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Was bringt DNG?


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 14.11.2018

Das DNG-Format kann genauso viel wie CR2, NEF und andere RAW-Dateitypen – und DNG bringt sogar wichtige Vorteile. Heico Neumeyer beschreibt, wie Sie DNG professionell nutzen.


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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 12/2018

Mit Zubehör:
Zu üblichen RAW-Dateien gehört noch eine kleine XMP-Datei (oberes Beispiel); doch im DNG-Dateiformat ist das nicht nötig (unten).

RAW professionell – unsere Serie im Überblick:

COLORFOTO 9/2018:
Stapelverarbeitung

COLORFOTO 10/2018:
Extreme Kontraste bändigen

COLORFOTO 11/2018:
Örtliche Korrekturen

COLORFOTO 12/2018:
DNG-Dateiformat

RAW-Bilddateien frisch aus der Kamera zeigen je nach Hersteller Endungen wie NEF (Nikon), ...

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... CR2 (Canon) oder ARF (Sony). Verwandeln Sie diese Fotos ins DNG-Dateiformat, das frei nutzbare Dateiformat des Photoshop-Herstellers Adobe. Denn ohne jeden Qualitätsverlust bringt DNG wichtige Vorteile:

• Die Dateigröße sinkt oft um zehn bis 20 Prozent (siehe Tabelle auf Seite 100).

• Alte Bildprogramme verarbeiten eigentlich keine RAW-Dateien aus neueren Kameras. Doch der Gratis-Wechsel zu DNG macht alte Software wie Lightroom 5 oder Photoshop CS5 wieder RA-Wtauglich.

• DNG-Dateien speichern Metadaten wie Stichwörter, Geo-, Kamera- und Korrekturinformationen direkt in der Bilddatei. Sie brauchen also keine zweite XMP-Datei mehr, an die Sie bei der Weitergabe oder beim Rechnerwechsel denken müssen.

• DNG-Dateien lassen sich in manchen Dateiverwaltungen wie dem Windows-Explorer leichter anzeigen.

• DNG erscheint zukunftssicher: Während neue Programme alte RAW-Formate vielleicht irgendwann nicht mehr öffnen, lässt sich das universelle DNG wohl noch viele Jahre lang nutzen. Ein paar Nachteile gibt es aber auch:

• Korrigieren Sie 1000 DNG-RAW-Aufnahmen in einem Rutsch, müssen Sie anschließend 1000 große DNG-Dateien neu speichern – das kann dauern, vor allem bei Sicherung im Internet. Bearbeiten Sie dagegen CR2, NEF, ARF oder andere RAW-Formate der Kamerahersteller, ändern sich nur die kleinen XMP-Dateien, jeweils nur wenige Kilobyte groß (je nach Programm und Einstellung ändert sich sogar nur die Datenbank).

• Neue RAW-Dateien muss man meist erst von Hand ins DNG-Format umwandeln. Das ist Extra-Arbeit.
Lesen Sie hier, wie Sie DNG-Dateien erzeugen und ideal speichern – mit Photoshop, Photoshop Elements und Lightroom. Dabei besprechen wir auch die Besonderheiten von DNG-Dateien direkt aus dem Handy.

DNG mit Lightroom, Bridge oder Photoshop Elements

Vorhandene RAW-Dateien in Formaten wie CR2, NEF etc. wandeln Sie jederzeit nach DNG um. Das ist mit wenigen Klicks erledigt, Optionen müssen Sie meist nicht umstellen. So geht‘s je nach Programm:

Bridge: In der mit Photoshop verbundenen Bildverwaltung markieren Sie mehrere RAW-Aufnahmen bei gedrückter [Strg]-Taste (am Mac wie immer die [Cmd]-Taste). Holen Sie die Dateien mit [Strg]+[R] in den RAW-Dialog. Wählen Sie mit [Strg]+[A] alles aus, und klicken Sie links unten auf „Bilder speichern“. Das Klappmenü „Format“ stellen Sie auf „Digital-Negativ“. Nach dem Klick auf „Speichern“ entstehen die neuen DNG-Dateien.
Lightroom Classic CC: Sie markieren die Bilder im Bereich „Bibliothek“ und wählen „Datei, Exportieren“. Im Dialog klicken Sie links auf „Nach DNG exportieren“ und dann nur noch auf „Exportieren“. Die Cloud-Version Lightroom CC schreibt keine DNGs.
Photoshop Elements: Hier läuft‘s so ähnlich wie bei Bridge, nur mit weniger Optionen. In der Organizer-Bildverwaltung markieren Sie mehrere RAW-Aufnahmen. Holen Sie die Dateien mit [Strg]+[I] in den RAW-Dialog, wählen Sie mit [Strg]+[A] alles aus, klicken Sie links unten auf „Bilder speichern“ und auf „Speichern“.

Tipp:

In allen Fällen bleiben die Originale zunächst erhalten. Die sollten Sie löschen, um Speicherplatz zu sparen.

Wandlungsfähig:
Bridge setzt beliebige RAW-Dateien ins DNG-Format um. Dabei können Sie die Bilder gleich umbenennen, um die anderen Optionen müssen Sie sich nicht kümmern.

DNG direkt beim Import

Sie haben frische RAW-Dateien auf der Speicherkarte? Dann erzeugen Sie die DNG-Versionen direkt beim Transfer auf die Computer-Festplatte:

• In Bridge wählen Sie „Datei, Fotos aus Kamera laden“ mit der Option „In DNG konvertieren“. So landen DNG-Dateien auf der Festplatte. Wollen Sie einzelne Bildminiaturen und weitere Optionen sehen, klicken Sie unten links auf „Erweitertes Dialogfeld“.
• Bei Lightroom Classic CC heißt es „Datei, Fotos und Videos importieren“. Dann klicken Sie oben auf „Als DNG kopieren“. Für Bridge und Lightroom gilt: Selbst wenn Sie JPEG- und RAW-Dateien gemeinsam zum Import auswählen, setzt Lightroom automatisch nur RAW-Dateien zu DNG um. JPEG bleibt dagegen JPEG – genau richtig (denn die Umwandlung von JPEG zu DNG bringt gar nichts). Hier beim Importieren wenden Sie gleich auch IPTC-Textnotizen und in Lightroom zudem Kontrastkorrekturen an. Photoshop Elements und Lightroom CC (die Cloud-Version) erlauben keine DNG-Konvertierung beim Import.

Tipp:
Nach dem Importieren melden Lightroom und Bridge die Speicherkarte vom System ab, sie wird nicht mehr erkannt. Wollen Sie die Speicherkarte noch einmal am Computer öffnen, zum Beispiel zum Löschen der verbliebenen Dateien, stecken Sie die Karte erneut ins Lesegerät.

So wechseln Sie gratis zu DNG

Verwandeln Sie Ihre RAW-Dateien auch ohne Lightroom oder Bridge ins DNG-Format – ganz kostenlos. Danach bearbeiten Sie auch RAW-Dateien aus neuen Kameras in älteren Photoshop- oder Lightroom-Versionen. Die unkomprimierten DNGs aus Android-Handys belegen nach einer Umwandlung zu verlustfrei komprimiertem DNG nur halb so viel Speicherplatz.
Gratis-RAW-Programme wie RawTherapee oder darktable konvertieren CR2, NEF und Co. jedoch nicht zu DNG. Nehmen Sie stattdessen den kostenlosen Digital Negative Converter (kurz DNG Converter) des Lightroom-Herstellers Adobe. So holen Sie sich das Progrämmchen: Öffnen Sie adobe.com, klicken Sie oben rechts auf die Lupe, tippen Sie „DNG Converter“, und öffnen Sie die Treffer-Seite „Adobe Digital Negative Converter“. Dort klicken Sie nacheinander auf „Herunterladen“, auf „Proceed to Download“ und auf „Download Now“. Das Programm installieren Sie per Doppelklick.
Nun ist die Sache ganz einfach: Sie kopieren alle neuen RAW-Dateien in einen Ordner – Unterordner sind erlaubt. Im DNG Converter klicken Sie nur noch auf „Ordner auswählen“ und auf „Konvertieren“, schon entstehen Ihre DNG-Dateien.

Tipp:
Überfliegen Sie unten im DNG Converter kurz den Bereich „Voreinstellungen“. In aller Regel ändern Sie an den Voreinstellungen nichts, lassen Sie alles wie immer. Wenn nötig klicken Sie aber auf „Voreinstellungen ändern“. Wir erklären die DNG-Voreinstellungen für den DNG Converter und andere Programme im nächsten Abschnitt.

Dienstleister: Der kostenlose DNG Converter wandelt praktisch alle RAW-Dateien ins DNG-Format um.

DNG-Einstellungen

Zum DNG-Dateiformat gibt es nur wenige Vorgaben. In aller Regel lassen Sie alles wie schon eingestellt. Die Bezeichnungen wechseln von Programm zu Programm:

Schnell ladende Dateien einbetten : Soll die Anzeige einer RAW-Datei auf anderen Rechnern oder in geänderten Photoshop-Versionen beschleunigen, bringt aber in der Praxis wenig. Es steigert die Dateigröße um rund 0,4 bis 1 Megabyte.
Verlustreiche Komprimierung : Komprimiert mit etwas Qualitätsverlust. Spart gegenüber dem üblichen verlustfreien DNG rund 60 Prozent (vgl. Tabelle). Die Datei durchläuft bereits das „De-Mosaicing“, also die Umwandlung in normales RGB; die Farbtiefe sinkt zudem von zwölf oder 14 auf acht Bit – damit lässt sich das Bild in zukünftigen RAW-Programmen nicht mehr neu und vielleicht besser „entwickeln“. Wahlweise senken Sie je nach Programm noch die Pixelzahl. Besser als JPEG und sRAW, aber schlechter als verlustfrei komprimiertes RAW. Gut für Zweite-Wahl-Bilder.
Kameradaten einbetten : Schreibt zusätzlich die Originaldatei ins DNG und verdoppelt damit die Dateigröße – mindestens. Heißt auch „RAW-Originaldatei einbetten“. In aller Regel überflüssig.

Tipp:
Werden Ihre DNG-Dateien zu groß? Dann verzichten Sie auf die Option „Kameradatei einbetten“ und konvertieren erneut.

Pixeldiät: Senken Sie bei DNG-Dateien mit Verlust wahlweise auch die Zahl der Bildpunkte.


Die Handykamera schreibt DNG

Neuere Handys speichern Fotos nicht nur in den Formaten JPEG oder HEIF, sondern wahlweise auch direkt im DNG-RAW-Format. Lichter und Schatten zeigen dabei als DNG-RAW-Datei mehr Feinzeichnung, und Sie korrigieren extreme Kontraste vielseitiger. Bildrauschen lässt sich in DNG-Dateien oftmals besser nachträglich dämpfen als bei JPG. Stellen Sie also bei wichtigen Motiven Ihre Kamera-App am Handy einfach auf DNG um.
Nicht alle mitgelieferten Kamera-Apps bieten eine DNG-Option – oft steckt sie im „Pro“-Modus. Fehlt die Einstellung bei Ihrer App zum Fotografieren, und unterstützt das Smartphone dennoch das DNG-Format, dann hilft eine „Fremdapp“.
Nutzen Sie für Android-Geräte etwa OpenCamera (gratis), Lightroom CC (11,82 Euro monatlich) oder Snap Camera HDR (Seite 102). iPhone-Fotografen installieren für DNG-Fotos Flannl oder SilkyPix Shot (beide kostenlos), ProCamera (7 Euro) oder wiederum Lightroom CC. Drahtlos oder per USB-Kabel wandern Ihre DNGs bequem vom iPhone zu Mac- oder Windows-Rechner.
Allerdings: DNG-RAW-Dateien werden auf Android-Handys meist nicht verlustfrei komprimiert. Eine typische 12-Megapixel-DNG-Datei aus einem Android-Gerät belegt zunächst rund 23 Megabyte – unnötig viel, weil unkomprimiert. Das kostet Speicherplatz und Übertragungszeit.
Konvertieren Sie die Datei am Computer mit dem kostenlosen DNG Converter (oben), sinkt die Dateigröße drastisch – zum Beispiel um rund 50 Prozent auf 11,7 Megabyte. Und das geht ohne jeden Qualitätsverlust, nur durch verlustfreie Komprimierung. Die rund 45 MByte großen HDR-DNG-Dateien aus Lightroom CC verkleinert der DNG Converter gar nicht.
In unseren Tests belegten DNGs von iPhone oder iPad je nach Gerät stets nur rund acht bis zwölf MB, unabhängig von der Kamera-App. Hier muss man also nicht weiter umwandeln.

TIPP:
Unbearbeitete DNGs sehen oft schlechter aus als frisch fotografierte JPG-Dateien. Das gilt besonders für die HDR-DNG-Dateien von Lightroom CC mit ihrer gewaltigen Farbtiefe. Nach etwas verlustfreier Korrektur beeindrucken die DNG-Dateien jedoch mit Tonwertreichtum und Detailzeichnung.
Heico Neumeyer

Wunschprogramm: Selbst kostenlose Kamera-Apps wie Open Camera liefern am Handy die hochwertigen DNG-Dateien.


Gratis-App für kleinere DNGs

Die kostenlose Android-App FreeDCam schreibt beim Fotografieren deutlich kleinere DNG-Dateien als andere Android-Apps – sie sind etwa 14,5 MB statt knapp 24 MB groß. Wischen Sie in der App beim Fotografieren nach links, um in die Einstellungen zu gelangen. Sie brauchen hier die Vorgaben „Use FreeDcam DngConverter: On“ und „API: camera2“. Das klappt aber nicht bei allen DNG-tauglichen Geräten. FreeDCam ist komfortabel – manuell oder automatisch, mit Belichtungskorrektur, Selbstauslöser, Belichtungs- und Schärfepunktreihen, Live-Histogramm, digitalem Horizont und Focus Peaking. Im Test bei ColorFoto produzierte die App sehr gute DNG-Dateien. Die komplexen Einstellungen gab es teils nur auf Englisch. Zudem zeigte FreeDCam wiederholt wunderliche Fehler bis hin zu Abstürzen; Neuinstallation brachte nur kurzzeitig Besserung. Fazit: Momentan nur Techniktüftlern zu empfehlen.

Tipp:
Die kleineren DNG-Dateien aus FreeDCam lassen sich nicht mit allen sonst DNG-tauglichen Bildbearbeitern am Handy bearbeiten, etwa nicht mit dem beliebten SnapSeed. Lightroom CC, Photo Mate R3 und andere spezialisierte RAW-Apps eignen sich jedoch.

DNG-Experte: Die Gratis-App FreeDCam erzeugt am Handy deutlich kleinere DNG-Fotos als andere Android-Apps.


Fotos: Heico Neumeyer