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WAS: AUS DER GRAFSCHAFT BENTHEIM IN ALLE WELT


Rettungsmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 20.12.2019

Die Firma WAS ist hierzulande als einer der führenden Ausbauhersteller von Rettungsfahrzeugen bekannt. Dass die Wietmarscher aber auch international eine „große Nummer“ sind, wissen nur wenige. Ein Blick auf die weltweiten Aktivitäten der Grafschafter.


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Bildquelle: Rettungsmagazin, Ausgabe 1/2020

Ein RTW nach dem anderen wird in den beiden WAS-Werken in Wietmarschen gefertigt.


Wer Mitte Oktober zufällig durch Wietmarschen fuhr, musste den Eindruck haben, eine Autovermietung hätte die Aktion „Gelbe Wochen“ gestartet. Wo man auch hinschaute, begegneten einem gelbe Kastenwagen. Sogar auf dem Schützenplatz der 12.000-Seelen-Gemeinde standen dutzende von ...

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... ihnen. Beim genaueren Hinsehen war zu erkennen, dass es sich um Rettungsfahrzeuge mit arabischen Schriftzeichen handelte, die dort in Reih und Glied abgestellt waren.

„Uns fehlt auf dem Werkgelände derzeit der Platz“, erklärt Andreas Ploeger. Er kümmert sich neben Tilo Sigeneger und Christoph Spandau als einer von drei Geschäftsführern unter anderem um die internationalen Beziehungen bei der Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH, kurz WAS genannt.

Heute baut WAS jährlich zirka 1.400 Fahrzeuge aus und um, 90 Prozent davon für den Rettungsdienst.

4.500 Ambulanzen hat WAS seit 2007 nach Ägypten geliefert.

Ende 2020 sollen die Arbeiten für ein neues, größeres Werk beginnen.

In Großbritannien gehört eine hydraulische Hubvorrichtung am Heck für die Patiententrage zum Standard.


In Großbritannien beträgt der Marktanteil von WAS bei den A+E Ambulanzen zirka 50 Prozent.


Vor dem drohenden Brexit stiegen die Bestellungen aus Großbritannien sprunghaft an.


„Die Egyptian Ambulance Organization hat diesmal über 200 Fahrzeuge bestellt, die in den nächsten Tagen verschifft werden“, so Ploeger. Seit 2007 hat WAS insgesamt über 4.500 der gelb-blauen Ambulanzen an den Nil geliefert. Weitere Bestellungen dürften folgen.

Ägypten ist keineswegs das einzige Land, mit dem WAS auf dem afrikanischen Kontinent geschäftlich in Kontakt steht. Ghana gehört mit einer Bestellung über 300 Ambulanzen ebenso zu den Großkunden wie möglicherweise bald auch Kamerun. Das Land in Zentralafrika wird demnächst den Africa Cup im Fußball ausrichten, einem Turnier vergleichbar mit der Europameisterschaft. Ob die ehemalige deutsche Kolonie sich an ihre historische Verbindung zu Deutschland erinnert hat, als man unter anderem WAS aufforderte, ein Angebot über 80 Rettungsfahrzeuge abzugeben?

Die medizintechnische Spezifikation der Ambulanzen sei sehr hoch, erzählt Andreas Ploeger. Zu hoch, seiner Einschätzung nach, was er den Verhandlungspartnern in Kamerun auch gesagt hätte. „Es macht doch keinen Sinn, wenn ich Rettungsfahrzeuge in diesen Ländern mit Hightech bestücke, die medizinische Infrastruktur drumherum dafür aber gar nicht vorhanden ist“, begründet er seinen Einwand. „Wenn Katar bei uns für die Fußball-WM 220 Rettungswagen ordert und jedes Fahrzeug mit Technik aufrüsten lässt, passt das in das dortige Gesundheitssystem. Für Kamerun aber“, vergleicht Ploeger, „ist robustes, mechanisch arbeitendes Gerät die bessere Lösung.“ Das dabei gesparte Geld solle besser in die Ausbildung der Einsatzkräfte oder Erste-Hilfe-Schulungen statt in Technik investiert werden.

Ungewohnte Töne für einen Geschäftsführer, dessen erste Aufgabe es sein dürfte, den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens sicherzustellen. Doch in der verbindlichen, offenen Art des gebürtigen Ostwestfalen könnte gerade das Geheimnis des Erfolgs liegen.

Zweifellos ist es aber auch seine jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Menschen sehr verschiedener Kulturen. „Im Laufe der Jahre entwickeln wir zu unseren Geschäftspartnern eine enge Beziehung und solide Vertrauensbasis“, hat Ploeger festgestellt. „Mit Höflichkeit, Zurückhaltung und einer guten Erziehung kommt man überall auf der Welt zurecht“, lacht der Manager, der seit 35 Jahren im Geschäft ist.

Die Verbindungen zur Egyptian Ambulance Organization unterhält WAS seit 2007.


FOTO: WAS

Aber auch das Alter scheint mitunter wie ein Türöffner zu wirken. Das Vertriebsteam von WAS sei im Durchschnitt recht jung. Trotz guter Ausbildung und reichlich Knowhow der Kollegen gebe es aber Länder, wo er vor allem aufgrund seines Alters die Verhandlungen zur Chefsache erkläre. In Asien zum Beispiel sei es für den Erfolg sehr wichtig, ein entsprechendes Lebensalter vorweisen zu können, so Ploeger. Die Menschen in Ländern wie Korea, Vietnam und Malaysia, aber auch in den arabischen Staaten hätten viel Respekt vor dem Alter und der damit einhergehenden Lebenserfahrung.

Der erste RTW-Auftrag kam aus Bielefeld

Als Ende der 1980er-Jahre die Stadt Bielefeld WAS fragte, ob die Firma auch in der Lage sei, Rettungswagen zu fertigen, dachte in Wietmarschen niemand daran, dass man 30 Jahre später diese Sonderfahrzeuge in alle Welt verkaufen würde. 1987 wurde das Unternehmen gegründet und produzierte in der ersten Zeit Sonderfahrzeuge für die damalige Deutsche Bundespost. Heute baut WAS jährlich zirka 1.400 Fahrzeuge aus und um, 90 Prozent davon für den Rettungsdienst. Der Rest sind Sonderfahrzeuge, zum Beispiel für Behörden wie das Bundesamt für Güterverkehr. 2016 feierte man die 25.000. Auslieferung.

Planung und Fertigung übernehmen rund 350 Mitarbeitende. Die meisten von ihnen haben ihren Arbeitsplatz in einem der beiden Werke im heimischen Wietmarschen oder im polnischen Lubicz. Um den Vertrieb und Service vor Ort kümmern sich neben dem eigenen Vertriebs- und Serviceteam auch Vertragspartner oder Tochtergesellschaften, die WAS neben Polen auch in Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterhält. Als Faustformel gilt bei WAS, dass sobald mehr als hundert Fahrzeuge in ein Land verkauft worden sind, dort eine nationale Service-Zentrale eingerichtet wird. Die Ausbildung der dortigen Kollegen erfolgt in Wietmarschen. So hat man mittlerweile zum Beispiel drei Servicestationen in Ägypten. In Deutschland sind es im Vergleich dazu viermal so viele. Sie alle verfügen über eine eigene Werkstatt und Ersatzteillager.

„Im Laufe der Jahre entwickeln wir zu unseren Geschäftspartnern eine enge Beziehung und solide Vertrauensbasis.“

Andreas Ploeger Geschäftsführer WAS

Action Wall der besonderen Art: Viele aktuelle Ausrüstungsgegenstände werden bei WAS als Muster vorgehalten.


Blick in die Montagegrube unter ein neues NEF.


Die Folienbahnen lassen erahnen, für welche Länder WAS aktuell am meisten fertigt: Deutschland (weiß), Großbritannien (gelb) und Frankreich (rot).


„Von Januar bis März haben wir fast nur Koffer-RTW für England gebaut.“

Andreas Ploeger Geschäftsführer WAS

Das dichte Netz hierzulande ist nicht verwunderlich: „Unser hauptsächliches Absatzgebiet ist weiterhin Deutschland“, sagt Andreas Ploeger und relativiert damit, wo die 82 Millionen Euro Jahresumsatz primär erwirtschaftet werden. Hier hätte man seine zum Teil langjährigen Kunden wie beispielsweise das Bayerische Rote Kreuz, das von WAS in großen Stückzahlen die Bayern-RTW fertigen lässt. 40 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet WAS auf dem deutschen Markt.

In Deutschland konnte sich WAS auch als Pilotpartner im Aachener Telenotarzt-Projekt einen Namen machen. Weil das Unternehmen international vorwiegend in Ländern aktiv ist, deren Rettungswesen auf einem Paramedic-System basiert, brachte WAS wertvolle Erkenntnisse ein, sammelte durch den Telenotarzt selbst aber wiederum Erfahrungen, die es andernorts zu einem interessanten Geschäftspartner macht.

Der internationale Markt profitiert genau von solchen Erfahrungen, strengen Normen und den hohen Qualitätsansprüchen hierzulande. Gepaart mit vermeintlich typisch deutschen Tugenden wie Qualität, Pünktlichkeit und langfristigem Denken spricht sich das unter anderem in der arabischen Welt herum, die sich politisch aktuell von den USA als dominantem Handelspartner löst. Hoch spezialisierte Unternehmen in vergleichsweise kleinen Branchen können in die sich öffnenden Lücken stoßen und ein Stück vom Kuchen ergattern.

WAS gelingt das immer wieder, allerdings versucht das auch die internationale Konkurrenz. Hier muss sich WAS gegen Mitbewerber beispielsweise aus den USA, China, der Türkei und Japan durchsetzen. Vor allem die japanischen Ausbauhersteller haben in Asien einen wesentlichen Vorteil: Sie bauen Ambulanzen serienmäßig auf Toyota Hiace, einem der verbreitetsten Kleintransporter in Südostasien. Die Türken können wiederum über günstige Preise dank der schwachen Lira immer wieder Ausschreibungen für sich entscheiden.

„Die EN 1789 ist mittlerweile aber auch außerhalb Europas vielen ein Begriff, und wir können die darin formulierten Vorgaben nachweislich erfüllen“, nennt der WAS-Geschäftsführer einen wichtigen Vorteil seines Unternehmens vor allem gegenüber Mitbewerbern aus Übersee.

Probleme mit den Basisfahrgestellen

Probleme ergeben sich am ehesten, wenn es um die Motorisierung der Basisfahrgestelle geht. Die Entscheidung von Mercedes-Benz, den Sprinter nicht mehr als 6-Zylinder mit Benzinmotor anzubieten, bereitet vermutlich nicht nur WAS arge Bauchschmerzen. Die Handelspartner am Persischen Golf verlangen starke Benzinmotoren und haben am Diesel kein Interesse. WAS testet deshalb mittlerweile den Ford F-450 als Basisfahrzeug und möchte ihn mit 4x4-Antrieb (Allrad) als Alternative zum Sprinter mit Koffer anbieten. Die ersten Exemplare des bulligen Pickups wurden in den USA kürzlich bestellt.

Großes Interesse hat man in Saudi-Arabien seit einiger Zeit an Schwerlast-RTW. Ähnlich wie in Deutschland stellt die zunehmende Zahl von extrem schwergewichtigen Patienten ein großes Problem dar. Hierzulande sei die Nachfrage in den letzten zwei bis drei Jahren für diese Sonderfahrzeuge sprunghaft gestiegen. Überwiegend würden sie auf 7,5 oder 10-Tonnen-Fahrgestellen aufgebaut und in Kombination mit der Möglichkeit, das Fahrzeug als Intensivtransportwagen einzusetzen, ausgestattet. „Vielfach schließen sich dann Landkreise oder Städte zusammen und bestellen ein Fahrzeug gemeinsam für die Region“, hat Ploeger beobachtet. Für die gut betuchten Kunden aus Saudi-Arabien ist eine solche Kostenteilung kein Thema.

Formel 1 entpuppt sich als interessantes Geschäftsfeld

Nicht nur im Nahen Osten, auch in Fernost ist WAS präsent, um neue Geschäfte abzuschließen. Derzeit ist Vietnam ein großes Thema für die Wietmarscher. Im April 2020 soll in der Hauptstadt Hanoi erstmals ein Formel-1-Rennen starten – und zwar mit Rettungsfahrzeugen von WAS an der Strecke. Verkauft sind Ambulanzen, die unter anderem zur Absicherung der Zuschauer entlang des engen, riskanten Stadtkurses vorgehalten werden sollen. Mit zum ausgeschriebenen Paket gehören zwei Techniker, die WAS vor Ort nur für die eigenen Rettungsfahrzeuge zur Verfügung zu stellen hat. Die Tatsache, dass die Grafschafter auch bei den Autorennen in Abu Dhabi, Singapur und Brands Hatch mit Rettungswagen „am Start“ sind, hat sicher dazu beigetragen, den Zuschlag aus Hanoi zu erhalten.

Aussagekräftige Referenzen scheinen im internationalen Geschäft die beste Werbung zu sein. National Ambulance, Abu Dhabi, Hamad Medical, Katar, oder die erwähnte Egyptian Ambulance Organization sind Aushängeschilder, die beeindrucken können und andere Staaten aufmerksam machen.

„Werden in der Golf-Region besonders hochwertige Fahrzeuge erwartet, können wir für andere Länder auch einfache, robuste Ambulanzen anbieten“, sagt Andreas Ploeger. Und dass „einfach“ nicht mit schluderig zu verwechseln ist, wird deutlich, wenn man sich die Rettungsfahrzeuge zum Beispiel für Ägypten näher anschaut.

Ein neues NEF für den Rettungsdienst in Aachen (NRW) erhält den letzten Feinschliff vor seiner Auslieferung.


Heiße Regionen erfordern besondere Anforderungen

Im Sommer sind in der Ost-Sahara Temperaturen von 45 °C im Freien keine Seltenheit. Die Karosserie der Fahrzeuge erhitzt sich dort in der Sonne auf Werte, die hierzulande nur auf Kochplatten zu erreichen sind. Kunst- und Klebstoffe, Lacke und nicht zuletzt Aluminium und Metalle reagieren auf diese hohen Temperaturen, indem sie sich ausdehnen. Innenverkleidungen im Patientenraum ohne – für deutsche Verhältnisse – überdimensional breite (Dehnungs-)Fugen würden in Ägypten dazu führen, dass sie rissen und Gerätehalterungen buchstäblich aus der Wand platzten.

Gehen Bestellungen für Kofferaufbauten aus den intern als „Heißländer“ bezeichneten Staaten bei WAS ein, wird eine dünne GFK-Schicht in die Dach- und Wandkonstruktionen eingearbeitet. Sie hilft, Hitze abzuschirmen, und trägt effektiv dazu bei, den Kraftstoffverbrauch zu drosseln. Durch eine passive Hitzedämmung nach außen reduziert sich die Temperatur im Fahrzeug, sodass die bordeigene Klimaanlage weniger Leistung bringen muss.

In Großbritannien ist eine Löscheinrichtung im Motorraum der Ambulances vorgeschrieben.


Großes Interesse hat man in Saudi-Arabien seit einiger Zeit an Schwerlast-RTW.

Hier zahlt es sich aus, dass WAS seine Kofferaufbauten – nach eigenen Worten das „Herzprodukt“ – komplett selbst fertigt. Es handele sich um Standardformate, die dennoch aber eine hohe Flexibilität ermöglichten, so Ploeger. Der WAS-Koffer würde weltweit promotet und sei wegen des Platzangebots im Inneren, seiner Außenstaufächer und der Möglichkeit, ihn von einem Fahrgestell auf ein anderes (neues) Chassis umzusetzen, sehr beliebt.

WAS Rettungsfahrzeuge für Europa

• First Responder
• Type A2
• Type B
• Type C
• ALS - Advanced Life Support
• BLS - Basic Life Support
• A+E - Accident + Emergency
• PTS - Patient Transport Service
• VSAV - Véhicule de Secours et d’Assistance aux Victimes
• SAMU - Service d’Aide Médicale Urgente
• Bariatric
• Special Infection Ambulance
• WAS 4x4

mehr als 100 mobile Kliniken hat WAS nach Asien und Afrika geliefert.

Die Koffer-Technik wird zwar hauptsächlich für Rettungswagen, aber in modifizierter Form auch für andere Spezialfahrzeuge angewandt. So lieferte WAS zum Beispiel für Länder in Afrika und Asien schon über 100 mobile Kliniken oder Arztpraxen auf diese Weise. Die Koffer werden dafür auf 3,5-Tonnen-Fahrgestelle gesetzt und sind dadurch deutlich wendiger als schwere Lkw-Modelle.

Gefertigt werden die Koffermodule am Hauptsitz des Unternehmens im Werk I in Wietmarschen. Neben der Verwaltung befinden sich hier seit 2001 auch mehrere Montagelinien. Werk II, nur wenige hundert Meter entfernt, übernimmt Servicearbeiten sowie Einzel- oder Kleinaufträge, die sehr aufwändig in der Herstellung sind. Deshalb werden Einsatzleitwagen, Notarzteinsatzfahrzeuge oder Intensivtransportwagen in der Regel hier produziert. Auch im Werk II befinden sich Montagelinien für Serienfahrzeuge. Das Werk im polnischen Lubicz übernimmt Kleinaufträge für Osteuropa und fertigt nahezu alle Möbel für die Innenausbauten bei WAS.

Wenn Andreas Ploeger vom internationalen Markt spricht, meint er in der Regel Länder, die außerhalb Europas liegen. Großbritannien, die Niederlande oder Frankreich zum Beispiel sind für ihn unmittelbare Nachbarn, die gerne und viel in der Grafschaft einkaufen. In Frankreich, schätzt Ploeger, hätte sein Unternehmen dank der Feuerwehrdominanz im Rettungswesen einen etwa 20-prozentigen Marktanteil, in Großbritannien betrage er zirka 50 Prozent der A+E Ambulanzen (Accident + Emergency-Ambulanzen). Durch die immensen Stückzahlen, die aus diesen Staaten regelmäßig bestellt werden, ist WAS mit Fahrgestellen von Renault (Master) und Fiat (Ducato) ebenso vertraut wie mit Mercedes (Sprinter) oder Volkswagen (Crafter). Für den neuen MAN TGE rechnet der Fachmann vor allem bei deutschen Feuerwehren mit sehr guten Chancen, auf dem Rettungsdienst-Markt Fuß zu fassen.

Der neue ITW für den Flughafen Frankfurt/Main vor seinem Ausbau.


Voller Bücher dank des Brexit

Wenig Sorgen bereitet Andreas Ploeger nach eigenen Worten der bevorstehende Brexit. Großbritannien ist für WAS ein sehr wichtiger Markt. Die regionalen Gliederungen des National Health Service, der auf der Insel das gesamte Gesundheitssystem organisiert, gehören zu den regelmäßigen Kunden – und werden es mangels nationaler Konkurrenz vermutlich auch weiterhin bleiben.

Die Auswirkungen des britischen EU-Austritts bekommt man in Wietmarschen dennoch zu spüren. „Von Januar bis März haben wir fast nur Koffer-RTW für England gebaut“, erinnert sich der Geschäftsführer. Vor dem lange angekündigten Austrittsdatum Ende Oktober 2019 nahmen die Bestellungen rapide zu. Fast so, als wollten sich die Briten ein letztes Mal mit Ambulances „Made in Germany“ eindecken.

Die Zölle seien es nicht, die gerade in der Übergangsphase das Geschäft erschwerten. „Wir müssen unsere Dienstleistung in Englischem Pfund anbieten, und da weiß natürlich niemand, wie sich der Kurs der britischen Währung nach dem Brexit entwickeln wird“, weist Ploeger auf eine Unbekannte in der Rechnung hin. Gezahlt wird nämlich bei Abnahme der Fahrzeuge, und dieser Augenblick kann nach dem EU-Austritt sein. Der Service vor Ort sei sichergestellt, heißt es. Eine eigene Produktionsstätte in Großbritannien trotz der Marktstellung dort scheint für WAS derzeit aber nicht mehr als ein Gedankenspiel zu sein. Wahrscheinlicher ist es, dass die Preise für die Briten steigen werden.

Die Briten waren bislang auch als Ideenlieferant wertvoll. Manche Lösungen, die sich heute im „Assistant on Board“-Programm von WAS finden, gehen auf Spezifikationen britischer Ambulances zurück. Beispielsweise forderten die Briten schon vor Jahren Kameras innerhalb und außerhalb ihrer Fahrzeuge. Die Videos werden nach Fahrtende automatisch gelöscht, können aber per Tastendruck auch gespeichert und als rechtssicherer Beweis dokumentiert werden. In Deutschland setzte sich das Angebot bisher mit Hinweis auf den Datenschutz und der Befürchtung, der Arbeitgeber könne so Fehlverhalten seiner Mitarbeiter feststellen, nicht durch.

Herstellung der Seitenteile. Das Material wird vollflächig verklebt, um eine hohe Stabilität zu erzielen.


Bis zu sechs Kilometer Kabel verlaufen durch einen heutigen RTW.


Um den Überschlagschutz sicherzustellen, werden solche Eckverstärkungen im Koffer verbaut.


FOTO: WAS

Neue Märkte im Blick

Sollte der britische Markt für WAS doch nachgeben, sind neue Absatzgebiete schon in Aussicht. Aktuell werden erste Bemühungen unternommen, in Lateinamerika Fuß zu fassen. In Chile ist bereits ein WAS-Vertriebspartner samt Vorführfahrzeug vor Ort, um das Feld zu bereiten. Die Lebensqualität dort sei streckenweise vergleichbar mit Deutschland. Mangels starker nationaler Konkurrenz würden US-Ausbauhersteller den Markt dominieren und hohe Preise fordern. Hinzu kämen, so Andreas Ploeger, die typischen US-Fahrgestelle wie Ford F 350 mit einem sehr hohen Benzinverbrauch. WAS kann hier mit seinem Koffer-RTW ein neues Produkt und Alternativen vorstellen. Der Service könnte gemeinsam mit Mercedes oder MAN organisiert werden.

Auch Kuba ist als neuer Markt für WAS offenbar vorstellbar. Der Inselstaat hat um ein Angebot für 45 Ambulanzen gebeten, erzählt Ploeger. Voraussetzung ist allerdings, dass keine Bauteile aus US-Produktion verwendet werden. Beim Thema Fahrtrage wäre damit Stollenwerk automatisch die erste Wahl.

Neues Werk in Planung

Dass WAS trotz aller internationalen Ambitionen weiterhin dem beschaulichen Wietmarschen als Hauptsitz die Treue hält, steht derzeit außer Frage. Die allermeisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben und wohnen in der Region. Ihr Wissen bildet die Basis des Erfolgs. Bislang hat es auch seitens der internationalen Kundschaft keine Beschwerden gegeben, in die deutsche Provinz reisen zu müssen. Sowohl „Hotel Heilemann“ im Ort als auch das italienische Ristorante von Francesco Mastroiaco in Nordhorn können weiterhin auf WAS-Kunden aus aller Welt zählen.

Sicher ist allerdings, dass schon in wenigen Jahren die Aufteilung in Werk I und II Geschichte sein wird. Man platzt derzeit raummäßig aus allen Nähten; eine Erweiterung ist aufgrund der baulichen Situation an den aktuellen Standorten nicht möglich. Unter anderem wird auch ein repräsentativer Show-Room vermisst, der die Produktvielfalt angemessen darstellen könnte.

Deshalb laufen seit einiger Zeit Planungen, ein neues, größeres Werk zu errichten, an dem alles zusammengezogen wird. Mehrere mögliche Baugebiete stehen zur Wahl. Sobald die Entscheidung gefallen ist, möchte man loslegen. Spätestens Ende 2020 sollen die Bagger rollen. Dann werden auch die Zeiten zu Ende sein, in denen der Wietmarscher Schützenplatz als Zwischenlager für ägyptische Rettungsfahrzeuge herhalten musste.

UNSER AUTOR:Lars Schmitz-Eggen (Jg. 1965), Rettungsassistent, freier Journalist und Chefredakteur des Rettungs-Magazins (Text und Fotos)

Die Entscheidung von Mercedes, den Sprinter nicht mehr als 6-Zylinder mit Benzinmotor anzubieten, bereitet Probleme.

2016 feierte WAS seine 25.000. Auslieferung.