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Was Deutschland bewegt


Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 28.01.2019

Eine exklusive Umfrage im Auftrag vonReader’s Digest zeigt, …


WER HAT AN DER UHR GEDREHT? Seit die Mauer im November 1989 fiel, sind fast 30 Jahre vergangen! Zeit für eine Bilanz. Was hat sich in den letzten drei Jahrzehnten in Gesellschaft und Politik verbessert, was verschlechtert, was ist gleich geblieben?Reader’s Digest hat nachgefragt. In einer exklusiven, repräsentativen Umfrage mit 1006 Teilnehmern, durchgeführt von Kantar Emnid, gaben Menschen in Deutschland Auskunft darüber, wie sie die Entwicklung in zwölf Bereichen einschätzen: von A wie Alterssicherung bis Z wie Zuwanderung. Hier die ...

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Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 2/2019

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WER HAT AN DER UHR GEDREHT? Seit die Mauer im November 1989 fiel, sind fast 30 Jahre vergangen! Zeit für eine Bilanz. Was hat sich in den letzten drei Jahrzehnten in Gesellschaft und Politik verbessert, was verschlechtert, was ist gleich geblieben?Reader’s Digest hat nachgefragt. In einer exklusiven, repräsentativen Umfrage mit 1006 Teilnehmern, durchgeführt von Kantar Emnid, gaben Menschen in Deutschland Auskunft darüber, wie sie die Entwicklung in zwölf Bereichen einschätzen: von A wie Alterssicherung bis Z wie Zuwanderung. Hier die überraschenden Ergebnisse.

VIELES IST HEUTE BESSER …

Als größten Erfolg verbucht die große Mehrheit der Bevölkerung die Entwicklung der Wirtschaft: 69 Prozent sehen eine positive Entwicklung, nur 7 Prozent eine negative, 15 Prozent keine Veränderung*. „Tatsächlich ist die Wirtschaftsleistung in den letzten knapp 30 Jahren um mehr als 40 Prozent gewachsen“, bestätigt Karl Brenke, Volkswirt und Referent am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Eine große Mehrheit freut sich auch über Errungenschaften im Umweltschutz: 59 Prozent der Befragten sind stolz auf den ökologischen Fortschritt im geeinten Deutschland. Ebenfalls verbessert hat sich in den Augen der meisten die medizinische Versorgung und die Kinderbetreuung.

„Das entspricht in weiten Teilen Deutschlands der Realität“, erklärt Angelika Vetter, Professorin für Politische Systeme und Politische Soziologie an der Universität Stuttgart. „Da sind etwa der umweltgerechte Umbau von Industrien und die Säuberung von Gewässern. Familien profitieren von Meilensteinen wie dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, den es seit 2013 gibt, der Einführung von Elterngeld und Investitionen in Ganztagsschulen.“

Geteilter Meinung dagegen sind die Menschen in Deutschland, was die Sicherheit des Landes vor militärischen Bedrohungen von außen und die Objektivität der Medien betrifft. Verbessert, verschlechtert, gleich geblieben: jeder dieser Antworten stimmt etwa ein Drittel der Befragten zu. Bei der Qualität der Schulbildung und der Sicherheit der Arbeitsplätze sieht eine knappe Mehrheit eine negative Entwicklung.

… MANCHES ABER SCHLECHTER GEWORDEN

Längst nicht alles ist gut gelaufen nach dem Fall der Mauer. Zwei von drei Befragten beklagen die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, jeder Zweite meint, die finanzielle Absicherung im Alter und der Schutz vor Kriminalität haben sich verschlechtert.

41 Prozent bewerten die Regelung des Zuzugs von Migranten negativ. „Das sagt viel über die Stimmung im Land aus“, meint Wirtschaftsexperte Brenke. „Wir wissen aus der Forschung, dass Menschen bei Fragen nach der Vergangenheit selektiv zurückblicken. Sie bewerten vor allem das kritisch, was sie aktuell am meisten besorgt.“

Manche Sorge gründet in der Realität: die Kosten fürs Wohnen, egal ob in Eigentum oder Miete, sind rapide gestiegen, das Rentenniveau ist gesunken, die Lebensarbeitszeit wurde verlängert. Die Zuwanderungswelle erreichte erst 2015 ihren Höhepunkt. Andere Ängste hingegen sind weniger nachvollziehbar.

* verbleibende Prozentpunkte entfallen auf „weiß nicht“ / keine Angabe

„Aktuell stehen wir mit dem niedrigsten statistischen Kriminalitätswert eigentlich gut da. Aber wir können beobachten, dass Kriminalität und Kriminalitätsfurcht nur sehr bedingt miteinander zu tun haben. Vielmehr strahlen allgemeine wirtschaftliche oder gesellschaftliche Unsicherheiten auf das Sicherheitsgefühl aus“, erklärte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts auf der Herbsttagung des Amts 2018.

„Studien zeigen, dass ältere Menschen vergleichsweise häufiger Angst davor haben, Opfer einer Straftat zu werden“, sagte Münch. „In einer alternden Gesellschaft wie der unseren steigt schon allein deshalb die gefühlte Unsicherheit an.“ Diesen Effekt zeigen auch unsere Umfrage Ergebnisse.

EIN LAND, GETEILTE SORGEN

Als nach monatelangen Verhandlungen am 3. Oktober 1990 die deutsche Wiedervereinigung gefeiert wurde, war es das erklärte Ziel der Politik, dass zusammenwächst, was getrennt war. Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen jedoch: Die Menschen in Ost und West schätzen die Lage in Deutschland in vielen Bereichen ganz unterschiedlich ein. „Sowohl die Lebensrealität als auch die historische Erfahrung unterscheiden sich noch oft“, erläutert Professorin Vetter. Wohnen etwa ist ein echtes West Problem, die Angst vor Kriminalität dagegen im Osten höher, auch die Renten werden unterschiedlich bewertet.

FOTO: © TOBIAS SCHWARZ/AFP/GETTY IMAGES

Die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt erfüllt 71 Prozent der Befragten im Westen mit Sorge, nur 11 Prozent sehen hier eine Verbesserung. Das sehen die Menschen im Osten anders: Zwar meinen 42 Prozent, das Angebot an Wohnungen habe sich verschlechtert, aber 34 Prozent sehen eine Verbesserung. „Im Westen wird es in der Tat eng, bezahlbaren Wohnraum zu bekommen, ist vor allem in Ballungszentren ein riesiges Problem“, erklärt Experte Brenke. Im Osten dagegen sei Platz: „Die Bevölkerungs zahl ging zurück, manche Städte haben mit Leerstand zu kämpfen.“

Ob das Geld im Alter reichen wird, beunruhigt im Westen 55 Prozent der Menschen, nur 24 Prozent sehen eine positive Entwicklung. Im Ostteil schätzen 35 Prozent die Entwicklung negativ, jedoch ebenso viele positiv ein.

„Im Westen entspricht das Gefühl, dass die Rente spärlicher ausfällt, der Realität: das Rentenniveau sinkt, das Renteneintrittsalter steigt“, erläutert Brenke. „In der DDR gab es nur eine niedrige Rente, sodass sie heute im Vergleich komfortabler ausfällt.“

Beim Thema Kinderbetreuung hingegen heißt es: Daumen hoch im Westen, Daumen herab im Osten. „Das ist plausibel, denn im Westen gab es einen Sprung nach vorn im Angebot, im Osten dagegen einen Rückschritt nach der staatlichen Vollversorgung“, kommentiert Professorin Vetter.

Besonders kritisch aber bewerten die Befragten im Osten zwei Bereiche: 70 Prozent fühlen sich weniger sicher vor Kriminalität, im Westen sind es nur 42 Prozent. Gut 50 Prozent im Osten kritisieren den Umgang mit dem Zuzug von Migranten und unsichere Arbeitsplätze, im Westen teilen rund 14 Prozent weniger diese Sorgen. „In der DDR gab es praktisch keine offene Kriminalität. Es herrschte Vollbeschäftigung. Die neue Lage verunsichert viele“, sagt Experte Brenke. „Die Menschen in den westlichen Bundesländern sind an diese Probleme quasi gewöhnt. Sie sehen sie deshalb etwas weniger dramatisch.“

Auch integrierte Migranten gab es in der DDR nicht. Sogenannte Vertragsarbeiter aus Ländern wie Vietnam blieben abseits des Arbeitsplatzes weitgehend unter sich.

„Studien zeigen, dass Migranten umso negativer beurteilt werden, je weniger Kontakt Menschen im Alltag mit ihnen haben“, sagt Vetter. Je mehr Berührungspunkte es gibt, desto normaler werde das Zusammenleben: „Das trifft eher im ehemaligen Westdeutschland zu, wo schon lange Gastarbeiter und europäische Nachbarn die Gesellschaft prägen.“


BEFRAGTE, DIE ZUR AFD NEIGEN, GLAUBEN, IN DEN LETZTEN 30 JAHREN SEI FAST ALLES SCHLECHTER GEWORDEN


PARALLELWELT AM RECHTEN RAND

Betrachtet man die Ergebnisse unserer Umfrage nach Parteineigung der Befragten, reibt man sich die Augen. Wohnen alle Menschen im selben Land? Die Anhänger der lang etablierten Parteien bewerten die Lage der Nation grob gesehen ähnlich. „Auffallend ist aber, wie viel pessimistischer AfDAnhänger alle Themen bis auf die Wirtschaft beurteilen“, stellt Politikwissenschaftlerin Vetter fest.

Neun von zehn Befragten, die zu dieser Partei neigen, sehen in den Bereichen Migration und Kriminalität eine Verschlechterung, sieben von zehn bei der Sicherheit der Arbeitsplätze, acht von zehn bei der finanziellen Absicherung im Alter. „Eine mögliche Erklärung ist, dass die Menschen selbst eigene negative Erfahrungen gemacht oder im persönlichen Umfeld miterlebt haben. Eine andere, die Verklärung einer Zeit, in der diese Themen keine Rolle spielten“, so Vetter. Dies befördere Zukunftsängste – und damit den Wunsch nach einem starken Staat.

HAUSAUFGABEN FÜR BERLIN

„Was soll die Politik 2019 vorrangig verbessern?“ Das war unsere zweite Frage. Zur Erinnerung: Eine Mehrheit der Bürger meint, beim Wohnen, Alterssicherung, Kriminalität und Migration habe sich die Lage seit der Wiedervereinigung verschlechtert. Auf den Nägeln brennen aber – mit Ausnahme der Alterssicherung – an dere Themen! Vorrangig kümmern sollen sich die Politiker zwar um die finanzielle Absicherung der Bürger im Alter, dann aber folgen die Verbesserung der Schulbildung, die medizinische Versorgung und mehr Umweltschutz.

„Vielleicht werden Rente und Schulbildung hier sogar zusammen gesehen, und die Menschen ziehen im hochindustrialisierten Deutschland den Schluss, dass sowohl Rente als auch Wirtschaft davon abhängen, wie gut die nächste Generation qualifiziert ist“, sagt Experte Brenke vom DIW. Auch Unbehagen über den Lehrermangel in einigen Bundesländern oder der hohe Anteil von Schülern ohne Abschluss können eine Rolle spielen bei dieser Einschätzung.

Der Umweltschutz dagegen sei ein Dauerbrenner, der in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist: Zwar hat sich seit der Wiedervereinigung hier viel verbessert, meinen die Menschen in Deutschland. Aber es gibt auch noch viel zu tun. „Wahrscheinlich sind nicht wenige der Ansicht, dass der Schutz der Natur in einem so dicht besiedelten Land wie dem unseren zugleich den Schutz der eigenen Gesundheit bedeutet“, erklärt Brenke.

Das Fazit für 2019 lautet: Berlin, die Bürger haben gesprochen. Jetzt bitte ran an die Arbeit!


BEIM SCHUTZ DER UMWELT HAT SICH VIEL VERBESSERT, SAGT DIE MEHRHEIT. UND FORDERT NOCH MEHR EINSATZ


Zweifellos vermag die Politik Großartiges zu schaffen, aber nur das Herz vollbringt Wunder.GEORGE SAND , franz. Schriftst. (1804-1876)

Wer seine Sprache nicht achtet und liebt, kann auch sein Volk nicht achten und lieben. Wer seine Sprache nicht versteht, versteht auch sein Volk nicht, denn in den Tiefen der Sprache liegt alles innere Verständnis und alle Eigentümlichkeit des Volkes verhüllt.ERNST MORITZ ARNDT , dt. Publizist (1769-1860)

Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.MAX WEBER , dt. Soziologe (1864-1920)


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