehoben. Das könnte daran liegen, dass Lesen die Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft erhöht. Maryanne Wolf ergänzt: „Bücher geben uns nicht nur Zufriedenheit. Sie zeigen auch, welche Hürden und Sorgen es im Leben geben kann. Durch sie können wir lernen, schwierige Situationen zu lösen und damit unser Verhaltensrepertoire zu erweitern.“

III Wer Bücher liest, lebt länger

Bücher zu lesen entspannt und erweitert den Horizont – das kann man sich auch ohne wissenschaftliche Studien sehr gut vorstellen. Tatsächlich verlängert Lesen aber sogar unsere Lebens- zeit. Eine Langzeitstudie der Yale Universität hat ergeben: Men- schen, die bis zu dreieinhalb Stunden in der Woche lasen, hatten eine um 17 Prozent höhere Lebenserwartung als Menschen, die nicht lasen. Bei Menschen, die noch mehr Zeit mit Büchern verbrachten, war sie sogar um 23 Prozent erhöht. Erstaunlich dabei: Andere Faktoren wie Bildungsstand, Alter, Geschlecht und Beziehungsstand beeinflussten das Ergebnis nicht. Warum das so ist? Lesen hat viele positive Auswirkungen auf uns, die ungesun- de Faktoren reduzieren und so in der Gesamtheit die Lebenser- wartung erhöhen. Wer zum Beispiel abends zu einem Buch greift, kann besser einschlafen – Bettlektüre reduziert das Stresslevel um 68 Prozent, fanden Forscher*innen der University of Sussex heraus. Das ist ein stärkerer Effekt als Musik zu hören (61 Pro- zent), Tee oder Kaffee zu trinken (54 Prozent) oder einen Spa- ziergang zu machen (42 Prozent). Und für alle, die immer schnell über ihrem Buch einnicken: Für den gesunden Stress-weg-Effekt reichen schon sechs Leseminuten vor dem Schlafengehen.

IV Wer Bücher liest, ist sozialer

In Büchern erfahren wir Geschichten von Menschen, die anders leben und anders empfinden als wir. Wenn wir Romane lesen, werden im Gehirn die Regionen angesprochen, die wir für Per- spektivwechsel benutzen. Auch emotionale und motorische Are- ale werden aktiviert. Wenn wir also lesen, wie eine Romanfigur springt, werden dabei dieselben Gehirnregionen angesprochen, die auch aktiv sind, wenn wir tatsächlich selber springen. „Auch Filme und Theater können uns die Gefühlswelt anderer näher- bringen, aber Bücher lesen wir teilweise über Tage oder Wochen. Dadurch sind wir länger mit den Figuren beschäftigt“, sagt Mary- anne Wolf. Wenn wir über sie lesen, fühlen wir auch wie die Figuren – ob wir wollen oder nicht. Wolf ist überzeugt: „Diese unterschiedlichen Sichtweisen einzunehmen und sich in andere hineinfühlen zu können, macht die Basis unserer Demokratie aus. Lesen macht uns zu sozialeren Menschen.“